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Bewertungen (37 von 82)

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  1. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Am Sternplatz in Tübingen residiert Elektro Betz - ja, er heißt eigentlich EURONICS Betz, wegen der Einkaufsgemeinschaft, der auch dieser eher kleine Laden inzwischen angehören muss.
    Aber das ist wurscht, denn unter diesem Namen kennt ihn in Tübingen eh keiner....

    Das kleine Paradies zu Haushalts- und Unterhaltungselektronik auf zwei Ebenen wird über Stufen erklommen... Potenzielle Best Ager-Kunden müssen also noch die Füße heben können.

    Die vergangenen Jahre war ich dort nur wegen Kleinteilen zugange... Batterien, Glühbirnen und ähnliche schnelldrehende Ersatzteile und um natürlich Saturn und andere Hydren zu boykottieren.

    Der Service war immer schwäbisch klar und direkt, am liebsten wurde ich von der Altchefin (?) bedient: "Dui alde Halogenstrahler geiht's nemme, LED isch jetzt älles, was mer no henn..."
    Mein waidwunder Blick ließ sie ins Lager steigen und noch nach Restbeständen suchen. Ich hätte sie knuddeln können.

    In den letzten Monaten war ich öfters vor Ort. Es fing unspektakulär an, die Fernbebedienung des angeblich unkaputtbaren Metz-Flachbildschirmfernsehers (O-Ton Verkäufer, nicht von Betz) machte Zicken und tat nicht mehr seinen Dienst.
    Bei Betz wurde das Corpus delicti gewendet und begutachtet und das Urteil gefällt: Neubestellung, aber möglicherweise nicht Original-Metz. Isch günschdiger!
    Der Schwabe zog amüsiert ab, um vom Anruf am darauf folgenden Tag verblüfft zu sein:
    "Wir haben die Fernbedienung unserer Werkstatt gezeigt, die könnten das Teil für 30 Euro reparieren. Neu kostet 80 Euro. Was möchten Sie?"
    Jetzt hatten Sie mich.
    Das ist Nachhaltigkeit im kleinen... und sie hatten Glück (ich eher weniger)...

    Wenige Wochen später habe ich den alten AEG-Bodenstaubsauger geschrottet.
    Er tat noch verlässlich seinen Dienst, aber den Sturz aus dem zweiten auf den Kachelfussboden des ersten Stocks hat er dann doch nicht überlebt.

    Also zähneknirschend zu Betz und nach einem vergnüglichen Verkaufsgespräch von 30 Minuten, da kann kein Saturn o.ä. mithalten, war ich stolzer Besitzer eines neuen Mielestaubpusteteils.

    Nochmals wenige Wochen später, lag der zunehmend schwachbrüstig werdende AEG Öko-Lavamat (Markentreue war schon immer bei mir da, wie man merken kann) in den letzten Zügen seines über 15 jährigen Lebens in meiner Obhut.
    Letzte Operationsversuche des Kundendienstes (danke dafür) hatten sein Leben nur um wenige Monate verlängern können... RIP.

    Also... um es kurz zu machen.
    Die Anschaffung kam zu schlechten ökonomischen Zeiten, aber es gab den Kleinrabatt des Staates (MwSt) und noch ein wenig von Betz.
    Das Altgerät wurde abtransportiert und das neue Teil geliefert und installiert.
    Wie leise moderne Waschmaschinen von Miele sein können, ist wirklich wunderbar.

    Jetzt bin ich aber hoffentlich nicht mehr so schnell bei meinem liebsten Elektronikdealer...

    Gruß Schroeder

    geschrieben für:

    Unterhaltungselektronik / Bürobedarf in Tübingen

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    1.

    Ausgeblendete 64 Kommentare anzeigen
    opavati® Ich habe auf dem Boden ja eine größere Sammlung diverser antiker Leuchtmittel. Einige Lampen Design Klassiker lassen sich nicht mit led betreiben. Da heißt es Vorsorgen ...
    grubmard Ich vermute, die Verkaufskraft hat mitgeteilt, dass Halogenleuchtmittel etwas aus der Zeit gefallen sind - bei der Energiebilanz, die die Dinger haben!
    Schroeder Sie gab aber nur leicht zeitverzögert zu... des LED-Licht isch halt Scheiße, wem mers gemüdlich han mog... ;-)
    grubmard Es gibt mittlerweile LED-Lampen, deren Licht entspricht (fast) dem klassischen Glühlampenlicht. Man muss ja nicht kaltweiß nehmen.
    Das Du als grünbewegter Dich überhaupt traust, nach alten Glüh- und Halogenlampen zu fragen, erstaunt mich jetzt ...
    grubmard Vielleicht hat er so einen kleinen elektronischen Knecht, der den ganzen Tag kabellos durch die Bude rödelt und Staub aufnimmt.
    eknarf49 Wie schön, endlich mal wieder eine Bewertung von Dir zu lesen. Das hat wirklich Freude gemacht. :-)
    (Allerdings hat mein Übersetzungsprogramm den Geist aufgegeben.) ;-D
    Schroeder Danke an alle Hausmänner (besonders badische...) und Hausfrauen für den Zuspruch und die Kommentare.... ;-)
    Sedina Ich als hanseatischer Haus- und Hofmann praktiziere Arbeitsteilung mit dem kleinen Nichtalleskönner. Er weigert sich z.B. standhaft, die Wände zu erklimmen, um Spinnennester zu entfernen....
    Insofern staubsauge ich also durchaus noch händisch genug, um mitreden zu können.

    Glückwunsch zur durchaus erfolgreichen Leidensgeschichte, zu den netten Begegnungen, zu den Neuerwerbungen und zum Grünen Daumen!
    ubier Ich hab’s geahnt.

    Wart mal - gekrönte schwäbische Häupter gabs doch scho emol?!? Das wird Carl Herzog von Württemberg nicht gefallen...
    opavati® Glückwunsch, wenn Du mal schreibst wird es immer so wunderbar. Du solltest da was draus machen, beruflich ... ;-)
    Heute Abend trink ich ein Glas auf das Wohl der Prinzessin der Woche.
    Sedina Ich sehe es genauso wie unser Freund opavati®, gratuliere auch sehr herzlich zur verdienten besonderen Auszeichnung und habe mir den Hinweis zu Spinnenbiotopen selbstverständlich zu Herzen genommen!
    Konzentrat In kurzer Zeit mehrere Fast-Totalschäden. Kann passieren. Aber SO ein Betz, mit derart großartig schwäbischer Hilfs- und Sparbereitschaft, der hilft über vieles hinweg.
    Gut, so einen Laden in der Nähe zu haben.
    Glückwunsch zu Daumen und Wochenkrone.
    Und danke für die O-Töne.
    Ehrlich, ich als sächselnder Sachse brauchte kein Übersetzungsprogramm.
    Lesezeichenfee *lachweg* Ich find den Laden einfach cool. Und kann mir das alles gut vorstellen. :-) Es isch aber scho lang her, dass ich do war. :-)
    Calendula Miele, Metz & Co sind auch bei mir beheimatet ... keine schlechte Wahl.
    Glückwunsch zu den Neuanschaffungen und der Golocal-Auszeichnung.


  2. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. von 5 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Das Essensangebot war verlockend:

    Frischer Salat aus den heimischen Beeten als Vorspeise.

    Rinderbraten vom Boltenhöfer Bio-Weiderind mit caramelisierten Möhren, wahlweise mit selbstgemachten Semmelknödeln oder Salzkartoffeln
    oder:
    Frische Forelle aus Lychen mit Petersiliekartoffeln und Mandelbutter
    oder:
    Wildsaubraten aus den heimischen Revieren mit Salzkartoffeln und Prinzeßbohnen
    und zum Abschluss ein selbstgemachtes "Sommereis" mit roter Grütze...

    Der Preis für die Köstlichkeiten formidabel: 26 Euro für das gesamte Menü....

    Der Schwabe auf seiner Brandenburg-Expedition war schon mal angefixt...

    Aber, wo lag dieses Gut Boltenhof denn nun genau in dieser endlosen Streusandbüchse mit ihren immer gleichen Kiefernwäldern und unermesslich großen (vertrockneten) Feldern?

    Nahe Fürstenberg am oberen Havellauf, nur über eine winzig kleine Straße erreichbar, die kurz vor dem Ziel eine herrliche Lindenallee mit uraltem rumpeligem Kopfsteinpflaster bildet.
    Das ehemalige Rittergut Boltenhof zählt zu den wenigen historischen Gutsanlagen, die bereits ab dem 16. Jahrhundert entstanden sind und das noch in seiner ursprünglichen Form mit fast allen Nebengebäuden erhalten ist.
    Die heutigen Gebäude stammen aus dem 19. Jahrhundert.

    Gutes Essen im historischem Ambiente, liebevoll zurückhaltend restauriert und mit dem Anspruch eine nachhaltige Biolandwirtschaft mit regionalen Produkten zu vermarkten.
    Da wollte ich hin!

    Im Haupthaus ist der Hofladen und das Restaurant untergebracht.
    Hier stehen auch sechs Doppelzimmer für gestresste Stadtbewohner*innen zur Verfügung, wahlwiese kann man/mensch/frau auch eine der zehn Ferienwohnungen in den ehemaligen Arbeiterhäusern mieten.
    Der Feriengast kann zwischen Selbstversorgung mit oder ohne Hofladen wählen oder sich vom Frühstück bis zum Abendessen im gutseigenen Restaurant verwöhnen lassen.
    Für Familien mit Kindern ist das natürlich ein herrlicher Entspannungsort.

    Die Basis der nachhaltigen Landwirtschaft sind eine Fleckvieh- und eine Limousin-Rinderherde für die das Futter direkt vor Ort wächst...

    Oder man kommt nur einfach zu einem köstlichen Essen (unter der Woche wird sogar ein Mittagstisch angeboten).

    In den rustikalen Räumen des Restaurants mit altem Mobiliar wird bei einem aufmerksamen Service wirklich gute Kochkunst geboten.

    Für mich eine wunderbare Adresse und Entdeckung im nördlichen Brandenburg, das ja nicht immer und überall mit guten Speisemöglichkeiten gesegnet ist.

    Gruß Schroeder

    P.S.
    Ergänzung zu den oben angegebenen Öffnungszeiten:

    Von Ostern bis Neujahr ist das Restaurant täglich geöffnet, außer am 24. und 25.12.
    Ansonsten freitags bis sonntags & feiertags.

    geschrieben für:

    Restaurants und Gaststätten / Ferienhäuser in Boltenhof Stadt Fürstenberg an der Havel

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    2.

    Ausgeblendete 34 Kommentare anzeigen
    ubier und was bitteschön ist ein "kleiner Erich"? Honecker kann es ja nicht mehr sein - und zum Vernaschen war der nie...
    ubier Au weia...

    Na ja, wenns Bio ist, ist nicht mehr viel Erich drin...

    Der Schwabe lebt feudal im Urlaub - der badisch-gelbe Neid ist mit ihm!
    Männlein Meinen herzlichsten Glückwunsch zum GD. Aber @ubier: der badisch-gelbe Neid sei mit ihm? Ich bin dem Herrn Schroeder nicht neidisch. Die Schwoba sollet doch essa was sie wolla.
    Schroeder Tja, opavati®, ein Schwaben-Scout kann auch noch etwas für Dich neues in Deiner erweiterten Home-Zone entdecken.... ;-)
    grubmard Nicht Dein Ernst !?!

    https://www.golocal.de/fehrbellin/evangelische-kirche/dorfkirche-wustrau-YV7ut/fotos/

    Ich hätte besser vorarbeiten sollen ...
    Schroeder Der sprichwörtlich fremdenfreundliche Brandenburger war meine Rettung...
    Er sperrte ohne Voranmeldung die Kirche auf (wenn Sie schon mal da sind...) und zeigte dann noch den kurzen Weg zu Herrn Ziethen... :-)
    Sedina Das ist eine schöne Ecke Deutschlands und Dein Bericht ist eine tolle Empfehlung.
    Danke und Glückwunsch zum Grünen Daumen!
    Schroeder Es war eine sehr schöne Reise in und durch Brandenburg.
    Nochmals herzlichen Dank an Grubmard für die große Unterstützung.


  3. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Das war jetzt wirklich ein Überraschung!

    Eine Einladung von einem guten Freund zur Weinverkostung nach Linsenhofen ins Neuffener Tal....
    Weingut DOLDE.

    Dass sich dieser Kerl im Schwabenland besser auskennt als ich, musste ich mit den Jahren resignierend aktzeptieren...

    Aber das war der Hammer!

    Wein aus Linsenhofen, vom Albtrauf aus Weinlagen, die in 530 Metern über dem Meeresspiegel liegen....Cuvée Essigwässerle oder was sollte mich da erwarten?!

    Das Weingut Dolde bewirtschaftet sagenhafte 1,5 Hektar im Neuffener Tal.
    Der Betrieb besteht aus einem Ehepaar, das mit Herzblut ihrer Passion nachgeht.
    Nicht die schlechteste Vorraussetzung ist, dass Herr Dolde mal Chemielehrer war... da weiß mann wie Hefe reagiert....

    Mich Skeptiker begeisterten schnell die Weißweine aus diesen sehr speziellen Lagen.

    O-Ton Monsieur Dolde:
    Durch die Höhenlage haben wir kühle Herbstnächte, die niedrigen Temperaturen halten trotz der Feuchtigkeit die Trauben gesund."
    Die Cool-Climate-Weine erhalten dadurch intensive Aromen, die früher extreme Säure zeigt sich elegant und frisch. Es sind Weine mit eigenem Charakter, die nicht am Gaumen kuscheln. Sie verleugnen nicht, dass sie unter außergewöhnlichen Bedingungen entstanden sind.

    Hier werden Silvaner-Trauben gekellert, die nicht den tranigen, süßen Geschmack der Kaiserstühler Weine haben...

    Silvaner "Weißer Jura" ist ein exzellenter mineralischer Weißwein mit viel Säure, der fast jeden guten Franzosen in den Schatten stellt.

    Der Knaller ist ein Silvaner "Alte Reben" von über 60ig Jahre alten Weinreben, der nur mit eigenen Hefen vergärt wird.
    Die Maische wird nur mit kalten Tüchern gekühlt und die Hefe mit der Hand verrührt.... das ist handwerkliche Weinkunst der Extraklasse!

    GRAND CRU aus Linsenhofen!

    Der Schatz des Weingutes ist aber der Boden:

    Nochmals O-Ton Dolde:

    Unsere Linsenhöfer Weinberge (in der hügeligen Landschaft vor dem Albtrauf) stehen auf Mittlerem Jura, teilweise auch auf einem Vulkanschlot. Der Boden ist stark kalkhaltig, tonig- lehmig, schwer und weist relativ wenig Steinanteil auf.
    Der vulkanische Boden ist dunkel, sandig und leicht erwärmbar.

    Darauf gedeihen charakterstarke Weißweine und ein sehr süffiger Rosé-Wein auf Spätburgunderbasis, die in Württemberg ihres Gleichen suchen.

    Die Spätburgunder-Rotweine, die teilweise auch im Eichenholzfass ausgebaut werden, sind mir zu mild und zu flach.... aber das ist reine Geschmackssache.

    Ein großartiges, kleines Weingut mit Menschen, die Ihre Arbeit lieben...

    Von Herzen und mit großer Begeisterung:
    Alles Gute für die nächsten Weinjahrgänge!

    Gruß Schroeder

    P.S.
    Ach so, die Flaschenpreise für die Weine liegen bei knapp 8 bis 14 Euro

    geschrieben für:

    Wein / Weinkellereien in Linsenhofen Gemeinde Frickenhausen in Württemberg

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    3.

    opavati® Nix gegen Kaiserstühler Weine, vielleicht hast du ja nur die falschen probiert. Wir haben kürzlich, bei Salwey, wunderbare Burgunder verkostet.
    Ausgeblendete 37 Kommentare anzeigen
    opavati® @schroeder: Genossenschaftsweine sind in der Regel und überall nicht die Tropfen meiner Wahl. Wobei ich ein paar Flaschen aus dem Lieblings Weingut unserer Lieben Blattlaus mit nach Berlin genommen habe. Warum die Genossen immer noch nicht den Knall gehört haben, verstehe ich nicht.
    Sedina Und ich hatte immer gedacht, profunde Chemiekenntnisse gebe es speziell bei den Genossenschaften....
    Danke für die Empfehlung und Glückwunsch zum Grünen Daumen!
    Schroeder Ich bewundere und staune über dieses handwerkliches Können sehr, schließlich hat er es nicht mit der "Muttermilch" oder dem "Mutterwein" gelernt.
    Aber inzwischen heimst er die Lorbeeren verdientermaßen ein...
    LUT "Weine , die nicht am Gaumen kuscheln" ...
    Ich bin erfreut, dich nach wie vor bei guter Schreibe zu lesen :-))
    opavati® Heute haben wir mit dem Silvaner Alte Reben begonnen, sehr gut und hochinteressant. Das war ein guter Tip unseres lieben hochkompetenten Tübingers ..
    opavati® Spätburgunder ist ja so, die Gattin mag aber keine saftigeren Roten. Ich bin gespannt auf den 17er aus dem Barrique. Ich berichte ...


  4. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


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    Das Dörfchen Niederrotweil (wir sprechen ein langes "o", bitte) schmiegt sich an den westlichen Rand des Kaiserstuhls in der Oberrheinebene unweit von Freiburg im Breisgau.

    Vulkanisches Gestein und mildes Klima lassen hier seit römischen Zeiten Reben gedeihen, die noch bis heute zu recht trinkbaren Weinen vergoren werden...

    Die oft verworrenen und komplizierten Zeitläufe der Geschichte ergaben, dass sich in Niederrotweil das große Benediktinerkloster Sankt Blasien (auf dem weniger milden Hochschwarzwald gelegen) Rechte und Pflichten erwarb, um an den vermeintlich guten Kaiserstühler Wein zu kommen, der auch noch heutzutage auf dem durch die Flurbereinigung völlig verhunzten Vulkangebirge angebaut wird.
    So gehörte, die wohl schon im 8. Jahrhundert entstandene Kirche Sankt Michael (gerne als älteste Kirche des Breisgaus bezeichnet) nun auch zum Sankt Blasier Sprengel.
    1157 wird die - dem Erzengel Michael - geweihte, Kirche erstmals urkundlich erwähnt und Anfang des 14. Jahrhunderts umfassend gotisch verändert und vergrößert.

    So weit, so gut, aber das erhebt sie nicht in irgendeiner Weise über viele ähnliche Dorfkirchen in der Region...

    Mit dem kunstsinnigen und finanziell potenten Sankt Blasier Abt Johannes III. zog ein großartiger spätgotischer Schnitzaltar in die Michaelskirche zu Niederrotweil ein. Johannes war Abt zu Sankt Blasien in turbulenten Zeiten.

    Als er 1532 starb, war sein Kloster gerade wieder im langsamen Aufschwung nach dem es die Bauern 1525 eingeäschert hatten, die Reformation und das neue Menschenbild der nun auch nördlich der Alpen aufkeimenden Renaissance veränderten den Blick auf die Welt auch innerhalb der Kirche nachhaltig.

    Künstlerisch verkörpert der fulminanten Schnitzalter des leider immer noch unbekannten Meisters HL ein inhaltliches Aufbäumen der alten Kirche und ihrer Glaubensinhalte in Zeiten des grundlegenden Umbruchs mittelalterlicher Vorstellungen.

    In Niederrotweil schuf der "Meister HL" einen tiefbewegenden Marienaltar, der den Weg von der Spätgotik in die Renaissance mit bildgewaltigen Interpretationen ebnet, die nur so vor Individualität (neues Menschenbild), dynamischer Bewegung und Interaktion der Dargestellten strotzen.

    Trotzdem überhöht er die Marienverehrung, ganz im Sinne der bald "alten Kirche", die von den Protestanten abgelehnt werden wird.

    Der Schrein des Altars ist aus Eichenholz von einem anderen Handwerker geschaffen.
    Die Schnitzereien der Mitteltafel sind aus großen Lindenholzstämmen gefertigt und die feinen Reliefs der Seitenflügel aus Pappelholz.

    Im Mittelteil wird Maria in einer dynamischen Darstellung von Gottvater und Christus zur Himmelskönigin gekrönt.
    Die mitgelieferten Fotos zeigen einen großartigen Umgang mit dem Holz, man beachte die Haare des Bartes von Gottvater... die Krone ist nicht umsonst der römisch-deutschen Kaiserkrone nachgebildet...

    Die farbige Fassung des Mittelteils und der Predella wurde erst in der Barockzeit hinzugefügt und war ursprünglich nicht vorgesehen.
    Links und rechts stehen der Heilige Michael, Patron der Kirche und Johannes der Täufer, Namenspatron des stiftenden Abtes.

    Auf den feingearbeiteten Reliefs der Seitenflügel werden Szenen aus dem "Leben" der beiden Heiligen erzählt:

    Die Taufe Christi und der Tod Johannes des Täufers, wie auch Sankt Michael am jüngsten Tag als Seelenwäger und beim Engelsturz, der Vertreibung Luzifers aus dem Paradies.

    Im Chor der Kirche haben sich noch Fresken aus der Mitte des 14. Jahrhunderts erhalten, die Mitte des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt wurden.

    Der Marienaltar des Meisters HL gehört zu den schönsten Schnitzaltären der Oberrheinregion aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts.

    Einer Region, die bis heute gesegnet ist mit weiteren großartigen Altären aus dieser Zeit:
    Der Altar in Breisach ebenfalls vom Meister HL, dem Isenheimer Altar in Colmar vom alles überragenden Mathias Grünewald und dem Hochaltar des Freiburger Münster von Hans Baldung Grien.....

    Die Kirche ist vom Palmsonntag bis Oktober täglich von 14-17 Uhr geöffnet.
    Sonst Besichtigung nach Vereinbarung.
    Kosten: 1 Euro p.P. und eventuell Führungsgebühren bei Bedarf.

    Gruß Schroeder

    geschrieben für:

    katholische Kirche in Vogtsburg im Kaiserstuhl

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    4.

    Ausgeblendete 77 Kommentare anzeigen
    Sir Thomas 'recht trinkbar...' ist das ein Kompliment aus deinem Munde? Vielen herzlichen Dank für diesen fulminanten Sonntags-Lesegenuss bei... eingeschränktem Urlaubswetter. Begrünung eh fällig, warum also nicht jetzt schon? Froher Gruß vom übrigens hier zuständigen Erzengel ;-)
    Schroeder In der Tat, großer Kunstgenuss für wenig Geld, Calendula.
    Der Wein , lieber Erzengel ist nur in seiner weißen Ausformung mein Geschmack...
    Aber ich danke dem Kölner Erz(b)engel....
    Männlein so jetzt komm ich auch noch: ich habe mich an die Stadt Freiburg, an den neuen OB, und ihn gebeten man möge dem Schwaben Schroeder ein Kurzvisum gewähren. Und........ er hats erhalten. Ist inzwischen aber abgelaufen und Schroeder musste wieder zurück ins Schwobeländle. Und der Tritt gen Baden kam natürlich prompt: ".... trinkbaren Weinen..". Ich übersetzte mal, da Schroeder selbstredend nicht sehr positiv über bad. Weine spricht. Also er meinte, wunderbare vollmundige Weine, aus dem besten Anbaugebiet Deutschlands. Gruß nach Tibinga.
    Schroeder Ich danke natürlich für die Intervention des Kurpfälzers... Habt ihr ein Konsulat in Freiburg?!
    Zum Thema badischer Wein schweige ich fürderhin Stille.... ;-)
    Männlein Oh bitte gern geschehen. Nein ein Konsulat haben wir nicht aber ihr ä schwäbischs Ambassadorle. Und über Wein tausche ich mich gerne mit Menschen aus die etwas davon verstehen. Aber beim ä Schwob wois ich net so recht ob er ebbes vo Wein versteh ko. Dort gibts koin Wein, nur än Moscht, der isch halt billiger.
    Schroeder Zum Thema "schwäbischer Wein" steht immer noch meine Einladung zur Verkostung vorzüglicher Tropfen von Lemberger aus dem Remstal oder edler Schoppen Weißweines aus dem Neckartal.
    Mit liebevollen schwäbischen Grüßen.... Schroeder ;-)
    ubier @Wtaler: Der ist noch nie ausgebrochen, hat nur gemütlich vor sich hingesabbert. Im Oberrheingraben verläuft der Grabenbruch als tektonisches Dehnungs-Phänomen, dadurch können sich keine Magmadruckblasen aufbauen, die man zu einem eruptiven Ausbruch benötigt.
    Schroeder So sind sie, unsere Mitlandesbewohner: Immer sym-badisch, freundlich und direkt...
    Der Orden heißt übrigens:
    Badischer Treueorden in Brillanten mit der goldenen Kette.
    Männlein Ich komm auch noch. Der, der aus dem Herzen von Baden-Württemberg kommt, dem Badner Land, übermittelt dem Schwaben Schroeder seine herzlichsten Glückwünsche zum Orden. Herr Schroeder ich verneige mich vor ihnen, äh warum eigentlich - also ich nicke mal wohlwollend.
    ubier Es gehört ja inzwischen zum guten Ton in diesem unserem Land, erhaltene Auszeichnungen öffentlichwirksam zurückzugeben. Vade retro, Schroeder!
    opavati® Wie wunderbar, allerhöchste Weihen für Schroeder. Glückwunsch.
    Ich werde noch ein paar Bilder dazu tun. ;-)
    opavati® Nur deinetwegen, lieber Schroeder, sind wir seinerzeit in Unterjesingen gelandet. Und nun wieder ein Platz den du empfiehlst. Danke.
    Dank auch an Urbier für die Quartiersauswahl und Einkehrhilfen ...

    Gut, wenn man Eingeborene zur Hand hat. Beste Grüße aus NOB.
    Blattlaus Es wird dir dort gefallen. Die Reben sind inzwischen auch schon schön grün geworden, und es kommt ein Ort nach dem anderen ,wo man gut und gemütlich einkehren kann. In Bötzingen gibt es übrigens auch eine schöne Kirche.
    eknarf49 Danke für die meiner Meinung nach ausgezeichnet geschriebene Bewertung. Besonders interessant ist für mich der Hinweis auf den von Renaissance-Persönlichkeiten begründeten und geförderten 'modernen' Menschen, der nicht mehr bereit war, alles als gegeben hinzunehmen.
    eknarf49 Wirklich unkomplizierter hat es das Leben wohl nicht gemacht, dass es aber richtig war, spürt man doch immer wieder. :-)
    Schroeder Herr "Urbier" gefällt mir gut... ;-)
    ...und wir sind immer gerne behilflich, die Schwaben und die reingeschmeckten Badener...
    ubier auf "Urbier" höre ich schon fast - wobei mir natürlich "Urkölsch" lieber wäre. Aber immer noch besser als "Uralt"...
    opavati® Der Gattin gefällt der isenheimer Altar nicht. Da ist der in St. Michael und der in Blaubeuren viel schöner, findet sie. Beste Grüße soll ich sagen ...
    Schroeder Mathis der Maler ist schon Hardcore, aber so schon tiefgründig...
    Aber mit Michel Erhart und dem Meister HL ist man/frau schon sehr weit vorgedrungen.
    Ich winke freundlich zurück zur lieben Gattin! ;-)
    Sedina Warum gibt es bloß kein Monatskrönchen für Kommentarstränge, dieser hätte eines verdient ;-)))
    Ich hab's zu spät gesehen und gratuliere jetzt sehr herzlich!


  5. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Die Sülchenkirche ist eine spätgotische Saalkirche mit polygonalem Chor und einer hölzernen Flachdecke.
    Architektonisch nix besonderes und so etwas gibt es hier im schwäbischen Raum wie Sand am Meer.
    Damit könnte mensch es bewenden lassen, Ende der Beschreibung.

    Aber die ganze Sache ist ein wenig komplizierter und spannender:

    Das spätgotische Kirchlein in Sülchen am Rande des heutigen Rottenburg am Neckar hatte eine äußerst prominente Bauherrin(!).

    Nämlich die kurpfälzische Prinzessin Mechthild von der Pfalz (1419-1482), aufgewachsen in der Universitätsstadt Heidelberg, verheiratet mit dem Grafen Ludwig I. von Württemberg und Mutter des allhier hochverehrten späteren Herzogs Eberhard im Barte.

    Nach dem Pesttod ihres ersten Männe und als Mutter von fünf Kindern heiratete Sie mit 33 Jahren ein wenig überraschend den deutlich standeshöheren Erzherzog Albrecht VI. von Österreich, den Bruder des damaligen Kaisers Friedrich III.

    Im Jahre 1463 war Sie im Alter von 44 Jahren bereits wieder Witwe und bezog im vorderöstereichischen Rottenburg am Neckar ihren Witwensitz und baute "ihre Residenz" zu einem Musenhof aus.

    Die erste deutsche Übersetzung des "Dekameron" veranlasst sie...und die Kirche von Sülchen sollte ihre Grablege werden....

    Daraus wird dann nix, denn heute liegt sie neben ihrem Sohn Eberhard im Barte in der Stiftskirche zu Tübingen, übrigens gehen die Gründungen der Universitäten Freiburg 1457 und Tübingen 1477 auf ihre Initiative und Willensstärke zurück.
    (Obwohl ihr Sohn Eberhard im Barte und ihr zweiter Mann Albrecht bis heute als jeweiliger Unigründer in den Annalen stehen....)

    Das spätgotische Sülchenkirchlein darbte dann in den folgenden Jahrhunderten als Friedhofskirche am Stadtrand von Rottenburg am Neckar dahin.

    Aber plötzlich und unvermittelt steht das Kirchlein wieder im hellen Scheinwerferlicht der - zumindest regionalen - Geschichte:
    Im 19. Jahrhundert entsteht mit Napoleons Hilfe das Königreich Württemberg und - horribile dictu - sind nun auch katholische Menschen Untertanen dieses größeren Reiches....

    Eine neue Diözese muss gegründet werden für die Altgläubigen und Rottenburg wird als Bischofssitz erwählt....
    ...und wo Bischöfe leben, sterben sie auch und eine repräsentative Bischofsgruft ist von Nöten... und wieder ist Sülchen ein Ort der Geschichte, denn hier wird nach vielerlei Wirrrnis die Gruft der Bischöfe unter dem Chor eingerichtet....und bis 2011 auch neun von ihnen bestattet.

    ----Fortsetzung folgt ----

    1868 war es endlich soweit:
    Die protestantischen Herrscher in Stuttgart erteilten huldvoll die Genehmigung für die Errichtung einer Gruft in Sülchen.

    Ein wenig Pech war, dass man sich zu diesem Zeitpunkt nicht an den ursprünglichen Namen des Ortes erinnerte... Sülchen kommt wohl von dem althochdeutschen Wort "Sulika" = das Sumpfige......

    Die Gruft lief voll... langsam aber sicher und im Jahre 2011 sollte saniert werden... der Wasserstand nach starken Regenfällen war nicht mehr akzeptabel...

    Das war die Stunde der Archäolog*innen, die Grandioses ans Licht brachten und die Diözese hatte Geduld und Geld für diese Sisyphosarbeit....

    Gefunden wurde eine Steinkirche aus dem 8. Jahrhundert und eine Nachfolgekirche mit drei Schiffen und Rundapsiden aus dem Jahr 1000....
    ...und das Ganze wurde auf ein Gräberfeld draufgepfropft das aus dem 6. und 7. Jahrhundert stammt!

    Da kratzten sich die Archäolog*innen hinter den abstehenden Ohren:

    1. Eigentlich gibt es keine Steinkirchen im Südwesten im 8. Jahrhundert, die sind, wenn überhaupt da, aus Holz.
    2. Kirchen werden zu diesem Zeitpunkt nie und nimmer auf älteren Gräberfeldern, von sogenannten Heiden gebaut....
    3. Warum baute jemand um das Jahr 1000 eine vergleichsweise riesige dreischiffige Kirche ins sumpfige Neckartal...?
    Der Ort Sülchen musste zu diesem Zeitpunkt offenbar ein wichtiger Zentralort im Sülchgau gewesen sein...

    Was wurde nun außerdem gefunden:

    Im Untergrund der Kirche aus dem 15. Jahrhundert, die man bis acht Meter tief untertunnelte, wurden 80 frühchristliche Gräber aus dem 5. bis 7. Jahrhundert nachgewiesen und weitere 300 Gräber aus späterer Zeit- bis in die Barockzeit.

    Eine Glockengrube für eine im Durchmesser 90 Zentimeter große Glocke für die Kirche um 1000.
    Das gibt es nördlich der Alpen auch nicht sehr oft...

    ...und in den Gräbern der Frühchristen fanden die Archäologen den "Sechser im Lotto"...

    Im Grab einer jungen Frau war ein rundes Schmuckstück mit einem Kreuz in der Mitte vorhanden. Hinweis für den "neuen" Glauben.

    Gleichzeitig trug das Mädchen eine spätantike römische Münze unter der Zunge. Das machte man oder frau nur, wenn mensch glaubte, den Fährmann Charon, der die Toten über den Fluss Styx in die Unterwelt brachte, bezahlen zu müssen.....

    Christin oder etwas anderes, oder der Übergang von einer Religion zur anderen?!

    Hier wird erfahrbar, wann das Christentum in Alamanien Einzug hielt und die Initiatoren waren die Franken aus dem Norden....

    Sülchen ist ein Ort an dem seit 1500 Jahren Menschen beerdigt werden - bis heute - und die an ein Weiterleben im Anderen glaubten.... egal an was sie glaubten...

    Ein Ort zum Nachdenken und Innehalten.

    Gruß Schroeder


    P.S.
    Die Kirche Sülchen und die neue Bischofsgruft ist tagsüber meist zugänglich, außer während liturgischer Feiern, Beerdigungen und ähnlichem....

    Die Ausgrabungsstätte ist nur mit einer Führung zugänglich.
    Anmeldung und Terminnachfrage:
    Diözesanmuseum Rottenburg
    07472-922180
    museum@bo-drs.de

    geschrieben für:

    Religiöse Gemeinschaften in Rottenburg am Neckar

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    5.

    eknarf49 Drohungen wie "Fortsetzung folgt" können mich nicht beeindrucken (! ) - Albrecht und Eberhard sind mir wohlbekannt. Vielen Dank für den überzeugenden Bericht.
    Vom Dekameron habe ich selbstverständlich noch nie gehört, auch nicht vom Heptameron.
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    opavati® Zum Stichwort »Dekameron« empfehle ich diese alte Ausgabe, mit wunderbaren Holzstichen des Weißenseeers Prof. Werner Klemke.

    https://www.zvab.com/servlet/BookDetailsPL?bi=22594248652&searchurl=hl%3Don%26tn%3Ddas%2Bdekameron%26sortby%3D20%26an%3Dklemke
    Sir Thomas Wo soll ich denn jetzt fast 70 Euro hernehmen, opavati®? Zumal es hier kostenlose Novellen gibt. Sehr schön, lieber Schroeder - man erinnert sich allzu gern. Viele Grüße, dein (ex)altgläubiger Erzengel.
    eknarf49 Franken werden doch immer wieder unterschätzt wie sich hier wieder zeigt.
    Wenn das Kreuz zweifelsfrei auf den christlichen Glauben verweist, ist das in Verbindung mit der Münze wirklich eine Sensation. :-)
    Sir Thomas versumpfte ich dereinst in der Gruft (was mir dann relativ egal wäre) so fände man darunter Silberscheiben mit britannischem Schalmeyenklang, wenn nicht gar den Heiligen Gral ;-)
    Schroeder By the way: Das Stöffchen von heute gefiel mir...
    Ein wenig scharf in der A-Note, aber dann fruchtig im Abgang.
    Trotz Bourbon eine gute 7.
    Sir Thomas der gute Keith ist ja auch schon alt. Sehr angenehm, TN nachvollziehbar, bisher der Beste. Bei mir wäre das dann eine gute 8.
    vinzenztheis Hochinteressanter provinzieller Geschichtsunterricht. Verdienter Däumling.
    Dass das Decameron von Giovanni Boccaccio schon damals dermaßen inspirierend war setzt mich in Erstaunen.
    Schroeder Ja, Kati, liebstes Teammitglied, was machst Du denn hier, Du weilst doch noch auf der urläublichen Hängematte! :-D
    LUT Es muss Spaß machen, zu buddeln und zu finden. Das hast du sehr schön beschrieben, Schroeder. Aber wie sollte es auch anders sein.

    Da gratulier ich gern zur höchsten aller Auszeichnungen.
    grubmard So, jetzt habe ich diese Bewertung zum vierten Mal geliket und hoffe, dass er diesmal Bestand hat der Like ...

    Das mit dem fotografieren von einzelnen Objekten müssen wir aber nochmal üben ....

    Ansonsten tolle Beschreibung. Glückwunsch.
    Schroeder Mein "mea culpa" habe ich ja schon vorrausschauend zu Protokoll gegeben.
    Das unendliche Like ist natürlich Deine patriotische Pflicht, lieber grubmard.... ;-)
    grubmard Das mit den sich auflösenden Likes tritt irgendwie verstärkt auf, sehr zu meinem Leidwesen, denn man kann ja nichts alles x-mal kontrollieren.
    Calendula Und ich glaubte schon, das ich wieder mal alleine das Problem der entfleuchenden Likes habe ... von wegen Frauen und Technik. ,-)
    Sir Thomas Ja sehr schön, lieber Textfummler. Dass der Wochenblitz in eine profunde Kirchenbesprechung des lieben Agnostikers einschlägt, ist ja fast schon amüsant. Gleichwohl hochverdient. Gott zum Gruße, T.
    Sedina Herzlichen Glückwunsch zu diesem wieder hochinteressanten Beitrag und seiner besonderen Auszeichnung.
    Kreuz und Münze lassen mich etwas schmunzeln, das Bedürfnis nach mehrfacher Absicherung scheint auch heute noch weit verbreitet.
    Blattlaus Ich komme ja momentan kaum zum Lesen, deshalb verspätet meinen Glückwunsch zur Trophäe für diese interessante Bewertung.
    Da hätte ich gerne ein wenig mitgebuddelt, finde es sehr spannend, was so alles im Boden liegt und zugebaut wurde.
    In Pforzheim wurden jetzt Klosterfundamente unter einem Parkplatz entdeckt.
    Eins würde mich aber interessieren, nämlich woher wusste oder sah man, dass die Münze unter der Zunge lag? Da können doch nur noch Knochenreste übrig geblieben sein?
    Schroeder Das Alte hat "immer" geholfen, da kann das Neue nicht schaden, lieber sedina... ;-)

    Die Münze lag im Unterkiefer des Mädchens, liebe blattlaus und zu dem ist dieser Bestattungsbrauch aus der Spätantike auch schriftlich belegt.
    Deshalb weiß man, dass die Münze unter die Zunge gelegt wurde...
    FalkdS Bekommt man für eine bewusste vorsätzliche Tat keinen Dank???
    Wo bin ich hier hineingeraten...?????
    ;-)
    ubier Ja, meine Vorfahren waren keine großen Helden - eher Opportunisten.

    Und?

    Hat es den Franken was genützt?!? Siehste...


  6. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

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    Aus Tübinger Sicht liegt jenseits der berühmten, steilen "Blauen Mauer" der Schwäbischen Alb, wo sie langsam und milde ins Donautal hinabgleitet, das Kleine Lautertal mit dem Weiler Lautern, der heute zum künstlichen Zentralort "Blaustein" gezählt wird.

    Das Kleine (es gibt auch ein Großes) Lautertal (also Eigenname...) durchzieht eine winzige, immerhin geteerte Verbindungsstraße aus dem Blautal kommend auf der man aber ungern einem anderen Auto aus der Gegenrichtung begegnet.
    Wenn man das Tal allerdings von der "Tübinger" Seite erreichen will, verweist das Navi zögernd und mit vielen Warnschildern im Display auf die "Lautertalsteige" von Weidach hinab ins tiefe kleine Tal.
    Ich glaube, das ist die einzige ungeteerte Piste im Ländle, die offiziell eine Ortsverbindungsstraße sein will...
    Da staunt selbst der Einheimische und ohne meinen persönlichen Alb-Scout hätte ich das Wirtshaus wohl nie gefunden.

    Das Kleine Lautertal ist ein Inbegriff der schwäbischen Alblandschaft, schroffe Kalkfelsen, Magerwiesen und Mischwälder malen ein wirklich romantisches Bild, das gerade im Herbst bezaubert.

    Tief unten im Tal passiert man eine romanische Kirche, deren Ursprünge mal so aus dem 8. nachchristlichen Jahrhundert stammen sollen...
    ...und dann steht man vor dem alten Wirtshaus Lamm.

    Solide Sprossenfenster, rote Holzläden und an der Wetterseite eine hölzerne Schindelfassade vermitteln spontan das Empfinden, hier ist es Wohlsein...

    Hinter dem Haus sprudelt kräftig und fröhlich eine der schönen Karstquellen, die hier auf der Alb so typisch sind.

    Im (Wirts-) Haus knarzt der alte Holzdielenboden und alles scheint ein wenig aus der Zeit gefallen, obwohl man mit dem zweiten Blick die liebevolle Restaurierung und die gefühlvollen Neuerungen erkennen kann.

    Im Erdgeschoss erwarten den hungrigen Gast der kleine Raum am Tresen und der "Saal", wie ihn solche Häuser im letzten Jahrhundert fast noch alle hatten. Für den Ansturm der Ausflügler an schönen Wochenenden ist noch Raum im Obergeschoss.

    Denn das wirtshäusliche Kleinod hat nur an drei Tagen in der Woche geöffnet (nämlich Freitag bis Sonntag), eine Internetseite leistet man sich nicht, warum auch, die Kenner und Insider strömen auch so...
    Reservierungen hat man bitteschön ganz traditionell telefonisch zu erbitten.

    Wir, die Lamm-Anfänger, fanden an diesem Samstagmittag nur noch mit viel Mühe ein Plätzchen vor dem Tresen und hockten uns staunend am schönen Holztisch auf Ulmer Hocker, die jeden designaffinen Menschen mit der Zunge schnalzen lassen, stammen sie doch aus der Werkstatt der legendären Ulmer Hochschule für Gestaltung, die bis 1968 Maßstäbe im deutschen Design entwickelte.
    Old Style trifft auf klassische Moderne mitten auf der Alb.... wow!

    Die kleine Karte bietet traditionelle und regional typische Kost in großartiger Qualität.
    Most ist natürlich hier das obligatorisches Getränk, weniger mutige Gäste aus dem weiteren Umland können lokales Bier oder die großartigen Weine aus dem nicht fernen Remstal verkosten.

    Das Rindergulasch mit Spätzle, die hier schon Knöpfle heißen, war lange eingekocht und so zart wie man es selten bekommt.

    Auch die unnötigerweise - wegen der servierten Menge an Gulasch - georderte Flädlesuppe war ein Traum von Rinderbrühe mit hauchfeinen, klein geschnittenen Pfannkuchen. (Hier ist nicht die "Berliner" Variante gemeint).

    Die Preise sind moderat, aber angemessen und der kleine Biergarten unter alten Bäumen und die eiskalte Quelle der Lauter hinter dem Haus lassen auch kleinere Gäste die Wartezeit fröhlich überbrücken.

    Eine Entdeckung und trotzdem kein Geheimtipp.
    Dafür richtig gut, so wie das gesamte Ländle... ;-)

    Gruß Schroeder

    geschrieben für:

    Restaurants und Gaststätten in Lautern Gemeinde Blaustein

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    6.

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    FalkdS Die tolle Bewertung ist keine 30 Minuten alt,
    hat zweimal gefällt mir und
    schon taucht der berechtigte grüne Daumen auf,
    mein Glückwunsch dazu.
    Sir Thomas Sehr schön!! Auswärtigen-/Automobilistengerecht wie das Unterjesinger Lamm ist ja wohl nicht der alleinige Maßstab. Ich hoffe, du kannst verantworten, dass dieses Lamm jetzt kein insideriger Geheimtipp mehr ist, lieber Schroeder ;-)
    Schroeder Es ist schon lange kein Geheimtipp mehr und der verantwortlichen Frauencombo gönne ich das von Herzen, lieber Sir.
    Puppenmama Danke für Deinen tollen Bericht. Solche Gasthäuser liebe ich. Die sind so schön gemütlich.
    Herzlichen Glückwunsch zum verdienten grünen Lamm-Daumen.
    eknarf49 Ein Bericht, der mir ausgezeichnet gefällt, nur das Geknarze muss abgestellt werden! Man will sich ja wohl bei Ärger ungehört davonstehlen können.
    Äußerst feinen Gulasch habe ich vor kurzer Zeit auch genießen dürfen, allerdings mit Semmelknödeln.
    Sedina Das klingt wirklich erlebenswert - ich beginne schon mal, auf einen SUV zu sparen ;-)))
    Glückwunsch zum Grünen Daumen!
    Sedina Ich merke schon, ich war wieder mal politisch unkorrekt, und das auch noch im grünen Ländle.
    Deine Göttin hättest Du einfach hochgepumpt und dann nichts mehr von den Widrigkeiten der Lautertalsteige mitbekommen ;-)))
    Schroeder Eine Deiner Lieblingstugenden... Zwei SUV kommen da nicht aneinander vorbei... die ahnungslosen Besitzer beherrschen ja ihre Ungetüme nie auf weichem Untergrund....
    LUT Es geht doch nichts über einen echten Schroeder als Frühstückslektüre ;-) Die weckt Sehnsucht... aufs Ländle.
    Glückwunsch zur Begrünung :-)


  7. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

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    Was erwartet den geneigten Besucher, den heimatverbundenen Einheimischen oder den jungendlichen Entdecker auf der Schwäbischen Alb?

    Viele Stoiner, kaum Wasser, pittoreske Wacholderheiden mit (zunehmend weniger werdenden) Schafherden und Höhlen, Höhlen, Höhlen....

    Allein zwölf Schauhöhlen buhlen im sogenannten GEOPARK Schwäbische Alb um Besucher*innen:

    Die eine kann nur mit Booten befahren werden (das Wasser verkriecht sich in dieser Karstlandschaft nämlich in den Untergrund), die nächste schmückt sich mit glänzenden Tropfsteinen (Stalaktit und Stalakmit kann jeder schwäbische Erstklässler fehlerfrei deklamieren), in der nächsten schnitzten unsere Vorfahren aus Knochen und Elfenbein die ältesten Kunstwerke und die ersten Musikinstrumente der Welt (WELTKULTURERBE!) und gegenüber hausten Bären und Säbelzahntiger während diverser Eiszeiten im etwas wärmeren Untergrund des so heimeligen schwäbischen Mittelgebirges (höchste Erhebung: 1000 und zwei Meter).

    Profihöhlenforscher durchstreifen die Kilometer langen Schächte kriechend, schwimmend oder tauchend (auch mal mit einem Mini-U-Boot) und verfolgen die Ströme des versickernden Donau- und Neckarwassers von heftig schüttenden Quelltöpfen der Blau oder der Ach aus.

    Für Nicht-Profis ist die Laichinger Tiefenhöhle, diejenige mit dem höchsten Pseudo-Forscher-Erlebnis.
    Denn hier kann man über Treppen und eiskalte und feuchte Leitern (acht Grad ist es hier zu jeder Jahreszeit kalt) in den Untergrund steigen, rutschen oder gleiten. (Platzangst sollte mensch nicht mitbringen, aber wasserfestes Schuhwerk und gegebenenfalls Handschuhe auch im Sommer).

    Die Tiefenhöhle von Laichingen ist die einzige zur Schauhöhle ausgebaute Schachthöhle in Deutschland. Mit 80 Metern Tiefe und 1.253 Metern Gesamtlänge zählt sie zu den bedeutendsten Karsthöhlen der Schwäbischen Alb.

    Die Pseudo-Forscher können auf immerhin 55 Metern Tiefe absteigen und dabei sind großartige unterirdische Hallen und steile Schächte zu entdecken.

    Die Höhle wurde 1892 vom sogenannten Laichinger Sand-Mack entdeckt.

    Johann Georg Mack war Sandgräber auf der Laichiger Alb (ein damals rarer Rohstoff auf dem Kalkgebirge), der sich wunderte, dass seine am Tag angehäuften Sandberge über Nacht immer wieder verschwanden.
    Der Sand rieselte nämlich in die Spalten der Höhle und wurde nicht wie erst vermutet geklaut....

    Sein 16-jähriger Sohn war dann der erste "Erforscher" dieser Höhle...

    1906 war die Höhle dann bis an ihren heute bekannten tiefsten Punkt erforscht.
    In den 1930er Jahren wurde sie zur Schauhöhle ausgebaut und elektrisch beleuchtet.
    Seit 1975 gibt es einen künstlichen Ausgangsschacht, so dass die Höhle heute durch einen zweiten Ausgang verlassen wird.

    Der Hauptteil der Höhle befindet sich im Massenkalk, einem massiven und ungeschichteten Kalkstein, der als Riff entstanden ist. An vielen Stellen kann man die Schwämme erkennen, die das Riff aufbauten. Die Höhle besitzt kaum Tropfsteine, hat aber eine Verbindung zum 15 Kilometer entfernten Blautopf bei Blaubeuren.

    Ein kleines Museum zur Geschichte der Höhle mit den Funden und ein kleines Wirtshaus mit Biergarten und Spielplatz runden die Expedition in die Tiefe familien- und kindergerecht ab.

    Gruß Schroeder

    P.S.

    Öffnungszeiten:
    Palmsonntag bis Ende der Herbstferien in Ba-Wü
    täglich 9-18 Uhr

    Eintritt 2017:
    Erwachsene 4€, Kinder 2,80€

    geschrieben für:

    Vereine in Laichingen

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    7.

    Calendula Elektrisch beleuchtete Höhlen? - Neumodischer Kram. ;-)
    Die Beschreibung ist toll ... hat Spaß gemacht, sie zu lesen.
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    Schroeder Die Bilder würden Dir Geschmack machen, lieber Metropolenjunkie...
    Dieter, Du weist , wo es schön ist... ;-)