Bewertung von grubmard zu Berliner Dom - Hohenzollerngruft

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Bewertung zu Berliner Dom - Hohenzollerngruft

grubmard
Achtung: Nur beim kostenpflichtigen Besuch des Doms zu besichtigen. Während der Gottesdienste und bei Veranstaltungen ist eine Besichtigung nicht möglich.

Fotografieren ohne Blitzlicht ist erlaubt.
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Die Gruft im Berliner Dom dient(e) ausschließlich als Grablege der Hohenzollern, jener schwäbischen Adelsfamilie, die über Jahrhunderte die Kurfürsten von Brandenburg, Könige von Preußen und Deutschen Kaiser stellte. Die ersten Kurfürsten des Hauses wurden in der Klosterkirche Heilsbronn (Franken) beigesetzt. Johann Cicero (+1499) wurde als erster in Brandenburg, im Kloster Lehnin bestattet.

Kurfürst Joachim II. ließ 1536 die Dominikanerkirche südlich des Schlosses zum Berliner Dom mit einer Fürstengruft umbauen und seinen Vorgänger Johann Cicero nach Berlin überführen. Die Baufälligkeit der Dominikanerkirche machte im 18. Jahrhundert einen Neubau notwendig. König Friedrich II. ließ nördlich des Schlosses am heutigen Standort einen Domneubau errichten. In die neue Domgruft wurden die Särge und Sarkophage aus der Fürstengruft der Dominikanerkirche überführt.

Mitte des 19.Jahrhunderts plante König Wilhelm IV. einen erneuten Neubau von Dom und Hohenzollerngrablege, zu dem es wegen den Revolutionswirren von 1848 und aus Geldnot aber nicht kam. Erst nach der Reichsgründung von 1871 nahmen die Neubaupläne konkrete Gestalt an. Kaiser und König Wilhelm II. ließ 1894 den alten Dom abreißen und den Berliner Dom in heutiger Gestalt mit der Hohenzollerngruft bis 1905 errichten.

In der neuen Gruft fanden bis 1916 knapp 100 Mitglieder des Herrscherhauses ihre letzte Ruhe. Die Prunksarkophage des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm und seiner Gemahlin Dorothea, des ersten preußischen Königs Friedrich I. und seiner Frau Sophie Charlotte sowie das Tischgrab des Kurfürsten Johann Cicero wurden in der als hohenzollernschen Ehrenhalle gedachten Denkmalskirche aufgestellt.

Die Totenruhe währte bis zum alliierten Luftangriff vom 25.5.1944 auf Berlin. Die von einer Brandbombe getroffene Hauptkuppel des Doms stürzte durch das Feuer ein und durchschlug die Gewölbedecke der Gruft. Zahlreiche Särge wurden beschädigt oder zerstört. Dazu zählte auch der Sarkophag von König Friedrich Wilhelm II..
Nach dem Krieg wurde der Dom nur notgesichert. Die Gruft blieb unzugänglich. Erst mit dem Wiederaufbau des Doms wurden Aufräum-, Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten in der Gruft durchgeführt. Während dieser Arbeiten wurden auch die Gebeine von König Friedrich Wilhelm II. im Trümmerschutt gesucht. Man fand wenige Teile des einbalsamierten Körpers, darunter den Kopf und die Füße sowie Gewebe- und Skelettreste, die man dem toten König zuordnete. Als Zeugnis der Kriegszerstörung wurde der stark beschädigte Metallsarkophag nicht rekonstruiert. Die Überreste des Königs wurden in einem nachgebauten Holzsarg bestattet, der in die preußische Flagge eingehüllt und mit der beschädigten Deckplatte des Metallsarkophags bedeckt ist.

Als Zugeständnis für ihre Zustimmung zum Wiederaufbau des Doms verlangte die DDR-Führung den Abriß der hohenzollernschen Denkmalskirche. Die dort aufgestellten, heute leeren barocken Prunksarkophage wurden in der wiederhergestellten Predigtkirche des Doms aufgestellt. Die Holzsärge mit den sterblichen Überresten wurden aus den Sarkophagen entnommen und in neuen großen Steinsarkophagen in der Gruft beigesetzt. Auch das Grabmal für Kaiser und König Friedrich III. (+1888) sowie das Tischgrab von Kurfürst Johann Cicero wurden von der Denkmalskirche in die Predigtkirche umgesetzt.

1999 waren Instandsetzung und Restaurierung der Domgruft und der meisten Särge soweit abgeschlossen, daß die Hohenzollerngruft im Rahmen der Dombesichtigung wieder öffentlich zugänglich gemacht wurde.

Heute ist die Hohenzollerngruft mit 94 Särgen/Sarkophagen eine der größten erhaltenen europäischen Familiengrüfte. Man findet hier Beispiele der herrschaftlichen Bestattungskultur von der Spätgotik bis zum Beginn des 20. Jahrhundert. Viele Särge sind restauriert, einige, besonders die aus Holz und schwer kriegbeschädigte Särge/Sarkophage mußten rekonstruiert werden.

Allerdings haben mit Friedrich I. und Friedrich Wilhelm II. nur 2 preußische Könige ihre letzte Ruhestätte in der Domgruft gefunden.

Friedrich II. ruht auf den Terrassen von Sanssouci, Friedrich Wilhelm III., Friedrich Wilhelm IV. sowie König und Kaiser Wilhelm I. sind im Mausoleum des Schlossparks Charlottenburg beigesetzt. König Friedrich Wilhelm I. sowie König und Kaiser Friedrich III. ruhen im Kaiser-Friedrich-Mausoleum der Potsdamer Friedenskirche. Der letzte regierende preußische Monarch aus dem Haus Hohenzollern, Kaiser und König Wilhelm II., wartet im Mausoleum seines Exils im niederländischen Doorn auf die Wiedereinführung der Monarchie. Erst dann, so hat er verfügt, soll er nach Deutschland überführt werden. Aber das wird noch ein bisschen dauern!
Seine Ehefrauen, die letzte Deutsche Kaiserin und gekrönte Königin v. Preußen Auguste Victoria und die Titularkaiserin und –königin Hermine v. Reuß ältere Linie, wurden im Antikentempel des Schlosspark Potsdam-Sanssouci beigesetzt.

Die Gruft befindet sich im Dom-Untergeschoß, aber 25 cm über der Ende des 19. Jahrhunderts bekannten Spree-Hochwassermarke, war die Gruft des Vorgängerbaus doch 2x vom Hochwasser überflutet worden.
Die Decke der großflächigen Gruft wird von 78 Sandsteinsäulen getragen. Der Raumschmuck beschränkt sich auf wenige Bildhauerarbeiten.

Die Särge und Sarkophage aus Bronze, Zinn, Holz, Granit und Marmor sind z.T. mit kostbaren Stoffen bespannt. Durch die Gruft führen abgesicherte Wege, so daß man nicht direkt an die Särge herankommt. Fast alle Särge sind am Absperrgitter mit Namen und Lebensdaten beschrieben.

Das älteste Grabmal des Doms, aufgestellt in der Predigtkirche, ist das des Kurfürsten Johann Cicero (1455-1499). Der älteste Sarg in der Gruft ist der von Prinzessin Elisabeth Magdalene v. Brandenburg (1537-1595). Auch der jüngste Sarg gehört zu einer Prinzessin: Die am 4.9.1915 totgeborene, namenlose Tochter von Prinz Adalbert v. Preußen und seiner Frau Adelheid v. Sachsen-Meiningen wurde als letztes Mitglied der Familie v. Hohenzollern in der Gruft in einem kleinen Nebenraum beigesetzt.

Neben den Särgen der brandenburgischen Kurfürsten, ihren Frauen, Kindern und angeheirateten Mitgliedern anderer Adelshäuser fällt die große Zahl von Baby- und Kindersärgen auf. Ein Indiz dafür, daß die hohe Kindersterblichkeit vergangener Jahrhunderte auch vor regierenden Herrscherfamilien nicht Halt machte.

Die Namen aller in der Gruft Bestatteter will ich hier nicht nennen. Das kann man in Büchern oder im Internet nachlesen. Nur einige will ich nennen: die Kurfürsten Johann Georg, Joachim Friedrich und Johann Sigismund, Königin Elisabeth Christine v. Braunschweig-Bevern (1715–1797, ungeliebte Ehefrau von Friedrich II.), der 1806 bei Saalfeld gefallene Prinz Louis Ferdinand ...

Da die Grablege der 1788 erloschenen Nebenlinie der Markgrafen von Brandenburg-Schwedt in Schwedt 1962 aufgehoben wurde, hat man zu diesem Zeitpunkt die noch existierenden Särge dieser Nebenlinie in die Hohenzollerngruft überführt, was die relativ hohe Zahl von Bestatteten dieses Namens erklärt.

In einem gesonderten Gruftbereich sind die neuen massiven Steinsarkophage des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620-1688) und seine 2. Ehefrau Dorothea Sophie v. Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1636-1689) sowie der Prunksarg seiner 1. Frau Luise Henriette v. Oranien (1627-1667) aufgestellt.

Auch im eigenen Raum stehen die ebenfalls neuen Steinsarkophage mit den sterblichen Überresten des ersten Königs in Preußen, Friedrich I. (1657-1713) und seiner 2. Ehefrau Sophie Charlotte v. Hannover (1668-1705) sowie der Prunksarg seiner 1. Ehefrau Elisabeth Henriette v. Hessen-Kassel (1661-1683).

Fazit: Gibt es einen Ort, an dem man einst real existierenden Menschen so nah sein kann wie in einer Gruft, oft nur durch wenige cm Holz, Metall oder Stein getrennt? Wohl kaum. Ein solcher Ort ist die Berliner Hohenzollerngruft.
Historisch, künstlerisch und kunsthistorisch sehr bedeutend, ist ein Besuch zu empfehlen.

bestätigt durch Community

Ausgezeichnete Bewertung

eknarf49 Meine Großmutter war glühende Verehrerin der Hohenzollern und hätte bestimmt viel darum gegeben, die GRuft besuchen zu dürfen.
Danke für den sehr ausführlichen Bericht.
Ausgeblendete 69 Kommentare anzeigen
grubmard Die Gruft war über Jahrhunderte der Familie Hohenzollern vorbehalten. Nur sie hatte das Besuchsrecht. Erst seit 1999 mit abgeschlossener Restaurierung ist die Gruft öffentlich zugänglich.
grubmard Anmerkung zu den Fotos: Da ich mich strikt an das Blitzlichtverbot gehalten habe, sind alle Aufnahmen kunstlichtstichig und mit z.T. sehr langer Belichtungszeit gemacht worden.
grubmard Doch ... die zittrige Hand des Fotografen. Bei Belichtungszeiten bis zu 3 Sekunden mußte ich mir immer was suchen, wo ich die Kamera drauflegen oder anlegen konnte. Und trotzdem ist etliches nichts geworden.
Schroeder :-D
Bei uns hieße die Adresse für den Fotographen dann Zwiefalten...ich kenne das Berliner Äquivalent leider nicht...
Sir Thomas zum bereits hinreichend ausgelatschten Thema 'Schwaben in Berlin' nur noch so viel: die hier tun wenigstens nix. Und gottlob bleibt die Gruft auch von den beknackten Liebesschlößern verschont, welche unsere Hohenzollernbrücke verunzieren. Danke für diese hochinteressante, bildende und mit Recht frischbegrünte Ausarbeitung, lieber grubmard.
Schroeder Lieber Sir, wir könnten noch das auch hinreichend ausgelatschte Thema: "ß" hinten anhängen.... ;-)
Sir Thomas gerne doch, lieber Schroeder - denn so richtig durchdiskutiert ist das von meinem Platz aus gesehen noch nicht :-p
Schroeder Wir benötigen dazu nur noch unsere hochgeschätzte Süd-Mittel-Nord-Oberfränkin als Schiedsrichterin.... :-D
grubmard @Schroeder: Mit dem Klosterbruder als Stütze reichen dann auch die Pfeiler nicht mehr ....

@opavati: Nein, man kann die Kamera nicht auf die "Kisten" stellen. Über die Würde des Kistenlagers wachen die Gruftwächer ...
grubmard Ihr habt nicht gut aufgepaßt. Seit dem 18. Jahrhundert fehlen ein paar Sarkophage samt kurfürstlicher Knochen ...
grubmard Hinweis am Eingang zur Gruft:

"Dies ist eine Begräbnisstätte, Wir bitten, die Würde des Ortes zu wahren"
ubier Hohenzollerngräber in Berlin. Die wollten nur die Überführungskosten zu den anderen Schwaben sparen...
Blattlaus In der Gruft unserer Schloßkirche gibt es auch Hohenzollerngräber.
Die Besichtigung ist leider nicht erlaubt. Bei einem Kindersarg soll es sich um den des bekannten Kaspar Hauser handeln.
Bestätigen kann es keiner genau.
Der Beitrag von Nike
wurde vom Verfasser der Bewertung bzw. des Forenbeitrags ausgeblendet.
La Segreta Herzlichen Glückwunsch zum grünen Daumen und vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht!
Sedina Mit Deinem Fazit hast Du sicher Recht, und trotzdem, der Besuch der Gruft hat mich nicht emotional berührt. Die Empfindungen, die man in solchen Räumlichkeiten hat, sind wohl auch sehr individuell.

Dein Bericht ist wirklich lesenswert - Glückwunsch zum Grünen Daumen!
Puppenmama Dake für diesen tollen Bericht.
Herzlichen Glückwunsch zum verdienten Gruft-Daumen.
Und Schoeder und grubmard: Hier wird sich nicht gezankt.
Seid lieb zu einander, sonst bin ich traurig.
Sedina Ja das ist wieder ein typischer Schroeder,
und dabei wollte er doch nur nett und ganz allgemein necken.
Die eindeutige Folge ist, dass Halle für ihn zum Pflichtprogramm wird, denn beim Bier an einem blank gehobelten Tisch sind doch alle Missverständnisse schnell überwunden :-)))
eknarf49 @Puppenmama - grubmard weiß genau, dass Schroeder ihn nur mit seiner Geschichtsbegeisterung ärgert. Sei also nicht zu traurig. ;-)
Blattlaus Wenn ich einen Dom besichtige, der eine Gruft hat, will ich mir die auch anschauen.
Nirgendwo ist man sonst den gekrönten Häuptern, die man aus dem Geschichtsbuch kennt, so nah.
Am eindrucksvollsten ist für mich immer die Gruft im Speyrer Dom.
Die Gruft im Wiener Stefansdom hat mich auch fasziniert, obwohl dort mehr die Gebeine der Pesttoten liegen.
Das ist für mich Kultur, sonst nichts.
Wenn es wegen der Leichen wäre, die sehe ich in der Realität leider mehr als mir lieb ist.


Blattlaus Ja Robert, den hast du mir gezeigt, Wollte ihn beim nächsten Bremenbesuch auch meinem Sohn zeigen, an dem Tag war aber leider geschlossen.
Blattlaus Die Saale-Unstrut Weine gibts im dortigen Edeka, werde ich am Freitag ein paar Flaschen mit nach Hause nehmen.
Jetzt sind wir aber ganz schön vom Thema abgekommen.
Sedina Ich wiederhole mich mal, um das Thema auf den Ausgangspunkt zurückzubringen:

Dein Bericht über die Hohenzollerngruft ist wirklich lesenswert, lieber grubmard!
Schroeder Kuckuck, grubmard.... Ich gehe schon in Sack und Asche...
Ich werde auch nie wieder in Grüfte hinabsteigen, auch wenn sie 70 Zentimeter über der Spree liegen....
eknarf49 @grubmard - Ich glaube, dass jeder von uns so eine ganz persönliche Grenze hat, an der er/sie völlig verletzlich ist. Andere können das leider nicht wissen oder einschätzen.
(Nicht nur blattlaus hat dich verstanden.)
grubmard Mag sein, aber wenn Jemand mehr als einen in der 3. Klasse abgebrochenen Schulbesuch aufzuweisen hat und sich auch ansonsten seiner spitzen und scharfen Zunge wohl bewußt ist, sollte man erwarten können, daß die Grenzen von gutem und schlechtem Geschmack bekannt sind!
opavati® Er will nur spielen, er beißt nicht. Lass dich bloß nicht ärgern, lieber Nachbar. Glückwunsch zur Auszeichnung.
Ein golocal Nutzer So nun komm ich noch. Herzlichen Glückwunsch zum GD. Toller Bericht mit sehr vielen für mich neuen Informationen.
grubmard @opavati: Nein, hier wird unter Freunden nicht gehauen. Vielleicht lassen wir den Delinquenten zur Strafe eine Pulle "Klosterbruder" auf ex trinken!!
Sedina So eine Flasche lutherischen Klosterbruders ist vielleicht die angenehmste Art, einen Südländer zum Konvertiten zu machen ;-)))
Kulturbeauftragte Oh ha, da ist der Kommentarstrang länger als so manche Bewertung ;-)

Glückwunsch (nachträglich) zu Gruft-Daumen!

Eine Frage stellt sich mir doch: kann es sein, dass Mitte der 90-er Jahre für einige Zeit die unterirdischen Bereiche zugänglich gewesen sind?! Bin mir ziemlich sicher, dass ich VOR 99 dort gewesen war! Falls mich nicht alles täuscht!
Kulturbeauftragte @blattlaus bei uns gibt es auch eine Fürstengruft (vergleichsweise klein), doch die ist nur zu bestimmten Uhrzeiten zugängig in Verbindung mit einer Führung. Diese ist in der Andreaskirche zu finden.

Die älteren Monumente im Lambetes mag ich aber lieber, auch wenn sie für alle zugängig sind
spreesurfer Da war ich auch schon. Die Gruft soll wohl bald für zwei Jahre wegen Renovierung schließen.