Bewertung von eknarf49 zu Yoko Ono: Add Color (Refugee Boat)

5

Bewertung zu Yoko Ono: Add Color (Refugee Boat)

eknarf49
»Anlass und Vorgeschichte«

Ein wichtiger Teil der TU Dortmund ist das relativ kleine 'Erich Brost Institut für Internationalen Journalismus', das die diesjährige Tagung der 'European Journalism Training Association' mit dem Thema 'Berichterstattung über Migration und Flucht' ausrichtet. Die teilnehmenden Journalistinnen und Journalisten stammen aus ganz Europa und Afrika. Einer Initiatorin fiel dabei die aus dem Jahr 1960 stammende Aktion Yoko Onos 'Refugee Boat' (Flüchtlingsboot) ein.

Man nahm also mit der Künstlerin Kontakt auf, und sie war unter bestimmten Bedingungen bereit, ihren Namen in den Dienst der Sache (Journalistenausbildung) zu stellen und gleichzeitig auch das Interesse am Thema 'Flucht und Migration' zu fördern.

Das Boot musste eine gewisse Größe haben, die in einem ausgewogenen Verhältnis zum Raum stehen muss - das eine darf das andere nicht erdrücken. Der Raum muss rein weiß gestaltet sein, und die Besucher dürfen als Mitakteure nur mit blauer Farbe arbeiten.

»Die Ausstellung«

Da Yoko Ono selbst terminlich verhindert war, schickte sie einen gut instruierten Bevollmächtigten, der tatkräftig bei den Vorbereitungen half, wie mir eine der Initiatorinnen erzählte. Als Raum bot sich der Container vor dem Dortmunder U an, der durch die vielen Fensterflächen hell genug war. Die Wände wurden weiß tapeziert und Überwachungskameras installiert. Das passende Boot wurde von einem Dortmunder Ruderverein gekauft. den Besuchern ist es erlaubt, alles mit frei zur Verfügung gestellten Pinseln und blauer Farbe zu bemalen und zu kommentieren.

Da auch der Fußboden als Malgrund zur Verfügung steht, kann man sich (ebenfalls blaue) Überschuhe anziehen, um die eigenen Schuhsohlen nicht zu beschmutzen.

Die künstlerischen Ergebnisse sind, wie man sich vorstellen kann, sehr unterschiedlich. Neben mehr oder weniger gelungenen Zeichnungen finden sich Zitate aus Literatur und Wissenschaft, aber auch ganz persönliche Gedanken und auch unsäglicher Quatsch. Auf jeden Fall setzen sich die Besucher mit dem Thema auseinander.

Mir ist klar, dass so eine Aktion nicht allen gefällt, ich mag die Idee, allerdings bin ich auch an Aktionskunst und Happenings gewöhnt.

Die Aktion läuft noch bis zum 17.11.2019, und der Eintritt ist frei.

»Zur Künstlerin«

Yoko Ono wurde 1933 in Tokio geboren, 1952 emigrierte sie in die USA. Schon früh setzte sie sich für Feminismus, Frieden und Menschenrechte ein. Künstlerisch sieht man sie als Teil der Fluxus Bewegung. Neben ihren Aktionen ist sie aber auch als Musikerin und Komponistin tätig.

In den späten 60er Jahren wurde sie zu einer der verhasstesten Frauen der Welt, da Presse und Öffentlichkeit sich nicht mehr mit ihrer Kunst beschäftigte, sondern sie als Grund für die Trennung der Beatles sah, heiratete sie doch in dritter Ehe John Lennon.

Nach der Ermordung Lennons konzentrierte sie sich ganz auf den Erhalt seines künstlerischen Erbes und ihre eigenen sozialen und künstlerischen Aktionen.

Die Eröffnung der Aktion filmte Adolf Winkelmann, das Video läuft wöchentlich am Dortmunder U. (Ich werde selbstverständlich versuchen, es zu sehen.)

bestätigt durch Community

Ausgezeichnete Bewertung

Der Beitrag wurde zuletzt geändert


eknarf49 Die blaue Farbe (nur verschiedene Sättigungsgrade von Cyanblau) wurde gewählt, um das Wasser zu symbolisieren. Das umgekippte Boot, die entfernt liegenden Ruder und das am Boden liegende, zerknüllte Segel sprechen für sich.
Ausgeblendete 18 Kommentare anzeigen
Salbada Vielen Dank für Deinen Bericht, der mir viel Freude bereitet hat. Das Projekt und die dahinter stehende Idee finde ich sehr gut.
Der Name der Aktionskünstlerin ist in meinem Gehirn leider immer von ihrem hohen Interesse an der kommerziellen Verwertung der "Marke" ihres ermordeten Ehemannes John Lennon negativ überlagert. Vielleicht tue ich ihr dabei Unrecht ...
eknarf49 Ich glaube auch, dass sie auf dem Gebiet eine eiskalte Geschäftsfrau ist. Man hört aber auch viel über ihre Großzügigkeit, wenn es um soziales Engagement geht.
Sir Thomas So ein interaktives Kunstprojekt ist wohl ein bisschen risikobehaftet ('Seehofer du Sau') aber die geistreichen Inschriften überwiegen Gottlob. Die Odyssee bitte noch im Original ergänzen, lieber Tiger
eknarf49 Vielen Dank für die Überraschung am Abend. Wahrscheinlich kann das keiner verstehen, aber ich habe mich da wie in alten Zeiten gefühlt. Solche Veranstaltungen gab es früher so häufig. ;-)
eknarf49 Nochmal vielen Dank, allerdings musste ich gerade noch ein paar Fehler berichtigen. Die hatte ich übersehen, weil ich mich möglichst kurzfassen wollte.
eknarf49 Gerade heute Abend gab es einen Bericht darüber in der 'Aktuellen Stunde' des WDR.

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-dortmund/video-refugee-boat-das-kunstwerk-von-yoko-ono-am-dortmunder-u-100.html
Sir Thomas ich erlaube mir, einige Fotos zum aktuellen Bearbeitungszustand zu ergänzen. Dass die Kleinkamera mit dem Fokussieren überfordert war, finde ich durchaus reizvoll ;-)