Bewertung von grubmard zu Gruft der Grafen von Roon

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Bewertung zu Gruft der Grafen von Roon

grubmard
Der damalige preußische General, Kriegs- und Marineminister Albrecht v. Roon erwarb 1871 das damals in der preußischen Provinz Schlesien gelegene Oberlausitzer Schloss Krobnitz (25 km östlich von Bautzen und 15 km nordwestlich von Görlitz) als Altersruhesitz. 1876 ließ er etwa 500 m vom Schloss entfernt eine Familiengruft in einem felsigen Hügel des Schlossparks anlegen.
Man kann vom Schloss zur Gruft durch den Schlosspark wandern oder auf der Straße nach Meuselwitz mit dem Auto fahren. Parkplätze an der Gruft gibt allerdings nicht.

Lange Freude hatte Roon an seinem Schloss nicht. Mittlerweile zum preußischen Generalfeldmarschall ernannt und vom Deutschen Kaiser und preußischen König Wilhelm I. zum erblichen Grafen erhoben, verstarb Roon am 23.2.1879 während eines Berlin-Besuchs, wurde nach Krobnitz überführt und in der Gruft beigesetzt.

Sein Sohn Waldemar v. Roon ließ 1893 über der Gruft eine neogotische Grab- und Gedenkkapelle errichten, an deren Front eine große Ritterstatue mit den Gesichtszügen von Graf Albrecht v. Roon stand. Die Kapellenglocke wurde von Kaiser Wilhelm II. gestiftet. Die nach der Wende wiedergefundene Kapellenglocke ist heute in der Ausstellung im Schloss Krobnitz zu sehen.

Im Laufe der Jahre fanden in und vor der Gruft zahlreiche Familienmitglieder derer von Roon ihre letzte Ruhe in der Gruft. Allein von den 10 Kindern des Grafen Waldemar und seiner Frau Magdalena v. Blankenburg starben 2 Töchter im Kleinkindalter und 5 der 8 Söhne fielen im 1. Weltkrieg.
Heute ruhen in den 18 Grabkammern 13 Familienmitglieder der Familie aus 3 Generationen. Je 6 Kammern gehen nach Norden, Osten und Süden von dem zentralen Gruftraum ab. Die belegten Kammern sind mit Grabplatten verschlossen. Rechts und links vorm Grufteingang befinden sich je 3 Erdgräber, die heute aber nicht mehr kenntlich sind.
Erhalten ist die Doppelgrabstelle von Hans-Albrecht Graf v. Roon (1907-1938) und seiner Frau Ilse Gräfin v. Roon (1909-2008) auf dem Grufthügel gegenüber der einstigen Kapelle.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die v. Roons enteignet und mußten Krobnitz, das nun wieder zu Sachsen gehörte, verlassen.
Die beginnende Preußen-Renaissance der Staats- und Parteiführung der DDR in Berlin schien sich bis ins ländliche Sachsen nicht herumgesprochen zu haben. Beseelt von der stalinistischen Idee, alles feudale und preußisch-militaristische ausmerzen zu müssen, faßten die örtlichen Partei- und Staatsorgane 1977 den Entschluß, die Gedenkkapelle abzureißen, gegen den Willen vieler Menschen aus dem Ort und der Region. Die Ritterfigur wurde zerschlagen und die Backsteine der Kapelle wurden beim Abriss 1980 auf Deponien entsorgt bzw. an die Bevölkerung zur Weiterverwertung abgegeben. Die Gruft blieb jedoch erhalten.

Nach der Wende besann man sich zurück und mauerte die Umrisse der Kapelle auf den alten Grundmauern als niedrige Mauer wieder auf.

Die Gruft ist heute mit einem Gittertor verschlossen, so daß man in den zentralen Gruftraum und die 6 östlichen Grabkammern schauen kann. Die Inschriften der Grabplatten sind aus der Ferne jedoch nicht lesbar. Über dem Eingang zur Gruft ist eine Tafel mit einem Bibelspruch angebracht:
„Die richtig gewandelt
Kommen zu Frieden und
Ruhen in ihren Kammern.“

Vor der Gruft informiert eine Tafel kurz über die Geschichte der Gruft.

Fazit: Preußischer Familienfriedhof und Mahnmal für die Bilderstürmerei der DDR.

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Ausgeblendete 4 Kommentare anzeigen
Sedina Einfach so versterben ist nicht gerade der Heldentod, der diesem Mann eigentlich zukam.

Glückwunsch zum schönen Beitrag, an dem ich etwas grünes nach oben zeigendes erwartet hätte.