Bewertung von Sir Thomas zu Brauerei Uerige

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Bewertung zu Brauerei Uerige

Sir Thomas „Regisseur“
Was für eine Katastrophe! Bestimmt stand das angebrochene Fässken schon ein paar Tage in der Sonne. Oder es gab sonst ein ernstes Qualitätsproblem mit meinem allerersten Uerige, eingenommen auf der Benrather Bierbörse vor einigen Jahren - siehe Besprechung dort.

Seitdem habe ich mich in der geschätzten Landeshauptstadt lieber ans ungleich lieblichere Füchschen gehalten. Nun ergub sich aber im Rahmen des jüngsten Kulturbegängnisses - einschließlich Trinkkultur - die Möglichkeit zur zweiten Chance, die ja jeder von uns, und folglich auch jedes Altbier verdient. Zwischen zwei Musentempel-Inspektionen gab's das Uerige zunächst aus dieser aparten Bügelverschlussflasche. Aha, geht doch! Etwas herb, gehaltvoll, lecker. Und schon stand fest, dass der Lieblingsdortmunder und ich den überaus gelungenen Tag beim frischgezapften Original beschließen würden.

Rheinisch unkompliziert platziert man sich zunächst in der sehr gut besuchten Außengastronomie, dem sog. Forum Uerigianum des Hauses. Die kurze Wartezeit aufs kühle Nass wird anekdotenreich - auch unter zeitweiliger Beteiligung der übrigen Biertischbesatzung überbrückt. Aber wenn's dann einmal läuft, dann läuft's. Auch die Bockwürstchen des Tigers und mein Wuchstsalat erweisen sich als solide. Für größere Runden gäbe es die Uerige Platte mit 10 oder 20 Scheiben belegten Brotes. Kulinarische Offenbarungen erwarte man hier natürlich nicht.

Gleichwohl darf die Küche des Uerige als variantenreich eingestuft werden. Neben der brauhaustypischen Standardkarte gibt es warme, jahreszeitlich angepasste Tagesgerichte wie Königsberger Klopse, Suppen oder Kohlroulade - im Preisrahmen von 4 bis 10 Euro. Die Uerige-Haxe hat es in sich - auch finanziell: 17,10 Euro. Buffets verschiedener Ausstattungs- und Preisklassen werden für Gesellschaften ab 20 Personen aufgebaut.

Nach kurzem, erquickenden Altstadtrundgang wurde die Sitzung im Inneren des Uerige fortgesetzt - man hatte dann auch wieder etwas Appetit und speiste nunmehr à la carte: die Mettbrötchen waren taufrisch und aus Expertensicht in jeder Hinsicht wohlgeraten. Über meinen Ziegenkäse mit Pumpernickel, Rucola und feinem Dressing kann ich mich ebenfalls nicht beschweren. Als Abschluss gönnte ich mir die Uerige-Schokoladen-Altbier-Mousse, stilecht kredenzt im 0,25l Kleingebinde. Da der eventuell vorhandene Biergehalt neben der dominanten Schoggi nicht wahrnehmbar ist, erfolgte nach und nach Zufuhr aus dem Bierglase. (Zitat eknarf: 'es hat sich auch schonmal einer totgerührt') Zum Ende des Versuchs erwies sich die Inzwischen- Trinkschokolade als echtes Geschmackserlebnis und wird ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen.

Neben dem gemütlichen Brauhaus mit 150 Plätzen und Blick ins hauseigene Sudhaus verfügt das Uerige über etliche weitere Säle, wahlweise mit Gewölbedecke, historisierend oder auch trendig elegant: das Stickum im Nebengebäude. Über die Toiletten kann ich nichts vermelden, da ich anscheinend eine größere Blase habe als Andere. Das Tagespensum von 2,5 l zeigte auch am Sonntagmittag keine Nachwirkungen. Auch wenn 'dat leckere Dröppke' nicht mein Lieblingsbier wird, spricht das eindeutig für Sorgfalt und Qualität. Letzteres gilt womöglich auch für die Uerige-Varianten Weizen, Sticke (6% statt 4,7% alc., nur im Januar und Oktober verfügbar) und die Fassbrausen mit Holunder- bzw. Rhabarberadditiv. Der hauseigenen Brennerei entstammen die Bierbrände und ein hochexklusiver, allerdings nur dreijähriger und daher vermutlich recht abenteuerlicher Single Malt Whisky.

Wunderbar perlende Unterhaltung (nicht nur übers Plattförmle), die zeitweise in erhöhter Lautstärke geführt werden muss. Aber wenigstens ist der Mädchentisch (mit Quotenjüngling - der Ärmste) nebenan erstaunlich ruhig. Freundliche, meist flinke Köbesse lassen niemanden verdursten und sind sogar gesprächsbereit. Im Ganzen also: Brauhauskultur at its best. Hohes Lob und nachdrückliche Empfehlung vom Erzkölner.

Mit vorzüglicher Hochachtung, Sir Thomas

bestätigt durch Community

Ausgezeichnete Bewertung

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eknarf49 Da ich das Glück hatte, die Begehung miterleben zu dürfen, kann ich von ganzem Herzen zustimmen. Ja, ich kann sogar eine wichtige Info hinzufügen, die Toiletten sind sehr sauber, allerdings ist das Gedrängel dort noch genauso wie zu der Zeit, als ich noch in der Landeshauptstadt wohnte - man steht sozusagen Ellenbogen an Ellenbogen.
Insgesamt war unser Aufenthalt im Uerigen der angemessene Ausklang eines wunderbaren Tages. Danke für die außerordentlich gelungene Bewertung, lieber Sir.
Ausgeblendete 19 Kommentare anzeigen
Sir Thomas Ui, danke fürs Däumke - Helau! Da bin ich ja mal gespannt, was du uns in Nebelsie kredenzest, lieber opavati :-p
Schroeder "Nach kurzem, erquickenden Altstadtrundgang..."
Diese sagenumwitterten Altstädte habe ich sowohl in Cölle als auch in D-Dorf auch nach intensivem Suchen nie finden können....
eknarf49 Lieber Schroeder, da kommt es wohl darauf an, was man unter Altstadt versteht und ob man überhaupt finden will. ;-)))
eknarf49 Ja natürlich, Dortmund ist ja für seine Altstadt weit und breit bekannt. ;-D Schön, dass du gute Laune hast.
Schroeder Wenn kommendes Jahr der SC Freiburg gegen BVB spielt, dann möchte ich neben einer Südkurven- auch eine Altstadtführung, bitte vorbuchen!
eknarf49 Abgemacht, ich freue mich riesig darauf. Im Kaffeesatz habe ich gelesen, dass Freiburg garantiert aufsteigt. Da darf nichts mehr schiefgehen. ;-)

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