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  1. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Hier nur mal ein kurzer Abriss nach Schema, die von mir übliche ausführliche Bewertung, natürlich mit Anekdote folgt in Bälde:
    Service 1A: Diese 2-Mann Minifirma ist trotz erheblicher Auslastung hoch flexibel, mehr als 1 Woche nach telelefonischer Bestellung brauchte ich nie warten. Herr Forderer spekuliert nicht wie die Großen am Heizölmarkt, indem er Liefertermine von bis zu 2 Monaten macht, das hat er nicht nötig: Er ist zwar auf keiner Plattform registriert, aber schon beim Verhandeln um den Literpreis kommt lachend: "Keine Sorge, die von Esoil und Heizöl24 ziehen wir alle locker ab. Wir sind nur zu zweit und ich will nicht um jeden Preis Millionär werden, das bin ich schon..."

    Ich habe die letzte Lieferung (13.11.19) sofort mit den Plattformen verglichen: Er ist bei einer Lieferfrist von etwa 10 Tagen mit dem Bruttopreis, also inklusive Gefahrgutversicherung und Mehrwertsteuer auf Platz 5 im Vergleich mit Lieferfristen bis zu 90 Tagen.
    Gibt man seine kurze Lieferzeit bei der Plattform Esoil ein und lässt neu berechnen, liegt er tatsächlich vom Preis her an der Spitze, und zwar um 50 ct/Liter, das läpperte sich bei meinen 1500 Liter auf ein Schnäppchen von 80 Euronen zusammen.

    Die Großen nutzen ihr Zocken an der Ölbörse zum Abschwarten der Kundschaft, was sagt man DAZU.

    Aufgrund Eures regen Interesses hier schon mal Kapitel 1 der 3-teiligen Geschichte:

    Es war einmal ein ganz armes Schwein (m/47), das hatte sich eine Familie zugelegt und nun war die schöne billige, weil gasbeheizte Dachwohnung am Bodenseeufer zu klein geworden. Für 2 Erwachsene mit 2 Kindern brauchbarer Wohnraum war in der näheren Umgebung nicht zu bezahlen, zumal besagter Keiler von nun an im Alleingang 4 Mäuler zu stopfen hatte. Also zog man sich ins Hinterland zurück, die Mitpreisschwelle war damals auf der geographischen Breite von Wangen im Allgäu, Ortsteil Neuravensburg, 12 km Luftlinie vom Seeufer entfernt.

    Die 120 qm angemietete Wohnfläche war ein Reihenhäuschen, das in Eigenregie zu managen war und nun kam was Neues auf den Keiler zu: Er musste Heizöl kaufen. Da er nunmal wie schon erwähnt nicht gerade vermögend war, war das Interesse groß, einen Dealer ausfindig zu machen, der zu erträglichen Preisen liefert.
    Dass es sich bei besagtem Keiler um meine Wenigkeit handelt, dürfte den geschätzten Lesern mittlerweile klar geworden sein. Ein Kollege machte mich auf eine deutschlandweit operierende Online-Einrichtung aufmerksam, genannt Heizölbörse oder auch ‚My-oil.de‘. Diese war zwar etwas rustikal zu bedienen, aber sie ersparte mir tagelanges Herumtelefonieren und Gefeilsche mit desinteressierten weil angestellten Verkäufern. Es klappte halbwegs, aber bewerten würde ich diese Börse lieber nicht, man war doch sehr dem Willen oder Unwillen der Händler ausgeliefert.

    Es gingen 5 Jahre ins Land, es ergab sich der Bedarf, erneut die Wohnung zu wechseln, diesmal nicht gerade an einer vielbefahrenen Bundesstraße gelegen. Es fand sich ein stillgelegtes Gehöft in einem Weiler weitab vom Verkehr, lediglich die 2 Milchökonomen vor Ort frequentierten die Ortsdurchfahrt mit ihren Fuhrwerken. Der gut 100 Jahre alte Schuppen hatte ein nagelneues Dach und einen hochmodernen computergesteuerten Ölbrenner. So weit so gut.

    NICHT gut war, dass dieser eine Zentralheizungsanlage versorgte, die so alt war wie das Gebäude selbst: Thermodynamisch denkbar ineffizient und in Koproduktion mit nicht vorhandener Wärmeisolierung des Gemäuers sorgte sie für einen Jahresverbrauch von 4500 Liter Heizöl EL. DIESE Kröte blieb nahezu in meinem Hals stecken = das arme Schwein wurde noch ärmer. Aber jetzt ging der Slapstick los:

    Eines Tages war ausgerechnet das Angebot eines österreichischen Dealers mit Sitz in Wald am Arlberg das bei weitem günstigste, ca. 180 Autobahnkilometer von der damaligen Homezone entfernt…!!!?!! Was soll’s, nicht MEIN Bier, ich schlug ein. Am Tag der Tage klingelte das Telefon: „Ich kann nicht liefern.“ – „Warum nicht?“ – „Ich stehe keine 500 Meter von Ihnen entfernt vor eine Brücke über einen kleinen Bach, die ist nur für 10 Tonnen zugelassen…“ – „Aha, und was steht noch auf dem Verkehrsschild?“ – „Außer Landwirtschaft.“ – „Haben Sie eine ungefähre Ahnung, was ein großer Mercedes-Trecker mit vollem Güllefass hinten dran auf die Waage bringt?“ – „Nö, warum muss ich das wissen?“ – „Ich weiß zwar nicht, was für ein Monster SIE fahren, aber so ein Fuhrwerk wiegt an die 20 Tonnen.“ – „Mein Tanker hat brutto 40 Tonnen.“ – „Aber verteilt auf mindestens 4 Achsen, stimmt’s? Dann stoßen Sie jetzt gut 100 Meter zurück und geben Vollgas, dann sind sie über den Bach, bevor die Brücke merkt, dass sie eigentlich einbrechen müsste. Und den Schwung brauchen Sie sowieso für den 20%er zu uns hoch.“ - "Auch DAS noch, mir bleibt doch nichts erspart..."

    10 Minuten später stand der Fernzug bei mir auf dem Hof und gegen das, was die Bauern hier so herumkarrten, wirkte er richtig zierlich. Während das flüssige Gold von seinem fahrbaren in ‚meinen‘ Kellertank floss, klönten wir ein bisschen, natürlich in breitem Alemannisch. Er wunderte sich etwas, dass ich sein Idiom nicht nur verstand, sondern auch selbst flüssig sprach, aber 8 Jahre Gymnasium in Bregenz hinterlassen eben tiefe Spuren. Er kam tatsächlich aus dem Klostertal und jetzt kriegte ich mal mit, wie börsennotierte Brennstoffe auch als Ware verschoben werden, um die Rendite zu maximieren:

    Das Großtanklager für den Bereich Bodensee und Allgäu befindet sich in Altmannshofen bei Leutkirch direkt an der A96, dort wird die Pipeline zwischen Genua und Ingolstadt angezapft. Von dort in meine Homezone sind es knapp 20 km Bundesstraße. Da er sowieso 180 km nach Hause hatte, um von dort aus die Region hinter Bludenz zu versorgen, konnte er auch den kleinen Umweg fahren und dabei einen steuerlichen Reibach machen: Ganz exakt weiß ich die Mehrwertsteuersätze im Großhandel nicht mehr, aber als Denkmodell dürfte eine angenäherte Übersicht genügen:

    Er bezahlte in Altmannshofen einen Steueraufschlag von 19% für seine ca. 45 cbm. Die knöpfte er mir für meine 4,5 cbm natürlich auch ab. Bei der Ausreise aus Deutschland kassierte er die Steuer für 45 cbm, aber 50 Meter weiter beim österreichischen Zoll legte er meine Quittung vor und löhnte den dortigen Steuersatz von 33% für nur 40,5 cbm. Leichtes Heizöl zählt im devisenbewirtschafteten Alpenland zu den Luxusgütern und wird entsprechend beaufschlagt. Es kommt ja wieder rein, die deutschen Skitouristen zahlen es versteckt mit jedem Schilling, den sie liegen lassen, mit. Die Schweinepriester sitzen in Wien

    Als Geschäftsmann wusste er diesen kleinen Schummelvorteil zu nutzen: Er steckte den ‚Gewinn‘ nicht einfach ein sondern reinvestierte ihn in Angebotspreise für die Städte Leutkirch, Isny, Bad Wurzach, Wangen und Lindau bzw. der umliegenden Käffer. Aber nur, solange die Zieladresse halbwegs bequem anzufahren ist, denn als ich im Folgejahr wieder auf sein Angebot ansprang und bestellen wollte, kam ihm die Adresse bekannt vor: „Sind Sie nicht der Hofherr ohne Rindviecher aber mit einem Feldweg, der schmaler ist als mein Tank breit und der 10 Tonnen-Brücke, die fliegende 40 Tonnen aushält? Möchten Sie nicht lieber bei der Konkurrenz kaufen, die mit dem Kleinlaster kommt? Ich habe nur den einen für Fernfahrten.

    Ich trennte mich also von der Pfennigfuchserei, den Auftrag kriegte diesmal ein regionaler Familienbetrieb, der eine eigene Bewertung kriegt, aber in diesem Fall den Übergang zur zweiten Geschichte machen muss, die beizeiten im Anschluss in Angriff genommen wird.

    Kleines Intermezzo: Da ich aus einer Region stamme und nun auch wieder lebe, deren Bevölkerung für ihre Sparsamkeit bekannt und ihre Schlitzohrigkeit berüchtigt ist und ich gerne den insgeheimen Vorturner mache, reizte ich die gewinnbringenden Investitionen des gierigen Hausherrn aus und tat mich im Sinne der Betriebskostenminimierung weiterhin um.

    Nicht weit von ‚unserem‘ Gehöft stand wirklich mitten auf der Grünen Wiese ein schnuckeliges Einfamilienhaus mit Gärtchen drumherum, in dem ein sehr betagtes Geschwisterpaar mutterseelenallein wohnte. Da ich viel mit unserem Kampfwauwau mit Teddybärencharakter zu Fuß unterwegs war, fiel ich auch einer der alten Ladies auf, und eines Tages kamen wir ins Klönen über Gott und die Welt im Allgemeinen und das entspannte Leben in Hünlishofen, wo Fuchs und Has … etc.
    Nein ich bräuchte mir keine Gedanken machen, ihr Junge käme beinahe täglich vorbei, um etwas zu bäschteln oder auch nur, um nach dem Rechten zu sehen. Ebendiesen 45-jährigen Jungen lernte ich dann auch mal kennen, er stand in seiner sympathisch vollgestellten unaufgeräumten Garage und feilte einen neuen Motor für seinen Dreirad-Pickup aus dem Vollen: Ein Mann nach meinem Herzen.

    Noch viel mehr, als er sich als Heizungsmonteur outete und mir im gleichen Atemzug einen Deal offerierte, nämlich dass er gerne meinen Brenner besichtigen würde, um den jährlichen Wartungs- und Pflegeaufwand abzuschätzen, dann könnten wir mal über sein Honorar reden. Er sei aber auf jeden Fall billiger als sein Arbeitgeber, der ja davon die Gehälter seiner Angestellten mitsamt den Lohnnebenkosten bezahlen muss.
    Die Besichtigung offenbarte zusätzlich, dass der Hausherr in seinen maroden Schornstein ein Edelstahlrohr einziehen hat lassen, um überhaupt noch eine Ölheizung betreiben zu dürfen. DAS eröffnete schwäbisch-schlitzohriges Einsparpotenzial:

    Das Angebot belief sich auf 40 Euronen mit allem Drum und Dran, also Erneuern der Einspritzdüse, Ausbürsten der Feuerbüchse, Immissionsmessung mit amtlichem Protokoll im Verbund mit dem Einstellen der Falschluftzufuhr für den Brenner. Das erspart mir den Besuch des Schornsteinfegers, der auch nichts anderes tut als messen, aber allein für die Anfahrt 22 € berechnet. Er braucht das nicht zu tun, die Hünlishofer Nachbarn kommen in den Genuss der Häufigkeit seiner Besuche bei Mama.

    geschrieben für:

    Heizöl in Bad Wurzach

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    Ausgeblendete 71 Kommentare anzeigen
    demayemi Oh, danke Freunde, das ging ja überraschend schnell und ich habe doch noch gar nicht richtig losgelegt :-D
    spreesurfer Hi!!! I am Mister J.R. Ewing!!! Congratulations for the article of the week for your great success in international oil-business!!! :)

    Greetings also from the OPEC!!! And Sheikh Mohammed.

    I am interested to buy your garden to search and find more oil!!! :)

    Cheerio and take a faboulus Whikey!!! ;)
    Salbada Glückwünsche zu den Auszeichnungen. Bin schon gespannt auf die Langversion inklusive Anekdote/n :-)
    demayemi Na jetzt brat mir einer 'n Kondor: Ich wollte doch bloß dem Super-Heizöldealer, der mit EINEM einzigen 20-Tonner der gesamten Konkurrenz im Umkreis von 30 km das Öl abgräbt, ein Denkmal setzen.
    Zusätzliche Kundschaft braucht er nicht, er findet seit Monaten nichtmal Zeit, seine kaputte Homepage zu reparieren :-)
    demayemi Dear Spreesurfer, drilling in my garden you will find clear water out of 3 springs. The only people who win or save money for that, is me, because I need not to buy expensive water from the city for sprinkling the flowers :-D
    demayemi Tja wenn das so ist, Freunde, dann bedanke ich mich artig wie es sich gehört, lasse die lorbeerbekränzte Bewertung so mal stehen und gehe in Fortsetzung gleich zu den Anekdoten über, das bin ich Euch schuldig.
    Das mach ich aber offline, damit ich die Übersicht nicht verliere und von jetzt auf vorgestern geht das auch nicht ;-)
    demayemi Nochmals 'danke' für Euer reges Interesse an der Story, wie ich zum versierten 'Öli' wurde.
    Deshalb habe ich soeben (Sa. 23:20) den ersten Teil der dreiteiligen Geschichte veröffentlicht, viel Spaß damit :-))

    Der zweite Teil wird auch liebenswert rüberkommen, aber der Dritte wird bitterböse, denn er prangert die Machenschaften eines Energiehändles an, der auf Kosten der Kundschaft aggressiv Werbung für seine Produkte Strom, Gas, Heizöl, Kohle und Brennholz als Scheite, Hackschnitzel und Pellets betreibt, bis ich ihm untersagen musste, meinen Festnetzanschluss für seine obskuren Empfehlungen zu missbrauchen.
    Konzentrat Übrigens, Schweinepriester sitzen überall, nicht nur in Wien.
    Ölbezogen im speziellen Falle wahrscheinlich schon in Wien.
    demayemi Hast Du einen Gasanschluss, ubier? Dann erlaube, dass ich Dich beneide, ich vermisse es arg. Bin mit dem noch gefährlichen Kohlegas großgeworden, die diversen Detonationen haben wir ohne Verletzungen weggesteckt. Bis 1997 kochte ich mit Gas, in meinen Augen ist das der optimale Energieträger hierfür.
    demayemi Du meinst sicherlich die OPEC, Konzentrat.

    Als ich mal, was selten vorkam, ein bisschen Geld übrig hatte, wollte ich damals schon weitblickend in ein österreichisches Traumgrundstück investieren, das ein echtes Schnäppchen war (und heute Millionen wert ist). Ganz reichte meine Kohle nicht, es fehlten mir 30000 Deutschmärker, also redete ich mit einem Banker. Seine Antwort habe und werde ich nie vergessen:
    "Österreich ist ein armes, devisenbewirtschaftetes Land, dessen ganze Gesetzgebung darauf ausgerichtet ist, dass ausländisches Geld hindernisfrei ins Land fließen aber niemals wieder rausgeholt werden kann. Wenn wir Sie beim Ankauf dieser Immobilie unterstützen wollen, müssen wir natürlich die Hand darauf legen als übliche Sicherheit. Genau DIESEN Zugriff eines deutschen Geldinstitutes verhindern die österreichischen Finanz- und Steuergesetze."
    Konzentrat @demayemi, nicht die OPEC meine ich, sondern weitergedacht und völlig verallgemeiner(n)t die Vielzahl an Schweinepriestern, die überall auf der Welt ihr schändliches Tun tun.
    demayemi Die Anzahl der Motive, lieber @Konzentrat, deckt sich weitgehend mit der Anzahl der 'Priester', wobei die religiös umschriebenen fast immer die miesesten sind, weil sie vor Blutvergießen nicht halt machen.
    Das war schon lange vor der Zeitenwende so (AT), hat sich mit den Kreuzrittern fortgesetzt, das Ausstellen der Quittung dauert nun schon über 200 Jahre, Mahlzeit :-/
    Sedina Herzlichen Glückwunsch zur durch viele Abenteuer mäandernden Geschichte und besonders zum Wochenkrönchen.
    Einen Verbrauch von 4.500 l im Jahr habe ich in meiner Reihenhausendschnitte trotz hochmoderner Heizungsanlage auch, und auch hier ist die Zufahrt so, dass der angestammte Lieferant lieber seinen kleinen Wagen nimmt.
    Salbada Vielen Dank für den Bericht. Es war wie immer ein Lesevergnügen. Wenn ich noch heizölabhängig wäre, würde mich ja der Gedanke faszinieren, die Pipeline an der A96 ein bisschen anzubohren. Das bisschen "Schwund" durch das Abzweigen von jährlich 3000 bis 5000 Liter würden die Pipelinebefüller doch gar nicht bemerken ;-)
    Salbada @Sedina: Cool! Da wäre - bezogen auf die gesamte Schule - der "Schwund" aber sicher höher gewesen als 3000 bis 5000 Liter p.a. ;-)
    demayemi Nur mal zum Vergleich mit dem überbauten Anteil Deines bepflanzbaren Tortenbodens (Bezeichnung einer Konstanzer Freundin für das Mikrogärtchen ihres Reihenhauses Bj. 1985), lieber Sedina: Der von uns angemietete alte Schuppen hatte 3 Etagen mit insgesamt 220 Netto-Quadratmeter. Flure und Treppenhaus waren unbeheizt, Wohnzimmer, Küche und Bad im EG komfortabel beheizbar, Schlaf und 2 Kinderzimmer waren beim besten Willen nicht warm zu kriegen.
    Dass der Konzeptionist keine Ahnung von seinem Handwerk hatte, zeigte sich in der 2. Etage (Gästezimmer und Hobbyraum): Selbst wenn ich die Danfossregler dichtmachte, waren die Räume überheizt, lediglich das Gästebad mit Toilette konnte sinnvoll eingeregelt werden.
    Ganz nebenbei: Das berüchtigte Allgäuer Holzhäuschen mit Herzchen in der Tür zwecks Entlüftung und Beleuchtung war irgendwann im 20. Jh. infrastrukturell auf Kosten der riesigen Wohnküche in den Hauptbau integriert worden, aber für einen Anschluss an die Zentralheizung hatte es nicht gereicht. Nahezu jeden Winter fror die ganze Geschichte ein, aber wir konnten ja noch in die 2. Etage ausweichen.
    demayemi Liebe Freunde des schlitzohrigen Fossilenergiesparens, ob nun alemannisch oder hanseatisch, bitte verzeiht, dass ich Euch in die Parade fahren muss: SO einfach geht das Anbohren von Kohlenwasserstoffpipelines und vom Reichtum der einschlägigen Multis schmarotzen leider nicht. Wir sind hier im zivilisierten Mitteleuropa und nicht in Sibirien oder auch in der Bananenrepublik Venezuela, wo die dicken Leitungen einfach in der Landschaft rumliegen und mit einer Handbohrmaschine angezapft werden können.

    Aber dieser Einspruch ist sehr umfangreich, zumal er einen Teil meiner Lebensgeschichte umreißt, nämlich zwischen dem 15. und dem 17. Lebensjahr, als die Pipeline quasi unter meiner wissbegierigen 'Aufsicht' gebaut worden war.

    Das kriegt Ihr aber beizeiten via PN, damit der Strang nicht gesprengt wird. ;-))
    Ich muss nur loch ein bisschen recherchieren und die Fakten mit meinem Gedächtnisinhalt vergleichen, ich will Euch ja kein Märchen erzählen, ok?
    Tikae Hier blühen innovative Sparideen und du würgst das einfach ab ??!!
    Also wirklich......:-D
    demayemi Liebes Fräulein Blocksberg, als eingestandenermaßen Allgäuer Schlitzohr bin ich für konstruktive Sparideen immer zu haben, aber in Detailkenntnis der hiesigen Ökologie, sowohl der geographischen als auch der landespolitischen und auch der Architektur des Bauwerkes sehe ich mich gehalten, die beiden ehrwürdigen Herren bei der Umsetzung an einem Vergehen gegen die Landesgesetzgebung zu hindern.

    Auflösung des verbalen Kunstwerkes: Vor einigen Jahren war ein forschender Ölmulti bitterböse auf die Landesregierung von Baden-Württemberg, weil diese ausnahmsweise einmal dem Druck der Regierten nachgegeben hat und per Gesetz ein Anbohren des Ölsees unter dem Bodensee untersagt hat. Die Pipeline liegt in etwa 2,5 Meter Tiefe unter der Erdoberfläche größtenteils im Grundwasser. Noch Fragen? ;-)))
    demayemi Da kommen aber noch 2 Kapitel dazu, plus eine ausführliche PN an Freunde, die sich für ein bestimmtes Detail, das meine Heimat betrifft, interessierten.

    Aber das muss alles erst noch in die Tastatur gehackt werden :-D

    Falls die meines Erachtens viel zu voreilig aufgesetzte Wochenkrone auf dem Vorabskelett beruht, war das eine Fehlinvestition. Mich beschleicht ein Gefühl, dass diese die längste Bewertung werden wird, die ich je geschrieben habe. :-))
    Und trotzdem wird sie offenbar gelesen...
    Konzentrat @Sedina, eher jein.
    @Tikae, Gift nicht nötig, das Produkt, was der Benno vertreibt, reicht völlig zur Ungesundung aus.
    Salbada Lass Dir ruhig Zeit, lieber demayemi. Da ich seit 12 Jahren Holzpellets verbrenne, brauche ich nur noch Motoröl für's Auto und Pflanzenöl für's Kochen. Deshalb besteht am Ölpipeline-Anbohren nur noch akademisches Interesse.
    Praktisch hochinteressant wäre hingegen für mich nach wie vor das "kostengünstige Partizipieren" am Inhalt von Bierleitungen ;-)
    demayemi Das wäre wenigstens nicht so explosiv, lieber Salbada, wenn sich herausstellt, dass es sich beim Rauschen in der Leitung um gerade transportiertes Leichtöl, auch Benzin genannt, handelt. Siehe auch die furchtbaren Unfälle in Venezuela und Mexico.

    Aber eine Gefahrenzulage oder gute Unfallversicherung wäre doch zu empfehlen: Die Pipelines in den Brauereien, die ich kenne, nämlich die von den Kesseln zur Abfüllanlage sind samt und sonders in Höhe der zweiten Etage verlegt, also in etwa 7 ... 10 Meter Höhe.
    Die Brauer kennen ihre Pappenheimer (sinngemäß nach F. Schilller, 'Wallenstein')

    Kaiser Robert Anders lief es mit einer Brücke in Frankreich. Der Einsturz einer Straßenbrücke nördlich von Toulouse in Südfrankreich mit zwei Toten wurde ersten Erkenntnissen zufolge durch einen zu schweren Laster verursacht. Das Gewicht des Lastwagens samt Ladung habe rund 50 Tonnen betragen, sagte Staatsanwalt Dominique Alzeari bei einer Pressekonferenz. Die Brücke war nur für Fahrzeuge mit einem Gewicht bis zu 19 Tonnen freigegeben.
    demayemi Like für gelesen, ok?
    Ich kannte ja die Brücke und die Tonnagen der üblicherweise darüberfahrenden Vehikel. Dieser Privilegienkontrast steckte mir quer im Hals, deshalb machte ich den Vorschlag bedenkenlos.

    Ich besaß einmal einen Jaguar XJ6, ein Liebhaberfahrzeug, der wog netto 2,35 Tonnen, was mich nicht daran hinderte, auch mal schweres Gelände zu fahren, was bei klein Schwesterlein in GR des Öfteren notwendig wurde.
    Fliegen konnte ich ja schon, aber bis dato eigentlich nur mit Flügeln. Hier lernte ich, dass auch ohne solche geflogen werden kann. Die Physik nennt sowas 'ballistische Wurfparabel' :-))
    demayemi Dankeschön, aber doch wohl nur die ersten 2 Absätze im Sinn der Plattform :-)

    Der Rest und das was noch kommt ist eher was für Leseratten und Liebhaber meiner Geschichten aus dem Leben :-D
    Sir Thomas bei der Steuerkalkulation bin ich etwas ins Schleudern geraten, will das aber auch nicht unnötig vertiefen. Dem Unterhaltungswert deines Heimatepos' tut das jedenfalls keinen Abbruch, lieber demayemi
    demayemi Vielen Dank für das liebenswürdige 'Honorar', Sir Thomas. Genau für solche Anmerkungen schreibe ich ;-)

    Für Steuersachen ist im Detail mein einschlägiger Berater zuständig, der aber ist an meinen Mikrohinterziehungen derselben durch Ausnutzen divergierender Inkassosysteme von Ö-Land, Helvetien und Teutonien nicht interessiert.
    O-Ton beim gemeinsamen Lästern: "Wer hier im Dreiländereck nicht Schmuggler aus Passion ist, kann nur zugezogen sein. Die Hiesigen haben es in den Genen verankert... :-))


  2. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    Diese Bewertung ist dem Servicepersonal der Firma gewidmet, deren Hilfe ich leider schon so oft benötigte, dass ich den größten Teil der Damen- und Herrschaften beim Namen kenne, und das trotz meines etwas maroden Gehörs.


    Aber zunächst zur Hardware, die noch recht jung ist und deshalb Kinderkrankheiten hat, was diesen Service erforderlich macht. Meine Stammleser wissen bereits, dass ich seit gut 15 Jahren Diabetiker bin, 12 Jahre lang auf Grund von Vorurteilen 'pseudotherapiert' wurde, was zu einer kontinuierlichen Verschlechterung meines Allgemeinzustandes führte. Ich will hier nicht mit den beiden ‚Scharlatanen‘ abrechnen, den Halbgöttern in Weiß, die sich nie weitergebildet haben, aber trotzdem unter ‚FA für Diabetologie‘ im Brachenbuch oder auf der Messingtafel an ihrer Praxistür firmieren.

    Die Suche nach dem Richtigen fand erst vor 3 Jahren ein Ende, mit https://www.golocal.de/memmingen/fachaerzte-fuer-allgemeinmedizin/dr-med-frank-pagnia-YV714/
    fand ich endlich einen Diabetologen, der meine Aufzeichnungen vorurteilsfrei anging, eine Vorabdiagnose stellte und mich ein halbes Jahr engmaschig beobachtete. Dann traf er seine endgültige Diagnose: Nicht Diabetes Typ 1 oder Typ 2, sondern Typ LADA (late onset autoimmune diabetes in adult), die unheilbar ist und wenn es dumm kommt, zu einem zwar schmerzlosen aber überraschenden Tod führen kann. So geschehen bei meiner Frau Mama mitten in der Nacht kurz vor ihrem 65. Geburtstag. Sie hatte keine Chance, LADA war zu diesem Zeitpunkt erst seit 10 Jahren bekannt und noch in der Erforschung, und das was mir nunmehr immer öfter das Leben rettet, war 1987 noch nicht einmal ein kühner Gedanke in der medizinischen Technologie.

    Damit meine ich das CGM dexcom-G6, den neuesten Typ von ‚continuous glucose monitoring‘ des Weltmarktführers Dexcom Inc., San Diego. CAL., das ich nach 2 Jahren Üben mit dem Vorgänger G4 seit April dieses Jahres bei mir anwende. Auf meinem Bauch klebt ein Käfer ohne sich auf 6 Beine erheben zu können, denn von ihm ausgehend reicht eine kaum sichtbare Glasfaser in mich hinein bis ins unter die Haut, also nicht sehr tief. Die mikroskopisch kleine Chemotrode, die den Glukosegehalt der sie umgebenden interstitiellen Flüssigkeit in ein elektrisches Signal konvertiert, hat eine Lebensdauer von im Regelfall mehr als 10 Tagen, aber nach dieser Zeit beendet die Steuersoftware die Überwachung sicherheitshalber und warnt den Benutzer, dass er sich eine neue Sonde unter die Haut schießen muss.

    Apropos Software: Das ganze System ist aufgebaut wie eine Pyramide, an deren Spitze die Platinsonde sitzt. Deren analoges Signal wird im ‚Käfer‘ digitalisiert und in einem Mikrochip in Zeitabständen von exakt 5 Minuten 3 Stunden lang gespeichert. Gleichzeitig geht der Messwert zusammen mit der Uhrzeit via Bluetooth über eine Distanz von bis zu 6 Metern an ein Auswertegerät von der Größe zweier nebeneinander gelegter Streichholzschachteln, von dessen Display der Benutzer jederzeit seinen aktuellen Blutzucker ablesen und dessen Verlauf stufenweise gerastet in einem Diagramm zwischen 2 und 24 Stunden studieren kann. Für einen gut geschulten Diabetiker, der den Missstand seines Körpers zwecks Schadensbegrenzung aufmerksam managt, eine nicht gerade unwichtige Information.

    Ein Smartphone mit mindestens Android 7 ist ebenfalls in der Lage, das Signal des ‚Käfers‘ zu empfangen, auszuwerten und darzustellen. Nun aber öffnet sich die ganze Welt: Mein System ist via Internet mit meinem Doktor (siehe oben) verlinkt, er kann sich jederzeit bei mir aufschalten und mir im Falle von unmittelbarer Gefahr telefonisch Anweisungen erteilen, was bei einer Distanz von 40 km zu seiner Praxis recht beruhigend ist.

    Aber die Hauptaufgabe des CGM ist es, den Benutzer selbst rechtzeitig zu warnen, dass er zum Beispiel auf dem direkten Weg ist, in 10 Minuten aus den Pantinen zu kippen und sich zumindest vorübergehend ins Nirwana zurückzuziehen. Das reicht allemal, um die Kettensäge abzuschalten, wegzulegen und zuzusehen, wo man ein paar Stückchen Zucker herkriegt, um das nackte Leben zu retten.
    Dies tut schon das zierliche Auswertegerät mit beachtlicher Lautstärke, aber die App aufm Handy, Dexcom-Clarity genannt, holt alles aus dessen Lautsprecher raus und lässt die Fensterscheiben klirren. Insbesondere, wenn man wie ich das Martinshorn eines Notarztwagens als Signal gewählt hat. Und DIESES Notsignal geht an allen Manipulationen des Android wie z.B. „Stumm“ oder „Nicht stören“ vorbei. Das Handy schlicht abzuschalten, um den Lärm gar nicht erst aufkommen zu lassen, habe ich noch nicht probiert. Es würde mich aber nicht sehr wundern, wenn es auch hier ein Pilotsignal gibt, das dem Telefon Dampf macht.
    Sehr praktisch ist hier auch die Möglichkeit, den aktuellen Status quo auf Kosten des Zifferblatt-Stylings auf der Armbanduhr im Blick zu behalten, ohne das Handy aus irgendeiner Tasche fummeln zu müssen. Das macht sich zum Beispiel recht gut, wenn man mit krawallierender Schwerarbeit beschäftigt ist und das Notsignal nicht hören kann.

    Damit sind wir schon am Thema ‚Service‘ angelangt: Ich habe geschrieben ‚im Regelfall > 10 Tage‘, so ist die Übernahme der nicht unerheblichen Kosten durch den Leistungsträger kalkuliert. Pustekuchen: Schon im ersten Quartalspaket mit 9 Sensoren waren 5 Verreckerlein, die nach 7 bis 9 Tagen den Betrieb zunächst stottern ließen und dann ganz einstellten. Beratung war gefragt, denn einfach den Sensor aus dem Quartalsvorrat zu wechseln, würde dazu führen, dass mir bis zum Eintreffen des nächsten Paketes ein paar Tage Überwachung fehlen würden.
    Dummerweise hatte sich schon während des Übens mit dem G4 gezeigt, dass ich genau wie meine arme Mama die fatale Neigung hatte, dass meine Blutzuckerwerte ausgerechnet während des Schlafes auf potenziell tödliche Werte abzustürzen pflegen. Mein Tiefenrekord waren 28 mg/dl Blut und ging an mir vorüber, als wäre nichts geschehen. Den Alarm des G4 überschlief ich mangels funktionierenden Gehörs einfach so wie Mama ihren Tod. DAS besserte sich mit dem G6 ganz erheblich, der Akku des Überwachungsgerätes war leistungsfähiger, der Lautsprecher größer und die Alarmtöne differenzierter.
    Aber mit ohne Sensor wurde ich halt gar nicht überwacht. Ich hänge zwar nicht mehr sehr an diesem Leben, aber SO dumm und aus Versehen möchte ich dann doch nicht den Löffel abgeben, auch wenn der hypoglykämische Tod ein sehr sanfter ist. Sowas erfährt man bei einem aufgeschlossenen Doktor, der seinen Job recht nüchtern sieht und mit seinem Patienten ein offenes Wort führt.

    Ich also ans Telefon und die im Titel genannte Nummer gewählt. JETZT begann eine Folter, die die Firma das Bewertungsherzchen kostet, mal ganz abgesehen davon, dass keine Miezekatzen im Spiel sind: Schlange horchen in einer Warteschleife, und zwar meistens über einen längeren Zeitraum. Den übersteht man nur mit Mobiltelefon und Headset, denn es gibt auch noch andere Beschäftigungen, als stillzusitzen und zu warten, bis man an der Reihe ist. Aber da ich die Struktur des EMEA-Service, so die internationale Bezeichnung, mittlerweile halbwegs kenne, habe ich ausreichend Verständnis für die Wartezeiten entwickelt: Die Stärke der Belegschaft ist mir nicht bekannt, aber es müssen Hunderte sein, die ungleichmäßig über ganz Europa verteilt sind und meist mehrsprachig an einem Hotlinecomputer hängen, der anhand der Nummer des Anrufenden auswählt, welchem Bearbeiter er den ‚demayemi‘ aufs Auge bzw. ans Ohr drückt.

    Hat man dann endlich eine/n Servicemitarbeiter/in am Rohr, lernt man schnell, warum man so lange in der Warteschlange brummte: Gewohnt, mit Kunden der gesamten Bandbreite an technischem Verständnis umzugehen und dennoch eine plausible Begründung für die Reklamation in Erfahrung zu bringen, investieren die MA unendlich Geduld, um eine Liste schematisch angeordneter Fragen abzuarbeiten, bevor sie den Ersatz des reklamierten Sensors auslösen.
    Da mein CGM via Handy vernetzt ist und ich mir umständliche Schilderungen sparen will, empfehle ich den MA, sich aufzuschalten, die Profile der letzten 2 Tage zu begutachten und sich selbst ein Urteil zu bilden. Damit erübrigt sich jede Debatte, der Sensor ist hinüber, und das Tage vor dem Ende seiner Soll-Lebensdauer. Trotzdem kommt nun gemäß Dienstanweisung das Herunterbeten des Fragenkataloges, z.B. ob man denn das Plätzchen am Bauch vor dem Ankleben des Käfers auch ordentlich geputzt und mit Alkohol entfettet habe. Diese Frage ist eigentlich überflüssig, denn wäre das nicht der Fall, läge der Käfer jetzt irgendwo rum und hätte DESHALB keine Meinung mehr.

    Aber der GAU-Hammer kam am 21. August 2019 13:07 Uhr: Der Zentralserver in San Diego/CA stürzte ab und schlug nachhaltig auf dem Wüstenboden auf, die Welt des Dexcom-clarity, des Auswerteprogrammes lag am Boden und strampelte hilflos mit den Beinen in der Luft. Natürlich erfuhr man das erst, wenn man sich stundenlang in die Warteschlange gestellt hatte, das ist in diesem Fall auch nachvollziehbar, wenn die ganze Welt auf nur 2 Hotlines telefoniert.
    Die entnervte aber dennoch freundliche Lady, die mir auch IHRE Hilflosigkeit gestand, teilte mit mir die spontane Vermutung, dass das System des Servers von den emsigen chinesischen, koreanischen oder russischen Hackerfirmen im Auftrag ihrer Regierungen mit einem Kamikaze-Virus infiziert worden war. Sie war soweit informiert, dass das Aufspielen des Reservesystems erfolglos blieb, es wurde sofort wieder zerstört.

    Also übte ich mich in Geduld und klapperte das Internet nach einer Alternativsoftware ab, die mir das Clarity wenigstens teilweise ersetzen konnte. Und siehe da, ich wurde fündig: Die Firmen ‚Diasend‘ in Mountain View/CA und ‚Glooko‘ in Göteborg/SV hatten sich zusammengetan und eine Universalsoftware geschrieben, die den Speicher jedes medizinischen Messgerätes, das digital aufzeichnet, auslesen und die Werte sowohl tabellarisch als auch graphisch über der Zeitachse wiedergeben kann.
    Ich meldete mich an, kriegte umgehend mitgeteilt, dass die App kostenlos im Dienst der weltweiten Volksgesundheit zur Verfügung gestellt wird, füllte den obligatorischen Fragebogen aus und wurde freigeschaltet.
    Also stöpselte ich meinen Empfänger in den USB-Port des PC, kriegte umgehend mitgeteilt, dass man ein Dexcom G4 erkannt habe und ein Balken zeigte den Fortschritt des Auslesevorganges an. Na hoffentlich ging das gut, ich besaß nämlich ein Dexcom G6, das sind Welten an Fortschritt. Aber das Programm stellte sich als kompatibel heraus, ich kriegte mein Diagramm und die begehrte Liste zu meinem Entsetzen in Excel 95. Du lieber Himmel, da schluckte sogar der PC und ich musste die Tabelle erstmal entriegeln. Glücklicherweise ist meine Office 2010-Eigentumslizenz abwärtskompatibel. Diese Universalliste, die über 4000 Gerätetypen weltweit abdeckt, war natürlich etwas umständlicher zu händeln als das nur auf einen Gerätetyp zugeschnittene Original von dessen Hersteller. Aber zur Not konnte ich damit leben.

    Aber trotzdem rief ich nach Verstreichen von 1 Woche den EMEA-Service wieder an und erkundigte mich nach dem Befinden des Zentralservers. Große Verwunderung: „Aber der lief doch schon am nächsten Tag wieder…“ – „Ach ja? Und warum stellt sich mein Equipment bei der Anmeldung so deppert an?“ – „Was meinen Sie damit?“ – „Ich kriege eine ganzseitige Fehlermeldung in Hacking-Kauderwelsch, die ich mangels Kenntnissen nicht entschlüsseln kann, und damit fährt die Anmeldung vor eine Mauer.“ – Die Lady erklärte sich auch als Hackingsoftware-inkompetent, sie werde meine Reklamation weiterreichen, ich würde von einem Systemanalytiker angerufen.

    Nun gut, ich hatte es ja nicht expresseilig, mein Diasend-Account würde es wohl noch ein Weilchen tun. Nach ein paar Tagen rief tatsächlich ein neugieriger junger Mann an und wollte die Fehlermeldung vorgelesen kriegen. Ich provozierte sie zunächst einmal, dann legte ich los. Er schrieb von Hand den Kauderwelsch mit, bremste mich aber nach 3 ermüdenden Zeilen ein, das sei wohl ein Serverproblem und ginge über seine Reichweite hinaus. Ich würde zeitnah wieder angerufen.

    Zeitnah waren 2 Tage, dann hatte ich einen Mann am Rohr, der zwar hervorragend deutsch beherrschte, aber seinen angelsächsischen Akzent nicht verbergen konnte, was sein Name ‚Cedric‘ natürlich erklärte. Wir probierten 2 Stunden lang alles Mögliche aus, und zwar er synchron mit mir an seinem PC, jedoch mit dem Unterschied, dass ER nach ‚Execute‘ angemeldet war und ich zeitgleich die schon bekannte Fehlermeldung bewunderte. Total deprimiert war er schon drauf und dran, meinen Receiver gegen einen Neuen auszutauschen, aber DEN Zahn zog ich ihm, indem ich erwähnte, dass dieser mit dem schwedischen Glooko einwandfrei kommunizierte. Vielleicht sei doch noch ein asiatischer Wurm in dem US-amerikanischen Programm, einer der ein Bit von meinem Account verdrückt hat. Dies wollte und konnte er nicht ausschließen, obwohl das nur ein Produkt meiner verqueren Phantasie war, und wir einigten uns, dass ich erstmal mit den Schweden weitermachte bis ihm was eingefallen war.

    Schon am nächsten Tag rief ein ‚alter Bekannter‘ an, Jonas aus Berlin, der in Edinburgh lebte und mit dem ich schon öfter das Vergnügen gehabt hatte. Er meinte, dass der Top-Eskalationsmanager Cedric die Idee an ihn weitergegeben hätte, sich im ‚Remote-Modus‘ bei mir reinzuhängen, dann könnten wir zu zweit in MEINEM PC der Lücke im System nachspüren und ob ich damit ein Problem hätte. – „Nö, warum auch? Meine Kinderpornos sind auf einem anderen Rechner…“ – „Na Gott sei Dank…“, lachte er. Bei diesem Lachen auf beiden Seiten blieb es auch in der nächsten Stunde: Ich hatte nicht geahnt, was der Remote-Modus so mit sich brachte, wenn zwei gleichrangige Benutzer ständig einander in die Parade fahren. ER mopste sich schon an meiner Desktop-Konfiguration, die sei höchst unüblich. Meine Antwort: ‚Never touch a running system…‘ – entwaffnete ihn aber umgehend. Gefallen tat ihm meine Methode, wichtige Downloads nicht einfach im gleichnamigen Folder abzulegen, wo ein Einbrecher als erstes nachsah, was er hier kaputtschlagen konnte. Dort fand er sie nicht, also brauchte mich wieder, damit er überhaupt weitermachen konnte.

    Was ich nie gedacht hätte war, dass ein Profi von mir was lernen konnte und es auch tat, weil er nie daran gedacht hatte, die Arbeit eines Programmes auf so simple Weise in Tätigkeit zu beobachten. Das kann man nämlich im Task-Manager ganz wunderbar und war im Zweifelsfall für mich Routine, bevor ich bei meinen beiden ‚Big Brothers‘ Microsoft oder Google etwas reklamierte. Ich führte ihm live vor, wie sein Clarity loslegte, Fahrt aufnahm, Daten hin und her schob und urplötzlich verharrte und alle Parameter in den Ruhezustand zurücksetzte.

    Nun aber fing ER an, sich in der Liste des Task-Managers nach unten zu hangeln. Er markierte ein unscheinbares Hintergrundprogramm und hieß mich, das Clarity erneut zu starten. Dem Umstand, dass das Miniprogramm nicht in Stress und Hektik verfiel maß er Bedeutung bei, offenbar nach dem Motto: ‚Keine Antwort ist auch eine Antwort…‘ und jetzt fing ER an zu wirbeln. In Nullkommanix holte er sich eine Systemseite auf den Schirm, mir wurde richtig schlecht (Never touch a running system), hangelte sich nach unten und färbte eine Zeile um: „DIESEN Treiber haben wir schon vor einiger Zeit verschrottet und ersetzt. Erstaunlich, dass der bei Ihnen noch bis zum Serverabsturz lief. Vermutlich haben Sie eine Steinzeitversion von Clarity gefahren…“

    Der Rest war wieder Routine, auch wenn sie etwas Beherztheit von mir erforderte: Ich musste die alte Programmversion deinstallieren, sämtliche Adblocker stilllegen sowie Firewall und Malwarescanner runterfahren. Dann schickte er die neueste Version von Clarity, erst ein paar Stunden alt, komplett mit allem Zubehör über die Leitung, ich installierte sie und dann kam die Zitterpartie: Neustart des Rechners ohne Schutzmaßnahmen. Wenn mich jetzt einer aufs Korn nimmt, ist mein System erledigt. Aber ich hatte Glück, fuhr Firewall und Scanner wieder hoch und dann kam die Probe aufs Exempel:

    Da meine Tagesprofile auf 2 Geräten registriert und gespeichert werden, kann das Auswerteprogramm auch auf zweierlei Arten gestartet werden: Zum einen per Anmeldung am Server via Internet, der liest das Handy aus, dreht die Daten durch den Wolf und schickt mir das Gehackte hübsch angerichtet auf den PC zwecks weiterer Verwendung. Nachteil: Zwischen dem Ende der Aufzeichnung und dem ‚Jetzt‘ klafft eine Lücke von mindestens 3 Stunden. Dieser Weg hatte immer funktioniert, und diese Tatsache machte die Systemexperten kopfscheu.
    Denn die eigentliche Plug-in-Anmeldung, die für über 80% der Kundschaft die einzige ist, also das Losrattern des Klapparatismus infolge Einstecken des Receivers in einen USB-Port, ist eigentlich der Clarity-Urschleim und MUSS funktionieren.

    Ich ‚pluggte in‘ und gebannt verfolgten wir beide den Fortschritt der Anmeldung, soweit er auf dem Task Manager erkennbar war. Und das seit fast einem Monat sehnsüchtig erhoffte ‚Wunder‘ geschah: Selbsttätig wurde mein Browser eingeblendet und eine Registerkarte ‚Clarity‘ eröffnet. Es erfolgte das übliche Gerödel, während knapp 1 MB Daten über die Leitung hereinkamen, dann ging das Licht an und die Startseite erschien wie gewohnt und lange vermisst. Unbestreitbarer Vorteil des ‚Plug in‘ ist die Auswertung ‚just in time‘ bis zur letzten Minute des Aufzeichnens.

    Wir waren beide gleichermaßen begeistert: ER erleichtert darüber, dass dieser Crash keine verschleppte Auswirkung des ‚server down‘ vor einem Monat war und ich, dass ich meine persönliche Auswertung wieder ohne Zeitlücke von 3 Stunden machen konnte.
    Dankbar dachte ich darüber nach, wie ich ihm und Cedric meine Wertschätzung ausdrücken konnte und noch während er abwiegelte, kam mir die Idee, die Leistung der beiden Herren mit einer Golocal-Bewertung zu honorieren, was hiermit geschehen soll.

    geschrieben für:

    Diabetologie / Messgeräte und Messwerkzeuge in Mainz

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    2.

    NC Hammer Tom Zur Erinnerung:
    "Hat (man) Dir nie mitgeteilt, dass eine golocal-Bewertung kurz und prägnant sein muss um überhaupt unter die Leute zu kommen. Die meisten sind doch Legastheniker, die nach dem dritten Satz aussteigen :-(
    Was übrigens nichts mit Intelligenz zu tun hat."
    Ausgeblendete 5 Kommentare anzeigen
    NC Hammer Tom @Laura mein Kommentar bezog sich auf einen Kommentar von demayemi zu meinem Bericht:

    Vivantes Klinikum Neukölln Klinik für Innere Medizin- Gastroenterologie u. Diabetologie (Rudower Straße 48, 12351 Berlin) auf golocal: https://golocal.de/L/61HD9
    Salbada Ich lese gerne auch lange Berichte, wenn sie so kurzweilig-spannend geschrieben sind ;-)
    Whow! Einerseits ist so ein High-Tech-Wächter faszinierend. Andererseits hält er einen nervlich ganz schön auf Trab, wenn er so fragil ist.
    demayemi Lieber Tom, hat man: Es war die damalige CM @Lumilla 2013. Wir hatten uns ein bisschen in den Haaren wegen der Länge, dann sprang mir Kati zur Seite und seither darf ich lange Bewertungen schreiben ;-))))))
    demayemi @Salbada, Du hast doch gelesen, dass dieser Klapparatismus Leben retten kann, wenn es erforderlich ist. Das funktioniert natürlich nicht mit Stethoskop um den Hals, weißem Mantel und Wissen, das vor 30 Jahren erworben wurde.

    Von Jonas erfuhr ich beim Klönen in den Wartepausen für Systemtätigkeiten, dass ich einer von ganz wenigen Kunden bin, der sich wirklich um Gerät und Software kümmert. Allein in Deutschland tragen 72000 Diabetiker ein CGM und keiner interessiert sich ernsthaft dafür.
    demayemi @Tom: Ein ehemaliger Kollege war das Musterbeispiel eines Legasthenikers: Er war selbst in unserer schwäbisch-geizigen Klitsche reich geworden, weil er eine Erfindung nach der anderen machte.
    Auf seinem Schreibtisch stand damals eine Reiseschreibmaschine, weil er nicht handschreiben konnte. Da wir oft zusammenarbeiteten, er Elektronik und ich Sensorik, musste ich ihm meine Abschlussberichte vorlesen. Er kannte sie sofort auswendig und konnte 'meine' Hardware zum Gesamtsystem vervollständigen.

    ICH nenne sowas intelligent in beängstigendem Maß :-))
    Puppenmama Interessanter Bericht, den ich aber nach kurzer Zeit überflogen habe. War mir dann doch zu lang.
    Ich wünsche Dir ein langes Leben, lieber demayemi.
    demayemi Danke, Puppenmama, ich nehme es so, wie es mir zugedacht ist. :-)
    Erstaunen tut mich eigentlich nur die Zähigkeit, mit der dieser Körper trotz diverser tödlicher Wehwehchen am Leben festhält, obwohl der Geist es gar nicht wirklich will...


  3. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    2. von 2 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Ich bin seit gut 2 Jahren gezwungenermaßen Kunde oder besser gesagt Patient dieses medizinischen Fußpflegeinstitutes, schlicht und einfach deshalb, weil meine diabetisch angeschlagenen Beine unterhalb der Knie auf gar keinen Fall verletzt werden dürfen. Im schlimmsten Fall droht ansonsten Wund- oder auch Gasbrand, sprich: Das kaum noch durchblutete Fleisch weigert sich zu heilen und beginnt am lebendigen Leib zu verwesen. Eine hoch angesetzte Amputation der befallenen Extremität ist bis heute die einzige Überlebenschance.
    Lebenslange Erfahrung beweist, dass ein eigenhändiges Herumschnippeln an den Zehennägeln schon mal zu Bagatellverletzungen führen kann, bis vor 10 Jahren keine große Sache, die mir angeborene gut funktionierende Selbstheilung erledigte das in Stunden. Dies eigentlich immer noch überall am Körper, aber nach und mit langjähriger schwerer Diabetes nicht mehr an den Unterschenkeln und Füßen, siehe oben.

    Damit dürfte der persönliche Nutzen hinreichend belegt sein, nun aber Schluss mit den düsteren Prognosen, denn dem Eintreten dieses Horrorszenario weiß die Belegschaft der Titellocation kompetent und mit einem Lächeln vorzubeugen. Doch bevor ich jetzt über das Personal herfalle, zunächst einmal zu den harten Fakten, die die Geschichte zu einer Bewertung machen. Wie von mir schon gewohnt, zu allererst eine eindeutige Lokalisierung in GEO-Koordinaten, schmarotzt bei Google-Earth, die ein ggf. erforderliches Durchfragen in dem verkehrsberuhigten Straßennetz der Leutkircher Südoststadt erübrigt:
    https://www.google.de/maps/place/Gebhard-M%C3%BCller-Stra%C3%9Fe+2,+88299+Leutkirch+im+Allg%C3%A4u/@47.8218378,10.0270623,1344m/data=!3m1!1e3!4m5!3m4!1s0x479b908ade3f257f:0xbffa22f40bc6b4f9!8m2!3d47.81955!4d10.02779?hl=de
    Der Umgang mit diesem Link ist nicht schwierig: Man kopiere ihn in eine leere Browserzeile und schon erscheint eine Satellitenaufnahme von Leutkirch-Süd mit roter ‚Stecknadel‘ im Windfang der Titeladresse. Davon ausgehend kann sich jeder Interessent einen Routenplan basteln, zum Beispiel von der Ausfahrt ‚Leutkirch-West‘ der A96 quer durch die Stadt. Ihm passiert es nicht, wie bei meinem ersten Besuch, dass er von Ortsansässigen in das Dickicht von Einbahnstraßen und Fahrverboten dieses Schlafbezirkes der Metropole Leutkirch dirigiert wird. Ich kam mir vor wie in einem vertikalen Wohnsilo, wo keiner niemanden nicht kennt (Achtung: Diabologik, Vorzeichen setzen!).
    Aber vor EINER Vorgehensweise kann ich nur warnen: Versuchsweise ließ ich Maps die Verbindung zwischen ‚Haid‘ (nahe der BAB-Ausfahrt) und der Zieladresse routen. Umgehend wurde auf eine Ansicht des gesamten Westallgäu heruntergezoomt und diese mit zig blauen Linien gefüllt. Die einzige Route, die NICHT dabei war, ist die nach meiner Insidererfahrung zwar nicht kürzeste und vielleicht auch nicht die schnellste, aber mit Sicherheit die nervenschonendste: Nur 3 Ampeln und nur 1 x ungeregelt links abbiegen mit Rechtsvorrang. Ich hasse das schon seit ich den Führerschein habe, also 52 Jahre.
    Übrigens, die Gesamtansicht des Eingangsbereiches ist nicht etwa aus Google-StreetView gemopst, das Foto ist selbstgestrickt, die Urheberrechte sind bei mir und werden unentgeltlich höchstens an die Hauseigentümerin und Inhaberin des Bewertungsobjektes abgetreten.

    Mindestvorraussetzung für eine abrasive Behandlung der Gehwerkzeuge ist ein vereinbarter Termin. Eine ‚Neukundendiskriminierung‘ wie bei vielen Fachärzten gibt es nicht, die Wartezeit beträgt höchstens mal 10 Tage, ein Beweis dafür, dass die 3 Ladies recht gut ausgelastet sind. Trotz des straffen Terminplanes wird nicht gehudelt, Sorgfalt und Nachhaltigkeit des Ergebnisses stehen unsichtbar auf dem Firmenschild. Wenn man pünktlich ist, wozu dringend geraten wird, und mal wie ich heute 20 Minuten warten muss, dann ist irgendetwas irgendwann im Vorfeld dumm gelaufen, davon darf man ruhig ausgehen. Zumal wenn die überwiegende Erfahrung ist, NICHT im gemütlichen Wartezimmer mit Ledersofa, -sessel (leider ohne Ohren), und modernen bequemen Lehnstühlen Platz nehmen zu dürfen. Auf dem niedrigen Couchtisch in der Mitte liegen aktuelle Ausgaben von ein paar der anspruchsvolleren Illustrierten, z.B. Spiegel, Woman, Metropolitan etc., von denen, wenn überhaupt, nur die ersten 5 Blätter Gebrauchsspuren aufweisen. Das ist wohl das deutlichste Anzeichen dafür, dass es hier in der Regel gar nicht erst zu nennenswerten Wartezeiten kommt. UND auch, dass ich bei nur EINEM der bisher 24 Besuche meine Kalesche in der Pampa abstellen musste, weil die 4 als institutseigen ausgeschilderten Parkplätze am Haus alle belegt waren.

    Es gibt keinen ‚Zerberus‘ oder ‚Wachdrachen‘ an der Rezeption, diesen Kram erledigen die Aktivposten des Firmenbruttosozialproduktes höchstselbst, womit nicht gesagt ist, dass die Empfangsdame dann auch die Foltermagd ist. Diese Wortwahl ist beileibe keine Abwertung oder neumodisch auch Diskriminierung genannt: Der Job der Ladies ist es, die Füße GRÜNDLICH zu behandeln, wozu auch das Abfräsen der Hornwülste an den Sohlenrändern gehört. ICH persönlich gehöre zu den Menschen, die dieses Kitzeln der Fußsohlen als Folter empfinden, wenn auch in erster Linie für das Zwerchfell, weil ich mich bemühe, niemanden außerhalb des Raumes durch mein Gequietsche und Gekicher zu beunruhigen. Es reicht, wenn die Therapeutin das Sprunggelenk des malträtierten Fußes in Eisen legt oder wie auch immer man den hydraulischen Greifer, der einer zarten Hand so täuschend ähnlich sieht, nennen mag.

    Nun sind wir unversehens in eines der 4 Herzen des Betriebes vorgedrungen, das einer modernen Zahnarztpraxis nachempfunden ist. Das bezieht sich in erster Linie auf die Werkzeugausrüstung und deren Antriebe. Die Handwerkzeuge sind in der Tat chirurgisches Besteck und die rotierenden Werkzeuge findet man auch im Sortiment der Fa. Dremel, die wohl jeder zumindest von der Werbung kennt. Lediglich die 2 Antriebe sind etwas stromlinienförmiger, denn hier gibt es zwischen stufenlos regelbaren 3000 Uml/min und den kaum noch bändigbaren 400 000 Uml/min des Turbofräsers keine Zwischenstufe. Der Zahnarzt benützt diese jaulende Minihöllenmaschine zum ruck-, schmerz- und hitzearmen Bearbeiten von Zahnschmelz, wofür ein Podologe sowas tatsächlich benötigt, habe ich bisher noch nicht hinterfragt. Ich kenne allerdings auch bei weitem nicht das gesamte Spektrum der Therapiemethoden, möglicherweise gehört das vorübergehende Eingießen von Patientenfüßen in wasserdichte Glasbetonschuhe dazu. Aber das ist pure Spekulation. Außerdem wäre hierzu ein Taschendruckluftmeißel, wie ihn ein mir bekannter Paläontologe zum behutsamen Freilegen versteinerter Knochen benützt, das geeignetere Werkzeug. Es gab auch kleine Dinos.

    Beim Platznehmen im komfortablen Ledersessel erübrigt sich zunächst das Zurechtruckeln des Gesäßes in eine entspannte Sitzposition, denn direkt neben der Sitzfläche wird das Bad bereitet, die abschrankende Armlehne hochgeklappt und die Füße per Drehung o.a. Gesäßes in die warme Speziallauge komplimentiert. Das ist kein hintergründiger Zweifel an der Reinlichkeit des Kunden und auch kein Wiederbeleben eines antiquierten religiösen Rituals: Das etwa 5-minütige Fußbad dient zum Aufweichen der Verhornungen an Ferse und Ballen, damit sie leichter abgetragen werden können. Außerdem sind die Nagelbetten leichter zu reinigen, wenn die nun weiche Haut dem Handwerkzeug ausweicht und die Ansammlungen von 4 Wochen Leben auf großem Fuß in den Hautfalten zur Beseitigung freigibt. Hat man bis hier durchgehalten, ohne an der eigenen Zunge zu ersticken, wird nun o.a. ‚Folter‘ in Angriff genommen.

    Die sehr dezente Geräuschentwicklung der Maschinerie, immerhin ein Kompressor und der Antrieb der biegsamen Welle für den Kitzelfräser, fordert einen verbalen Austausch geradezu heraus, siehe auch Frisiersalon, Damenabteilung. Da ich mangels Kenntnis der Insiderinfos von Leutkirch ein denkbar ungeeigneter Diskussionspartner für die örtlichen Skandälchen bin, erzählt man sich halt die Story vom Pferd oder was auch immer. So kommt während 24 Sitzungen à 20 Minuten so einiges an Kleinkram zusammen, was fortwährend gepuzzelt unsere Republik ganz schön schrumpfen lässt, selbst wenn man Berlin und die dortigen Ereignisse außen vor lässt. Das Erstaunlichste war, dass die Gründerin des Institutes als junge Frau von der Waterkant zunächst ins Herz der Nordalpen, ins Oberallgäu, gefunden hat, ohne bleibenden seelischen Schaden zu nehmen. Aber die dort naturgegebene Einschränkung der Horizontalen zugunsten der Vertikalen war dann wohl doch zu weit vom Gewohnten entfernt, die Hügel des Unterallgäu lockerten die Beklemmung, man ließ sich immobil nieder. Ich kenne das von mir selbst im umgekehrten Sinn und so fing ich mir während meiner 6 Berliner Jahre eine Flachlandpsychose ein die mir eine Visite in München bereits nach ein paar Stunden unerträglich macht.
    SEHR angenehm ist auch, dass die designierte Juniorchefin weil Tochter des Hauses, die es vorzieht, mit Mundschutz zu arbeiten, diesen in Rücksichtnahme auf meine Hörbehinderung kurz beiseite zieht, wenn sie mich anspricht, damit ich ihre Lippen lesen kann. Und dies, obwohl ich diese schon vor langer Zeit bekanntgemacht habe. So viel Verständnis ist wirklich höchst selten. Die meisten Zeitgenossen, die ich bitte, betont langsam zu sprechen und mir dabei in die Augen zu sehen, beginnen zu schreien, was überhaupt nichts bringt: Ich höre es nur als Lärm, verstehe aber kein Wort.

    Apropos Mundschutz: Was Hygiene angeht, kann sich dieses Pflegeinstitut für die Füße mit jeder Zahnarztpraxis messen: JEDES einmal verwendete Instrument, ob Hand- oder rotierendes Werkzeug, wird in einem Autoklaven sterilisiert und gleich anschließend in eine dafür vorgesehene keimfreie Tüte mit Sichtfenster eingeschweißt. Nach der ‚Exekution‘ wird die angenehm klimatisierte Folterkammer sorgsam gereinigt, der glatte Boden feucht gemoppt und der Stuhl steril abgewischt. Es fielen ja immerhin Nagelsplitter an, o.a. Dreckansammlungen und zumindest in meinem Fall Unmengen von Kühlwasser für die Kitzelmaschine, damit es nicht gar so schlimm wird. Ist alles überstanden, werden die mal-… ääääh …BONträtierten Füße mit diversen Salben und Ölen getröstet, man selbst angestrahlt und die Luft aus dem Sessel gelassen, damit man ohne ‚Seil und Hacken‘ wieder den sicheren Boden erreicht. Wer nicht notorischer Sandalenläufer ist wie ich, kriegt sogar die Socken und Schuhe angezogen.
    Auf diesen geht es dann wieder zur Rezeption, den Obulus zu entrichten bzw. seiner Krankenkasse zu bescheinigen, dass alle Zehen wieder an ihrem von der Natur vorgesehenen Platz sind und auch deren Anzahl die gleiche ist wie vor der Prozedur. Da das Ziel der abrasiven Therapie nur vorübergehend ein Status quo ist und die Natur sich bereits drangemacht hat, die geschnittenen, gefrästen und geschliffenen Lücken wieder aufzufüllen, wird nun zäh über einen Termin zwecks Wiederholung der Prozedur verhandelt. Zäh deshalb, weil die Flexibilität des Institutes oft nur schwerfällig mit der volkseigenen Sturheit der Patienten in Koinzidenz zu bringen ist. Damit nehme ich mich selbst nicht aus: Ich lebe nun mal nicht in Spaziergangsentfernung, sondern weit draußen auf der grünen Wiese am Waldrand. Wenn mir unsere unteilbare Pferdeherde nicht zur Verfügung steht, warum auch immer, wäre ich theoretisch gehalten, die 15,7 km per Pedes zurückzulegen, das laut G-Maps etwas mehr als 3 Stunden in Anspruch nimmt, und das gleich 2 Mal ohne Übernachtung. Das weiß ich mir tunlichst zu verkneifen.

    Bis hierher sind es sachdienliche Informationen, die zu den von mir erteilten 5 Sternen führen, ab jetzt ist das ‚Herzchen‘ dran, also der Grund, was mir an dieser Adresse ganz besondere Freude bereitet und der Location einen Bonus einräumt:
    Leser, die mich schon kennen, wissen, dass ich mein Leben schon seit gut 60 Jahren den Miezekatzen dieser Welt verpfändet habe, unabhängig von Größe und Kampfgewicht, Dies vorzugsweise den nicht überzüchteten Promenadenmischungen. Denn diese ‚Wildkatzen‘ sind von Natur aus robust und gesund, insbesondere wenn sie ‚Freigänger‘ sind, sich also Domizil und Sklaven aus eigenem Willen halten. Die älteste Lady, die erst zur Ruhe gefunden hat, nachdem sie mir ihren letzten Wurf brachte, ist verbriefte 26 Jahre alt und kerngesund.
    Über die Rollenverteilung in einem Haushalt mit auch nur EINER Katze habe ich andernorts bereits hinreichend debattiert.
    In DIESEM Haus lebt eine ganze Familie von dieser Sorte Pelze: Eine etwas schüchterne Mama und ihre 2 halbwüchsigen Kinderchen. Der sehr zierliche Papa sieht einem ‚Russisch Blau‘ täuschend ähnlich, ist aber laut oberster Sklavin ein ganz normaler Kater ohne ‚von‘ und passender Heraldik. Sonst dürfte er womöglich auch nicht frei rumlaufen. Er ist mir gegenüber ein bisschen ängstlich, aber das gibt sich vielleicht noch im Lauf der Zeit. Die beiden Halbstarken sind vorgeprescht und haben zunächst meine Eignung als Türöffner getestet. Da das nicht immer so prompt klappt wie gewünscht, haben wir ein bisschen geübt und nun lässt man sich per ‚Hihebe‘ (= Darbieten besonders sensibler Stellen wie Schläfen, Kehle etc.) zum Gekraultwerden über die Wartezeit hinwegtrösten.
    Eines Tages kam es zu einer ‚Begegnung der 3. Art‘, aber nach näherem Betrachten nicht mit einem Alien sondern einem Exemplar einer eigentlich auch recht weit verbreiteten Art Hausgenosse: Einer der o.a. Jungrabauken aalte sich auf dem Telefonverteiler (Bild) in der Nachmittagssonne und ließ sich gnädig von mir den Bauch kraulen, da kam von etwas abseits ein dumpfer Laut, der mir entfernt bekannt vorkam. Etwas undeutlich weil durch die Latten des Gartentürchens aufgepixelt war ein riesiges nachtschwarzes Etwas ohne kontrastierende Details zu erkennen, wie es bei schwarzen Gegenständen im Gegenlicht zu sein pflegt. Aber der Umriss in Verbindung mit dem Laut reichte, um den Groschen zur Landung ansetzen zu lassen: Die Wahrscheinichkeit, dass es sich um einen Wauwau handelte, näherte sich asymptotisch 100%, fragen konnte nicht schaden: „Ja hallo, wer bist DU denn?“ – Prompt erschien im oberen Drittel der schwarzen Kontur ein großer rosiger Fleck und wurde von mir als hechelnde Zunge identifiziert: DA war er also, der Zerberus, im Garten des Anwesens an seinem eigentlichen Job gehindert, nämlich das Grundstück zu bewachen und zu verteidigen. Oder hatte er das etwa nie gelernt, wie das geht?
    Meine behutsame Annäherung an den Zaun zwecks Vollzug des Begrüßungsrituals für Vierbeiner quittierte er leider mit einem schüchtern wirkendem Rückzug, allerdings immer wieder nach hinten sichernd, ob ich ihm ja nicht etwa folge (Foto). Oh weh, da hat jemand Minderwertigkeitskomplexe und ist sich seiner Kampfkraft nicht bewusst, eigentlich fast schade, denn allein schon die moralische Wirkung der Optik dürfte die meisten Spitzbuben zum Rückzug bewegen.
    Mein ehemaliger Glücksgriff im Lindauer Tierheim, ein nach bayerischer Gesetzgebung zum Tod verurteilter Kampfhund per Maß und Gewicht, dem ich durch den Export nach Württemberg das Leben rettete, war geschulter Wach- und Personenschutzhund. Mein Sohn und auch ich hatten leider Gelegenheit, diese Eigenschaft von ‚Loulou‘ kennen zu lernen, als wir zeitversetzt aber von der gleichen Person tätlich angegriffen wurden. Beide Male kam der Täter nur knapp mit dem Leben davon: Loulou kämpfte für uns von sich aus wie seine Urahnen, nämlich wie ein Wolf, also mit Sprung an die Gurgel des Angreifers, um sie herauszureißen
    Aber der Chef der Ravensburger Hundestaffel, der Loulou daraufhin das Charakterbild abnahm, bescheinigte ihm die Aggressivität eines Plüschtieres, wir durften den ‚Kampfhund‘, der nur seine Pflicht getan hatte, behalten und der Petzer in Personalunion mit dem verunglückten Angreifer musste den Einsatz des Hauptkommissars bezahlen. So viel zum Nutzwert eines GROSSEN Wauwaus mit furchterregender Optik für ein ggf. bedrohtes Heim bzw. die Person des von ihm anerkannten Leitwolfes und Rudelführers.

    Dass ich mich von Termin zu Termin auf den Besuch dieser Location freue, muss ich abschließend wohl nicht extra betonen, oder?

    geschrieben für:

    Fußpflege, kosmetische in Leutkirch im Allgäu

    Neu hinzugefügte Fotos
    3.

    Ausgeblendete 13 Kommentare anzeigen
    demayemi Danke für die Glückwünsche und bitte höchstens vorsichtigen Optimismus. Diese Bewertung war die GUTE Nachricht. An der schlechten dichte ich bereits.

    Malli, interessieren Dich nur die Fakten, dann schalte ich Dich auf meine Wetterstation auf, das geht jetzt. Oder ist es Dir etwa um mein Geblödel? DAS könnt Ihr Berliner doch viel besser, ich hab es doch am Wedding gelernt :)
    Tikae Optimismus kann man nicht genug verschenken !
    Und joooo, ich weiß, ich bleibe in Erinnerung ....:-D
    demayemi Wärst Du bitte so lieb und übersetzt Deine multiplexe Poesie in die schlichte lineare Sprache eines Naturwissenschaftlers?

    Jaja, MÄNNER, ich weiß :D
    demayemi :D Ist bei erstem Besehen kaum weniger kryptisch, also werde ich meinen eigenen Text nochmal ganz aufmerksam durchlesen ;)
    Sedina Glückwunsch zum Grünen Daumen auch von mir, auch wenn ich gestehe, dass mich die epische Breite etwas anstrengt.
    Auch ich würde mich freuen, wenn Du mal wieder in den Wetterthread einschweben würdest!


  4. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Schon mal vorab: Das Herzchen kriegt nicht die Arena sondern das dort erlebte Event. Aber erstmal die Pflicht:
    Zunächst wie schon erprobt und geübt die Projektion der Lage im Universum inklusive Anfahrtsweg ab Autobahnkreuz Ulm-Elchingen, wo alle Himmelsrichtungen zusammenkommen:

    https://www.google.de/maps/dir/48.4653871,10.1154444/48.3780088,10.0012677/@48.3742647,10.0025928,836a,35y,39.12t/data=!3m1!1e3!4m2!4m1!3e0?hl=de&authuser=0

    Zur Erläuterung der 3D-Projektion: Der blaue Anfahrtsweg zeigt NICHT den kostenpflichtigen Parkplatz der Arena (im Bild der große Kiesplatz westlich davon), denn die Gebühr ist im Voraus zu entrichten, was natürlich zum Rückstau in der Einfahrt bis hinaus in den Fließverkehr führt. Ich zog es vor, nicht der Herde zu folgen und suchte mir einen eigenen Platz im Wohnbereich südlich der Sportplätze, der gebührenfrei in ausreichender Menge zur Verfügung steht und freundlicherweise als P3 und P4 der Arena ausgewiesen ist. Siehe auch 'Stecknadel'

    Nach einem Fußweg von etwa 10 Minuten Dauer waren wir am Eingangstor zum SEHR großzügigen Foyer, das gerade aufgeschlossen wurde. Die Abfertigung durch die 4 Billetto-Kontrollettis (hauseigene schwarze Sheriffs) war so zügig, dass die vierreihige Warteschlange von fast 100 m Länge in wenigen Minuten 'verdrückt' war. Während ich den ‚Lindwurm‘, der beharrlich auf die Mündung seiner ‚Höhle‘ zukroch, zuritt, konnte ich durch die gebäudebreite Glaswand bereits das Innere des Foyers betrachten und die nähere Zukunft, nämlich das Stillen meines Hungers planen. Denn an der Rückwand der Halle öffneten sich gerade die Durchreichen für Speis und Trank, und zwar auch diese in Dimensionen, dass auch Andrang größeren Ausmaßes schnell mit Futter der eher schlichten Art und Getränken versorgt werden konnte. Mit ‚schlicht‘ meine ich, dass Currywurst mit Pommes und Ketchup in der berühmten Pappschale mit hölzernem Minigäbelchen das Topgedeck der lokalen Cuisine ist. Aber wenn man damit in der Hand einen Platz an einem der Stehtische ergattert hat, treibt’s der Hunger dann doch rein.

    Doch so groß dieser auch sein mag, ganz so einfach kommt man nicht an die begehrte Stillung desselben wie an einem Würschtlstand auf dem Wochenmarkt: Zunächst ist man gehalten, entweder an einem der einschlägigen Automaten oder von einem der allgegenwärtigen unübersehbaren ‚Sheriffs‘ eine Wertkarte in genormter Größe gegen Bares zu erstehen, erst dann kann man sich an den Konsum heranmachen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Hygiene am Futtertrog und Beschleunigung des Service dortselbst. Ist die Veranstaltung zum Ende gekommen und auf der Karte ist noch Restvermögen, kann man dieses spenden oder an einer Art Bankschalter wiederum gegen Bares einlösen, gebührenfrei selbstverständlich.

    In die obere Etage und damit zu den vielen Eingängen in die Arena selbst gelangt man über 2 Freitreppen plus 2 rollstuhlgeeignete Aufzüge. Da der eigene Platz auf dem Ticket ausgewiesen ist, tut man gut daran, sich an die Wegweiser zu halten, die allerdings erheblich logischer und übersichtlicher angeordnet sind als zum Beispiel im Hamburger Hauptbahnhof. Dort bin ich nämlich 6 Wochen zuvor schier verzweifelt, ich fand die Zuggarnitur der königlich dänischen Reichsbahn nicht, die mich nach Oldenburg bringen sollte.

    Der geschätzte Leser, der mich kennt und weiß, dass ich in der Jugend Alpinist und später Drachenflieger war, wird mir nicht glauben, dass ich alles andere als schwindelfrei bin. Aber diese beiden Hobbies eignen sich hervorragend zum therapieren dieser Psychose, und zwar ohne einem Klempner Unsummen zu bezahlen, der einem dann doch nicht helfen kann. Aber als ich dann auf der Plattform des für mich zuständigen Einganges in die Arena stand, packte mich für Sekunden wieder dieser Alptraum, bis mich der trainierte Verstand wieder im Griff hatte. Die ‚Bowl‘ der Arena hat einen Neigungswinkel von 100% (45°), vor mir erstreckte sich eine eigentlich ganz normale Treppe nach unten ins ‚Unendliche‘ und kein ‚Siemens’scher Lufthaken‘ hielt mich fest oder versprach es wenigstens.

    Dass es dem Veranstalter der Show, die zu genießen ich gekommen war, gefiel, die Kulisse und den Boden der Arena, also die Bühne, mit kaltem Rauch einzunebeln, um das Publikum schon mal ein bisschen einzustimmen, war kaum geeignet, die vorübergehende Panik zu beruhigen. Damit kommen wir schon langsam zum versprochenen ‚Herzchen‘, nämlich einem zumindest für mich willkommenen Kunstgenuss: 3 Stunden schottische Volks- und Militärmusik, dargeboten von den ‚Pipes and Drums of Scotland‘. Als noch nie erlebte Besonderheit gab es eine musikalische Kooperation mit einer Rockgruppe aus Edinburgh und noch ein paar Kinkerlitzchen, die eine solche Show zum Erlebnis machen.

    Um mir blutende Finger zu ersparen, indem ich Werbung für eine Veranstaltung mache, die in der Vergangenheit stattfand, hier ein Link zum offiziellen Flyer, in dem etwas pathetisch beschrieben ist, was den Zuschauer erwartet:

    https://www.ulmtickets.de/produkte/974-tickets-the-scottish-music-parade-ratiopharm-arena-neu-ulm-am-15-11-2017

    Und da ich wie immer in solchen Fällen keine Kamera dabei hatte, hier ein Link zu einer Fotostrecke, die mehr oder weniger das zeigt, was ich auch selbst zu Gesicht bekommen habe:

    https://www.google.com/search?q=the+scottish+music+parade&tbm=isch&source=iu&ictx=1&fir=F2UP4r_gMBGWdM%253A%252CaUWcizzRVLicpM%252C_&vet=1&usg=AI4_-kT6IOfvPf07eBnoBC3kTLhaMBP7CQ&sa=X&ved=2ahUKEwjczIzA2_PgAhXR1qQKHWU8DYsQ9QEwEXoECAQQBA#imgrc=scmCX35JyFOEjM:&vet=1

    Das war die Pflicht B, nun zu den kleinen Anekdötchen, die aufgrund von Eigenerleben im Gedächtnis haften bleiben:

    Das geht schon mal los mit der geschwindelten Broschüre: Der stattliche Herr mit dem Winkeprügel ist nicht der Frontmann der Truppe, aber er macht halt was her, deshalb hat man ihn fürs Foto dort postiert. In Wahrheit ist er eine wertvolle Arbeitskraft als Pfeifer, während der eigentliche Tambourmajor in der Regel ein Trommel-Azubi ist und in der Ratiopharm-Arena auch war: Ein pickeliger Jüngling von höchstens 20 Jahren. Winken ist keine große Kunst, der Crashkurs dauert höchstens 1 Tag.

    Schon während des Mampfens meiner Atzung musterte ich das sich stetig verdichtende Personal in der Aula und mit dem lebenslang geschulten Blick des alten Schwerenöters für die holde Weiblichkeit fiel mir bald auf, dass gleichmäßig in der Halle verteilt ‚Schulmädchen‘ flanierten, klassisch uniformiert mit Schottenröckchen und Kniestrümpfen. Nanu, warum pressten die ihre Mappen so schüchtern an ihre Knospen und guckten ängstlich aus der Wäsche? Als eine von ihnen in meine Nähe kam, stellte sich das Schulmädchen als doch etwas zu reif fürs Lyzeum heraus und die ‚Hefte‘ als Programme, Broschüren und Tonträger. Aber irgendwie sahen die alle gleich aus, da musste also irgendwo ein Nest sein.

    Jetzt schlug der frei fallende Groschen mit einem Knall am Büchsenboden auf: Groupies der Showtruppe und ängstlich, weil sie sich im feindlichen Ausland befanden und nicht angesprochen werden wollten, zumindest nicht auf Deutsch. Aber dieser Irrtum hatte die gleiche Größenordnung wie das ‚Schulmädchen‘: Die etwas überschminkten ältlichen Mädchen stellten sich später als Aktivposten der Show heraus, nämlich als Tanzmäuschen, die Beinfreiheit brauchten, deshalb die kurzen Faltenröckchen. Wobei ich nicht ausschließen will, dass die zweite Vermutung nicht auch zutreffen könnte, denn sie waren alles andere als unscheinbar.

    Ein dröhnender Gong rief ‚zu Tisch‘, die Menge geriet in Bewegung, sorgfältig aufgeteilt auf die 2 Freitreppen, die Wegweiser zeigten Wirkung. Auch ich fand meinen Eingang in die Arena ohne Probleme und nach Überwinden der schon erwähnten Panik auf dem Treppenabsatz auch zielsicher auf meinen Klappsitz. Von dort aus bewunderte ich nochmal das Vertrauen des Architekten in die Standfestigkeit des unbedarften Publikums: Die Sitzreihen waren nach unten zwar durch ein stabiles Geländer gesichert, aber dieses befand sich in Kniehöhe eines Erwachsenen. Wenn man da also dumm darüber stolpert oder gar geschubst wird, warum auch immer, kommt der nächste etwas fragwürdige Halt erst gut 1 Meter tiefer, was für gebrochene Knochen allemal reicht.

    Der Gong dröhnte erneut und ganz langsam wurde die Beleuchtung für die Ränge gedimmt, und zwar so genial gegensynchron zur hochfahrenden Kulissenbeleuchtung, dass verborgen blieb, wie sich ein Pfeifer in der Dämmerung durch den Nebel in die Mitte der Arena schlich und dort ganz verhalten einsam zu dudeln begann, als spielte er nur für sich selbst: Die Show konnte beginnen.

    Diese war sehr abwechslungsreich, ein Highlight folgte dem anderen, es würde den Rahmen bei Weitem sprengen, wollte ich sie alle aufzählen oder gar beschreiben. Ich stelle anheim, sich die erwähnte Fotostrecke mal anzusehen oder sich den etwas unprofessionellen Videomitschnitt der Show nur 10 Tage später in Jena reinzuziehen, der so ziemlich alle Höhepunkte enthält:

    https://www.youtube.com/watch?v=kM3RtdWVzUw

    In der Pause suchte ich den Pipe Major, vielleicht ließ er sich ein bisschen angraben, wie immer hatte ich 1000 Fragen. Er war nicht schwer zu finden, ich brauchte nur dem einsamen Gedudel im Foyer folgen, wo er musikalisch auf den Tresen aufmerksam machte, über den hinweg ein schwunghafter Souvenirhandel ablief. Der Mann war ein Hüne, mindestens 2 m groß und über 1 m breit, brachte unter Garantie 150 Kilo auf die Waage ohne deshalb fett zu sein. Da ich der einzige Zuhörer war, der andächtig lauschte, grinste er mich schief an und spuckte das Blasrohr aus, damit das Grinsen gerade wurde. Ich eröffnete: „Sprechen Sie Deutsch?“ – „No no!“ – „English“ – „A very little bit…“ – „Me too, also let’s go! Are you completely dressed?“
    Diese etwas irritierende Frage stelle ich jedem Dudelsackspieler, der mir vor die vorlaute Klappe kommt: „Sind Sie vollständig bekleidet?“ – „Ich denke schon, oder vermissen Sie etwas? Also meine Unterwäsche ist ein Staatsgeheimnis, die verrate ich nicht.“ – „Die interessiert mich auch gar nicht, Sie sind ja kein Mädchen…“ (Sprachgebrauch: 'You are not a chick.') – „Hohohoho, nein, ganz bestimmt nicht… Also was dann?“ – „Wo ist Ihr Messer, ich kann es nicht sehen?“ –

    Zur Erklärung: Zu jeder schottischen Kampfeinheit gehören 3 Pfeifer, die mangels Waffe recht wehrlos sind, denkt der böse Angreifer vielleicht. Aber der Musiker hat zur Selbstverteidigung ein Kampfmesser im Stiefel stecken, in dessen Gebrauch er bestens geschult ist, sowohl was Wurf als auch Nahkampf anbelangt.

    Der Mann langte eine Etage tiefer und zog ein Spielzeugmesserchen aus dem karierten Wadenschoner – „Das glaub ich jetzt aber nicht, dass Sie damit in den Krieg ziehen wollen.“ – „Das habe ich ganz bestimmt nicht vor, auch wenn ich tatsächlich Reservist bin. Aber wir müssen die Waffengesetze jedes Gastlandes respektieren, und die von Deutschland sind ganz besonders scharf.“

    So hatten wir beide Kurzweil, das ‚very little bit‘ stellte sich auf beiden Seiten als nicht gerade sehr ‚little‘ heraus, auch wenn sein English etwas rau klang. Aber wer weiß, wie mein ‚Cockney‘ bei ihm ankam. Wie immer lernte ich auch diesmal etwas dazu: Ein Dudelsackpfeifer verwendet generell Gehörschutz, der ist Bestandteil seiner Uniform. An einer unauffälligen schwarzen Schnur hängt eine Elfenbeinkugel, die er sich ins linke Ohr steckt, bevor er zu spielen beginnt. Die 3 Basspfeifen in unmittelbarer Nähe würden sonst mit ihrem immensen Schalldruck sein Gehör in sehr kurzer Zeit vernichten.

    Alles in Allem würde ich meinen, die 52 Steine für den unterhaltsamen Abend waren eine recht gute Investition und wenn die Leute mal wieder in die Region südlich der Mainlinie kommen, bin ich dabei und der nette Pipe Major hoffentlich auch.

    geschrieben für:

    Sportanlagen / Veranstaltungsräume in Neu-Ulm

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    Ausgeblendete 9 Kommentare anzeigen
    demayemi Herzlichen Dank, liebe Freunde meines Geschwafels, für Eure Likes, die Kommentare und nicht zuletzt den GD.

    Wie versprochen ist nun die Geschichte fertig erzählt, nicht ganz in gewohnter Länge, aber vielleicht hat jemand eine Idee, wie man sie noch ein bisschen aufbohren könnte. Stoff wäre genug vorhanden. ;-)
    FalkdS Hat mir gefallen das zu lesen.
    Daumenglückwunsch aus Oberhavel


  5. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    21. von 21 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Im Zuge des Golocal-Usertreffens im September zeigte uns der Organisator, im Beitrag wegen seiner äußeren Erscheinung im Kontrast zu seiner Ausstrahlung als ‚Capo‘ betitelt, Teilnehmer wissen, wer gemeint ist, einen wichtigen Teil seines Heimatstaates, nämlich die gemütlich enge Altstadt der Hansestadt Bremen, die mich angenehm an die steilen Schluchten meiner Gebirgsheimat erinnert.

    Zur Mittagsstunde versammelten wir uns gemeinsam mit Hunderten anderer Touristen unter dem Glockenspiel, das zwar nicht antik war, aber architektonisch höchst interessant den Giebel einer mittelalterlichen Fassade nachempfand. Um die Nacken der Zuhörer zu schonen, werden die Blicke von einer monumentalen ‚Diashow‘ in Höhe der ersten Etage des Gebäudes angezogen. Dort wurden auf umlaufenden colorierten Reliefskulpturen nacheinander berühmte Reisepioniere mit den von ihnen benutzten Vehikeln gezeigt, so der Wikinger Leif Eriksson mit seinem Drachenboot, Magalhaes mit seiner Dreimast-Karavelle, Graf Zeppelin mit seiner luftfahrenden Zigarre und Charles Lindberg mit seiner ‚Spirit of St. Louis‘. Diese Show war MEIN Genuss, denn mein marodes Gehör konnte das Glockenspiel nicht wahrnehmen, obwohl die Zuhörer ergriffen schweigen, es war einfach zu hoch oben und nicht in der Lage, die zwischen meinen Ohren säuselnde Gasturbine zu übertönen.
    Nach dem Event war das Stillen des aufkommenden Hungers angesagt, wir drifteten mit der Menge wieder aus der ‚Schlucht‘ hinaus auf den großen Rathausplatz, dort baute sich der Capo vor uns auf und verkündete, was nun Sache sein könnte, denn er hatte nicht reserviert, wir waren sozusagen vogelfrei. Da er als Ortsansässige nun mal Insider war, neigten wir dazu, seiner Empfehlung, die Titellocation mit unserer Anwesenheit zu belästigen, zu folgen. Wir folgten ihm also in lockerer Anordnung wie eine Hammelherde dem historischen Vorbild aus Hameln, es fehlte nur die Schalmei. Da der Platz nicht mit Marktbuden vollgestellt war, sahen wir schon von weitem, was uns erwartete: Ein riesiges Regen-Sonnendach über dem Kopfsteinpflaster, unter dem dennoch wetterfeste Gartenmöbel der gehobenen Klasse aufgestellt waren. Das Lokal war recht gut besetzt, kein Wunder um die Mittagszeit, wir würden also wohl schwerlich beisammensitzen können, zumindest sah ‚Capo‘ das so. Er baute sich vor uns auf und teilte mit, dass es sich bei diesem Schulen um seine Empfehlung handle, das Essen sei gutbürgerlich und mit Liebe zur Sache zubereitet.
    Dann kam ein nicht unwichtiger Tipp: Die Toiletten befänden sich im Keller des flachen Zentralbaues, da dort aber umgebaut werde, ist die Treppe dorthinunter immer mal wieder gesperrt. Ersatzweise gebe es im Hintergrund des Tresenraumes einen Aufzug, den man benützen könne, bevor ein Unglück geschieht. Aha! Da ich engagierter Kaffeetrinker bin und keine Gelegenheit auslasse, dieses köstliche Gesöff in ungesund erscheinenden Mengen zu inhalieren und dieses bekanntermaßen ein mächtiger Nierenspüler ist, tue ich stets gut daran, zu wissen wo ich ungestraft kann wenn ich mal muss.
    Zunächst aber möblierten wir die Kopfsteinpflasterterrasse um und abstellen eine gemütliche Essecke, wo wir uns auch ohne Gestikulieren unterhalten konnten. Im Nu stand ein junger Mann in Locationuniform bei uns und veranstaltete eine freundliche Inquisition nach unseren Getränkewünschen. Ich orderte den für mich typischen möglichst großen Eimer Kaffee, dann machte ich mich auf den Weg, um vorsorglich Platz dafür zu schaffen. Wie war das noch? Rein und gleich rechts die Treppe runter. Pustekuchen, eine der vom Straßenbau bekannten Scherenbarrieren versperrte mir den Weg. Doch im Hintergrund des Raums lud ein sperrangeweit geöffnetes Tor einer Lastenaufzugskabine zum Betreten ein. Doch das Betätigen des ‚Abwärts‘-knopfes zeitigte weder hör- noch sichtbaren Erfolg. Aber offenbar war mein Begehr beobachtet und zur Kenntnis genommen worden: Einer der Männer hinter der Getränkeausgabe gesellte sich zu mir, machte sich noch länger als er ohnehin schon war und fummelte oben an der Kabinendecke herum. Dann drückte auch er nochmal auf den erwähnten Knopf und verließ eilig die Kabine. Die Schiebetür fuhr zu, es tat einen leisen Knall und verhalten zischend setzte sich die ‚Halle‘ quälend langsam in Bewegung, aha, Antrieb hydraulisch. Nun hatte ich Muße, die ‚Fummelstelle‘ an der Decke mit dem Feldstecher zu begutachten. Wer glaubt, dass ein Schwerlastaufzug auch einen massiven Hauptschalter benötigt, sähe sich hier enttäuscht. Wäre das winzige Kippschalterchen nicht mit einem ‚Klingelschildchen‘ mit der neudeutschen Gravur ‚Mains‘ bezeichnet gewesen und würde ich diese Sprache nicht beherrschen, die Tarnung wäre perfekt. Nach einer gefühlten Ewigkeit gab es einen Ruck, der in keinem Verhältnis zur Geschwindigkeit stand, ich war am Ziel. Pustekuchen, die Steuerung des Aufzugs war anderer Meinung: Es ging noch ein paar Mal zentimeterweise wieder hoch und runter, dann endlich fuhr das Tor auf.
    Überraschung: Draußen stand der junge Mann, der die Maschinerie abgeworfen hatte. In der Zeit, als ich unterwegs war, hat er vermutlich noch ein paar Pils eingeschenkt und war dann die gesperrte (!!!) Treppe hinuntergeeilt, um mich ggf. zu befreien. Ich trat hinaus und fand mich in einer gut vollgestellten Lagerhalle wieder, sah mich suchend um, entdeckte aber nur eine Stahltür, die mit dem bekannten blauen Behindertenschild bestückt war. Der Mann zeigte auf die Tür: „Das ist es doch, was Sie suchen, oder?“ – „So ungefähr, ich hab aber meinen Rollstuhl zuhause vergessen.“ – „DAMIT hat das Institut bestimmt kein Problem, nur zu!“ – Als ich wieder rauskam, wartete er noch immer. Nein, ich durfte NICHT die Treppe benutzen, die war ja gesperrt. Aha! Also rein in den Aufzug und diesmal kriegt ich es hin, dass sich das Tor schloss. Soweit, so gut, aber mit Losfahren war nichts. Ups? Aber man ist ja Inschenör, da hat man auch seinen Stolz, nix Notruf. Ende vom Lied: Ich musste die Steuerung mittels des erwähnten Mikroschalters zurücksetzen, dann erst lief die Hydraulikpumpe an.
    Glücklich oben angekommen und das Rangieren abgewartet öffnete sich die Tür … in meinem RÜCKEN, und zwar hinaus zur Fahrbahn. Jetzt hatte ich die Nase voll von der Unlogik einer Steuerlogik, lief um das Gebäude herum und musste mich von den Freunden fragen lassen, wo ich denn abgeblieben sei und woher ich um alles in der herkomme. Zu diesem Zeitpunkt stand mein Entschluss bereits fest, diesen Slapstick der breiten Öffentlichkeit zu schildern und verwies auf eine demnächst erscheinende Golocal-Anekdote, in der ich auch unter anderem das Futter bewerten will, das ich gleich zu ordern gedenke. Der Service hatte seinen Pluspunkt schon verdient, wenn auch auf etwas unübliche Weise.
    Meinen nun umständehalber kalt gewordenen Kaffee stürzte ich mit Todesverachung hinunter bevor sich Entzugserscheinungen einstellen. Er war ursprünglich zwar heiß gewesen, aber meinen recht hoch gezüchteten Qualitätsansprüchen konnte dieses 08-15 Touristen-Teegetränk bei weitem nicht genügen und ich war mit meiner Meinung nicht allein, zwei weitere Freunde gaben ein ähnlich lautendes Urteil ab.
    Da ich mittlerweile per Zufall herausgekriegt hatte, dass es sich bei dieser Lokation um die Bremer Dependance eines großen Abfütterungskonzernes handelte, schraubte ich meine Erwartungshaltung stark herunter und orderte ein ‚Sicherheitsessen‘, an dem man nicht viel verkehrt machen konnte: Filetsteak medium mit Pommes und gemischtem Salat. Ich wurde angenehm überrascht: Das Fleisch war von hervorragender Qualität und minutengenau gebraten, außen kross und innen rosig, wie ich es liebe. Die Zutaten des Salates waren so knackfrisch, dass ich vermutete, dass er sich des Morgens noch auf dem Acker am Sonnenaufgang erfreute, nicht ahnend, dass sich der Bauer bereits zur Ernte kleidete. Die Pommes waren natürlich Tiefkühlware, wurden aber originellerweise in einem kleinen Blecheimerchen serviert, was allgemein Heiterkeit erregte. Der Preis war in Ordnung, sodass ich guten Gewissens das Restaurant mit 5 Sternen bewerte und weiterempfehlen möchte, zumindest an eine Klientel, die NICHT auf der Suche nach Gourmet-Tempel oder Spezialitätenrestaurants exotischer Prägung sind, rasch was Ordentliches essen wollen und Abneigung gegen Schnellküche US-Amerikanischer Herkunft entwickelt haben. Das soll keine Kritik sein, deren Frass ist durchaus sättigend und ernährunswissenschaftlich nachgewiesen unschädlich, aber er schmeckt halt wie A…. & Friedrich.


    PS.: Bis hierher reicht der offizielle Teil der Bewertung, nun gibt es noch das Sahnehäubchen, ein zeit- und ortsnahes musikalisches Event der nicht gerade üblichen Sorte:

    Auf dem Weg zum Glockenspiel, wo ich mit den Freunden um 11:45 verabredet war, erreichten seit meiner Jugend geliebte Klänge sogar mein marodes Gehör. Kein großes Wunder, in den schottischen Highlands gepflegte Volks- und Militärmusik wird auf Instrumenten intoniert, deren Klang geeignet ist, selbst bei mäßiger Lautstärke große Entfernungen zu überbrücken und demzufolge auch bis in die Knochen des Zuhörers vorzudringen. Gemeint ist die ‚bagpipe‘, im deutschen Sprachgebrauch etwas abwertend Dudelsack genannt.

    Selbstverständlich besitze ich Tonkonserven, aber keine noch so leistungsfähige Stereoanlage ist fähig, das gesamte Klangspektrum auch nur eines Soloinstrumentes wiederzugeben, erst ein Kopfhörer lässt sich so einstellen, dass fast alle schrillen Obertöne durchkommen. Aber es geht nichts über ein Live-Event dieses Genres, genannt ‚Tatoo‘, bei dem ein Pfeiferchor von winzigen, extrem scharf klingenden Marschtrommeln und riesigen Pauken untermalt wird, ganz zu schweigen vom Anblick der exotischen farbenprächtigen Uniformen. Da in meiner Heimat, in der Nachbarstadt Bad Waldsee, ein Musikverein tätig ist, der diesen Brauch engagiert pflegt, und dessen gelegentliche Tattoos ich mir des Öfteren reinziehe, weiß ich, wovon ich schreibe, zumal der Chef der Truppe ein ehemaliger Lieferant für meinen ebenso ehemaligen Arbeitsplatz ist, man sich also kennt.

    Ich hatte noch etwas Zeit, also folgte ich den Klängen und fand eine Vier-Mann-Combo mit einem für mich noch nie dagewesenen Anblick: Einer der Männer war ein Mädchen. So, und jetzt kommen wir zu den Vorurteilen eines Mitgliedes unserer mitteleuropäischen Kultur in fortgeschrittenem Alter und mit ausgeprägtem Sinn für Ästhetik, insbesondere für weibliche: Die schottische Nationaluniform ist der Kilt, wie jeder weiß. Für unsere Augen ist der Kilt ein Rock, von einem Mann getragen, weltmännisch akzeptiert und dennoch gewöhnungsbedürftig. Die Länge ist genau bemessen, der Saum flattert eine Handbreit oberhalb der Knies um die strammen Schenkel. Gehören besagte Schenkel aber einem zierlichen Mädchen, wird der Kilt vollautomatisch zum Röckchen und das Gänze für meineneinen zum Hingucker.

    Das soll jetzt nicht heißen, dass der Zweimeter-Hüne von Pipemajor nicht gut aussah, im Gegenteil. Ihn konnte man sich in Alltagsklamotten kaum vorstellen, aber er war halt ein Mann, mein Herz flog dem Schätzchen zu, einfach niedlich. Und sie konnte was: Während des getragenen Stückes ‚‘Auld lang syne‘ beobachtete ich sie ganz genau: Sie blies mit total entspanntem Gesicht, während der Chef dicke Backen aufzog. Lautstärke? Ihre Soloeinlage ließ diesbezüglich an nichts fehlen.

    Nach dem Stück gab es ein Päuschen und ich wusste inzwischen, wie ich den Pipe-Major ansprechen konnte, ich hatte nämlich eigentlich einen Musikwunsch. Der Rang ist übrigens nicht mit dem eines militärischen Stabsoffiziers zu verwechseln, in der Tat handelt es sich um einen Master-Sergeant, was in etwa unserem Feldwebel entspricht. Ich sah zu ihm hoch, etwas anderes gaben unsere Staturen nicht her, und fragte: „Wo habt ihr denn eure Messer versteckt?“ – „Oh, der Herr kennt sich aus? Wie DAS?“ – „Nur ein bisschen, aber stecken Sie den ‚Herrn‘ wieder ein, Sie machen mehr her.“ – „Dafür kann ich nicht, das ist so gewachsen. Hier, schauen Sie mal!“ – Er zeigte mir seine rechte Wade und tatsächlich ragte unter dem Bund der traditionellen Stutzen ganz unscheinbar das flache Messer mit fest eingebautem Pilotenschein hervor, das also mangels Handgriff nur zum Werfen geeignet ist. Er wiederholte die Frage, wie ich denn zu meinen Kenntnissen über sein Hobby käme. Ich erzählte ihm von den Tattoos in Bad Waldsee, daraufhin meinte er, das wäre in ihrem Verein auch das normale Auftreten. Was sie hier gerade machten, also Straßenmusik, ist aus reinem Spaß an der Freude, aber als plötzlich einer der zunächst wenigen Zuhörer spenden wollte und die Sparbüchse suchte, klappten sie halt einen Instrumentenkoffer auf, dessen Boden sich dann im Nu versilberte.

    DAS war der Zünder für folgenden Deal: „Würdet ihr für mich mal ‚Scotland the Brave‘ spielen, das wäre mir einen Schein wert?“ – Er lachte auf: „Aber gern, das ist wohl das Lieblingsstück jedes nichtschottischen Dudelsackspielers.“ – Sie setzten noch einen drauf, denn das Stück ist Marschmusik, also ordneten sie sich in ‚Schlachtformation‘, der Chef vorneweg, das Mädchen hinter ihm und zum Schluss die beiden anderen Männer zu ihrer Rückendeckung nebeneinander. Die Instrumente wurden geschultert, der Frontmann hob theatralisch das linke Knie und als er den Fuß stampfend wieder aufsetzte, kam unisono der erste Ton des schwungvollen Stückes, ein dröhnender Bassakkord aus 12 Pfeifen. Sie marschierten im Zuschauerkreis, der sich ganz von selbst vergrößerte um Platz zu schaffen und ich beobachtete, dass nicht nur MEINE Füße auf der Stelle traten. Das Stück ist recht lang, aber es wurde absolut fehlerfrei und ohne Missklang abgespielt. Auch die Choreografie war perfekt, die letzten Takte wurden am ursprünglichen Platz auf der Stelle getreten und die Musik endete mit dem Knall der zusammenschlagenden Hacken.

    Genial, es wurde nicht mit Beifall gespart, ich hielt Wort, legte einen Zwanziger in den Koffer, beschwerte ihn mit Münzen, damit er nicht davonflog, bedankte mich herzlich und verabschiedete mich. Als ich zurückblickte, hatte sich am Koffer eine Wolke von Zuschauern gebildet, die es mir nachtun und Gage loswerden wollten. Da war ich wohl mal wieder ohne es tatsächlich zu beabsichtigen zum Leithammel geworden – MÄÄÄÄÄH :-D

    geschrieben für:

    Restaurants und Gaststätten / Cafés in Bremen

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    Ausgeblendete 27 Kommentare anzeigen
    demayemi Das darf doch nicht wahr sein, die Story steht gerade mal eine Stunde im Netz und schon ist der Daumen da. Danke Freunde, auch für die moralische Unterstützung.
    demayemi @Siri, ich hab zwar die Spannweite nicht gegoogelt, schätze sie aber beträchtlich ein, so etwa wie 'AXXE' an den Autobahnen. Aber es wird vor Ort frisch gekocht und gebrutzelt.

    Der 'Roman' kriegt noch einen Anhang, ein für mich sehr herzwärmendes Erlebnis, das räumlich und zeitlich eng mit unserem Aufenthalt im 'Alex' verknüpft ist: Ein Straßenmusikgenuss der besonderen Art. Schon neugierig?
    demayemi Der Narr dankt Euer Majestät für Dero Wohlwollen angesichts seines weitgehend unsachlichen Geblödels, aber es geht demnächst in diesem Sinn noch weiter.
    demayemi Da bin ich aber jetzt sehr froh, dass Euch die Story gefällt, obwohl sie mit der Location nur im 'Gummiband'-Sinn zu tun hat. Mal sehen, was die gestrenge Redaktion morgen Vormittag dazu meint.

    @K.R. Dankeschön für das Zuschütten eines Bildungskraters, das wusste ich nicht. Kennst du die anderen beiden Hymnen auch?
    demayemi Danke, das ist wirklich aufschlussreich. Mir kommt der Text bekannt vor, als wäre es ein Lied von den 'Dubliners', die ja klar verständliche Sprache singen. Jetzt geht es ans Ermitteln, ob meine Vermutung stimmt, ich habe Beides als Konserve im PC.
    demayemi @Puppenmama, auch Dir ein kleines 'dankeschön' für die moralische Unterstützung, indem Du meine Geschichten ins richtige Regal legst: Novelle passt irgendwie besser als Roman oder gar Epos, wie ich es auch schon abgekriegt habe.
    Kaiser Robert The Flower of Scotland
    https://www.youtube.com/watch?v=7vkYiCdn834

    Scots Wha Hae
    https://www.youtube.com/watch?v=YAGLs6KI1Dg
    Sir Thomas hier ist ja was los, Kinder... :-D
    Der mit der Schottenflagge dankt recht sehr für die wunderbarlichen Morgenklänge im Strange und den Abenteuerroman mit immerhin sachdienlichem Mittelteil ;-) Beinahe wäre ich mit dem Whiskydealer meines Vertrauens zur Mutter aller Tattoos, also nach Edinburgh gereist, doch die Tour musste er wegen privater Angelegenheiten stornieren. Näheres dazu also zu gegebener Zeit. (Guter Hinweis, Mc demayemi) Cheerio, T.
    kisto Asche auf mein Haupt.....ich habe dir noch nicht mal zum höchst verdienten Däumchen gratuliert, was ich hiermit schleunigst nachhole.
    Sehr anschaulich und unterhaltsam dein Bericht -wie wir es von dir gewohnt sind ;)
    demayemi Herzlichen Dank, Kisto, Du warst ja selbst mit dabei, weißt also, worüber ich geschrieben habe ;-) Der Dank geht natürlich auch an alle, die meinen, zu spät gekommen zu sein. Das ist ein verzeihlicher Irrtum, Freunde, irgendwann kommen die Grüße an :-))

    Auf Eure Nachricht, verehrter Sir Thomas, gäbe es eine Antwort, die Euch vielleicht auch gefällt: Ihr müsst nicht nach Edinburgh und auch nicht nach Bremen reisen, um zwar nicht die Mutter aller Tattoos zu erleben, aber immerhin eine laut SZ SEHR gute Truppe 'Pipes & Drums' genießen zu können, und zwar bei mir um die Ecke, in Bad Waldsee.
    Umständehalber kenne ich den Chef des Clubs, allerdings nicht musikalisch sondern als Ingenieur. Wenn Ihr wollt, versuche ich, von ihm einen Veranstaltungskalender zu ergattern, dann könnten wir eventuell ein Mini-Golotreffen u.U. zusammen mit @Schroeder ins Auge fassen. Darüber würde ich mich sehr freuen.
    demayemi Verbindlichen Dank für die Quasizusage, Du brauchst ja nicht einmal ins Allgäu zu kommen: Waldsee ist definitiv Oberschwaben. ;-))
    Ich werde also versuchen, Herrn Nold jr., besagten Pipe-Major, ans Rohr zu kriegen und ihn um einen Veranstaltungskalender zu bitten. Notfalls fahre ich auch hin, sind ja nur 12 km. Dann sehen wir weiter.
    Magst Du Kirschwein? Da kenne ich in Waldsee eine rustikal gemütliche Kneipe mit teilüberdachter Terrasse, dort gibt es ihn vom Fass :-))


  6. Userbewertung: 4 von 5 Sternen

    18. von 24 Bewertungen


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    Auf die Gefahr hin, mit dem kleinlichen Interesse eines einzelnen Users wegen Fehlpatzierung zu kollidieren, pflanze ich dieses Vier-Sterne-'Blümelein' in ein Beet, in dem nichts so recht wachsen will. Schaumermoi...

    Hauptbahnhof in STR

    Ich höre es schon stöhnen: „Nein, nicht schon wieder ein Bahnhof von demayemi, und schon gar nicht der von Stuttgart.“ - Diese quadratkilometergrosse Baustelle käme schlecht dabei weg und könnte nicht einmal etwas dafür. Bahnverkehr einer Metropole und Umbautätigkeit ineinander zu verzahnen kann leicht zum Irrsinn des Disponenten führen, dem dies obliegt.

    Wie schon zuvor am Bahnhof Radolfzell will ich eine Art Reisebericht an dieser Location aufhängen und im Gegenzug zu damals vor ca. eineinhalb Jahren das Reisen mit der Bahn AG erheblich rehabilitieren. Wie kommt’s?

    Ich plante von langer Hand, die Teilnahme am Golocal-Usertreffen in Bremen mit einem kleinen Entspannungsurlaub an der Ostsee zu verknüpfen, das Sparschwein gab es her, also ran an den Speck. Für eine 1000 km – Alleinreise war mir die Kalesche zu heikel, eine spontane subjektive ‚Verengung‘ der Fahrbahn durch Sekundenschlaf am Steuer war mir leider kein Fremdwort mehr und hat schon in zwei Fällen zur sekundenschnellen Verschrottung von durchaus noch brauchbaren fahrbaren Untersätzen geführt. Also studierte ich Alternativen, bei denen ich den Bei- oder Mitfahrer machte.

    Vom Fahrpreis her gesehen kam die Firma MFB-Flixbus zunächst am besten weg, aber genau betrachtet fiel sie doch über den Tischrand in den Papierkorb: Das Streckennetz des mittlerweile Konzerns ist metropolenorientiert und ein tolles Angebot, wenn man z.B aus einem Provinznest nach Berlin will und dort keinen einzuhaltenden Termin hat. Da mein Zielort Heiligenhafen in Ostholstein eben auch ein Provinznest ist, das nur einmal täglich angefahren wird, und zwar von Hamburg aus, musste ich mich also auf Pünktlichkeit der Ankünfte in FFM und HH verlassen, um die Gesamtreisezeit nicht von 15 Stunden auf zwei Tage auszudehnen. DAS war mir zu wackelig, in letzter Zeit mehrt sich die Kritik an Flixbus im Hinblick auf Pünktlichkeit.

    Die Strecke von rund 1000 km Luftlinie ließ mich einen Flug ins Auge fassen, begeistert stürzte ich mich auf die Flugpläne der für mich in Frage kommenden Regionalairports Friedrichshafen bzw. Memmingen, und bremste sofort heftig mit der Nase: Zielorte wie Kapstadt, Las Palmas oder Irkutsk wurden zuhauf angeboten, aber Innerdeutschland? Pustekuchen! Das sah ganz nach Wirtschaftsmobbing aus und eine kleine Inquisition meines Jungen, Master in Wirtschaftswissenschaften, bestätigte dies. Also Stuttgart Airport: Hier erbrachte die ‚Forschung‘ eine Offenbarung, aber im negativen Sinn: Mal ganz abgesehen vom Ticketpreis auch bei den damals noch nicht Pleitegeiern der Air Berlin machte die vorgeschriebene Check-in-Vorlaufzeit von 2 Stunden aus knapp eineinhalb Stunden ‚Flug‘ tatsächlich dreieinhalb Stunden brutto. Nun kam noch die Zubringerzeit von Kisslegg Haptbahnhof mit Umsteigen in Aulendorf, Ulm und Stuttgart und der Weitertransport Von HH-Airport nach Oldenburg in Holstein mit Anschlussbus nach Heiligenhafen hinzu.

    Stundenlanges Pokern mit Flug- und Fahrplänen erbrachte als günstigstes Resultat eine Brutto-Reisezeit von über 13 Stunden und 7 x Umsteigen. Nicht unbedingt das, was ich mir als Lustreise vorgenommen hatte. Ohne große Zuversicht loggte ich mich in , eine Homepage, die ich vor allem dazu benutze, um für die Familie Fahrplanauszüge zu erstellen. Frech gab ich die beiden Endbahnhöfe Kißlegg und Oldenburg in Holstein ein und drückte auf ‚suchen‘. Sekunden später traute ich meinen Augen nicht: Ich kriegte mehrere Zugverbindungen angezeigt, von denen keine länger als 9 Stunden brutto dauerte. Da ich leicht gehbehindert bin, bohrte ich die minimale Umsteigezeit auf 10 Minuten auf, ein Refresh erbrachte eine optimale Verbindung von Abfahrt 08:35 und Ankunft 18:37 bei 3 x Umsteigen. Na so was, das sah doch schon recht gut aus.

    Und nun der Preis: Meine Messlatte war der mühsam ermittelte Gesamtpreis für Bahn-, Bus- und Flugreise bei einem sogenannten Billigflieger. An den kam die reine Bahnreise bei weitem nicht ran, man unterbot drastisch. Kurz entschlossen ließ ich mir den Preis für ein Luxusticket 1. Klasse Fensterplatzreservierung im Handybereich auswerfen. Die Seite empfahl mir den Erwerb einer Bahncard-25 1. Klasse für 39 €, die würde sich schon auf zwei Fernreisen amortisieren. Da ich ja wieder nach Hause fahren wollte, war das gegeben, ich folgte also der Empfehlung. Im Endeffekt ‚flog‘ ich für insgesamt 160 € über 2000 Bahnkilometer in der Luxusklasse erheblich komfortabler als im Flugzeug:

    Der Sitzplatz konnte bequemer gar nicht sein, kaum ein heimischer Ohrensessel, mein Lieblingsmöbel, reichte da heran, der wohlweislich fest montierte Tisch vor mir bot ausreichend Platz für mein großes Laptop, mit dem ich mir die Zeit vertrieb. Dessen Stromversorgung war nicht gefährdet, unter der Armlehne fand sich eine Steckdose mit 240 VAC, der zugeigene WLAN-Router wurde über die Oberleitung versorgt, die Benützung war im Ticketpreis enthalten, das Aufschalten war menügeführt und völlig problemlos. Und wenn es über dem Text, ich schreibe nicht nur für Golocal, zu sinnieren gab, konnte ich durch das Panoramafenster den Tiefflug in 2 Meter Höhe über Grund mit 250 bis 300 Sachen genießen und den Maschinisten auf dem Führerstand beneiden. Selbst Inhaber einer inzwischen allerdings ruhenden Pilotenlizenz (wegen Diabetes) pflegte ich bis zuletzt leidenschaftlich, wenn auch dilettantisch, verbotenen ‚Kunstflug‘ in Bodennähe, DER Adrenalinkick schlechthin. Und was die Laufruhe angeht: Mit Lafette und Schalldämmung einer ICE-Garnitur kann auch ein Jumbojet aus Gewichtsgründen nicht mit. Luftstraßen sind denkbar schlecht gepflastert, ein Vielflieger wie meinereiner weiß das, und den Triebwerkslärm von der Fahrgastzelle auszulagern, ist nicht die schlechteste Idee, jedoch beim Flugzeug noch lange nicht realisierbar. Der Kutscher wusste, was sein Fahrgestell konnte und bretterte über SEINE ‚Schlaglöcher‘ in Form von Schienenweichen eben NICHT mit ‚full speed‘, er sah sie ja schon vorher und bremste dezent.

    Kleines Anekdötchen zum Bremsen: Auf der Rückfahrt war ich gerade in das Umsetzen der niedlichen verliebten Reisegesellschaft von der Hinreise in eine meiner Geschichten vertieft (für Interessierte ein kurzer Abriss am Schluss der Bewertung), als DEZENT gebremst wurde und vor dem Fenster vieleviele Schienen auftauchten. Ein kurzer Blick auf die Homepage des Zuges: Die Ankunft in FFM stand unmittelbar bevor. Wir fuhren laut Tacho auf der Cockpitseite der Homepage gerade mal noch 40 Sachen, da tat es knirschend einen heftigen Ruck und der Zug stand. - ‚!?‘ - Ein Blick aus dem Fenster zeigte über unserem Wagen ein paar Meter in Fahrtrichtung versetzt eine Signalbrücke, an der UNSER Einfahrtsignal soeben von Grün auf Rot umsprang. Nur Sekunden später fuhr knapp vor meiner Nase eine ICE-Garnitur in Gegenrichtung nicht mehr gerade SEHR langsam vorbei. Infolge zweier Bekanntschaften im Lauf meines Lebens wusste ich in etwa über Stellwerksarbeit Bescheid und konnte mir ein bisschen zusammenreimen, was da beinahe passieren hätte können, wenn unser Maschinist nicht sehr aufmerksam gewesen wäre. Glücklicherweise saß ich mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, das ersparte mir, vom Sitz überrascht unter den Tisch zu rutschen und das 3 Kilo schwere Laptop wie ein Fallbeil auf die Schienbeine oder Knie abzukriegen. So wurde ich nur kurz in die Lehne gepresst und das Lap landete auf meinem Schoss.

    Das Glück war mir weiter hold: Der Zug endete in Stuttgart, alle mussten raus und ich zum Bahnsteigwechsel zunächst in Richtung Gleisende, STR ist ein Kopfbahnhof. Als ich an der nun stillen Zugmaschine vorbeikam, stieg gerade der Maschinist aus seiner Luke und ‚rotzfrech‘ sprach ich ihn an: „Was war denn das für eine Show, die Sie da in Frankfurt abgezogen haben?“ – Er sah mich etwas frustriert an, aber da ich grinste, also wohl nicht reklamieren wollte, winkte er verächtlich ab: „Tut mir ja leid für den Schreck, aber bei uns wird ständig gebaut und wenn ich einfahre, weiß ich nie, wo ich dann anhalten muss, bis ich auf ein rotes Signal zufahre. Irgendwas, wahrscheinlich einer der vielen Computerleitstände, hat gepennt und uns den Zug nach Nürnberg entgegenfahren lassen. Ich hatte grün, aber zum Glück den Nürnberger noch rechtzeitig gesehen, auf MEINEM Gleis. Bei unserer Tonnage gibt es da nur noch Stehenbleiben um jeden Preis. Wars arg schlimm?“ – „Aber nein, nur spannend. Das Schlimmste war die Neugier, aber die haben Sie ja jetzt gestillt, danke schön, hat mich gefreut.“ – Nun grinste auch er, ich verabschiedete mich und wackelte weiter in den nächsten GAU.

    Dieses Erlebnis war ein EINDEUTIGES Plädoyer gegen unbemannte Züge: Das menschliche Gehirn wird an Flexibilität dem Computer noch sehr lange Zeit überlegen sein, auch wenn es mit der Geschwindigkeit vergleichsweise ein bisschen hapert.

    Der angekündigte GAU wartete vor Ort auf mich, aber gerechterweise muss ich zugeben, dass ich ihn hätte ganz leicht umgehen können, jedenfalls tat die Bahn AG alles, um mich rechtzeitig über den Totalausfall des TGV Paris – München via STR – Ulm zu informieren. Dafür, dass die blechernen Durchsagen auf den Bahnsteigen mangels Hörvermögen nicht bei mir ankommen, kann die Firma nichts. Und dass ich im Zug von Hannover nach STR zwar in das ICE-WLAN eingeloggt war, aber meinen E-Mail Briefkasten nicht aufgemacht hatte, war MEIN Versäumnis. Denn etwa auf der Höhe von Mannheim kriegte ich vom Ticketservice der DB eine ‚Verspätungsmeldung‘ rein, die meinen Fahrplan von STR via Ulm und Memmingen nach Kißlegg neu zusammenstellte und mich pünktlich um 23:42 wie vorgesehen ankommen lassen würde. Aber die Mail kam nicht bei mir an, siehe oben. Auch nicht die zeitgleich auf der DB-App abgeschickte Push-Mitteilung aufs Smartphone, denn ich hatte die App mangels Speicherplatz nicht installiert.

    So stand ich nun auf dem Bahnsteig 16D und wartete vergeblich auf den Franzosen. Eine halbe Stunde über der vorgesehenen Ankunftszeit wurde ich unruhig und sah mich nach einem ‚Rotkäppchen‘ um. Weit und breit keines, der Bahnsteig war menschenleer, aber vielleicht ja am Kopf der Gleisanlage, also wackelte ich los, gefühlt 1 km weit. Es fanden sich sogar Zwei, aber keiner der beiden wusste was. Einer holte sein Telefon aus der Tasche und holte Auskunft ein, dann beorderte er mich in die Haupthalle zur DB-Info, dort könne man mir weiterhelfen. In der wiederum gefühlt 1 km Fußweg entfernten Haupthalle kriegte ich spontan den Eindruck, es herrschte Krieg: Die Anzahl der paarweise verteilten Ordnungshüter, deutlich gekennzeichnet: ‚im Auftrag der DB‘, überstieg bei weitem die der um diese Zeit anwesenden Fahrgäste, aber so konnte ich mich wenigstens problemlos zu dem in der riesigen Halle etwas versteckten Reisebüro durchfragen.

    Der freundliche junge Mann dort sah sich mein Ticket an, holte den Fahrplan auf sein Display und fragte verwundert, ob ich denn seine Lautsprecherdurchsagen nicht gehört hätte. Ich erklärte ihm meine Hörbehinderung, er verzog schmerzlich das Gesicht dann drückte er mir ein Ersatzticket aus: „Damit kommen Sie zumindest nach Ulm, dort hilft Ihnen mein Kollege weiter.“ –

    In Ulm wiederholte sich das Spielchen, allerdings leider erheblich unangenehmer: Selbst wenn ich der unfreundlichen Tussi hinter dem Tresen den Kredit möglicher Übermüdung, es war mittlerweile 23 Uhr geworden, vorgab, kam ihre Art, mir lang und breit unter die Nase zu reiben, dass ich an meiner Vollbremsung am Ende der Reise ganz alleine schuld sei, bei mir nicht gerade gut an, mein bis dato gehaltener Gleichmut wich Ärger über diese Behandlung eines immerhin 1. Klasse Reisenden. Sie eröffnete mir, dass ich noch bis Memmingen kommen würde, für die restlichen 40 km müsse ich mir ein Taxi nehmen und könne versuchen, eine Erstattung bei der DB einzuklagen, gab mir aber kaum Chancen auf Erfolg.
    Als dann obendrein noch ein jugendlicher Rüpel die moralische Diskretionsschranke in Form einer gelben Linie am Boden übertrat, mich an der Jacke vom Tresen wegzerrte, ich solle endlich ein Ende machen, es würden auch noch andere Leute warten, hätte ich mir wenigstens gewünscht, dass die Gräte ihn wenigstens wegen des Übergriffs in ihrem Zuständigkeitsbereich zurechtwies. Aber nein, ich musste die Drohung, ihn gleich sonstwohin zu hauen, selbst anbringen, was ihn dann doch überraschte und hinter die Schranke zurücktreten ließ. Also war es nur ein Einschüchterungsversuch, Psychologie für den Hausgebrauch, gescheitert am Widerstand des Terrorisierten.

    Ich ging das Risiko, auf den sicherlich erheblichen Kosten für das Taxi sitzenzubleiben, lieber nicht ein, sondern mutete meiner Familie zu, mich in Memmingen abzuholen, es war ohnehin mein Treibstoff, der da verfahren wurde. So kam ich schlussendlich mit der eigentlich völlig unnötigen Verspätung von ca. eineinhalb Stunden zuhause an.

    Mit der Moral von der Geschicht‘ rede ich der unfreundlichen Ulmer Tussi das Wort, sie hat nämlich in der Sache Recht, nur der Ton hat nicht gestimmt: Wenn man eine komplexe Fernreise mit mehreren Umstiegen im Voraus bucht, muss man UNBEDINGT während der eigentlichen Reise aktuell ‚aufgeschaltet‘ bleiben. Die Möglichkeiten sind vielfältig, da ja nicht jeder ein Lap, Tab oder Smartphone besitzt oder dabeihat. Dazu mag erforderlich sein, die Umsteigezeit nicht auf dem Standard von 5 Minuten zu belassen, sondern nach Einschätzung der eigenen Mobilität aufzubohren, daraus ergeben sich dann nämlich u.U. andere Zugverbindungen beim Errechnen des persönlichen Fahrplans.

    Hiermit hat der offizielle Teil der Bewertung ein Ende und ich hoffe, Nützliches rübergebracht zu haben. Jetzt kommt die obligatorische Geschichte: Ich hatte 1. Klasse gebucht, um diesen lang ersehnten Urlaub mit etwas Besonderem zu beginnen, wofür ich ansonsten zu geizig bin, aber definitiv nicht, um allein zu reisen oder unbedingt meine Ruhe haben zu wollen. Das heißt, Mitreisende OHNE Knopf im Ohr zwecks privater Beschallung sind mir sehr willkommen. Insbesondere wenn sie so attraktiv sind, wie das Mädchen, das mich vor meinem Abteil ansprach, ob ich noch zwei Plätze frei hätte. Aber ja doch, natürlich, sogar FÜNF, und dass so was Hübsches nicht allein rumlief sondern einen Freund hatte, störte mich nicht weiter, ich hatte nicht vor, sie anzubaggern, zumindest nicht offenkundig. Der nachkommende ‚Freund‘ war aber zunächst kein solcher, sondern der ‚Papa‘, ein schon recht gesetzter Mann um die 50, wohingegen ich dem Mädchen allerhöchstens 30 Jahre zuschrieb. Man saß mir gegenüber und nachdem man sich ein bisschen eingerichtet hatte, ging es los. Das Mädchen begann, ihren ‚Papa‘ zu necken, ich amüsierte mich köstlich, es war einfach zu niedlich. Leider verstand ich wegen meines maroden Gehörs kein Wort von dem Geflüster, aber meine Anwesenheit und zunehmende Belustigung genierte nicht weiter, die Übergriffe wurden immer herzhafter und er genoss es sichtlich wie ein alter Kater gekrault zu werden. DAS waren niemals Vater und Tochter, messerscharfer Schluss: Zweiter Frühling trifft Vaterkomplex und fährt gemeinsam ins ‚Gebüsch‘, um dort zu tun, was Mutter Natur Paaren gerne nahelegt. Um nicht als Spanner zu erscheinen, setzte ich mich ganz offensichtlich zur intensiven ‚Beobachtung‘ zurecht, bereit, mich ‚zurückzuziehen‘, wenn Unmut aufkam, was aber nicht der Fall war. Gerade der Mann war recht mitteilsam, verständlich, auf eine SO junge und hübsche Geliebte wäre ich auch stolz.

    Jetzt wurde die Sache für mich sportlich: Würde ich wohl herauskriegen, was da genau abging? Ich bin notorischer Romantiker und habe viel Sinn für solche Affären, die so offensichtlich kundgetan werden, sie erinnern mich an die schönsten Phasen meines Lebens und liefern Material für meine Geschichtensammlung. Ich flocht in den angeregten Smalltalk gezielt unterschwellige Inquisition, wie ich es vor Jahren in einem Kommunikations-Crashkurs gelernt und geübt hatte. Die ins Gespräch verstreuten Mosaiksteinchen setzte ich geduldig zusammen, das Bild wurde immer vollständiger: Die beiden waren ein Liebespaar, das nicht gerade üppig betucht war, ihre erste gemeinsame Urlaubsreise nach Hamburg zu etwas Besonderem machen wollten und deshalb 1. Klasse gebucht hatten. Plötzlich hob sich der Schleier zur Gänze: Zufällig hatte ich mal die Hände von beiden im Blickfeld, sie las zwischendurch immer mal wieder ein Buch und er spielte mit seinem ausgefransten Smartphone. Beide trugen an der linken Hand selbstleuchtend weißgoldene Ringe mit identischer Ziselierung, aha… Verlobt oder gar verheiratet, aber das war ein Kinderspiel: Als sie mal für wirklich kleine Mädchen war, nahm ich ihn gezielt in die Zange und trat eine offene Tür ein. Die beiden waren schon ein Weilchen verheiratet, hatten verbissen gespart, was nicht so einfach war, und machten jetzt endlich die lange geplante Hochzeitsreise.

    Und als ER mal für kleine Königstiger war, investierte ich das Bisschen, was mir an Charme zu eigen ist, und wagte die Frage, ob sie mit ihrer Wahl denn auch im Alltag glücklich sei. Sie erstrahlte förmlich, dann stellte sie ihrem lebenserfahrenen Mann ein Zeugnis von Feinsten aus und bewies damit nicht nur Herzenswärme sondern auch eine gehörige Portion Verstand.

    Der Rest der Reise wurde nun endgültig kurzweilig, ich loggte mich aus und klappte den Lap zu, was jetzt kam, war Material für eine wunderbare Geschichte, wie sie nur das Leben schreibt, und hierfür benutze ich den fest installierten organischen Recorder, im allgemeinen Sprachgebrauch auch Gedächtnis genannt.

    geschrieben für:

    Speditionen / Verkehrsbetriebe in Berlin

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    6.

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    Sedina Oh Du Glückspilz,
    ich hatte niemals solche Liebespärchen im Abteil.
    Aber mal einen Landwirt und den Chef eines Futtermittelkonzerns.
    Die kamen von einer Landwirtschaftsmesse. Das, was ich da über die 3 Ms der Futtermittelproduktion gelernt habe, war imponierend:
    Mahlen, Mischen, Mogeln.
    In Frankfurt kam dann noch der Chef eines Marktführers der Eierproduktion dazu....

    Also, ich fahre gerne Bahn und habe Spaß an meinen Erlebnissen dort.
    Konzentrat Vielen Dank für diese zur Location passende Bewertung, sehr verehrter Reisender :-))
    Zum hoch verdienten Bahn-Daumen gratuliert ein kleinlicher Interessent !
    demayemi Da hat sich ja wider Erwarten wieder eine ganz schöne Schlange angesammelt, also: Habt herzlichen Dank, Freunde, für Eure Treue und die Motivation, die dieses Honorar mit sich bringt :-)))))))
    demayemi @Alle: Ich denke, dass ich mit dieser Geschichte den Destruktivkritikern in die Parade gefahren bin und das Reisen mit der Bahn zum Ersten aktualisiert und zum Zweiten auch rehabilitiert habe.

    Und wenn wir mal den Luftverkehr ein bisschen genauer betrachten, nämlich aus ökologischer Sicht, dann schneidet Lufthansa & Co. verdammt schlecht ab:
    Allein der Start eines A380 verbrennt 5 (FÜNF) Tonnen Kerosin = Petroleum. Die Verbrennung in den Turbinen ist unvollständig, es entsteht massenhaft Ruß, der natürlich NICHT gefiltert werden kann, also als Feinstaub auf die Umgebung von Großflughäfen herabrieselt.

    Ich persönlich glaube zwar nicht daran, dass dieser Feinstaub krebserregend ist, sonst hätte man wohl schon der dieselqualmenden Landwirtschaft und eben auch der Reise- und Frachtfliegerei weitgehend Einhalt geboten. Aber nicht einmal das Straßentransportwesen wird damit behelligt, nur der sparsame Automobilist.

    Die Bahn fährt laut Eigenwerbung auf den elektrifizierten Strecken ausschließlich mit Strom aus betriebseigenen Sonnen- und Windkraftwerken.
    Sedina Glückwunsch zum Grünen Daumen lieber demayemi !
    Ich fürchte aber, dass Dein Versuch, die Bahn zu rehabilitieren, genauso verhallt, wie der meinige unten.
    Siri Siri hat vor fuffßen jahren schon gehört ;-)
    seit dem kein eigenes auto mehr, und ein flugzeug seht nur im notfall ...
    Ein golocal Nutzer Vielen Dank für den wunderschön geschriebenen Bericht und Glückwunsch zum grünen Daumen. Als Schwerhöriger konnte ich mitfühlen, denn was die Bahn aus ihren so genannten Lautsprechern rausquäken lässt, hat mit verständlicher menschlicher Sprache wenig gemein.
    Puppenmama Habe Deinen tollen Bahn-Roman erst jetzt unter die Lupe nehmen können.
    Herzlichen Glückwunsch zum grünen Daumen.
    demayemi @Auabacha, ob es Sparsamkeit war, was die DB seinerzeit veranlasste, Druckkammerlautsprecher zu installieren, weiß ich natürlich nicht, aber die sind nun mal da und man muss damit leben.
    Das Problem liegt wohl eher in der fehlenden Schulung des Sprechers, der seine Ansage runterrattert wie ein Maschinengewehr. Noch besser wäre ein Monitorkopfhörer, wie ihn der Leader jeder popeligen Tanzmusikband aufgesetzt hat um mitzukriegen, was seine Truppe für einen Stiefel zusammenspielt.
    demayemi Danke, @Puppenmama und Oilerich. ;-))
    Ich persönlich vermisse Dich sehr im Forum, die nächtlichen Begegnungen und vor allem Deine köstlichen Bilder fehlen mir doch :'(
    Papa Uhu + Theo demi, mein Guter, es tut mir wahnsinnig leid... wenn ich's Dir ehrlich sagen soll - mir fehlt es auch... und hab mich stark zurückgezogen - der Wind, der mir hier entgegenbliess, war doch manchmal ganz heftig - begründet oder nicht, keine Ahnung. Und weil gerade Du einer derjenigen bist, der diese Situation verstehen kann, magst ganz sicher davon ausgehen, das man auch im U-Boot Kraft tanken kann, sich die Situation aus den Wolken betrachtet. Ich bin dem Rat vieler User gefolgt, und nicht verschwunden, nur halt ebend mit Sparflamme vor Ort - hat weh getan, ganz dolle...


    Ich grüsse Dich ganz lieb...
    Tikae Grolle ......das passt zwar nicht zur Bewertung , aber wer dich disst , hat die Guidin am Hals .
    Vielleicht darf ich dich bitten, die Flügel wieder auszubreiten und uns vollumfänglich je nach Lust und persönlicher Laune mit deiner Abwesenheit zu begeistern :-))
    Papa Uhu + Theo der nächtliche Schutz ist Euch sicher, Liebes, meinem wachen Auge entgeht wenig... genau das hat mir Beulen und Federn gekostet...
    die Beulen heilen, die Federn wachsen nach - lass't mir Zeit und ein Uhu erwächst mit der Brust eines Steinadlers...

    Tikae Das macht Freude und erweckt Hoffnung .
    Ich puste noch mal heilend und motivierend über die noch versehrten Areale .
    Meine Verehrung .....


  7. Userbewertung: 2 von 5 Sternen

    13. von 13 Bewertungen


    Die Bewertung dieser Location wird in Bälde neu aufgesetzt, das Original ist auf Empfehlung eines einzelnen Herrn umgesiedelt und macht nun auf

    https://www.golocal.de/berlin/speditionen/deutsche-bahn-ag-servicenummer-YUu9C/bewertung/2ya1/#review

    ein hoffentlich nicht unbedeutendes Gegengewicht zu zahleichen Verrissen eines Transportunternehmens, das großteils erfolgreich dem ständig drohenden GAU eines schweren Unfalles entgegentritt, und dies bei einem Gesamtfahrplan, der schon längst nicht mehr in einem Kursbuch abdruckbar ist, und dringend notendiger Bautätigkeit, um dem ständig dichter werdenden Schienenverkehr gerecht zu werden.

    geschrieben für:

    Verkehrsbetriebe in Stuttgart

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    7.

    Konzentrat Hervorragend. Wie immer also :-)
    Hätte sofort einen grünen Daumen vergeben, aber bemängele ich bei dieser Bewertung den weitestgehend fehlenden Bezug zum Hbf Stuttgart, der hier eher eine Nebenrolle spielt.
    Als Bahnstory 100 von 100 Punkten, als Bewertung Hbf Stuttgart Thema verfehlt.
    Ausgeblendete 6 Kommentare anzeigen
    demayemi Da gebe ich Dir vollkommen Recht, @Konzentrat, aber ich darf doch zur Rechtfertigung bitteschön auf den ersten Absatz verweisen, der ganz eindeutig auf das EIGENTLICHE Thema hinweist.
    An irgendeiner Location muss ich die Story doch aufhängen, oder?
    Konzentrat Zustimmung, was die Hilfestellung für Reisende anbelangt.
    Nur die Location selbst kommt lediglich in einem kurzen Abschnitt vor. Die Bewertung hätte vielleicht besser zu Deutsche Bahn, Berlin,oder so, gepasst
    demayemi @Konzentrat, ich versuche mal, Deinem immer geschätzten Rat zu folgen. Mal sehen, ob meine Absicht, Lesern die Betriebsanleitung fürs beschwerdefreie Bahnreisen mit PÜNKTLICHER Ankunft dabei nicht untergeht.
    Die Location selbst wird dabei allerdings stark zurückfallen, ich kann beim besten Willen nur 2 Sterne vergeben, und die auch nur für das Bemühen, den chaotischen Betrieb trotz Bauskandal und -tätigkeit unfallfrei aufrechtzuerhalten. Aber der Reisende bleibt dabei leider zurück und muss, wie ich, eine Menge Langmut aufbringen, um die dabei entstandenen Unannehmlichkeiten zu verstehen und ohne Gemaule zu akzeptieren.
    demayemi DIESE Bewertung wird soeben umgesiedelt und ist in Kürze unter der Location https://www.golocal.de/berlin/speditionen/deutsche-bahn-ag-servicenummer-YUu9C/bewertung/2ya1/#review.
    Vielleicht ist es nicht der ideale Platz, aber ich habe das Bedürfnis, den dort aufgefundenen zahlreichen Verrissen kontrovers zu begegnen und die Meinung durch eigenes Erleben zu untermauern
    demayemi Im Namen der Region: Dankeschön für das Kompliment, das ich für den Bahnhof in HB erwidere: SEHR eindrucksvoll und mit toller Infrastruktur.
    DARAN mangelt es im Hbf. von STR umständehalber derzeit erheblich. Zum ohnehin schon beängstigenden Chaos aufgrund der 'Tieferlegung' des Schienenverkehrs kommt noch der Wirbel, den zahllose Demonstranten veranstalten, die grölend gegen den längst beschlossenen, bezahlten und nicht mehr aufzuhaltenden Umbau des Bahnhofes protestieren und damit verwirrte Reisende, die Beratung suchen, durch Blockieren des Informationsbüros endgültig verunsichern.

    Leider selbst erlebt und DAFÜR überhaupt kein Verständnis entwickeln können. Als Ordnungskraft hätte ich einen Radlader geholt und aufgeräumt. :-(((

    Ich weiß, ich bin ein Schwein, aber was zuviel ist ist zuviel: Sinnloser Rabatz auf Kosten Unschuldiger hat mit gelebter Demokratie nichts mehr zu tun. DIE kenne ich anders, auch aus lebenslanger Erfahrung, nämlich aus dem Nachbarland Schweiz.


  8. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    3. von 3 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Im Zuge meiner so sympathisch durch @kisto ‚geführten Nordlandreise‘, wobei Nordland bitte nur als relativ zu meiner Heimat im Wilden Süden unserer Republik anzusehen ist, zerrte mich die junge Frau entlang der lauschigen Strandpromenade und kündigte unsere Einkehr in den im Titel genannte Strandschuppen an. Seltsamer Name für ein laut ihrer Laudatio sehr angesagtes Restaurant, unter Schuppen hatte ich halt so meine Vorstellungen, auch Vorurteile genannt, durch die Bank von den Ökonomiebetrieben meiner Heimat abgeleitet.

    Es kam zur Überraschung: Aus der sichtbehindernden weil windgeschützten Schlucht der Promenade traten wir hinaus auf ein freies Plateau mit Plankenboden, selbstverständlich seewasserfest, dessen Ausmaße mich Landpomeranze auf die Idee brachten, SO könnte eine Publikumsarena für eine musikalische Darbietung eines Künstlers von Weltruf in etwa aussehen. Hierzu passte exakt eine Bühne, die den SEHR großzügig gestalteten Eingang eines flachen Gebäudes bildete, dessen Fassade aus grau geheizten Paneelen bestand. Aha – Schuppen, DAS verstand man also hierzulande darunter und hatte nur wenig mit den braun gebeizten Vorschlägen zu tun, in denen Allgäuer Landwirte ihre mechanischen Helfer unterzustellen pflegten.

    Unmittelbar hinter dem Eingang erfasste mich eine Mikrosekunde lang Panik: Mein wohnortbedingt vertikal orientierter Blick wurde von der horizontal riesigen Halle, deren lichte Höhe gerade mal ‚normale‘ 3 Meter betrug, förmlich erschlagen, aber der Verstand ‚umklammerte‘ eine der Stützsäulen, das Herz begann wieder zu schlagen und ich sah mich nach einem schönen Tisch für uns um. Dabei fiel mir eine kleine harmlose Diskriminierung auf: Wollte der Gast die Aussicht auf Strand und Ostsee genießen, musste er mit einem bestuhlten Tisch Vorlieb nehmen, denn die Fensterfront war ausschließlich mit solchen bestückt. Die gemütlichen Sitzecken waren im Inneren der Halle um die Stützsäulen verteilt, wo er auch dem Trubel des Gastronomiebetriebes ausgesetzt war, sprich Fluktuation der Gäste und emsiges Gewusel des Bedienungspersonals. Und nicht zuletzt der Murmelkulisse, die bei guter Besetzung eine zwangsläufige Folge dieser Architektur ist.

    Nicht zuletzt deshalb wählten wir einen der Fenstertische, da ich nun mal hörbehindert bin und Hintergrundgeräusche die Sprache des Gegenübers bis zum Nichtverstehen verzerren. In Nullkommanichts stand ein schlaksiger junger Mann bei uns und zückte ein Smartphone wie in früheren Zeiten eine dralle Kellnerin Notizblock und Bleistift. Auch DAS ein Vorurteil, nicht alle Kellnerinnen sind zärtliche Viertonner, aber halt viele. Er tippte unsere Getränkebestellung in das Gerät, lief zum Nachbartisch, wo gerade die ledergebundenen Speisekarten zugeklappt wurden, tippte auch die dortige Bestellung in das Smartphone und brachte uns die Speisekarten. Dann lief er aber nicht etwa zum Tresen, um die Bestellungen aufzugeben, sondern er fuhr mit seiner Tätigkeit einfach fort. Plötzlich stand vor mir der bestellte Kaffee und @kisto kriegt von einem ebenfalls schlaksigen jungen Mann ihr Rülpswasser in ein Glas gekippt. - „?“

    Trotz meiner Jahre nicht ganz von gestern schloss ich messerscharf, dass die Kasse am Tresen gar keine Tasten hatte, aber ein WLAN-vernetzter Rechner mit Druckwerk war, das Keyboard befand sich in der Hand des Jungen, der die Bestellungen aufnahm und via Gigahertzfunk übermittelte. SCHUPPEN??!!!! Tiefgestapelt ist auch gestapelt, und dass der Junge mit seinem ‚Keyboard‘ bei Bedarf mit dem Küchenchef oder seiner Freundin telefonieren konnte, war vielleicht auch nicht verkehrt. Ich probierte meinen Kaffee, SCHOCK BÄÄÄÄÄH pfui Teufel, was war denn DAS?

    Kaffee ist mein Lebenselixier, davon genieße ich unter Verzicht auf andere Flüssigkeiten wie Alkohol zuhause gut und gerne zwei Liter täglich. Ich schätze ihn heiß aber auch gerne eiskalt, vorzugsweise mit Sahnehäubchen, so auch Eiskaffee genannt. Aber pupslau? SO nicht! Ich nahm die Tasse und ging zum Tresen. Den fragenden Blick der jungen Frau beantwortete ich höflich aber kurz und bündig: „Bitte 1 Minute Mikrowelle bei 600 Watt.“ – „Nein, das dürfen wir nicht…“ – Nanu, der Kneipist des Abends zuvor hatte mit diesem Problem kein Problem, nach einer Minute trug ich den nun kochend heißen Kaffee wieder an meinen Platz. Aber zurück zum Tresen im Schuppen: Die Aussicht, nun auf dem ungenießbaren Gesöff sitzenzubleiben, ließ Groll auf moderne, unflexible Schnellgastronomie in mir aufsteigen, aber noch bevor ich mich ungehalten äußern konnte, ‚kommandierte‘ die junge Frau freundlich aber mit Nachdruck: „Bitte gehen Sie wieder zu Ihrem Platz, Sie kriegen sofort einen frischen Kaffee!“ – Verdutzt gehorchte ich und noch während ich mich wieder auf meinen Stuhl niederließ, stand eine Tasse vor mir, aus der es verdächtig dampfte. AAAAAH, göttlich, und für diese Servicegeschwindigkeit gab es einen Pluspunkt vor allem für den jungen Mann, der ihn brachte und mich dabei um ein Haar überholt hätte.

    Den Salat ‚Cesar‘, den ich ins Auge fasste, gab es in zwei Varianten, laut Speisekarte einmal ‚griechisch‘ angehaucht mit Fetawürfeln oder alternativ mit Streifen von gebratener Hähnchenbrust. Zur Entscheidung musste ich in die tiefsten Tiefen meiner humanistischen Education vordringen: Der wohl nicht ganz unbekannte Namensgeber dieser bekömmlichen Spezialität hatte seinerzeit mit Hellas wenig am Hut, der aussah wie ein Lorbeerkranz und wohl auch einer war. Wenn er in diese Richtung reiste, dann eher weiter südlich nach Ägypten zu seiner Freundin, der hübschen Königin. Aber sehr wohl rumtreiben tat er sich in Frankreich, ‚Asterix‘-Leser wissen das. Und Frankreich hieß damals Gallien und hatte einen prächtigen Hahn im Wappen, der hieß damals lateinisch ‚gallus‘: aha, es fügte sich… Ich orderte beim Smartphoneschwinger die gallische Variante und tat wohl recht daran. Der knackfrische Salat kam in Minutenschnelle und war einfach köstlich, zweiter Pluspunkt für den Schuppen.

    Den Oberhammer gab es aber beim Begleichen der Rechnung: Ich honorierte das blitzschnelle und kulante Bearbeiten der Reklamation und die Frische des Salates meiner Erziehung entsprechend mit einem angemessenen Bakschisch. Als ich den Endbetrag nannte, weiteten sich die Augen des Kellners auf Untertassenformat, die Verbeugung beim Bedanken brachte seinen Scheitel in Gefahr, mit der Tischkante zu kollidieren, ich war total perplex: Es war doch nur ein ganz normal bemessenes Trinkgeld, das die persönliche Leistungsbereitschaft des Kellners ein bisschen honorieren sollte. Als wir ihm auf dem Weg zu Ausgang noch einmal begegneten und er seiner Dankbarkeit wiederum unübersehr- und hörbar Ausdruck verlieh, lästerte @kisto amüsiert: „Pass auf, gleich holt er den Roten Teppich und rollt ihn vor uns aus.“

    Draußen auf der Plattform machte sie einen Erklärungsversuch, der plausibel ankam: Der ‚Strandschuppen‘ ist eine Initiative junger Leute, die von vornherein darauf ausgelegt war, den etablierten mondänen Kurhotels und Uferrestaurants mit entsprechender Preisgestaltung die Stirn zu bieten. Dies gelang insofern, dass es nahezu ausschließlich von Touristen mit nicht allzu dicker Börse frequentiert wurde, die einen Euro mehrmals umdrehen, bevor sie ihn verschenkten, also nicht bereit waren, für klingende Namen, die man nicht essen konnte, teuer zu bezahlen. Und für diese Klientel, dessen bin ich sicher, wurde die Rendite ans absolute Minimum heruntergefahren, sodass man auch zu zivilen Endpreisen hervorragende Küche anbieten konnte. ‚Leidtragende‘ dieser Idee ist das Bedienungspersonal, denn verglichen mit anderen Restaurants kam es mit den Trinkgeldern zu kurz, denn die Gäste waren ‚geizig‘, siehe oben. Doch den Jugendlichen schien das nichts auszumachen, sie hatten Spaß an der Arbeit und wirkten hoch motiviert, warum auch immer. Die Vermutung einer Eigentümergemeinschaft drängt sich fast auf.

    Und in dieses eingefahrene System hatte ich so etwas wie einen Sprengsatz geworfen und muss feststellen, es hat sich gelohnt, die Dankbarkeit des jungen Kellner koppelte zurück und führt dazu, diesen ‚Fresstempel‘ wärmstens zu empfehlen und sich dort vor Ort selbst ein Urteil zu bilden. Kulinarisch ist ein Besuch auf jeden Fall ein Event. Die Sache mit dem lauwarmen Kaffee war des Lokales nicht würdig, das hätte nicht passieren dürfen. Aber das kostet nur das Herzchen, das müsste wegzustecken sein.

    geschrieben für:

    Restaurants und Gaststätten in Heiligenhafen

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    8.

    kisto Schöner, ausführlicher Bericht und danke für die "Blumen" :)
    Über das "zerrte" reden wir noch *lach*
    Ausgeblendete 47 Kommentare anzeigen
    demayemi Ihr verwöhnt mich ja richtig, Danke schön, Freunde. Wenn ich einen GD gekriegt habe, würfle ich doch immer, wer das war und treffe meistens. Ein CM war allerdings noch nie dabei, aber alle 'Daumen' zeigen auf DICH, @basemb. Dankeschön ;-)
    demayemi @kisto: Hier mein Alternativvorschlag zu 'zerrte': Was hältst Du von 'geleitete' wie einen Staatsgast.
    Dass wir bloß langweilig nebeneinander hergelaufen sind, wie es tatsächlich war, glaubt uns doch eh keiner. ;-D
    Puppenmama Danke für die klasse Bewertung, die verdient begrünt wurde.
    Herzlichen Glückwunsch dazu.
    In dem Schuppen war ich im April, als ich mit Exlenker kisto besucht habe.
    demayemi Freunde, danke für die schönen 'Blumen'. Mich freut, dass mein auch schon umstritten gewesener Stil immer noch anzukommen scheint.
    Siri gute-laune-bericht, danke!

    zu der beschriebenen klientel:
    die haben stacheldraht im portjucheè ...
    ;-)
    Blattlaus Schöne Bewertung und guter Tipp, danke. Muss auch mal wieder nach Heiligenhafen, damit verbinden sich tolle Urlaubserinnerungen.
    Konzentrat Umfangreich, ausführlich, erhellend, interessant.
    Alles wie nicht anders von User d. gewohnt.
    Daher gern Glückwunsch zum grünen Daumen, auch wenn diesen zu erringen nicht das Ansinnen des Schreibers war.

    Etwas irritiert mich die Anmerkung im Text "nicht alle Kellnerinnen sind zärtliche Viertonner, aber halt viele."

    Vergleichst du da das Servierpersonal in bayrischen Gefilden mit dem Rest der Republik ? So dralle Deerns gibt es bei uns in Sachsen kaum in der Gastronomie.
    demayemi @Konzentrat, Du hast nicht unrecht mit Deiner Vermutung, es ist nicht einmal ein Vorurteil, ein solches hätte keine richtige Grundlage, auch DEINES nicht.
    Auch hier im Wilden Süden gibt es nicht einmal allzu selten höchst attraktive Kellnerinnen, bloß werden die nicht alt, die Fluktuation in Richtung Mutterschaft und Ehehafen ist reißend. Und die, die nach der Befreiung aus dem 'Käfig' wieder in ihren anstrengenden Beruf einsteigen, bringen halt oft auch das Format mit, das sie in die Lage versetzt, einen lieben langen 12-Stunden Tag tonnenweise Speis und Trank zwischen den Tischen zu balancieren und auch am Schichtende zum zahlenden Gast noch liebenswürdig zu sein. DAS geht nur mit Reserven, und die tragen halt auch ein bisschen auf.
    demayemi @Siri: ;-DDDD, Das kannte ich noch nicht und da ich aus dieser Grundeigenschaft meines Bergvolkes kein Geheimnis mache und sie 'großzügig' mir selbst auch zubillige, erlaube ich mir, dieses Schlagwort in meinen Sprachgebrauch zu übernehmen, mal sehen, wie es hier ankommt. Dankeschön....
    demayemi Tja, @Kinder, da bin ich jetzt doch etwas perplex, dass dieses 'Wortspielchen' zur Golocal-Krone verhilft. Herzlichen Dank an alle Beteiligten daran, an die Unterstützer und die Gratulanten. Es tut in der Seele gut, angekommen zu sein.
    Papa Uhu + Theo aller übelste Gratulation, hast Du den Beruf verfehlt? Das macht Laune auf mehr... Prima, und wir grüssen -alter Falter, das macht Spass zu lesen...
    demayemi @R+S: Welchen Beruf meinst Du denn, ich kann ein paar zu Auswahl anbieten, aber so RICHTIG passt keiner hier in die Szene.
    kisto Ich gratuliere dir herzlich zur höchst verdient erhaltenden Trophäe "Bewertung der Woche"!
    (und "geleitete" ist akzeptiert ;) )
    demayemi Dann sei mal froh, dass dieses 'geleitete' lief wie es lief, nämlich dass DU mir den Weg gezeigt hast. Wäre es andersrum gewesen, hätte ich nicht 'Staatsgast' sondern 'Königin' geschrieben ;-DDDD
    Sedina Ich würde mich ja sehr freuen, wenn Du guter Beobachter Dich öfter hier im Norden herumtreiben würdest....
    Glückwunsch zum schönen Erlebnis in bester Begleitung, zum Bericht und zu seiner besonderen Auszeichnung !
    demayemi Zuviel der Ehre, @Sedina, trotzdem danke.

    Das mit Deinem Wunsch ist gar nicht so abwegig, ich plane im Hinterkopf einen Wochenendausflug nach HH im kommenden Mai, @JR hat versprochen, mir die Stadt von einer Seite zu zeigen, die NICHT in Touristenbroschüren kolportiert wird. Was hältst Du davon?
    demayemi Das entnehme ich schon aus dem Schriftwechsel mit ihm, deshalb hab ich doch so bedauert, dass er in Bremen nicht dabei war. Ich will ihn UNBEDINGT persönlich kennenlernen.
    demayemi @R+S: Ich betrieb meine 3 erlernten Berufe mit Leidenschaft und Engagement: Experimentalphysiker in der industriellen Forschung, unterbezahlt aber immer spannend. Fluglehrer mit Springereinsatz in den regionalen Flugschulen, wenn es dort mal klemmte. Und freiberuflicher Sprengmeister Spezialität Baumwurzeln (gar nicht so einfach wie man meint) und nicht mehr gefahrlos betret- und befahrbare Abrissbaustellen
    Mit dem Übertritt in den Ruhestand mit 65 war es mit allem vorbei, mir wurde langweilig, was sollte ich tun? Ich ahnte das aber schon Jahre vorher und begann zu üben. Inzwischen hab ich rund 3000 Seiten geschrieben und z.T veröffentlicht, ohne Autorenhonorar wegen Anrechnung auf die Rente. Zeit und Quantität führen direkt zur Qualität, mittlerweile kann man mein Geschreibsel recht gut lesen, denke ich. Aber ich vermisse den Adrenalinkick der aufregenden Jobs. :*(
    alligateuse Ich kam erst jetzt dazu, diesen famosen Bericht zu lesen und kriege kaum das Grinsen aus dem Gesicht. Das ist ja mal eine tolle Mittagspausenlektüre und zu Recht eine BdW geworden. Diesen Schuppen muss ich mir beizeiten auf jeden Fall mal höchstpersönlich anschauen und hoffe, dass ich es noch in diesem Leben schaffe ;-)
    demayemi Danke nun auch Euch beiden, für einen netten Gruß ist es NIE zu spät, er kommt an und macht Freude. ;-))))))
    @Alligateuse: Mach Dich bitte nicht todesnäher als Du bist. Was ich in HB zu sehen gekriegt habe, war SEHR lebendig, und HHfn ist ja für DICH nun wirklich nicht aus der Welt ;-D
    demayemi Danke, @FalkdS, für den Glückwunsch. Aber bitte wofür DEIN Dank?

    Kommst Du mal nach HHfn? Lohnt sich, außerhalb der Hochsaison ein liebenswert verschlafenes Städtchen mit hochgeklappten Bürgersteigen, und trotzdem ist alles geöffnet ;)))
    FalkdS Danke für die Bewertung und ja, spätestens wenn wir Familienbesuch in Bergen machen. Wenn ich dann daran denke melde ich es an... :-)
    demayemi Also jetzt bin ich mal ganz still und warte ab: Wo kommt Ihr denn alle auf einmal her.
    Gut, mit @FdS hatte ich mich mal in den Haaren, das hat er möglicherweise vergessen, aber wir kennen uns wenigstens.
    Aber Uraltuserin @Ben aus Erding? Darf ich neugierig sein und fragen, WAS an mir Dich aufgescheucht hat?

    Ääääh, danke für das 'Honorar... ;-)))))


  9. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    6. von 8 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Zunächst mal: Wie kommt ein Allgäuer Sumpfgeist rund 1000 km nordwärts an die Waterkant, wo es keine Berge gibt, an denen sich das Auge festhalten kann. Ganz einfach: Am 22. September 2017 sollte in Bremen ein Golocal-Treffen stattfinden und beim Studium der Meldeliste im Forum fand ich mindestens 5 langjährige Freunde, die ich gerne mal in echt kennenlernen wollte. Einer fehlte leider, aber @Sedina erklärte mir den Grund und den konnte ich nachvollziehen.

    Diesen Wunsch teilte ich @kisto, die auch auf der Meldeliste stand, mit, da ich mich seit längerem mit ihr recht intensiv austausche, und sie pflanzte heimtückisch die Idee in mein altes aber noch recht gut funktionierendes Hirn, die lange Anreise doch auch dazu zu verwenden, einige Tage Entspannungsurlaub in ihrer Heimatregion zu verbringen. Der Keim fand noch guten Boden und ging auf: Ich reiste also schon am 18. nach Heiligenhafen (bei Fehmarn) und mietete mich in einer kleinen Privatpension recht preiswert ein.

    Die junge Frau war so nett, mir, dem Ortsfremden einen guten Teil ihrer Freizeit zu widmen und zeigte mir sehr viele schöne Seiten ihrer Heimat, die dem notorischen Naturliebhaber, überraschend tief ins Herz gingen. Es gibt also nicht nur Berge und Wälder, Schluchten und Hochmoore wie zuhause, auch eine Steilküste, bestehend aus festgebackenem Feinsand hat ihren Reiz. Ich probierte sogar das Wasser der Ostsee, wie ich es schon 18 Jahre zuvor in Heringsdorf auf Usedom tat, wo es schon fast ‚süß‘ schmeckte. Diesmal wurde ich jedoch enttäuscht, der Atlantik war zu nahe, es schmeckte recht bitter.

    Das Honorar für den exklusiven ‚Fremdenführer‘ bestand in zwei Einladungen zum Essen in Restaurants, die nicht gerade zur 08-15 Kategorie gehörten, aber dennoch keine Kult-Fresstempel waren, in denen man für wohlklingende und phantasievolle Namen für ganz normalen Speisen Unsummen hinlegen muss, nur um dagewesen zu sein und damit protzen zu können. Das Titellokal bezieht seinen lateinischen Namen aus der Tatsache, dass es in ein Museumsgelände integriert ist, auf dem das Leben der Menschen in der Zeit der beginnenden Christianisierung der ‚heidnischen‘ Altslawen, die damals hier lebten, nicht nur in Exponaten dargestellt ist, sondern auch durch einen promovierten Historiker fachmännisch geschulte Darsteller gezeigt wird.

    Aber zurück zur Titellocation: Anlässlich eines Besuches von @kisto an ihrem Arbeitsplatz im Museum, streunte ich natürlich auch über das Gelände, besah mir die an diesem Tag leider unbemannten Katen des Fischerdorfes und testete im Refectorium den Kaffee, für mich als Koffeinabhängigen ein Muss. Da der von einem Restaurationsautomaten zubereitete Kaffee eine englische Röstung war, die ich nicht kannte, war ich skeptisch, denn meiner historisch fundierten Meinung aus 3 Monaten Aufenthalt vor Ort nach hatten die Engländer von Kaffee keine Ahnung. Die junge Frau am Tresen verteidigte vehement und belustigt ihre Ware, also beschloss ich, das Experiment zu wagen, andere Gäste hatten es auch schon überlebt. Der von mir so geliebte ‚Cappucino‘ hatte leider nichts mit dem Original aus italienischer Röstung zu tun, aber zu meiner Überraschung der ‚Milchkaffee französischer Machart‘ sehr viel. Die emsige junge Frau argumentierte, dass der englischen Röstung gewisse Stoffe fehlten, die Kaffee üblicherweise zum Treibmittel machten, was gerade für ältere Herrschaften besonders bekömmlich sei. Dabei strahlte sie mich an wie eine kleine Sonne, wohl weil sie mich trotz Mähne zu diesen zählte, was ja nicht unrichtig war.

    Ich ging durch den großen Gastraum hinaus auf die gemütliche rustikale Außenterrasse in Pfahlbauweise mit natürlichem Sonnenschutz in Form hoher Bäume. Dort durfte ich meinem von der Gesellschaft als ‚lebensgefährlich‘ verurteilten Laster des mäßigen Nikotingenusses, das meiner Gesundheit seit 52 Jahren in keinster Weise schadet, meinem Nervenkostüm aber auch nach fachmännischer Meinung sehr viel nützt, frönen durfte. Noch während ich mit der Tischwahl beschäftigt war, brachte die junge Frau meinen Kaffee plus ein schneeweißes Sitzkissen, damit ich mir auf den unlackierten Sitzflächen aus Hartholz keinen Spieß in den Allerwertesten einzog. Um sie nicht unnötig aufzuhalten, wählte ich meinen Tisch und kriegte ihn umgehend ‚wohnlich‘ aufgepeppt, fehlten nur noch Tischdecke, Kerze und Kaminfeuer. Aber damit konnte ich gut leben.

    Nachdem ich mir drei Tassen dieses ‚harmlosen‘ Kaffees gegönnt hatte, stellte ich fest, dass es mit der vorhergesagten Nichtwirkung der englischen Röstung nicht gerade weit her war, d.h. ich musste mal für kleine Königstiger. Drinnen fand ich keinen schriftlichen Hinweis auf die nun gefragte Location, musste also nachfragen. – „Wir haben keine Toilette…“ – strahlte mich das Sonnenscheinchen an und wies auf ein Schild an der Treppe in Richtung Keller im Design wie ich es aus USA als Verkehrszeichen ‚one way‘ kannte. Ich dachte wohl zu kompliziert, denn mit der Aufschrift ‚Getränkerückgabe‘ konnte ich ein paar Sekunden nichts anfangen, dann schlug der Groschen hörbar auf dem Büchsenboden auf und lauthals lachend beeilte ich mich, dem verschlüsselten Hinweis zu folgen. DEN Witz kannte ich noch nicht, sowas gehört deutschlandweit veröffentlicht, wenn nicht im Rahmen der Regermanisierung unserer schönen Sprache sogar in den Duden eingetragen. Sehr originell und höchst zutreffend, vielleicht mal abgesehen vom Recyceln.

    Beeindruckt von der Gemütlichkeit der Terrasse und der Freundlichkeit des Personals in Form des strahlenden Sonnenscheinchens studierte ich beim Verlassen des Hauses die neben dem Portal ausgehängte Speisekarte. Es gab eine Standardkarte mit regional typischen und immer vorrätigen Gerichten plus eine ‚Wochenkarte‘, die nur so lange galt, wie sie aushing, also jetzt. Auf dieser entdeckte ich etwas SEHR Interessantes, eines meiner Leibgerichte, zumindest zur Hälfte: Wildpilze in Rahmsoße mit Kartoffelklößen (!!!!!) WIE BITTE? Weder das Eine noch das Andere war regional typisch, das Hauptgericht war eigentlich eine bayerische Spezialität, wenn sie mit Semmelknödeln serviert wurde und die genannte Beilage eine eher Rheinisch-Westfälische. DAS musste unbedingt ausprobiert werden, was der holsteinische Küchenmeister daraus machte.

    Ich lud @kisto dazu ein, sie war von der Zusammenstellung begeistert und sagte zu. Tags darauf hatte sie frei und wir ritten ein, Sonnenscheinchen strahlte und ich orderte schon im Vorbeigehen den obligatorischen Milchkaffee. Sie hatte sich meine Eigenheiten gemerkt, auf der Untertasse lagen 5 Tabletten Süßstoff und KEIN Keks. Wir bestellten das Essen und kriegen mitgeteilt, dass es ein bisschen dauern würde, die Klöße würden frisch zubereitet. (???? Ich kann selbst kochen und Klöße gehören zu meinem Repertoire, die müssen nach dem Formen mindestens 10 Minuten kochen und dann eine halbe Stunde ziehen, also stellte sich die Frage nach der Relativität von 'ein bisschen'). Die Spannung stieg.

    Der obligatorische kleine Salat kam sofort und wurde gleich verdrückt, nicht weil wir Bärenhunger hatten, sondern weil @kisto wie ich meinen Kaffeegenuss ebenso eine kulinarische Leidenschaft pflegte: EIS zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit, und eine MÖGLICHE Gelegenheit war der Nachtisch zu diesem Essen. Doch zu meiner Überraschung kam dieses schon nach einer guten Viertelstunde und präsentierte sich äußerst fotogen nach dem Motto: Das Auge isst mit. Aber Klöße per Definition waren das nicht, eher ein Mittelding zwischen Berner Rösti und Wiener Reiberdatschi, die man auch woanders ansiedeln kann, zum Beispiel als Puffa am Wedding von Berlin. Ich war sehr erleichtert, dass der experimentierfreudige Küchenchef diese Lösung gefunden hatte, es sah nicht nur gut aus, es schmeckte auch hervorragend.

    Meine Überraschung wurde von Sonnenscheinchen offenbar gepetzt, denn als wir fast fertig waren, tauchte der Chef auf, natürlich um sich zu erkundigen, ob es denn geschmeckt hätte. Daraus entspann sich eine nette Unterhaltung mit ihm, er hatte wohl selten Gäste aus dem Allgäu und zog mir ein paar Ideen für seine Küche aus der Nase. Mittlerweile brachte Sonnenscheinchen das Eis für @kisto und den inzwischen vierten Kaffee für mich. Das Eis wurde korrekt im Becher aus Chromstahl mit stilecht breiter ‚Eisschaufel‘ geliefert und ob die beiden Makronen (passend zum Haselnußeis) auf dem Unterteller mit den Fingern dorthin gelegt wurden, war uns so hoch wie breit.

    Ich bin gespannt, ob ich eine Rückkopplung kriege, wie mein detailliertes Rezept für ‚Allgaier Kässpatza met grescht Zibala‘ (Für nicht des Westallgäuer Gebirgsidioms mächtige Leser hier gedolmetscht: Allgäuer Käsespätzle mit Röstzwiebeln) im Refectorium des Oldenburger Wallmuseums einschlägt und vor allem, was der experimentierfreudige Koch aus der eigentlich strengen Rezeptur machte. Vielleicht kriege ich ja selbst eines Tages Gelegenheit, dies zu testen.

    geschrieben für:

    Restaurants und Gaststätten in Oldenburg in Holstein

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    9.

    kisto Eine sehr treffende und aussagekräftige Bewertung, demayemi! Ich möchte doch gleich einen Antrag auf Auszeichnung an die Vergabestelle weiterleiten.... ;)
    Ausgeblendete 16 Kommentare anzeigen
    demayemi Danke für den schönen Kommentar, aber lass erst mal die bierernsten Moralisten darüber herfallen, dann sehen wir weiter.
    Exlenker Super klasse Bewertung über das Refektorium und die Sonnenschein - Bedienung.
    Klar, daß man nun auch zum günen Daumen gratulieren kann.
    demayemi Danke Euch vor allem für die Bestätigung, dass ein bisschen Liebe zur Textur doch Anerkennung findet.
    Puppenmama Danke für Deinen hervorragenden Bericht. Da hattest Du ja ein paar wunderschöne Tage im hohen Norden.
    Herzlichen Glückwunsch zum verdiente grünen Daumen.
    demayemi @Konzentrat: Wenn Du in meinem Profil auch nur EINE Geschichte findest, die NICHT die von Dir beschmunzelte Eigenschaft hat, dann schreibe ich extra für Dich eine Fünfsatzbewertung inklusive Meldung der Location, also für 20 Punkte. DEN Deal verlierst Du, aber sicherheitshalber hab ich mir die Location schon rausgesucht. ;-DDDDD
    demayemi Nicht bei der zur Minibewertung anstehenden Location, die gibt nichts her, wird eine typische 'Neuuserbewertung', nichtssagend und langweilig. ;-D
    Sedina Das zunächst verwirrende Schildchen gibt es auch bei meinem Friseur, es dauerte auch bei mir, bis der Groschen fiel.....
    Glückwunsch zum Grünen Daumen - aber wenn Du das nächste Mal mit kisto unterwegs bist, guckst Du bitte nicht auf andere Sonnenscheinchen ;-)))
    demayemi Wo Du recht hast, hast Du recht, @Sedina, aber die junge Frau hatte ihren 'Namen' schon weg, BEVOR ich mit dem anderen Sonnenscheinchen auftauchte.
    Im Strahlen gaben sie sich nichts, die beiden, die eine blond, die andere schwarz ;-DDD
    demayemi @Siri: Wohl zum 100sten Mal die Frage: Hat Deine gesamte IT einen vernetzten Button mit diesem Minimaltext? Sei doch nicht so faul ;-D
    demayemi @R+S: Meine Antwort auf DIESEN Kommentar besteht aus einer nicht öffentlichkeitstauglichen Frage, auf Abruf via PN.
    Hat Dich schon Mal jemand einen Poeten genannt? DAS ist öffentlichkeitstauglich... ;-))


  10. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    Um zunächst dem eigentlichen Zweck von Golocal Genüge zu tun, vor der von mir schon gewohnten Geschichte die blanken Fakten:

    Anhand der bloßen Postadresse ist diese Arztpraxis, die schon das Ausmaß eines Lehrinstitutes für Diabetologie hat, nicht einfach zu finden, deshalb an dieser Stelle das Satellitenbild, das die etwas versteckte Position markiert:

    https://www.google.de/maps/dir/47.9797586,10.1830112/47.9797586,10.1830112/@47.980199,10.1829329,240m/data=!3m1!1e3!4m2!4m1!3e0?hl=de&authuser=0

    …wobei zu bemerken ist, dass die in Ortskenntnis manuell markierte Position des Praxiseinganges von Google-Earth fälschlicherweise mit Nr. 43A adressiert wurde. Aber das kennt man ja.

    Die am Haus sichtbaren Parkplätze sind Privateigentum, bitte nicht benützen, das gibt Ärger zumindest in Form von ZWEI platten Reifen, die hierzulande gebräuchliche Privatexekution für krasse Parksünder, weil nicht geahndet wird. Die Parkbuchten entlang der Kempter Straße sind bis zum Kempter Tor für umsonst, werden aber von der Polizei engmaschig überwacht, damit sie eingehalten werden. Parken auf ‚halb sieben‘ kostet 10 €. Nördlich des alten Stadttores gibt es massenhaft Parkplätze zu 1 € pro Stunde, der Automat wechselt NICHT.

    Da ich ‚eingeladen‘ war wurde ich von der Rezeptionistin gar nicht erst ins Wartezimmer befohlen (‚Sie dürfen noch ein bisschen im Wartezimmer Platz nehmen‘) sondern gleich an eine der zahlreichen Arzthelferinnen weitergereicht, die mich nach einem bestimmten Schema ‚auseinander nahm und wieder zusammensetzte‘, dann waren meine aktuellen Körperdaten im vernetzten Computer gespeichert.

    Gleich im Anschluss erfolgte die Besprechung meiner Diabetes-Vorgeschichte mit der für mich zweitwichtigsten Person des ‚Institutes‘, der rechten Hand des Chefs in Diabetes-Angelegenheiten, der Diabetes-Beraterin, die darüber oft besser Bescheid weiß, als der Doktor selbst, der ja auch noch andere Wehwehs therapierte. Sie hielt anhand meiner vorab gelieferten Aufzeichnung zunächst einmal fest, dass MEIN Syndrom keinen 08-15 Verlauf aufweist, dass da noch etwas reinspukt und wir im Hinblick auf Diagnose und Therapie wesentlich höher ran müssen, als bisher geschehen, um die zwangsläufigen Spätschäden wie Blindheit, Nierenversagen, Amputation der Füße und schlussendlich Demenz infolge zu häufiger Unterzuckerungen so lange wie möglich hinauszuzögern. Sie informierte mich, dass die aktuellen technischen Möglichkeiten dies problemlos gewährleisten, wobei die bisherige Weigerung der Krankenkassen, für diese kostenintensive Überwachung aufzukommen, unter Verweis auf das Grundgesetz vom Tisch gewischt werden kann und sie das für mich übernehmen wird.
    DAS waren aber ganz andere Töne, als ich sie bisher vernehmen musste, als ich selbst der Hilfsmittelabteilung meiner Krankenkasse ausgeliefert war und mir einmal sogar von einer giftigen Versicherungskauffrau anhören musste, ich solle doch vor Gericht gehen, dann würde man mir schon zeigen, wo in Deutschland der Hammer hängt. Toll…

    Mit neuer Zuversicht versehen brachte mich die Beraterin zu ihrem Chef und dort gab es gleich eine Überraschung: Dr. Pagnia räumte ein, mich hauptsächlich aus DEM Grund in seine überfüllte Kartei aufgenommen zu haben, weil wir gemeinsame Bekannte hatten. ER machte von 2000 bis 2004 sein Klinikum im Diabeteszentrum Ortenau, wo ich 2012 drei Wochen lang zum Insulinjunkie ausgebildet wurde. Im Abschlussbericht dieser Klinik an meinen Hausarzt fand er seine Freunde von damals namentlich wieder, das weckte Neugier. Wir klönten ein wenig, dann aber ging es zur Sache: WAS macht meine Tagesprofile so chaotisch unregelmäßig und gefährlich sprunghaft? Und da kam die nächste Überraschung: Im Gegensatz zu seinen Vorgängern wies er die Möglichkeit einer Wechselwirkung mit meiner Bipolarität nicht rigoros zurück sondern er saugte den Hinweis auf wie Wüstensand den jährlichen Regen und versprach, sich damit auseinander zu setzen.

    Er hielt sein Versprechen, diagnostizierte bipolare Diabetes Typ 1, also sprunghaft wechselnde Produktion von körpereigenem Insulin, und traf seine Verfügungen. Bereits zum Folgetermin im nächsten Quartal lag seine Verordnung auf dem Tisch der Beraterin und sie hatte jetzt das zweifelhafte Vergnügen, für mich ein CGM, ein ‚Continuous Glucose Measuring‘ System im Anschaffungswert von 2400 € und wöchentlichen Betriebskosten in Höhe von rd. 60 € zu ordern und die Kostenübernahme bei der Krankenkasse durchzusetzen. Ich hatte den Eindruck, dass ihr das sehr viel Vergnügen bereitete, was ich natürlich hinterfragte. Die Antwort war ganz schlicht und einfach: Diabetes kann lebensgefährliche Formen annehmen, aber die Krankenkassen scheren alles über einen Einheitskamm, schreiben zum Teil Sinnloses vor und lassen die heiklen Fälle, die spezielle Diagnostik und Therapie zum Überleben benötigen, aus Kostengründen im Regen stehen und sterben. NICHT mit ihr und dem Chef, darin ist man sich einig.

    DER machte offensichtlich Druck, denn bereits nach unwahrscheinlich kurzen 3 Wochen kriegte ich Nachricht von meiner Krankenkasse, dass man die Kosten für ein CGM in voller Höhe übernehmen werde und das Gerät bereits beim Hersteller geordert hätte. Es würde schnellstmöglich an die Praxis Dr. Pagnia gesendet, von wo ich dann zur Anpassung und Ersteinweisung eingeladen würde. So geschah es auch und seit 4 Monaten hat sich meine bereits bedenkliche Gesundheits- und Wohlfüllage erheblich gebessert und ich kann wieder mit etwas mehr Zuversicht in die Zukunft schauen. Ich habe schon längst keine Angst mehr vor dem Tod, aber sehr viel vor dem ‚WIE verrecken‘, wenn es dann so weit ist. Es gibt Würdigeres als blind im Rollstuhl an der Dialyse den Löffel abzugeben, und das mangels Restgehirn nicht mal mehr mitkriegen.

    So viel zu den Fakten, jetzt kommt die Laudatio:


    Weiß der Himmel oder dessen schmutzige Konkurrenz, warum DIESE Perle von Facharzt für Diabetologie unerkannt im Golocal-Sand vergraben liegen musste und keiner der semiprofessionellen Locationsucher sie ausgrub. Vielleicht, weil sich die Redaktion genierte, diese 'Firmenbezeichnung' in das recht dünne Register aufzunehmen obwohl sie alles andere als selten ist.

    Nämlich SO häufig, dass ich ZWEI selbsternannten Gurus zum Opfer fallen musste, die mich um ein Haar eigensinnig zu Tode therapierten, was bei Diabetes ganz schnell gehen kann. Dem ersten wurde ich durch Eingreifen meines Hausarztes entrissen und in einer Spezialklinik wieder aufgepäppelt, wo ich ORDENTLICH geschult wurde nach dem Motto: 'Jeder Diabetiker muss sein eigener Facharzt werden.' - was tatsächlich ganz offiziell vertreten wird. Klingt wie ein sehr hoher Anspruch, aber am Ende ist praktische Medizin auch nur eine Naturwissenschaft für den Hausgebrauch. Hätte ich es nämlich NICHT in meine Birne reingekriegt, wäre ich wohl tatsächlich nicht mehr am Leben, denn der dem Kurs bei einem ECHTEN Guru, nämlich dem Chefarzt Dr. Klare in

    https://www.golocal.de/radolfzell/krankenhaeuser/hegau-bodensee-klinikum-radolfzell-innere-medizin-diabetes-zentrum-2yR0B/

    folgende selbsternannte Halbgott in Weiß machte mit seinen 74 Jahren vielleicht äußerlich den Eindruck, ein solcher zu sein, aber seine Methode, mich diesmal mit Verzögerung um den Rest meines jämmerlichen Daseins auf diesem Drecksplaneten zu bringen, wurde von mir dank der intensiven Schulung in o.a. Einrichtung noch rechtzeitig erkannt. Ich brach die mittel- bis langfristig gesundheitsreduzierende Oraltherapie ab und nahm die bewährte Insulintherapie wieder auf, für die ich ausgebildet worden war. Dann bewarb ich mich umgehend beim Inhaber der Location um Aufnahme in seine Patientenkartei. Dr. Pagnia kriegte von mir den kompletten 'Leidensweg' seit der Diagnose meiner Diabetes im April 2009 in Form von Arzt- und Krankenhausberichten in Papierform zugeschickt, das DIN A 4 - Kuvert wog 200 g und war mehr als 1 cm dick.

    Dann kam die Überraschung: Eine zwar langfristig angelegte Einladung zu einem Einführungsgespräch, geschätzte Dauer 1.5 bis 2 Stunden. Es wurden insgesamt fast 4 Stunden: Der Doktor und seine Diabetes-Beraterin setzten sich eingehend mit meiner 'Vergangenheit' auseinander und warum ihre Vorgänger mit der Erscheinungsform MEINER ureigensten Diabetes nicht klar kamen. Die beiden waren abgesehen von Dr. Klare in Radolfzell die Ersten, die bereit waren, das Einmischen eines anderen Syndroms in ihr Fachgebiet zu diskutieren. Sieh an!

    geschrieben für:

    Fachärzte für Allgemeinmedizin / Diabetologie in Memmingen

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    10.

    demayemi Oh, Überraschung, zufällig entdeckt, hier liest jemand gerne ;-)))
    Nun, ich schreibe gerne, also sind wir schon ein bipolares ‚Paar‘

    Um Deinen Wissensdurst zu stillen, @mrs.liona, hier eine ‚kleine‘ Fortsetzung:

    Das erwähnte CGM überwacht meinen Blutzuckerwert rund um die Uhr und gibt lautstark Alarm, wenn gewisse Grenzen über- oder unterschritten werden. Hierzu implantiere ich mir wöchentlich mittels Hohlnadel eine winzige Chemotrode aus Platin in die Bauchdecke, die an einen Bluetooth Sender in Maikäfergröße AUF der Bauchdecke angeschlossen wird. Dieser übermittelt über eine Distanz von bis zu 6 Metern alle 5 Minuten den Querschnitt der in dieser Zeit gesammelten Werte an das Auswertegerät in der Größe von 2 aneinandergelegten Streichholzschachteln, das diese bis zu 6 Wochen durchgehend speichert und sie auch via USB zwecks Auswertung an einen PC oder Tablet rausrückt. Aber die Hauptfunktion ist das Alarmieren des Trägers, damit er noch rechtzeitig reagieren kann, bevor es heikel wird.

    Und dies ist immer bei Unterzuckerungen der Fall: In der Regel gilt, dass ein Wert unter 50 mg/dl Blut im Koma endet. Deshalb ist das Gerät so eingestellt, dass der Alarm bei 55 mg/dl 3 Häuser weit zu hören ist und diese Lautstärke aus dem winzigen Lautsprecher die Batterie innerhalb von 2 - 3 Minuten leert.

    Falls Du noch Fragen hast, ich bin bis ins Detail geschult worden, Vorschrift des Kostenträgers, logisch.

    Nach der 'Installation' des CGM vor mittlerweile 14 Monaten stellte sich durch die gemeinsame Auswertung der Aufzeichnungen endgültig heraus, was zuvor nur vage vermutet worden war: Was ich schon mein halbes Leben mit mir rumschleppe ohne es erkannt zu haben, ist keine Diabetes, wie sie im Volk leider weit verbreitet ist, sondern eine seltene Autoimmunkrankheit namens LADA:
    https://de.wikipedia.org/wiki/LADA
    was sich als Diabetes äußert, aber noch kaum erforscht ist. Demzufolge gibt es auch noch keine Heilungschance, eine Therapie beschränkt sich auf Schadensbegrenzung bei den Symptomen, die aus zeitlich engmaschiger Überwachung des Blutzuckers und schnellem Gegensteuern im Gefahrenfall besteht.

    Dr. Pagnia vermutet stark, dass ich dieses Syndrom von meiner Mutter geerbt habe, die 1987 urplötzlich und innerhalb von Minuten an einer Unterzuckerung starb. Bei der Obduktion fand man in ihrem Blut nur noch 13 mg/dl, DAS war definitiv des Guten zu wenig, das Gehirn verhungerte innerhalb kürzester Zeit, denn die 'Kohle' ist neben dem Sauerstoff die Lebensgrundlage der Nervensubstanz.
    Sie hatte praktisch keine Chance, denn ihr Diabetologe wusste nicht einmal, gegen welches Ungeheuer er da kämpft, er therapierte sie wie einen Diabetes Typ 1 Patienten, was zwar nicht falsch ist, aber u.U zu wenig, wie man heute weiß.

    Nett fand ich, dass Dr. Pagnia mir anhand der Profilkurven eine in seiner Praxis noch nie erlebte Stabilität gegen Unterzuckerungen bescheinigen konnte ohne dies erklären zu können. Er fand Aufzeichnungen darüber, dass ich alarmiert wurde, aber zunächst erfolglos gegensteuerte. Im krassesten Fall kehrte der Absturz erst eine Viertelstunde nach Konsumieren von 65 Gramm reinem Traubenzucker bei einem Wert von 28 mg/dl wieder um und stieg dann in Folge auf 250 mg/dl, was eindeutig zu viel ist, aber vorübergehend weggesteckt wird. Während dieser Hypoglykämie verspürte ich kaum eines der bekannten Alarmsymptome wie Hitzewallungen mit kaltem Schweiß, scheinbarer 'Atomblitz' sowie unkontrollierbares Knie- und Händezittern, wäre also nicht auf die Idee gekommen, dass ich in Lebensgefahr war. Erst die klassische Frischblutmessung mittels Fingerpieks und Teststreifen führte den Beweis darüber. Und der Doktor fragte sich angesichts des Protokolles, wie ich unter diesen Umständen noch aktionsfähig sein konnte.

    Nun könnte man meinen, dieser Balanceakt rund um die Uhr am Rand des schwarzen Lochs müsste mich doch in den Wahnsinn treiben oder deprimieren. Mitnichten, genau das Gegenteil ist der Fall. Sicher ist es notwendig, einen Teil meiner Zeit den Auswertungen zu widmen und mich anhand dieser Zahlen selbst zu therapieren, was Dr. Pagnia sehr begrüßt. Aber ich habe Spaß daran, es ist für einen guten Zweck, im Gegensatz zu den allermeisten Patienten setze ich mich gerne mit meinen Wehwehchen auseinander, ohne mich unterkriegen zu lassen und lasse mir ungern ein X für ein U vormachen. Meine Lebensfreude ist ungetrübt und ich pflege meine Hobbies im Rahmen der Möglichkeiten eines fast 70-jährigen, der nur aufpassen muss, dass er nicht versehentlich zu viel Kohle ‚verbrennt‘, wenn er mal eine Schaufel oder eine Axt in die Hand nimmt.

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