Bewertung von grubmard zu St. Marien-Kirche Anklam

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Bewertung zu St. Marien-Kirche Anklam

grubmard
Saisonale Öffnungszeiten:
Mai bis Oktober von Montag bis Sonnabend zwischen 10:00 Uhr bis 16.00 Uhr.
Und zu Gottesdiensten
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Seit Jahrhunderten bestimmen die beiden mächtigen Stadtkirchen St. Marien und die jüngere St. Nikolai die Silhouette der im 12. Jahrhundert gegründeten und 1243 erstmals urkundlich erwähnten vorpommerschen Hansestadt Anklam (ca. 150 km nördlich von Berlin bzw. östlich von Schwerin / Beitritt zur Hanse 1283).

Während die kriegszerstörte St. Nikolai-Kirche nach 1945 als Gotteshaus entwidmet wurde und seit 2007 als Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum wiederaufgebaut wird, blieb St. Marien Anklams evangelische Hauptkirche.

Vermutlich wurde mit dem Bau der damals noch katholischen und der Gottesmutter gewidmeten St. Marien-Kirche um 1250 als romanische Doppelturmkirche begonnen. Die erste urkundliche Erwähnung der aus Backsteinen errichteten Kirche erfolgte 1296.
Allerdings wurde nur der südliche Turm fertiggestellt. Das Bauvorhaben des zweiten Turms gab man bereits im Mittelalter auf.
Ab 1300 wurde die romanische Kirche im Stil der damals aufkommenden Gotik zu einer dreischiffigen Backstein-Hallenkirche überbaut und erweitert. Romanische Mauern findet man in der Kirche aber bis heute.

In ihrer Größe und prachtvollen Ausstattung zeigte sich die Bedeutung Anklams als Hansestadt und die Wohlhabenheit ihrer Patrizier und Kaufleute.
Am Ende des 15. Jahrhunderts waren die Bauarbeiten abgeschlossen.
Nur wenige Jahrzehnte später wurde im Zuge der Reformation aus der katholischen eine evangelische Stadtkirche, die Widmung als Marienkirche blieb.

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Kirche, vor allem der Turm, immer wieder durch kriegerische Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen beschädigt.
Mehrfach wurde das Aussehen des Turm verändert.
1816 brannte der Spitzhelm ab und wurde durch ein Pyramidendach ersetzt.
1884 brannte der Turm nach einem Blitzschlag erneut aus. Bis 1888 baute man die 4 Turmgiebel neu auf und verpasste dem Turm einen neogotischen Spitzhelm. Der Turm erreichte mit 100m seine größte Höhe.

Bei dem schweren Luftangriff der US-Air-Force vom 9.10.1943 auf Anklam erlitt die Altstadt schwere Schäden. Auch St. Marien und St. Nikolai wurden getroffen. Der Turm von St. Marien wurde bis auf eine Giebelwand zerstört.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Turm verkürzt wieder aufgebaut. Heute ist der Turm ähnlich wie 1816 mit einem zweigiebeligem Pyramidendach abgeschlossen und ist 64m hoch.
Das Kirchenschiff von St. Marien bleib anders als St. Nikolai von weiteren Kriegsschäden weitgehend verschont.

Die Innenausstattung hatten die Nazibehörden zu Beginn des 2. Weltkriegs zum Schutz vor Luftangriffen ins nahe Schloss Schwerinsburg ausgelagert. Bei den Kämpfen der Roten Armee gegen deutsche Truppen Ende April 1945 brannte das Schloss vollständig aus. Die meisten nach Schwerinsburg ausgelagerten Kunstschätze gingen verloren, darunter auch mit Ausnahme einer Marienstatue der hölzerne Hauptaltar von St. Marien aus dem 15. Jahrhundert.

Die heutige Ausstattung der Marienkirche besteht aus Kunstwerken, die entweder nicht ausgelagert wurden oder die Kriegshandlungen überdauert haben. Einige Gegenstände stammen aus der kriegszerstörten St. Nikolai-Kirche Anklam bzw. aus der Jakobi-Kirche in Stettin (heute Szczecin in Polen).
Weiterhin sehenswert sind das Chorgestühl aus dem 15. und Tafelmalereien aus dem 16. Jahrhundert.
Der Taufstein aus gotländischem Kalkstein von 1330 ist der älteste sakrale Gegenstand der Kirche und diente im 19. Jahrhundert bis zur Wiederaufstellung 1930 als Blumenkübel vor der Kirche.


Zur Ausstattung gehört auch die große Schuke-Orgel von 1962 sowie ein Geläut von 2014 mit der Apostelglocke von 1450. Die alte Orgel und die meisten alten Glocken wurden zur Materialgewinnung von den Nazis im 2. Weltkrieg eingeschmolzen.

Der heutige Hauptaltar wurde 1947 aus verschiedenen Elementen vom Anfang des 15. Jahrhunderts geschaffen. Der Altaraufsatz stammt aus der benachbarten Nikolaikirche.
Daneben gibt es noch den „Sippenaltar“ aus dem Jahr 1500 mit Motiven der Weihnachtsgeschichte.

Beachtenswert sind auch die 6 Seitenkapellen im Kirchenschiff. Die hölzernen, an große Wandschränke erinnernden, zum Teil aufwendig verzierten Einbauten an der Südseite wurden ab Ende des 15. Jahrhunderts errichtet und dienten der Aufstellung kleinerer Altäre. Diese Seitenkapellen wurden von Zünften, Kaufmannsverbindungen und wohlhabenden Stadtbürgern zunächst für private Andachten genutzt.
Mit der Reformation wurden die Altäre entfernt und die reichen Familien Anklams nutzten die Seitenkapellen als Familienlogen und Familiengrabstätten.
Die heutigen Seitenkapellen stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Zu den prachtvollsten Kapellen gehören wohl die der Familien Hassert (um 1750) und Stavenhagen.

Weiterhin findet man in der Kirche noch 2 Gedenktafeln für die Gefallenen der Befreiungskriege von 1813-1815, des Deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 und des 1. Weltkriegs und einige alte Epitaphe und mittelalterliche Grabplatten.

Außergewöhnlich sind in St. Marien die erhaltenen großflächigen mittelalterlichen Fresken, die um 1350 geschaffen wurden. Als sich der Zeitgeschmack nach der Reformation änderte, verschwanden die Malereien für Jahrhunderte unter Schichten von Putz und Farbe. Erst bei Restaurierungsarbeiten in den Jahren 1936/37 entdeckte man die Fresken wieder und legte sie frei. Anders als in anderen norddeutschen Kirchen hat sich in St. Marien der gemalte farbige Schmuck mit floralen und geometrischen Mustern fast vollständig erhalten und vermittelt einen Eindruck vom Aussehen mittelalterlicher Kirchen.

Trotz fehlender materieller und finanzieller Mittel konnte die fragile Kunst auch in den 40 Jahren DDR erhalten werden. Nach 1990 wurde St. Marien in Anklam als „Bauwerk von nationaler Bedeutung“ anerkannt und steht natürlich unter Denkmalsschutz.

Heute ist die Marienkirche Anklam eine „offene Kirche“. Ehrenamtliche Helfer bzw. Minijobber ermöglichen während den Öffnungszeiten Besuchern den Zugang zur Kirche.
Der Zugang ist eingeschränkt barrierefrei.

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Exempel Eine schöne Führung durch die Geschichte der Marienkirche. Anklam ist größtenteils Protestantisch. Auch zu DDR Zeiten. Der Taufstein, ein Problem vieler Ostdeutscher Kirchen. Aber inzwischen sicher nicht mehr so "benutzt".
Exempel Wo hast Du das her? Die Ecke war sowieso kaum katholisch.
Und zu den schnellen Kirchgang Daumen besten Glückwunsch.
Schroeder 1393 wurden die Anklamer Juden verbrannt, 1535 die Anklamer Katholiken vertrieben oder konvertierten zum lutherischen Protestantismus.
Heute liegt die Anteil der Christen bei 10 Prozent in Anklam, aller Varinaten.
grubmard Exempel hat schon recht: seit der Reformation ist das eine protestantische Gegend, auch wenn 40 Jahre atheistische sozialistische DDR ihre Spuren in den Kirchengemeinden hinterlassen haben!
Exempel @Schroeder - wen Du meinst! Stammt das von Google?
Was denkst Du, wieviel dort trotz DDR getauft, konfirmiert sind - auch kirchlich geheiratet haben. Dazu gehören alle Generationen seit meinen Großeltern und nach mir!
Puppenmama Danke für Deinen tollen und informativen Bericht und die vielen schönen Fotos.
Herzlichen Glückwunsch zum verdienten grünen Daumen.