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  1. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

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    Als Bodenständig und gradlinig wurde der langjährige Bremer Bürgermeister Wilhelm Kaisen zu seinen Lebzeiten wahrgenommen. Er soll ein Mensch gewesen sein, der sich selber nicht all zu ernst genommen hatte. Zusammen mit dem Engagement für die Stadt und seine Einwohner hat ihn zu einem beliebten Kommunalpolitiker gemacht. Bei dem Denkmal, das zu seinen Ehren errichtet worden ist, wurde auf ein Sockel verzichtet, was das ganze versinnbildlichen soll. Wenn man jemandem auf Augenhöhe begegnet, dann zeugt das von der Nähe zu einander! Auch, wenn Wilhelm Kaisen Bürgermeister gewesen ist, hatte er (was auch von seinen „Kollegen“ bestätigt wurde) keine „Allüren“, was sein Amt anbetrifft. Im Grunde genommen, war er 1919 von Hamburg nach Bremen zog, ein passionierter Bauer, der erst paar Jahre später (1921) Abgeordneter wurde. Dass der aus einfachen Verhältnissen stammende Kaisen, es so weit schafft und nach dem 2. WK über 20 Jahre der Bürgermeister Bremens werden sollte, war bei ihm sicherlich nicht vorhersehbar.

    Das Denkmal ist einer der informativsten, das ich je bei einem Stadtrundgang entdeckt habe! Es befindet sich in Sichtweite des ehem. Stadtwals. An diesem führte mein Weg zu mehreren anderen Sehenswürdigkeiten, die ich mir für den Ausflug ausgesucht habe. Neben dem Mann kann man zwei Stelen und eine Tafel dort vorfinden. Ohne die letztgenannte, würde es eine Darstellung von vielen, bei der ein Mann im Mittelpunkt steht. In Verbindung mit den beiden kann man bestens nachvollziehen, worum es sich dabei handelt.

    Zum einen gibt es eine Silhouette einer zerstörten Stadt, sowie eine, die drauf hin neu errichtet worden ist. Das ist ein Erfolg, der eben auf den Dargestellten Bürgermeister Wilhelm Kaisen zurückgeht! In seiner Position kümmerte es sich sowohl um einen wirtschaftlichen Aufschwung, als auch, damit das überhaupt realisierbar sein konnte, um die notleidende Bevölkerung. Nach dem 2. Weltkrieg war das vor allem ein Obdach für diese Menschen am notwendigsten! Durch diese Tat wurde er zum „Baumeister“ Bremens in der (damals) „jungen Bundesrepublik“! Der Wiederaufbau mit der Erschließung neuer Wohngebiete sollte Jahrzehntelang sein Engagement bestimmen! Bis zu seiner „ehrenvollen Verabschiedung“ im Jahr 1965 sollten es ca. 40.000 Wohnungen werden! Der Sozialdemokrat (SPD) hat mit der Gründung der „Bremer Volkshilfe“ (heute ein Verein) ab 1946 (nach dem Berliner Vorbild der „Arbeiterwohlfahrt“, die schon seit 1919 existiert organisiert) sollte der Plan umgesetzt werden. Eine weitere Zielsetzung war die Not zu lindern und soweit möglich, eine materielle Hilfe (zum Teil aus Spenden) zukommen zu lassen.

    Kaisen war aber bereits nach dem 1. WK politisch tätig. Schon früh (mit 20 Jahren) trat er der SPD bei und schon 5 Jahre später sollte er auf eine politische Laufbahn vorbereitet werden. Eigentlich war geplant, dass im Anschluss daran er als Abgeordneter im Senat werden sollte, doch der Krieg kam „dazwischen“. Danach, weil er selbst unter der Wohnungsnot „gelitten“ hatte, zog Wilhelm (inzwischen Verheiratet) mit seiner Frau Helene nach Bremen. Verschiedene Tätigkeiten sollten folgen. Eins ist aber dennoch erwähnenswert: es liegt nahe, dass seine Empathie für die Belange der anderen eng an sein eigens Leben geknüpft ist! Ob es zusätzlich mit dem Übernehmen des Wohlfahrtsressorts im Bremer Senat, das er ab 1928 innehatte, verstärkt wurde, bleibt wohl unbeantwortet…. Mit der Machtergreifung der Nazianalsozialisten wurde Kaisen aller Ämter enthoben, sodass er sich (wie anfangs erwähnt) der Selbstversorgung ;-) widmete.

    Seine selbstlose Art wird zusätzlich durch ein besonderes Ereignis betont: 1962 als Kaisen den 75. Geburtstag begangen wurde, erschien in der Parteiinternen Zeitschrift, dass er auf jegliche Geschenke verzichte, um es der Bremer Volkshilfe zukommen zu lassen! Heutzutage kennt man es von diversen „Promis“, das sie zur Zwecken der Selbstdarstellung in den Medien (mitunter sehr wirksam) publik tun, um „Profit“ daraus zu ziehen. Das wäre sicherlich alles andere als im Sinne des Dargestellten. Wenn man sich die Fotos mit seiner Person drauf anschaut, hat man den Eindruck, mit einem „typischen“ Hanseaten zu tun zu haben: ein Pullunder, Strickjacke, Schirmmütze, einfache Hose und manchmal eine weitere Jacke drüber. Bei der Bronze von Christa Baumgärtel ist er, wie man sehen kann, weniger legere gekleidet. Einzig die vorher aufgezählte Kopfbedeckung ist den beiden gemeinsam.

    Die Haltung ist schon lässig mit der einen Hand in der Tasche aber was dort in der anderen zu sehen ist, läßt sich nur vermuten. Es erinnert jedenfalls an ein Buch / Mappe, in der die Aufgaben aufgelistet sein könnten. Da sein Blick zu den neuen Häusern schweift, liegt diese Vermutung nahe. Die Kleidung ist richtig „seriös“ mit Anzug, Weste mit einem Mantel darüber. Aus meiner Sicht sind aber die Schuhe ein wenig klobig geworden. Es ist eins der Funde, das mir ausgesprochen gut gefällt. Hier kann ich mit Überzeugung volle Zustimmung geben! Wenn man da sein sollte, unbedingt anschauen!

    Was zusätzlich für die Beliebtheit dieses Kommunalpolitikers spricht, dass mehrere Einrichtungen in den letzten Jahrzehnten nach ihm benannt wurden. Der in dem Zusammenhang am häufigsten genannt wird, ist die Wilhelm und Helene Kaisen-Stiftung, die 1995 gegründet wurde. Seit 2001 ist es gleichzeitig eine Dokumentationstätte, die das Leben und Wirken des besagten beleuchten. Durch verschiedene Schenkungen und Nachlässe kann man seit 2015 sich das einstige Wohnhaus des Ehepaars in Bremen Borgfeld besichtigen. Das möchte ich nicht unerwähnt lassen, auch wenn ich es persönlich nicht kenne! Falls man das gelesene weiter vertiefen möchte, kann man es auf der HP der besagten Stiftung nachlesen: https://www.wilhelm-helene-kaisen-stiftung.de.

    Der Hintergrund, warum der Denkmal überhaupt errichtet worden ist, war der 125. Geburtstag Kaisens, der am 22. Mai 1887 das Licht der Welt erblickt hatte. Hier wurde auf eine Erhöhung verzichtet. Dem ganzen ging eine Ausschreibung statt, an dem sich mehrere KünstlerInnen beteiligt haben. Das ganze ging von der Stadt Bremen aus.

    geschrieben für:

    Freizeitanlagen in Bremen

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  2. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

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    Wenn man wie die junge „Kulturbeauftragte“ vor Jahrzehnten, die in der Nähe gelebt hat, nach einem Erholungsort in Düsseldorf gefragt hatte, dann kommt nur einer in Betracht: der Volksgarten / Südpark, der in jeder Jahreszeit eine andere Seite dem Besucher offenbart. Das Gelände ist wirklich riesig mit seinen 87,5 ha! Für jeden ist das passende dabei! Viele Wege führen auch dahin! Bei schönem Wetter ist hier allerlei los, denn wenn der Thermometer über 25° C klettert, wird das Wasser aufgedreht, es sorgt damit für Abkühlung am gleichnamigem Spielplatz, doch die stehen vor allem den kleineren Besuchern zu Verfügung. Doch für das Kind im Erwachsenen gibt es auf dem anderen Ende des Parks eine nette Spielerei bereit: die physikalischen Instrumente des Archimedes in Form einer Schraube, eines Wasserlaufs und weiterer „Spielereien“, die man in dem Zusammenhang vorfinden kann.

    Bei der vorhin erwähnten Größe, finde ich es empfehlenswert, eine grobe „Zielvorgabe“ anhand zu geben! Dieser besondere Spielplatz liegt nicht mehr im Stadtteil Oberbilk, sondern bereits zu Wersten. Erreichbar ist es mit Auto über den gleichnamigem Zubringer, dennoch kann ich nicht mit Sicherheit sagen, wo die nächsten Parkplätze sich befinden. Mit den Öffis kann man von der Altstadt mit U 71 und 73 bis zu HS „Südpark“ fahren und über die Brücke dorthin gelangen, als auch vom HBF mit den U 74, 77 oder 79 (nur an Werktagen) bis „Harffstraße“. Wenn man die Kirche hinter sich gelassen hatte, um den Weg nach links zu nehmen, hat man es nach wenigen Schritten bereits geschafft!

    Dieser Wasserspielplatz ist nur mit positiven Erinnerungen verbunden, was man nicht auf alle anderen Teilbereiche des Südparks übertragen kann. Das ist eigentlich sehr schade! Hier muss ich an den Spruch denken: „man ist immer so jung, wie man sich fühlt“! Bin selbst eher sich sonst kaum für Naturwissenschaften begeistern läßt. An der Stelle ist es aber ein besonderes Vergnügen, es dennoch zu tun. Eigentlich ist der Spielplatz eher für kleinere Kinder ausgelegt, doch auch die Erwachsenen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen oder wenig los ist, greifen bei den „Instrumenten“ zu, die es hier gibt! Mir erging es nicht anders, als ich diese Fotos gemacht habe, die man hier verlinkt sehen kann.

    Ohne Archimedes, der dem Spielgerät seinen Namen gab, wäre die Geschichte vielleicht anders verlaufen: bereits in der Antike gab es Betrüger, die sich auf Kosten anderer bereichern wollten. So auch ein (Gold)Schmied, der, der Sage nach, eine Krone herstellen sollte, die aus purem Gold angefertigt war. Da der König Hieron II. wissen wollte, ob das auch der Fall ist, hat er den Gelehrten gebeten es zu überprüfen ohne diese zu beschädigen. Bei einem Bad ist es dem besagten auch gelungen. Seine Gesetze der Mathematik und Mechanik werden bis heute weiterhin verwendet, auch wenn die Spanne bis dahin mehrere Tausend Jahre beträgt! Seine Erkenntnisse sind, das muss ich als Wissenschaftsbanause feststellen, bahnbrechend gewesen!

    Dieses Beispiel ist einer von mehreren, die durch seine Beobachtungen in unterschiedlichen Formen umgesetzt worden sind. Die hier befindliche Schraube ist eine von ihnen. Es ist eine einfache aber effektive Methode, um Wasser für die Bewässerung nutzbar zu machen. Es half Höhenunterschiede zu überbrücken und gleichzeitig wurde durch das innen befindliche Turbine konnte Kraft eingespart werden, die man sonst aufwänden müsste. An diesem Spielplatz wird es zu einem besonderen Spaß, auch wenn die eigentlichen Nutzer den historischen und wissenschaftlichen Kontext nicht kennen können! Bei ihnen steht sicherlich das Interesse an dem Spiel als solches!

    Im Südpark wurde, wie man es anhand der Fotos erkennen kann, ein Wasserkreislaufs in Betrieb gesetzt, der nicht nur an dieser besonderen Stelle sich zeigt. Wie beschrieben, deren Verlauf ist etwas oberhalb des ganzen zu finden. Wie so häufig ist dieser Bereich mit Stufen verbunden, was es für Menschen mit Gehproblemen den Weg deutlich erschwert. Bei solch einem tollen Wetter, wie es in den letzten Tag (größtenteils) es gewesen ist, ist es ein Magnet für die Familien mit ihren Kindern. Aus meiner Sicht könnte es ein wenig mehr Sitzbänke geben, doch das wäre meckern auf hohem Niveau gewesen.

    Dieser Spielplatz setzt sich aus mehreren Teilbereichen zusammen: der letzte richtet sich an die Kleinsten: in einem Sandkasten gibt es einige Spielgeräte, die selbst mich zum schmunzeln gebracht haben: ein (Mini)Bagger, div. Schaukeln und ein „Wassertisch“, der leider bei meinem Besuch außer Betrieb gewesen ist :-(. An einem solchen Ort kann man sich entspannen und / oder sich an den beschriebenen Geräten erfreuen! Kenne viele, die diesen besonders gerne mögen und falls dem selbst sehr lange nicht mehr dort gewesen sind, in entsprechenden Erinnerungen schwelgen! Es ist ein Favorit, der kein weißer Fleck bleiben darf! Mit bester Empfehlung!

    geschrieben für:

    Spielplätze / Freizeitanlagen in Düsseldorf

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  3. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

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    Es gibt und gab seit jeher Berufe, die mehr oder weniger geachtet wurden. In einer Zeit, in der es keine Selbstverständlichkeit gewesen ist, dass man seine Notdurft hinter verschlossenen Türen verrichten konnte, gab es Leute, die es in regelmäßigen Abständen abgeholt haben. Einer von ihnen war in Dülken (heute Stadtteil von Viersen) der hier abgebildete „Tien Anton“. Erneut handelt es sich um ein „Original“. Eins sei aber vorweg verraten: das war nicht sein „richtiger“ Name gewesen! Der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Mann hat sein Lebensunterhalt als Tagelöhner verdient. Dieser ging eins von Haus zu Haus, um das zu sammeln, was nach dem Verdauen „übrig“ geblieben ist. Erkennbar war „Tien Anton“ an seiner Schubkarre, einem Fass und einem „Schöpfer“, mit dem er es entnommen wurde.

    Nicht alles, was sich aus heutiger Sicht positiv anhört, musste zu Lebzeiten eines solchen Menschen es ebenfalls gewesen sein! Der Spitzname „Tien“ bedeutet so viel wie Jauche! Wenn man es genau wissen sollte, sein vollständiger Name lautete Peter Anton Stams. Er lebte zwischen 01.10.1836 – 1895. Wie ich öfter bei solchen „stillen Helden“ mitbekommen habe, wird bei dieser Skulptur auf einen Sockel verzichtet wurde. Die Erscheinung soll tatsächlich der hiesigen Abbildung sehr ähnlich ausgesehen haben. Der kleine Mann soll gerade 1,70 Meter groß gewesen sein. Durch seine Holzpantinen konnte man Tien Anton bereits von weitem hören. Das ist auch einer der Details, die man an der Figur finden kann. Durch die Darstellung ist ein „Fenster“ in die Vergangenheit eröffnet worden, die so weit zurückliegt, dass man es sich selbst kaum vorstellen kann!

    Den „Dreckbeseitiger“ habe ich eher durch ein Zufall entdeckt, als ich einen Spaziergang durch Dülken gemacht habe. Zu finden ist es an der Einmündung der Blauensteinstraße. Das Original ist mit den vorher erwähnten Gegenständen abgebildet: Schubkarre auf dem ein Fass mit Deckel steht. In der linken Hand trägt er eine recht große Schöpfkelle, mit der der anderen hält er sein Transportmittel. Höchstwahrscheinlich, damit die schlechten Gerüche und / oder die üble Brühe in dem Fass bleibt, wurde ein Lappen unter dem Deckel angebracht. Anbetracht dessen, kann man froh sein, dass heute ein Knopfdruck oder ähnliches reicht, um seine Ausscheidungen dezent los zu werden. Vor allem hygienischer. Es war aber notwendig, denn sonst führte es, wenn man es „durchs Fenster“ entsorgte, in den vergangenen Jahrhunderten zu schlimmen Seuchen mit entsprechend vielen Opfern!

    So „düster“ soll man die Darstellung aber nicht wahrnehmen! Man kann es mit der „Müllabfuhr“ vergleichen. Eine Gemeinsamkeit ist sicherlich, dass es stets zu einem Sammelpunkt abtransportiert werden musste. Nur die „Mittel“ haben sich weitgehend geändert… Das gleiche gilt auch für die „Berufsbekleidung“, die dabei getragen wird. Die Bronzefigur trägt eine markante Kopfbedeckung (Bowlerhut). Wie es zum Teil noch heute am Niederrhein und den nahen Niederlanden getragen werden (z.B. in Trachtenform), befinden sich auf den Füssen Schuhe aus Holz (Kloggs, die in der Region auch so bezeichnet werden). Die Erscheinung ist so gekleidet, als ob er im der kalten Jahreszeit unterwegs gewesen wäre. Dafür spricht jedenfalls der dicke Mantel.

    1980 wurde durch den Bildhauer diese Skulptur geschaffen, die an die Ortsgeschichte erinnern soll. Der Aachener Bildhauer Hubert Löneke (* 27. Juni 1926 in Beller [Brakel/Kreis Höxter] - 28. April 2011 in Aachen) schuf diese und weitere Skulpturen, die man im an verschiedenen Orten sehen kann. Als Vorlage hat ein zeitgenössisches Foto von Peter Anton Stams gedient. Die ganze Darstellung ist diesem „angepasst“! Mir gefällt sie ausgesprochen gut! Auch, wenn ich nur das wenige zusammentragen konnte, finde ich, dass ich selbst etwas dazu gelernt habe. Wenn man diesen Viersener Stadtteil besuchen sollte, kann ich es besten empfehlen sich aus der Nähe anzuschauen!

    geschrieben für:

    Freizeitanlagen in Viersen

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    3.

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    Sedina Tscha, und heute wäre er arbeitslos und ich zahle weitaus mehr an die Stadtentwässerung.
    Eine schöne Geschichte! Danke und Glückwunsch zum Grünen Daumen!


  4. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

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    bestätigt durch Community

    Nicht immer, wenn man denkt, dass ein Ziel sich in der Nähe einer bestimmten Haltestelle zu finden ist, muss es auch bei genauer Betrachtung der Fall sein! Das musste ich auf der Suche nach dem Mausoleum von Carstanjen erleben. Sollte man es selbst ansteuern wollen, da empfehlt es sich den Navi „anzuschmeißen“ oder ab HS Hochkreuz bis Bonn Steinhaus mit Bus 611. In Zahlen ausgedrückt bin ich knapp 2,5 km gelaufen… Bei der Vorfreude auf das was mich erwartete, war groß genug, um frohen Mutes vorwärts zu kommen ;-). Was ich mir aber schon wesentlich früher gewünscht hätte, dass es ein Hinweisschild dahin gegeben hätte. Den gab es schon, doch erst als man quasi in Sichtweite des ganzen gewesen ist!

    Nun nur wenn man sich mit bestimmten Sachverhalten auseinander setzt, kann man es auch anderen Vermitteln. Das kann man an das besagte Stadtteil übertragen: als das Mausoleum errichtet wurde, lag es weit vor den Stadtmauern der Stadt Bonn. In der Infobroschüre, die ich mir mitgenommen habe, stand zwar, dass es in „Plittersdorf“ zu finden ist aber seit der (sehr großzügigen) Gebietsreform 1969 wurde es zu einem Teilbereich von (Bad) Godesberg und somit auch von der damaligen westdeutschen Hauptstadt.

    Diese prunkvolle Grabanlage ist ein Beispiel, mit welchen Selbstverständnis eine Familie agieren kann, die innerhalb von wenigen Generationen zu großem Reichtum gekommen ist. Es sind verschiedene Protagonisten, die durch Handel, gutes Geschick, „Heiratspolitik“ und Ehrgeiz emporgestiegen sind. Bei Adolf von Carstanjen, dem Auftraggeber war es Ausdruck seines „Standes“, nachdem er 1871 den Erbtitel eines Grafen erhalten hatte. Man kann es als „Schicksal“ bezeichnen, dass er ebenfalls der erste gewesen ist, der seine letzte Ruhestätte hier gefunden hatte. Wie man sich aber vorstellen kann, war es nicht seine einzige „Baustelle“, die auf seine „Kappe“ geht. Zum einen gibt es nach der Familie benannte Villa in der Nähe des Mausoleums. Ab 1881 lebte Adolf in Berlin und dort hatte er eine Wohnung (aber dafür über zwei Etagen ;-) ) am Pariser Platz 6 (das am Rande erwähnt).

    Wenn man sich dem Rundbau nähert und das zum ersten mal geschieht, deutet kaum etwas darauf, dass es in einem weitläufigem parkartigem Gelände, das sich bis zum Rheinufer erstreckt, befindet. Es ist ein Kulturdenkmal mit einer wechselvollen Geschichte, die dank engagierter Unterstützer eine positive Wende erfahren hatte. Doch alles der Reihe nach. 1894 konnte von Carstanjen ein Gartengrundstück mit Zugang zum Fluss erwerben. Nach dem Motto „klotzen und nicht kleckern“ hat er von Anfang an in großen Dimensionen gedacht! Nicht nur was die Anzahl die Begräbnisstätten anbelangt, sondern auch was deren äußere Erscheinung anbetrifft.

    Der Eingang zu diesem Mausoleum erinnert an eins zu einem antikem Tempel. Durch die Säulen vor dem Eisentor wird der Eindruck noch verstärkt. Die vielen Stufen aber können aber ein großes Hindernis darstellen, wenn man als Besucher rein kommen wollte. Der freistehende Bau wurde aus hellem Sandstein errichtet. Die Idee, die hinter dem ganzen stand, war eine Erinnerung für die Nachwelt zu schaffen, die einen repräsentativen Charakter besitzt aber auch ein „Musterbeispiel“ im Sinne der Kunstgeschichte sein soll. Durch die Tatsache bedingt, dass Adolf selbst erfolgreich in der Immobilienbranche gewesen ist, kannte er die „angesagten“ Architekten seiner Zeit. Einer unter ihnen ist besonders erwähnenswert und zwar der königliche „Regierungsbaumeister“ (heute in etwa mit einem verbeamteten Städteplaner vergleichbar) Johannes Baptist Kleefisch (8. November 1862 Köln - 3. Januar 1932 ebenda). Über die anderen zwei konnte ich keine Angaben finden.

    Jeder hat ein Bild vor Augen, wenn man an ein Inneres eines solchen Denkmal denkt. So war ich angenehm überrascht, wie hell und lichtdurchflutet es gewesen ist. Das ist dem Bleiglasfenster oben an der Kuppel zu verdanken. Wenn man den hallenartigen Raum durchschreitet, kommt man erst an der eigentlichen Tür, die zur Gruft führt. Rings um werden auch hier die architektonischen Elemente aufgegriffen, die man draußen bereits gesehen hatte: in regelmäßigen Abständen wurden weitere Säulen aufgestellt, die dem ganzen einen antikisierenden Erscheinungsbild verleiht. Das wird zusätzlich durch die Mosaikarbeit auf dem Boden und den beiden Kariatyden neben der 2. Tür gesteigert.

    Ein weiterer Verweis auf den Erbauer ist sein Konterfei auf einem Relief, samt Gattin (Adele geb. vom Rath (1834-1905)) und eine Metallplatte auf dem Boden. Auch, wenn die Grabstätte für die Familie von Carstanjen für die „Ewigkeit“ gedacht gewesen ist, hat es nur wenige Jahrzehnte bestand gehabt. Nachweislich wurden bis Mitte der 1980-er Jahre nur 5 Familienmitglieder ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die letzte insgesamt erfolgte 2005, als der letzte direkte Nachfahre verstarb. Mehr als 20 Jahre gab es keinen, der sich um die Instandsetzung gekümmert hatte! Durch die Tatsache, dass dieser Bereich für jedermann zugängig gewesen ist und praktisch sich keiner darum gekümmert hatte, konnte nicht verhindert werden, dass es dem Verfall preis gegeben wurde. Zudem haben sich jene Menschen dies zu Nutze gemacht, die aus Langeweile oder als Mutprobe oder ähnlichen Motiven es mit Schmierereien verschandelt! Das war aber das „kleinere Übel“ der bei dem Mausoleum entstanden ist. Durch seine unmittelbare Nähe zum Rhein drang zudem auch die Feuchtigkeit rein, die die Bausubstanz arg in Mitleidenschaft gezogen hatte. An der Stelle kommen mehrere Engagierte Plittersdorfer, damit „Ihr Mausoleum“ kein Schandfleck mehr bleiben soll!

    Durch mehrere „glückliche Umstände“ ist es ein Teil des benachbarten katholischen Friedhofs geworden. Wenn der evangelische Erbauer das geahnt hätte, würde er sicherlich nicht begeistert gewesen sein… Um aber die nötigen Mittel für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zusammen zu bekommen, wurde 2005 eine Bürgerstiftung - Rheinviertel / von Carstanjen gegründet. Seit 2007 finden in der dazugehörigen Gruft christliche Urnenbestattungen statt. Durch die damit verbundenen Einnahmen wird auch der Bestand des Mausoleums gesichert, was sicherlich im Sinne der einst vermögenden Familie gewesen wäre, auch wenn heute es für „jedermann“ offen steht und es keine rede von einem „Prestigeobjekt“ sei darf, bei dem nur die besagte Familie im Mittelpunkt steht!

    Was die grundsätzlichen Öffnungszeiten anbetrifft, kann ich keine genauen Angaben machen. Im Moment ist es dennoch (bis weiteres) nicht möglich. Sonst empfehlt es sich, wie ich es getan habe, am Tag des offenen Denkmals zu versuchen. Wenn man sich auf den Weg zum Mausoleum macht, dann ist es stets eine bewusste Entscheidung, denn es liegt in einem Wohngebiet, den man sonst kaum ansteuern würde! Mir hat es wirklich sehr gut gefallen, sodass ich dieses architektonische Juwel gerne weiter empfehlen möchte. Auch, wenn es erneut sehr lang geworden ist, war es auch für mich eine spannende Entdeckung gewesen, was es alles damit auf sich hat. Vor allem, damit es kein weißer Fleck bleibt!

    geschrieben für:

    Friedhof / Denkmalbehörde in Bonn

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  5. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

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    Nun möchte ich bei den historischen Bauten in der Godesberger Kurfürstenallee weiter bleiben und zurück zu der Villa unter der Hausnummer 6 sich wenden. Wie das vor geraumer Zeit vorgestellte „Haus an der Redute“ wurde dieses Haus im klassizistischen Stil errichtet. Wie alle anderen auch unterliegt es der Denkmalbehörde. Zu diesem Thema komme ich aber etwas später zurück. Im Vergleich zum vorher erwähnten Gebäude, ist dieses um einige Jahrzehnte „jünger“. Eine Gemeinsamkeit haben sie dennoch: einer der einstigen Bewohner gehörte ebenfalls der Bankiersfamilie vom Rath. Das streng geometrische Gliederung der Fassade wird nur von der pastelfarbenen Farbe gelockert. Es hieß, dass bei der Restaurierung darauf geachtet wurde, dass es (so nah wie möglich) am „original“ gestrichen wurde. Diese dreistöckige Villa wurde um 1840 erreichtet. Seit der Zeit hatte es ebenfalls mehrere Besitzer gehabt und die jetzigen haben ebenfalls beim „Tag des offenen Denkmals“ ihre „Pforten“ für interessierte Besucher geöffnet. Für mich ist es zu einer kurzweiligen Führung gereicht, die für immer im Gedächtnis bleiben wird! Die prächtigen Innenräume können sonst nicht ohne weiteres betreten werden, da es sich (bis auf die Praxen der Besitzer im UG) im Privatbesitz befinden. Auch ich die Gelegenheit genutzt habe, einige Fotos zu machen, möchte ich sie aus verständlichen Gründen nicht hochladen, weil ich die Privatsphäre von Dr. med. Jü Tang und Qinping Wu respektiere. Falls man Neugierig sein sollte, kann man einen kleinen Blick dort auf ihrer Seite tun: http://www.arztpraxis-dr-tang-wu.de

    Das was man außen zu sehen bekommt, ist nur ein kleiner Teil, der bis zu einer verheerenden Bombennacht 1945 übrig geblieben ist. Diese haben den Anbau aus den 1870-er Jahre unwiederbringlich zerstört. Dennoch finde ich, dass man sich das ganze (auch wenn es nur von außen ist) anschauen sollte! Was bis jetzt für einen wohlhabenden Auftraggeber spricht ist, dass es Anfangs nur als Sommerunterkunft gedient hatte. In den Räumen, die ich persönlich gesehen habe, gab es keinen Verweis auf einen Kamin oder ähnliches. In den vergangenen Jahrhunderte wurde es schließlich mehrmals die Ausstattung an die „modernen“ Anforderungen angepasst und diese war eine von ihnen. Ein weiterer Hinweis sind auch die doppelten Balkontüren und Fensterflügel. An jenem Herbsttag am Nachmittag hatte die Sonne dazu beigetragen, dass es in einem gemütlichem Licht „getaucht“ wurde… Kann verstehen, dass die Besitzer sich in diese Immobilie „verliebt“ haben.

    Bei einem Rundgang durch das Gebäude erfuhren die interessierten Besucher von einem Freund der Eigentümer, dass ein Traum sich schnell in dessen Gegenteil verkehren kann. Es ist das eine einen Kauf zu tätigen und hinterher aufgrund der Auflagen der Denkmalbehörde scheitern zu sehen! Der „Führer“ und Kenner der Branche meinte, dass es eine große Verantwortung sei, sich für eine historische Immobilie zu entscheiden. Aus seiner Sicht, hätte er sich dagegen entschieden. Dafür gab es mehrere Gründe.

    Wie man es so kennt, das was einst der „neueste Schrei“ gewesen ist, kann nach einigen Jahrzehnten zu einem Problem werden. Dieses Gebäude wurde ebenfalls von der vorher erwähnten Behörde als „Übergangslösung“ bis in die 2000-er Jahre als Archiv genutzt. Das was sie jetzt verbieten, haben selbst mit wenig Sorgfalt in Mitleidenschaft gezogen. Das bezieht sich speziell auf den sehr hochwertigen Parkett mit Intarsien. Der „Guide“ zeigte, welche Spuren die schweren Metallschränke hinterlassen können. Es ist nur ein Beispiel von vielen, welchen „Irrsinn“ als Bedienung die Denkmalbehörde „vorschrieb“, die nicht umgesetzt werden kann! Ob und wie man auf diese seit meinem Besuch dort eingegangen ist, kann ich nicht sagen! Man kauft sich, wie die Leute hier eine Villa, um drin zu leben und nicht nur als „Vorzeigeobjekt“… Weitere Details erspare ich mir an der Stelle.
    Laut den Angaben, die gemacht wurden, stand die Villa über mehrere Jahre leer, bevor sie wie erwähnt zur Selbst- (und eigentlich auch zur „Fremdnutzung“) gekauft worden ist. Als Außenstehende kann mich an dem Anblick dessen erfreuen, doch wenn man erfährt, welche Hindernisse sich einem dabei „in den Weg“ stellen können, da bewundert man die Beharrlichkeit der Eigentümer! Bei einem solchen Tag werden Geschichten aus dem sprichwörtlichem „Nähkästchen“ geplaudert, die einem sonst „verborgen“ bleiben.

    Habe sehr lange über eine Wertung des ganzen nachgedacht und da erscheinen mir 5 Sterne angemessen… Falls sich dieses Jahr im September erneut die Gelegenheit bieten sollte, kann ich einen solchen Rundgang bestens empfehlen. Die Villa in der Kurfürstenallee ist ein Beispiel für gehobenen Wohnkomfort von einst. Schade dennoch, dass es für die Besitzer mit so vielen Unannehmlichkeiten (wegen der Behördenwillkür – anders kann man es nicht bezeichnen) konfrontiert wurden… Eine andere Seite der „Medaille“ als das was ich bisher besucht oder hier vorgestellt hatte!

    geschrieben für:

    Denkmalbehörde in Bonn

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    ps.schulz Nochmals der Glückwunsch zum grünen Daumen!
    (In meiner Lesereihenfolge ist dies der 2. am heutigen Tage, auch wenn es chronologisch der erste ist.)
    Kulturbeauftragte Danke!
    Konzentrat, es folgen aber noch einige nach in Bonn, aber vorerst ist es der letzte in diesem Stadtteil, auch wenn es sich "anbieten" würde. Da muss ich noch einiges recherchieren...


  6. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

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    Der "Tag des offenen Denkmals" bietet einem Möglichkeiten sich an Stellen umzuschauen, die man sonst kaum bis gar nicht zugänglich sind. Da mir das Angebot in meiner Stadt nicht zugesagt hatte, fuhr ich stattdessen nach Bonn, genauer genommen nach Bad Godesberg. Mehrere meiner Ziele lagen in der dortigen Kurfürstenalle, die sich im Nachhinein als eine "Fundgrube" für etliche tolle Entdeckungen herausgestellt hatte. Da es überhaupt mein erster Besuch dort war und ich kaum mich damit auseinander gesetzt habe, war ich wirklich erstaunt, was alles dort zu sehen ist. Heute möchte ich, dieses „Trio“ vor der dortigen Musikschule (die nicht dem vorheriges Musiker - Ehepaar als Namensgeber sondern – Ludwig-van-Beethoven, den berühmten Sohn der Stadt (mehr an der passenden Stelle zu gegebener Zeit). Das ist der Rahmen, der gewählt wurde. Ob es (noch) von der Künstlerin selbst - Christiane Opiela (1941–2009) stammte bzw. sie dafür engagiert wurde, konnte ich auch nach langer Recherche nicht herausfinden. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich gedacht, dass die Darstellung älter sei, als die 28 Jahren, die auf der offiziellen Seite von (Bonn) Bad Godesberg zu entnehmen ist.

    Erneut ein tolles Objekt zu dem außer der Plakette mit der Nennung der Künstlerin aber ohne die genaue Bezeichnung der Skulptur daher kommt. Aus meiner Sicht erinnern die Darstellten eher an ein Kind / Jugendliche, die hier lernen könnten, als eine Familie, als solche sie (offiziell) bezeichnet wird. Wie es hier zu lesen ist „Geiger mit Frau und Kind“. Von der Thematik und den damit verbundenen spärlichen Hintergrundinfos ist es dennoch mit der Skulpturengruppe vor dem Aloisiuskollegim gleichen Stadtteil zu vergleichen. Der Kontrast zwischen ihnen ist aber recht groß: ein lässiger Junge, der mit seinem Ball spielt auf der einen und ein sehr konzentrierter Musiker auf der anderen. Ob die beiden jungen „Frauen“ in eine Lektüre vertieft sind oder die vor der Musikschule auf ein Notenblatt schaut, ist irgendwie der eigenen Phantasie überlassen. Kenne bei vergleichbaren Werken, dass zum Teil die Noten zum Teil deutlich erkennbar sind, was in dem Fall sich nicht so darstellt.

    Vor Ort, als ich die hier verlinkten Fotos gemacht habe, mangels an Hintergrundinfos habe ich nicht auf alle Details geachtet. Es wäre dennoch, in Verbindung mit dem was den Titel ausmacht, zu „überprüfen“, ob sich am Schmuck (in Form eines Eherings) ablesen lässt, ob Frau Opiela bei ihrer Arbeit daran gedacht hatte. Falls mich erneut der Weg nach Bad Godesberg führen sollte, kann ich es (in nicht absehbarer Zeit) „nachforschen“ ;-). Jedenfalls habe ich beim jungen Mann keins entdeckt!

    Was die Skulpturengruppe so „lebendig“ macht, ist dass man ihnen (abgesehen von der sitzenden Figur) auf eine Erhöhung verzichtet hatte. Es ist eine Alltagsszene, die theoretisch überall stattfinden können. Diese Zusammenstellung erinnert an die (früher) so zahlreich in den Fußgängerzonen anzutreffenden Musikanten, die ihr „Können“ (was nicht immer ein „Hörgenuss“ sein musste) zum „Besten“ gaben. Hier ist nur der Geiger, der irgendwie „stellvertretend“ für alle sichtbar dem Nachgeht. Auch, wenn ich es schon vor geraumer Zeit festgehalten habe, wirkt es, als ob sie sich an die momentanen Abstandsregeln halten würden ;-). Dennoch kann von einer spürbaren Distanz keine Rede sein!

    Wenden wir uns den einzelnen „Charakteren“ zu… sie stehen auf dem Gehweg vor der mehrmals erwähnten Schule, rechts neben der Eingangstreppe. Für mich war es gar nicht so einfach es abzulichten. Zum einen standen mehrere Pflanzenkübel (aus Beton) im Wag, als auch das am späten Nachmittag die Sonne recht tief stand, was das ganze zu einem kleinem Problem machte… Dennoch finde ich, dass es einen stimmigen Eindruck macht.

    Je länger ich mir das ganze betrachte, desto mehr entsteht bei mir der Eindruck, dass die junge Frau eher dem Spiel ihres Gegenübers lauscht und selbst einen passiven Part dabei einnimmt. Zu dieser Annahme hat mich ihre Kopfhaltung bewogen. Ihr Blick ist auf das kleine Mädchen gerichtet und nicht auf das Buch (? oder gebundene Notenblätter) auf ihrem Schoss Das wird durch ihre sitzende Position um so mehr verstärkt. Alle dargestellten Personen tragen Alltagskleidung, wie man sie noch heute im Straßenbild finden kann. Beide Kleidungsstücke der „Mädchen“ sind kurz, doch erst bei einer großen Vergrößerung der Bilder wird ersichtlich, dass es zwei unterschiedliche sind: bei der Sitzenden ist es ein Kleid und bei der anderen ist es ein (Mini)Rock. Dazu trägt sie eine Bluse mit einem Rundkragen. Die Rüschen machen diese um so verspielter. Ein weiteres Detail, das einem Auffällt ist, dass die Ärmellänge dieser Kleidungsstücke ist verschieden, wie man es auf den Fotos sehen kann.

    Kenne es von mir selbst, dass man sich bei manchen Menschen nicht sicher sein darf, was sie alles mit sich schleppen… Das kleine Koffer bei dem Kind kann sowohl als eine Unterbringung eines Musikinstruments dienen aber es ist nicht ausgeschlossen, dass es etwas anderes sein kann! Durch die Tatsache, dass er verschlossen ist, gehört es zu den Spekulationen, die unbeantwortet bleiben müssen.

    Wenn man sich die Frisuren der beiden weiblichen Figuren anschaut, fällt, wie unterschiedlich sie ausfallen: ein sehr strenger Dutt bei der Kofferträgerin und ein locker gebundener Zopf bei der anderen. Die Kleine hat (feste) Schnürschuhe mit Söckchen (ebenfalls mit Rüschen) und bei dem Teenager ist es nicht mal ersichtlich, ob sie Strümpfe anhat. Ihre Pumps sehen so aus, als ob sie schon länger im Gebrauch sein könnten.

    Wenden wir uns nun dem jungen Mann zu: mit seinen derben hohen Schuhen steht er im Kontrast sowohl zum Bild, das man von einem Berufsmusiker in einem Orchester hat und erst recht im Vergleich zu den beiden Mädchen. Die ganze Erscheinung wirkt sehr lässig und durch den Faltenwurf seines Hemdes ein wenig unordentlich. Es „Leben“ die Bilder im Kopf, die man von einem bestimmten Berufsstand hat, die ab und zu aber anders aussehen (können). Dafür scheint seine ganze Konzentration auf die Musik gerichtet zu sein, die er spielt. Da ist es schon zu vernachlässigen, ob es ein „edles Gewand“ ist oder eben eine einfache Oberbekleidung und Jeans! Mir gefällt das ganze ausgesprochen gut und ist einer meiner Favoriten in Bonn! Eigentlich wollte ich mich diesmal „kurz“ fassen, doch Vorsätze sind dazu da gebrochen zu werden ;-)!

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    Freizeitanlagen in Bonn

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    Ein golocal Nutzer Ich habe mal etwas recherchiert: die Bronzegruppe stammt von der Künstlerin selbst und wurde 1992 gefertigt. Man findet das in folgender Auflistung:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Denkmalen,_Skulpturen_und_Ehrentafeln_in_Bonn
    (Zeilenumbruch beim Einfügen in den Browser korrigieren, sonst geht der Link nicht).
    Sedina "Erneut ein tolles Objekt...." ;-)))
    Verspäteter aber nicht weniger herzlicher Glückwunsch zur besonderen Auszeichnung!


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    "Schlaf’ nun und ruhe in Träumen voll Duft;
    Balsam’scher umweh’ dich die Luft,
    Als dem magischen Brand des Phönix entsteigt,
    Wenn er sein eignes Grablied singt.
    Schlaf’ nun und ruhe in Träumen voll Lust,
    Du, die treueste, liebendste Brust!

    Sie sprach’s, und Himmelshauch durchfließt
    Von ihren Lippen diese Stelle,
    Sie schwingt den Strahlenkranz und gießt
    Auf beider Antlitz solche Helle,
    Dass wie ein Heil’genpaar sie lagen,
    Indes die Peri wacht, und Licht
    Mild strahlt in ihre Todesnacht,
    Bis ihre Seelen auferwacht.“

    Im Jahr 1880 als der Grabmal von Robert Schumann feierlich enthüllt worden ist, wurde die Melodie, die von ihm selbst stammte, im Beisein seiner Witwe Clara, seines Freundes Johannes Brahms und weiterer Würdenträgern, gespielt. Wie man es im Rheinland (aber nicht nur dort) kennt, hat es mit der Aufstellung des besagten Monuments einige Zeit gedauert! Zum einen war es die Frage nach dessen Finanzierung gewesen, als auch der künstlerischen Seite des ganzen. Wenn man es ganz genau wissen möchte, sind zwischen dem Ableben von Robert und dem gerade erwähnten Ereignis verstrichen fast 25 Jahre! Wie man nachlesen kann, die Enthüllung fand am 2. Mai ( ;-) ) 1880 statt. Das habe ich auch am heutigem Tag (wie einst ebenfalls -https://www.golocal.de/duesseldorf/vereine/robert-schumann-gesellschaft-e-v-txvZ/) als eine besondere Gelegenheit gewählt, um darüber zu berichten! Nach 7 Jahren hier, ist es ein Grund mehr, darüber zu schwärmen! Unter den Entdeckungen, die ich vorstellen könnte, habe ich dieses bewußt ausgewählt, weil es heute der 140. Jahrestag dessen begangen werden kann! Aufgrund das aber ein verlängertes Wochenende uns bevorsteht möchte ich aber bereits es heute (statt am 2.5.) vorstellen. Da aber einige frühere „futsch“ sind (wegen Vandalismus geschlossen :-( und daher gelöscht!) stelle ich es (erneut) als meinen 2350. Beitrag vor! Lasst nun die Musik spielen.


    Wer mehr aus dem Leben des Robert Schumann wissen möchte, denn möchte ich (falls nicht schon vor Jahren längst gelesen) auf den vorher erwähnten Beitrag verweisen. Wie ich mich kenne, wird dieser lang genug werden ;-)! Der „Alte Friedhof“ in Bonn war im 19. Jahrhundert eine bevorzugte Ruhestätte der „besseren Gesellschaft“ (heute würde man sie als „Promis“ bezeichnen) gewesen. So befinden sich die Eheleute Schumann in guten „Kreisen“ der Stadt! Darüber habe ich ebenfalls berichtet (https://www.golocal.de/bonn/friedhof/alter-friedhof-YUDFZ/).

    Um zum Grabmal zu gelangen, ist ein kleiner Rundgang „angesagt“. Von dem Eingang in der Bornheimer Straße muss man sich auf dem Mittelweg zur Kapelle halten, um von dort zum Bereich IV. zu gelangen. Zur Orientierung kann man auch die Übersichtstafel nehmen. Wenn man Glück hat, dann gibt es an dem besagten Eingang in einem Kasten die kleinen Faltpläne vorhanden sein! Dieses Denkmal ist dort unter der Nummer 71 (in alphabetischer Reihenfolge) zu finden. Unter den Grabmalen ist dieses, das an die beiden Musiker erinnert, das imposanteste, das man sich im alten Friedhof anschauen kann.

    In der Vergangenheit war es selbst nach dem Tod (noch stärker als heute) „ablesbar“ welchen gesellschaftlichen „Stellenwert“ eine Persönlichkeit gehabt hatte. Dennoch war es im 19. Jahrhundert einem starken Wandel unterworfen. Es ist keiner von denen, die lange das Bild solcher Friedhöfe geziert haben, die in der „typischen“ christlichen Formensprache daher kommt. Das soll zudem auch dem Wunsch von Clara entsprochen haben. Es ist ein Bild, der den Künstler in Mittelpunkt setzt und seine Gattin als eine Muse zu seinen Füßen zeigt. Selbst heute, wenn man sich das ganze anschaut, hat man den Eindruck, dass es mit seinem weißen, in der Sonne glitzernden Marmor von der Schwermut in Roberts Leben (und sterben in einer Nervenheilanstalt) ablenken möchte. Auch, wenn im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts keine Rede mehr von der (weiterhin) beschworenen Romantik sein dürfte, doch bei wenn man wie die beiden mit diesem Zeitgeist so eng verbunden waren, wirkt es als ein Bindeglied dahin.


    Zu Lebzeiten Schumanns lag sowohl der alte Friedhof, als auch das Städtchen Endenich, wo er starb, außerhalb der Mauern Bonns. Ihm wurde die besondere Würde zur Teil, dass schon 1556 der damalige (Ober)Bürgermeister Leopold Kaufmann ein Ehrengrab vorgesehen hatte. Trotz der Tatsache, dass sich wesentlich ältere Dokument im Stadtarchiv befinden, kann man keine Angaben über deren Lage machen. Laut den Angaben, die ich in diesem Zusammenhang gefunden habe, gab es an der vorherigen Stelle nicht ausreichend Platz vorhanden, damit eine „Erinnerungsstätte“, wie sie sich bis heute darstellt, „untergebracht“ werden könnte. Zudem sprach auch, dass in diesem Bereich sich einst die Ruhestätten jener befunden haben, die „fremd“ gewesen sind oder man nicht mal ihre genauen Namen gekannt hatte. Es gab wohl die übereinstimmende Meinung, dass es kein „würdiger“ Rahmen dafür sei!

    Ab den 1870-er Jahren gab es unterschiedliche Bemühungen ein Denkmal in dem besagten Kontext errichten zu lassen. Wie mehrmals festgestellt, ohne die finanzielle Unterstützung der Bevölkerung könnte das ganze gar nicht realisiert werden. Dennoch Zwischen der Auftragsvergabe an den Bildhauer Adolf Donndorf (16. Februar 1835, Weimar - 20. Dezember 1916 Stuttgart) sollten weitere 7 Jahre verstrichen! Der hat sich zwar bei dem Stadtbaumeister Ludwig von Noël (Lebensdaten unbekannt) für die „Verzögerungen“ entschuldigt, doch es hat einen gewissen Beigeschmack. Den dafür geschaffenen Komitee wurden mehrere Entwürfe vorgelegt. Das was ihnen ursprünglich vorgesehen war, hat weder Clara, noch dem „Hausfreund“ – Johannes Brahms gefallen. In ihren Augen war es „zu schlicht“ gewesen.


    Als es dann aber so weit war, wurde ertönte durch die sonst ruhigen, ja stillen Ort seine Musik gespielt. Viele der Anwesenden (auch seine Witwe Clara, Freunde Johannes Brahms und ein Schüler / enger Vertrauter der Geiger Joseph Joachim ) haben lange Wege auf sich genommen, um bei dieser einmaligen Gelegenheit dabei zu sein. Jedes Jahr (aber aus gegebenem Anlass nicht jetzt) ertönen die von Schumann komponierten Melodien durch die parkartige Anlage. Um das Grabmal zu schützen wird es vor der kalten Jahreszeit seit 1993 mit einem maßgeschneiderten Überzug geschützt. Das ist nicht der einzige Grund: in der Vergangenheit hat es mehrmals „üble“ Übergriffe auf das Denkmal gegeben! Das war auch einer der Gründe, warum es in den 90-er Jahren restauriert worden ist.

    Wenden wir uns (nach der „Geschichtsstunde ;-) ) dem Objekt zu. Es steht in einem Rondell, der an der Gabelung der Haupt- und Nebenachse liegt. Umrahmt wird das durch alte Bäume und sonstiges grün, das bewusst als Kontrast zum hellen Marmor dienen soll. Schaut man sich das Grabmal an, steht man vor einem mehrstufigem Aufbau zu „Ehre der Kunst“, wie es selbst Clara Schumann an ihren Freund Johannes Brahms in einem Brief schrieb, bei der Idee, die ihr schon früh nach dem Ableben von Robert vorgeschwebt ist. Zu oberster Stelle ist er selbst zu sehen. Sie als seine Muse „schmachtet“ (meiner Ansicht nach) sie ihn von unten an. Das Gewand, das sie dabei trägt, soll (mit reichlich Phantasie) eine griechisch-antike Tunika sein (dafür gibt es aber zu viel „Stoff“ ;-) )! In den Händen hält sie zum einen ein „Kranz der Unsterblichkeit“ als auch ein Notenblatt.

    Diese weibliche Figur wird von zwei geflügelten Wesen flankiert. Diese sitzen etwas erhöht oberhalb des Frauenkopfes. In der Beschreibung, die ich darüber gefunden habe, heißt es, dass zur ihrer rechten eine Elfe in ein Blatt vertieft, zu sehen ist. Auf der anderen Seite ist ein Putto mit einer Geige zu bewundern. Die „wesentlichen“ Körperteile sind entweder durch Stoff verhüllt oder durch die dargestellte Haltung nicht ersichtlich. Die einzige Gemeinsamkeit ist der nackte Oberkörper. Lässt man seinen Blick erneut zur Muse schweifen, erkennt man, dass es massive Beschädigungen an ihrem Hals gibt (s. Fotos). Ob es sich herbei um eine von den bereits erwähnten mutwilligen Zerstörungen handelt, konnte ich nicht herausfinden.

    Robert Schumann persönlich ist in einem Medaillon am obersten Teil des ganzen Monuments „verewigt“. Was ich erst bei der Recherche herausfinden konnte, dass es ein kleines christliches Symbol dort zu entdecken gibt: in der Bildsprache steht der Schwan unterhalb des Konterfeis für das ewige Leben. Es soll auch dafür stehen, welchen Stellenwert seine Kunst für die Nachwelt haben soll. Zusätzlich steht es stellvertretend für seine persönlichen „Leidenschaften“ – Musik, Literatur und sein Schaffen im Allgemeinen.


    Bei der Umgestaltung der Grabanlage in den 90-er Jahren hat man sich auf das zurückbesonnen, was erst 1945 entfernt worden ist: zum Schutz und Dekoration wurde der umlaufende Zaun erneuert. Jedes Jahr werden frische Pflanzen rund um angebracht, die einen gewissen Kontrast zum 3 Meter hohem Denkmal stehen. Ab 1896 ist das Ehepaar Schumann „vereint“. Das kann man an der Platte davor entnehmen.

    Auf dem Sockel ist eine Schrift in goldenen Lettern zu lesen: "dem großen Tondichter von seinen Freunden und Verehrern errichtet am 2. Mai 1880". Was ich ein wenig schade finde, das aber nicht in die Gesamtwertung einbezogen wird, dass durch die Umwelteinflüsse eine (unansehnliche) grün-schwarze Schicht einige Teile des Grabmals bedeckt. Durch die Bestimmungen der Denkmalbehörde ist es nur bedingt möglich sie davon zu „befreien“. Habe bei einer Führung erfahren, dass diese früher (bis vor ca. 15 Jahren) mit einem Hochdruckreiniger entfernt worden sind. Das ist inzwischen sogar verboten! Wie das grundsätzlich gehandhabt wird, kann ich (noch) nicht beantworten. Ggf. bei einem weiteren Rundgang.

    Wie ich mir anfangs gedacht habe, ist es wiederholt sehr lang geworden. Es ist eine Reminiszenz an einen Musiker und seine Kunst in einer anderen Form, als in den Noten (oder wie einst eines Gedichts). Dieses Jahr wird es aus gegebenem Anlass sicherlich keine große Gedenkfeier am alten Friedhof geben. Wenn man aber da sein sollte, kann ich dieses Grabmal jedem Besucher ans Herz legen. Bin selbst zwar kein Fan seiner Werke aber drin liegt dies Sehnsucht begründet, die seine Lebenszeit stark geprägt hatte und in dieser Skulpturengruppe ablesbar ist! Es gehört zu meinen Favoriten, der kein weißer Fleck bleiben darf. (Fast) volle Zustimmung und Favoriten-Herz dazu. In diesem Sinne…

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    Friedhof in Bonn

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    Konzentrat Wer aus der Region Chemnitz-Zwickau kommt, kennt natürlich die Schumanns.
    Über das Grabmal erfuhr ich aber noch nie so viel wie hier. Vielen Dank.
    Glückwunsch zum musikalischen Daumen.
    FalkdS Machst du jetzt aus jedem Grabmal eine eigene Bewertung? Dann hast du zumindest laut Plan 80 Gräber zu "Beschreiben", eine Mammutaufgabe.
    Kulturbeauftragte Danke @Thomas, wenn du die beiden Musiker mögen solltest, dann empfehle ich dir den im Beitrag erwähnten bei der Schumann-Gesellschaft in Düsseldorf in Düsseldorf zu "studieren" - https://www.golocal.de/duesseldorf/vereine/robert-schumann-gesellschaft-e-v-txvZ. Dort bin ich wesentlich stärker auf die jeweiligen Biografien eingegangen, als es hier der Fall ist.


  8. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

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    In der historischen Altstadt Lemgos im östlichen Teil NRWs - Lipperland ist reich an Sehenswürdigkeiten, die ich euch gerne noch vorstellen möchte. Die Nicolaikirche ist ein Juwel, das ich bei unserem Rundgang dort bewusst angesteuert habe. Es steht mit einer jahrhundertelangen Bestehensgeschichte als ein positives Beispiel, dass man trotz einer geänderten Glaubensausrichtung die Vergangenheit weiterhin geschätzt wird. Wenn man sich die Nicolaikirche von außen anschaut, deutet nichts auf den ersten Blick darauf hin, was einen im Inneren erwartet. Bei der Hallenkirche handelt es sich um eine von jenen, bei denen zwei Stilrichtungen erkennbar sind: sowohl die Romanik, als auch die Frühgotik.Wenn man es genau nehmen möchte, ist sie gleichzeitig mit der Gründung der einstigen Hansestadt Lemgo nachweisbar. Das war 1190.

    Von Anfang an, war es das Gotteshaus der Bevölkerung gewesen. Durch den regen Handel wurde dessen „Patron“ - Nikolaus oder wie es in einigen Teilen (Nord)Deutschlands bezeichnet wird – St. Nicolai. Mit seinen zwei Türmen ist sie auch ein markanter Orintierunspunkt dort. In der Entstehungszeit war es definitiv ein Zeichen für den Wohlstand dessen Erbauer.

    Wenn man das Innere betritt, stammen die meisten Objekte dort aus der Renaissancezeit. Dennoch es gibt einiges, was wesentlich älter ist das die. Es war eher ein Zufall, als bei den Restaurierungsarbeiten in den 1960-er Jahren unter einer dicken Schicht Putz spätromanische Bemalung entdeckt worden ist! Wenn ich ehrlich sein soll, weiß man bei dieser Ausstattung gar nicht wo man anfangen soll, zu schauen, so viel tolles gibt es dort zu sehen. Das ist im allgemeinen „austauschbar“ aber was sich seit 1375 nicht verändert hatte, ist das architektonische Erscheinungsbild!

    Das Lipper Land hat sich schon recht früh der Reformation angeschlossen. Das erste Gottesdienst erfolgte 1529. Im Gegensatz zu einigen anderen vergleichbaren Kirchen in der Region wirkt diese „prunkvoll“ mit ihren imposanten Epitaphien, dem verwendeten Gold bei der Kanzel. Die genannten Sachen stammen in etwa aus der besagten Umbruchzeit des frühen 16. Jahrhunderts ab. Einer von ihnen ist der Blickfang schlecht hin: der Gedenkstein an Moritz von Donop. Es ist ein Zeugnis der Frömmigkeit und gleichzeitig ein Zeugnis der Selbstdarstellung eines aufstrebenden Adelgeschlechts mit Hoffnung auf mehr. Mehr drüber unter: http://www.inschriften.net/lemgo/inschrift/nr/di059-0104.html#content

    Was einen zusätzlich beeindruckt, ist die Größe der Kirche: wenn man sich am Eingang befindet, kann man sie kaum auf einen Blick in ihrer Gesamtheit erfassen! Es ist ein Zeugnis der Vergangenheit, der sich vielen Menschen nicht mehr erschließt. Auch, wenn an einigen Stellen der sprichwörtliche „Zahn der Zeit nagt“, wird hier deutlich, dass der Glaube, gepaart mit Geschäftssinn zur einer wunderbaren Einheit werden können. An mehreren Stellen, was ich nicht vorenthalten möchte, gibt es Darstellungen der Heiligen, die eigentlich ein wenig aus dem „Rahmen“ fallen, dennoch als Fresko sehr sehenswert sind, wie die gesamte Nicolaikirche ebenfalls! Theoretisch könnte ich mich noch an weiteren Details stark vertiefen, doch das kann man selbst bei einem eigenen Besuch selbst vor Ort entdecken!

    Wie vor Jahren geschrieben, direkt neben der besagten Kirche befindet sich das Denkmal für Maria Rampendahl und alle Opfer der Hexenverfolgung. Es ist ein dunkles Kapitel der Geschichte Lemgos, der viel Leid verursacht hatte und wo zum Teil aus Eigennutz Menschen verteilt und hingerichtet wurden. Mir ist klar, dass es einen traurig macht und man am liebsten gar nichts davon wissen wollte oder es sich bildlich Vorstellungen darüber machen, was es für jede(n) von ihnen im einzelnen bedeutet hatte… Man kann es (nach fast 600 Jahren!) nicht ungeschehen machen aber in einem solchen Rahmen an die ca. 200 Opfer gedenken. Ein Mahnmal wurde gleichwohl im inneren der Kirche aufgestellt, der daran erinnert…

    Erneut ist es lang geworden, doch ein solcher Fund musste vorgestellt werden. Trotz des zum Schluss erwähnten traurigen Hintergrunds, ist es ein lohnendes Ziel, wenn man in Ost-Westfalen-Lippe sein sollte! Aus meiner Sicht ist es einer der Highlights dort, die man sich anschauen sollte. In diesem Sinne, eure Kulturbeauftragte.

    Mehr Bilder kommen demnächst hinzu!

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    evangelische Kirche in Lemgo

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    Sedina Glückwunsch auch von mir und Dank für den interessanten Bericht. Es ist schon ewig her, dass ich in Lemgo war...
    Konzentrat Auch und gerade an die dunklen Kapitel soll erinnert werden. Danke für den interessanten Bericht und Glückwunsch zum Daumen.
    Kulturbeauftragte Sedna, Lemgo ist wirklich ein wunderschönes, kleines Städtchen mit beeindruckender historischer Altstadt, wie sonst kaum noch sich seit der Renaissancezeit (wie die besagte Kirche auch) bis heute erhalten hatte. Leider hatte bei unserem Besuch das Wetter nicht wirklich mitgespielt... Hätte Lust erneut hin zu kommen! Sie ist wie die gesamte Region ein sehr lohnendes Ziel!


  9. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

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    Wenn man in der bayrischen Landeshauptstadt unterwegs ist, kommt man früher oder später am HBF vorbei. Durch dessen Umbau hat sich die Adresse von der Touristeninformation seit unserem ersten Besuch in München ein wenig verändert. Genau genommen der Teil, in dem es sich einst befunden hatte, ist längst abgerissen, sodass die Hauptadresse, die hier als erstes angezeigt wird, längst gar nicht existiert. Löschung habe ich vor mehreren Wochen veranlasst…

    Erneut musste ich erkennen, dass zwischen einem Vorsatz sich etwas Bestimmtes anzuschauen und es in die Tat umzusetzen sich mitunter schwerer gestaltet, als man es sich selbst vorgestellt hätte! Wiederholt kamen einige Feiertage „dazwischen“, sodass ein weiteres Mal auf die sprichwörtliche „Lange Bank“ geschoben. In einem solchen Fall und vor allem, wenn die Infos im Netz sich zum Teil wiedersprechen, ist eine kompetente Auskunft mehr als Ratsam!
    Durch die sehr zentrale Lage bedingt und das der Bus (die schon vor Jahren bewertete Linie 100) am Hauptbahnhof Nord hielt, nur wenige Schritte von dieser Adresse, beschloss ich an der Stelle meine Fragen „loszuwerden“! Was soll ich sagen, welche ein gravierender Unterschied zu dem was ich vor Jahren in der Altstadt erlebt hatte! Keine Berater, die sich auf der Flucht befunden haben oder sich sonst von der eher unangenehmen Seite gezeigt hätte.
    Dort wollte ich in der in Erfahrung bringen, ob es eine Möglichkeit gibt, die Räume des Rathauses zu sehen. Theoretisch stehen die Termine fest, weil es immer am selben Wochentag angeboten wird aber ggf. weicht das am Ende des Jahres von dieser „Regel“ ab. Anfangs, als ich langfristig danach gesucht habe, sollte es welche geben, dennoch als ich es fest buchen wollte, ging es (aus welchen Gründen auch immer) leider nicht. Da sich die Dame noch in Kundengespräch befand und ich mich in Ruhe umschauen wollte, habe ich in die Richtung gedeutet, wo es sich bei den Regalen befunden hatte. Dort wurde ich auch fündig!

    Bei der Auswahl an Infomaterialien habe ich als gut sortiert empfunden. Egal ob über die verschiedenen Stadtführungen, Museen mit ihren jeweiligen Ausstellungen aber auch kleine Stadtpläne mit den wichtigsten Sehenswürigkeiten etc. Erneut bestand kein Badarf an Postkarten, die waren mir schlichtweg zu teuer! So ein "bißchen" aber doch :-D- die ich bereits in HH vorgestellt habe. Leider sind sie scheinbar nur einzeln zu haben und der Preis hat mich (ehrlich gesagt) abgeschreckt! Wenn ich ehrlich sein soll, die Auswahl fand ich grundsätzlich als mau.

    Allgemein ist zu sagen, dass der Zugang (nicht nur wegen der Automatiktür) berierrefrei ist, doch da die Broschüren zum Teil mannshoch einsortiert wurden, kann sich dort für entsprechende Gruppen eine hilfreiche Hand von Nöten sein. Falls die Wrtezeit etwas länger ausfallen sollte, gibt es sogar die Möglichkeit sich hinzusetzen. Das habe ich in der Form sonst niergends erlebt.

    Was diese Tourist-Information zu unseren Favoriten macht, ist die ältere Dame, die dort arbeitet, die nicht nur uns bestens beraten hatte, sondern auch ihre Geduld und Einfühlungsvermügen. Trotz der recht späten Stunde (kurz vor Schluss am Feiertag) war die die Ruhe in Person! Sie hat sich sogar entschuldigt, dass es „so lange“ gedauert“ hatte (mehere Telefonate wurden dabei getätigt und ausländische Touristen brauchten ebenfalls eine Auskunft), was ich aber verneit habe und nur mit dem Kopf darüber schütteln konnte. Was für ein hervorragender Service im Vergleich zur Altstadt! Solche Unterschiede sind sind bei ein und dem selben Unternehen sicherlich nicht gewollt, doch dennoch kommen sie ab und zu vor!

    Bei unserem längeren Beratungsgespräch konnte ich all meine Fragen los werden können und sogar habe ich zusätzlich tolle Empfehlungen frei Haus ;-) bekommen, die ich mit Sicherheit beim nächsten Berlin der Stadt in die tat umsetzen werde. Was ich nicht vorenthalten möchte, dass ich tatsächlich die von mir gewünschte Führung auch vor Ort buchen könnte! Sicherlich wird es nicht bei dem einen mal bleiben! Bei einer solchen Adresse kann ich nur volle Zustimmung geben und es als vorzüglich Empfehlen!

    geschrieben für:

    Fremdenverkehrsamt in München

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  10. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

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    Checkin

    Beim letzten Besuch in Wuppertal Barmen habe ich mich gefragt, warum ich mich an diese Figur, die einem „Original“ gewidmet ist - „Husch-Husch“ (im „wahren“ Leben Peter Held) gar nicht entsinnen kann… Kann es sein, dass mich meine Erinnerung diesbezüglich in Stich läßt… Das war nicht der Fall gewesen, denn ein Blick auf den Boden zeigte, dass es erst danach geschehen ist, als ich mit einem Freund der Familie letztmalig in den 90-er Jahren (als Azubine) dort unterwegs war. Wenn man es ganu wissen möchte, schon seit dem Jahr 2013! Neben „Mina Knallenfels“ (https://www.golocal.de/wuppertal/freizeitanlagen/mina-knallenfalls-YUJ7G/) und „Zuckerfritz (https://www.golocal.de/wuppertal/freizeitanlagen/zuckerfritz-statue-YULED/) ist es die dritte Skulptur, die einen solchen Hintergrund besitzt. Wie so häufig, wurde „Husch-Husch“ von seinen Mitmenschen als ein Sonderling betrachtet. Er soll sehr direkt gewesen sein und nicht wirklich beliebt. Damit hat es auch eine besondere Bewandtnis: der am 2.08.1886 im damaligen Barmen (lange bevor die Stadt in Wuppertal umbenannt wurde) geborene Peter Held soll zum einen ein sehr mürrischer Zeitgenosse gewesen sein. Da er sich sein Lebensunterhalt durch Hausieren verdient hatte, sollte man meinen, dass er dort sein Temperament zügeln würde, doch dem war nicht so! Die Kinder waren (wie es schon im Märchen heißt) die ehrlichsten Geschöpfe, die aber das auch gleichzeitig „auskosten“, wenn sie jemanden nicht mögen! Hier kann man schon sagen, dass es auf Gegenseitigkeit beruht hatte!

    Nicht nur dem Namen nach war er ein (Miese)Peter! Auch, wenn man nur wenig aus seinem Leben kennt, eins ist verbürgt und der Grund für den Spitznamen Husch-Husch. Held war ein richtiger Menschenhasser und vor allem gegen die Kinder! Da er vielfach beim hausieren von den Erwachsenen vertrieben wurde, haben die Kleinen es später übernommen und sobald sie ihn erblickt hatten, riefen sie eben Husch-Husch! Hinterher wurde er nur noch so bezeichnet…

    Diese Einkaufsstraße, in der er Aufgestellt worden ist, war zu seinen Lebenszeiten sein Betätigungsfeld in dem er hausiert hatte. Sein vorlautes Benehmen, vor allem nach der Ergreifung der Mach durch die Nazis, brachte ihn mehrmals ins Gefängnis. Hier war erneut seine „Klappe“ gewesen, die dazu geführt hatte! Für einen solchen „Grantler“, der seine Meinung nicht für sich behält, bringt es seine Konsequenzen mit sich! Die gleiche Respektlosigkeit, die ihn zu einem „Original“ gemacht hatte, war ein „Dorn“ für die Ordnungsmächte seit den 1930-er Jahren. Da das schnell geahndet wurde, blieb Peter Held für etliche… Jahre „Hinter Gittern“.

    Die Initiative einen Denkmal für diesen, (schon zu Lebzeiten) umstrittenen Mannes, gab es schon vor etlichen Jahrzehnten. Erst jetzt bei Recherchearbeiten habe ich herausgefunden, dass es eine weitere Darstellung von ihm in Barmen gibt (in einem Garten im Süden des Stadtteils). Das andere Objekt wurde noch von Horst Volmer erschaffen, der ihn noch persönlich gekannt hatte. Bereits das hatte sehr geteilte Meinungen nach sich geführt. Seiner Erscheinung nach, kann man als Außenstehender höchstens auf Details achten, die bei genauer Betrachtung auffallen: Flicken an den Ärmeln und Rücken, sowie ein derbes Schuhwerk… Mit seiner Kravatte, Hemd und dem unförmigem Mantel hätte ich kaum einen „Penner“ vermutet, wie es mehrmals im Netz geheißen hatte.

    Unter dem Arm hält er eine Schachtel umklammert, die mich vor „Rätseln“ stellte: durch den Verkauf von Kurzwaren gehörte dieses „Accessoire“ zu seinem Erscheinungsbild dazu. Dort sollen sich Schnürsenkel befunden haben und anderes „Zeug“, was dazu gehörte. Der bärtige Mann ist an sich solch ein „Original“. Manche Mark konnte er sich zusätzlich bei Stammkunden verdienen, wenn er auf sein übliches Motzen verzichtet hatte! Bekanntlich wird eine Aufstellung eines Denkmals erst einige Jahrzehnte (oder später) nach dem Ableben des Dargestellten realisiert. Die Umstände bei Peter Held sind ein wenig verworren: nach den offiziellen Angaben (im Gegensatz zu den im Netz kursierenden Gerüchten) ist er nicht am Ende des 2. WK verstorben, sondern am 28. August 1953 in einer psychiatrischen Klinik in rheinischem Langenfeld. Der genaue Hintergrund bleibt dennoch im „Dunkeln“.

    Wie sein Leben gestaltete es sich auch der „Weg“ bis zur Fertigstellung / Aufstellung des Denkmals recht durchwachsen… Bei einem solchen Charakter und der Vergangenheit gab es bedenken seitens der Stadt Wuppertal zuerst überhaupt eine Genehmigung zu erteilen und nachdem es tatsächlich realisiert wurde, sich an den Unterhaltskosten zu beteiligen… In der Zeit der knappen Kassen ist, wie man es sich vorstellen kann, Eigeninitiative gefragt! Ohne das Engagement vom Förderverein (der für den besagten Grund überhaupt initiiert wurde!) würde es diese Figur gar nicht geben! Lt. den Pressemeldungen, die ich darüber gelesen habe, war der Künstler Klaus J. Burandt eher mit seinem Werk fertig, bevor die nötigen Barmittel von vielen Spendern (in Höhe von ca. 30.000 €) zusammengesammelt worden sind. Die Diskussion über Peter Held indes, ob es überhaupt „sinnvoll“ ist, wurde dennoch fortgeführt… Man kann unterschiedlicher Meinung sein, doch mir gefällt sie ausgesprochen gut!

    Die Kleidung scheint wie aus der „Zeit gefallen“ mit dem Hut und viel zu weitem Mantel. An manchen Stellen habe ich mitbekommen, dass die Gehhilfe erst seit dem 2. WK notwendig geworden ist, weil er einem Nachbarn in der Not geholfen hatte – rettete ihn aus dem Brennenden Haus, als eine Bombe darauf fiel. Trotz seines schwierigen Charakters macht es ihn (nicht nur dem Namen nach) zu einem (stillen) Held(en)! Diesen kann man in der Barmener Fußgängerzone nicht verfehlen, denn es steht direkt gegenüber eines großen Kaufhauses ;-)! Falls der Weg einen dort führen sollte, unbedingt anschauen, wie ich es selbst getan und beschrieben habe.

    geschrieben für:

    Freizeitanlagen in Wuppertal

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    10.

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    Tikae Das sollte um Himmels Willen keine Kritik sein!
    Ich habe mich nur gewundert, das so jemand es bis zum Denkmal schafft.
    Kulturbeauftragte Exempel, wenn dir dieser Beitrag gefallen hatte, kann ich dir die im Text erwähnten (und verlinkten) "Originale" aus Wuppertal ebenfalls ans Herz legen!
    Sedina Glückwunsch zum Grünen Daumen!
    @Tom: der hat sich gerade bei Jolly gemeldet, weil er uns Hamburger gerne mal wieder treffen würde.

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