Bewertung von Kulturbeauftragte zu Uhrtürmchen

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Bewertung zu Uhrtürmchen

Kulturbeauftragte „Düsseldorf-Experte“
Heute bedarf es nur eines Blicks auf ein mobiles Endgerät oder wenn man es lieber klassisch mag, auf die Hand, wenn man die genaue Uhrzeit wissen möchte. Das war aber noch bis ins frühe 20. Jahrhundert alles andere als selbstverständlich gewesen. Noch bevor dieses angefangen hatte, kostete ein solcher Zeitmesser ein vielfaches dessen was ein einfacher Arbeiter überhaupt im Monat zur Verfügung hatte! In vielen Städten hat man sich an den Uhren an den Kirchen orientiert, die es aber meiner Kenntnis nach nicht rund um die ‚Zeil‘ nicht gibt. Bei der Entwicklung der preußischen Städten ist es ab den späten 1880-er Jahren dazugekommen, dass Uhren im öffentlichem Raum aufgestellt wurden. Bei dem hier, das am Ende der Einkaufsstraße Zeil auf einer Kreuzung befindlichem „Uhrtürmchen“ handelt es sich erneut um eine Bürgerstiftung, wie es sie in Frankfurt an einigen Stellen gibt. Darüber habe ich bei div. Museen, einer Brücke und weiteren dementsprechend in der Vergangenheit dargestellt.

Für mich, die das Objekt gezielt angesteuert habe, war es alles andere als leicht eine angemessene Abbildung davon zu machen. Zum einen durch die vorher erwähnte Tatsache, dass an ihm fast pausenlos Autos vorbeifahren, sondern ebenfalls wegen der Höhe, in der das ganze in die Höhe ragt! Kenne weitere vergleichbare Uhren aber es ist das einzige unter ihnen, dass in einer solchen Lage zu finden ist: an der Ecke Sandstraße, Pfingstweide und der vorher erwähnten Einkaufsstraße. Zudem befindet auf der anderen Seite die sog. „Friedberger Anlage“ (als Straße und Park). Seit wann es ein Teil einer Verkehrsinsel ist, konnte ich nicht herausfinden.

Bei der Entstehung 1894 lag es in einem Bereich der Stadt, in dem vorwiegend jüdische Bevölkerung gewohnt hatte. An mehreren Stellen habe ich gelesen, dass viele der hier ansässigen Geschäftsmänner sich zum Ostend-Verein zusammengesetzt haben, um diese Uhr errichten zu können. Mit seiner Erscheinung entspricht es dem damaligen Zeitgeschmack. Vielerorts (auch in FfM) wurde das, sobald sich das geändert hatte, entweder gar nicht mehr beachtet oder nachdem der „Zahn der Zeit“ an ihnen sich sichtbar machte, verschwanden sie für immer von den angestammten Plätzen. Vielleicht wäre das gleiche „Schicksal“ auch bei diesem geschehen, doch erneut zeigte sich, was ein Aufruf ein „Kulturdenkmal zu retten“ bewirkt hatte!

2013, als der Restaurator Bernhard Krönung die Uhr begutachtet hatte, musste er erschüttert feststellen, in welchem desolatem Zustand sich sowohl das äußere, als auch die Mechanik befunden haben. Der Ausgangspunkt war eine (für die Mehrheit nicht nachvollziehbare) Schandtat: die Ritterfigur, die das ganze krönt, soll vor diesem Zeitpunkt fast komplett abgesägt worden sein! Das wird um so verwunderlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass diese ca. 9 Meter! oberhalb des Bodenniveaus angebracht wurde! Auf den ersten Blick schien von dieser Perspektive aus, dass man das ganze relativ einfach beheben könnte, doch aus der Nähe wurde der tatsächliche Ausmaß deutlich!

Die Bronzeteile waren voller Löcher, Risse und Beulen zudem war die Konstruktion im Inneren verrostet. Es hieß, dass der besagte Gutachter selbst sehr überrascht gewesen war, dass es nicht schon längst wegen der vorhandenen Instabilität „umgefallen“ sei. Schaut man sich die vielen Details, die einst die Firma „Knut“ angefertigt hatte, galten als besonders „kunstvoll“. Das ist alles andere als abwertend gemeint! Hier sorgen sie (selbst bei sehr kritischen Denkmalschützern) für Begeisterung. Dass das sich auch anders darstellen kann, hebe ich neulich in Detmold zum besten gegeben! Was damit zusätzlich zum Ausdruck gebracht werden soll, dass heutzutage das nur wenige Fachleute im Stande sind, eine vergleichbare Stücke (ggf. als eine Kopie) anzufertigen. Das macht eine Restaurierung um so kostspieliger! Die Schädigungen wurden als so gravierend wahrgenommen, dass im November 2013 eine Spendenaktion im Auftrag eben der Denkmalbehörde, der Stadt und weiterer Institutionen. Hab noch jene Worte im Ohr, die verschiedene Personen aus meinem Umkreis nach einer Reparatur vom „heilig Blächle“ von sich gegeben haben: es wurde diskutiert, was für eine solche „Schönheitspflege“ bei einigen „Blessuren“ wert sein dürfen. Wenn schon solche mitunter im unterem 4-Stelligem €-Bereich liegen (können), dann kann man sich vorstellen, welche Beträge bei einem um einiges größeres Objekts im Raum stehen! Es handelt sich um -zig Quadratmeter Metall und andere Materialien, Löhne, Wege etc. die ebenfalls hinzukommen. (Tikae, kriege keine Schnappatmung ;-) ) - in dem Fall waren es 150.000 €.

Im Vorfeld ging zum einen eine erhebliche (anonyme) Spende von 20.000 € ein; 25.000 € hat die vorher erwähnte Behörde beigesteuert, sowie weitere 15.000 von der Stadt selbst. Da wären noch 90.000 € offen. Es muss über ein Jahr gedauert haben (nähere Infos diesbezüglich konnte ich nicht finden), bis das auch realisiert werden konnte. Die offizielle „Einweihung“ erfolgte aber erst am am 26. März 2015. Das Uhrtürmchen ist wie vorgesehen, nach den früheren Entwürfen des Architekten Alexander Linnemann (1839-1902) angefertigt. Um 1900 gab es, wie ich herausgefunden habe, ein Pendant in Sichtweite des HBFs bei dem eine Siegesgöttin oben gegeben hatte. Da sie von der Weinhändlerfamilie „Manuskopf“ gestiftet worden ist, wurde sie auch nach ihnen benannt. Leider diese ist aus dem Stadtbild verschwunden :-(.

Eine Gemeinsamkeit, die sie verbindet, ist die (leicht heroische) „Ausschmückung“ des ganzen. Hier könnte man meinen, dass der Adler, der unter den Füßen an der Säule zu sehen ist, jener der (nicht gerade herzlich aufgenommenen) Preußen sein könnte. Dem ist es aber nicht so! Die ehem. Freie Reichsstadt Frankfurt besitzt selbst dieses Tier im Wappen. Für mich ist es das einzige Exemplar, das ich kenne, das zusätzlich mit (mehrfachen) Lichtern ausgestattet worden ist! Sowohl ober- als unterhalb des Zeitmessers gibt es sie! In einer sehr schwungvollen Linie scheinen sie sich um den Korpus zu „ranken“. Die andere fällt ein wenig „schlichter“ aus und dennoch ist auch sie mit der Krone auf deren „Dach“ ein Detail, das man heute in der Form gar nicht umgesetzt hätte. Aus meiner Sicht ist das dementsprechend ein Alleinstellungsmerkmal! Aufgrund der Bauweise kann ich mir vorstellen, dass die hier befindliche Beleuchtung ehemals eine gasbetriebene gewesen sein kann. Heutzutage aber sind (laut eine Seite im Netz) sieht es nach einem LED aus. Drum herum, zwischen den Metalleinfassungen wurden beim vorher beschriebenem Prozess neue Glasscheiben eingesetzt. Der untere Bereich ist dabei frei belassen worden!

Die Konstruktion als solche basiert auf einem (Sandstein?)Sockel, auf dem ein kleinerer quadratischer als „Fundament“ dient. Es folgen ein weiterer, der mit einer Bronzeplatte bedeckt ist. Diese weist keine Verzierungen auf, im Gegensatz zu der darüber mit dem bereits erwähntem Adler. Um diesen scheint es, dass ein Kranz dem „aufgesetzt“ worden wäre, der mit einem „Gebinde“ abschließt. Zwischen runden Lampen gibt es stilisierte Zweige. Erst auf den Fotos, die ich im Netz gefunden habe (auch noch in starker Vergrößerung) wurde mir deutlich, dass um die eigentliche Uhr weitere Dekorelemente gibt: es sind weibliche Köpfe, die zwischen den jeweiligen Ziffernblättern angebracht worden sind. Was mich jetzt im Nachhinein ein wenig belustigt, dass als ich meine Aufnahmen gemacht habe, zwei unterschiedliche Uhrzeiten angezeigt wurden ;-). Das wird wohl ein Geheimnis bleiben… Beim Dach werden danach erneut florale Motive aufgegriffen. Beim vorherrschenden Jugendstil der Ende des 19. Jahrhunderts aufkam, ist es ein beliebtes Motiv gewesen. Dieses kann man auch in dem öffentlichen Bereich, wie beim Uhrtürmchen beobachten.

Trotz, das ich sehr lange nach einem Hinweis gesucht habe, konnte ich keine gesicherte Angabe finden, warum ein Fahne tragender Ritter die Spitze ziert. Dem „kleinen Mann“ wurde eine passende Rüstung „angezogen“. Darstellungen von Adeligen, Königen oder Kaisern gar, kenne ich sehr viele aber mir ist keine andere bekannt, die so witzig ist wie diese! Man muss zwar den Kopf / Hals ein wenig strecken aber mir war es wert! Aus meiner Sicht, auch wenn die Mehrheit mit der Zeil eher den Kommerz verbinden, lohnt ein kleiner Abstecher um sich dieses Objekt anzuschauen! Wie kaum ein anders, hat es mich vor Ort deutlich mehr begeistert, als ich zuvor nur auf Fotos überhaupt davon die Rede sein konnte! Wie könnte es anders sein: es handelt sich um eins meiner Favoriten in der Mainmetropole!

Es gibt darüber hinaus einen Grund, warum ich ausgerechnet dieses heute vorstelle: es ist mein 120. Beitrag in Frankfurt! Das war mir eine solch ausführliche Darstellung mehr als wert! Bei den beiden Besuchen habe ich einiges mehr entdeckt! Mehr darüber an den passenden Stellen. In diesem Sinne. Eure Kulturbeauftragte.

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