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  1. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Kurz: Gitarrenbauer, Reparateur und Workshopper, der kranke Gitarren heilt, neuen auf die Welt hilft und Leuten beibringt, wie man aus Holz und ein paar anderen Teilen Dinge herstellt, die den Ohropax-Umsatz fördern und die Musikindustrie.

    Prosa: Wenn einer eine Gitarre gebraucht kauft, kann er was erleben. In Online-Verkaufstempeln für Gebrauchtes muss man natürlich immer damit rechnen, hier vor allem solche Sachen zu finden, die der Verkäufer loswerden will, aber so, dass dabei die größtmögliche Raumdiagonale zwischen sich und der zu entsorgenden Sache zu Stande kommt. Trotzdem tat ich's und erstand eine Schecter C-1 Plus für einen vergleichsweise kleinen, aber runden Taler, den ich dazu nach Bremen rollen musste.

    Als Anfänger traute ich dem Verkäufer und sicherlich hatte auch der keine bösen Absichten, als er mir den kirschgrün schimmernden Krachmacher mit ein paar Tränen im Ohrloch in die Hand drückte. Wie ein Dieb in der Nacht, habe ich mich also damit schnell davon gemacht.

    In Hannover angekommen, dauerte es nullkommadrei Sekunden, bis ich das gute Stück an meinen Verstärker (Marke: Nachbarschaftsschreck) angestöpselt hatte und schon erklangen lieblich schreddernde Riffs und Melodien aus meiner Anfängerhand. Also fast. Ok, niemand entschloss sich spontan, deswegen zu sterben, auch Tomaten flogen keine, aber irgendwie merkte ich, dass die Finger beim Niederdrücken der Saiten doch einen recht weiten Weg zurücklegen mussten und dass die Saiten darüber hinaus auch im oberen Bereich etwas schnarrten. Dann stellte ich noch fest, dass der Schalter, mit dem man wählt ob der vordere oder hintere Tonabnehmer die gar lieblichen Schwingungen empfangen und an den Lauter-und-Verzerrter-Macher leiten möge, dass eben dieser Neigungen von stark unterbezahlten Stahlarbeitern an den Tag legte und daher streikte. Todesmutig bewaffnete ich mich mit dem Lötkolben, lokalisiere kurz die Seite zum Anfassen und lö(s)te und wackle also daran herum. Dennoch: Ich dachte, dass ein Gitarrenbauer hier vielleicht mal nach - ganz unpolitisch – nach dem Rechten sehen sollte.

    Ich rief bei Stratmann an, weil ich Empfehlungen hatte, die nach einen Bioladen klangen: "Hat Ahnung von dem, was verkauft wird, ist fair und schwatzt dir nichts auf." Ich fragte also nach einem Termin fürs Richten. Apropos Richten: Er unterzog mich zunächst einem inquisitorischen Verhör nach Marke und Art der Gitarre und natürlich, was womöglich zu tun sei. Ich konterte meinerseits und erhob die Ziffern, die in Kombination und unter Ergänzung des Euro-Symbols meinem Portemonnaie entschwinden sollten.

    Dann wurde ich gewarnt: "Joa, dat wird diese Woche nix. Da is Kurs und da ist die Hütte voll. So lange willse bestimmt nicht auf deine Gitarre verzichten. Kommse besser nächste Woche voabai!" Gesagt getan, aber halt, nein. So einfach war es nämlich nicht, die Werkstatt zu finden, denn sie liegt in einem Hinterhof und im Dunkeln ist der wenig subtile Hinweis einer an der Straße hängenden Gitarre an mir vorbei gegangen. Das heißt natürlich: Ich bin daran vorbeigegangen, das Schild hing ja. Wie das so in Hannover ist: Ich frage also einen mutmaßlichen Ureinwohner, der so aussieht, als ob er das Wort Gitarre schreiben kann und womöglich sogar selbst spielt und - zack – finde ich einen, der mich vor die Türe bringt und mir viel Glück wünscht.

    Während ich noch überlege, ob ich deswegen wieder gehe, haben meine Füße längst das Kommando übernommen, tragen mich durch den Vorraum hindurch in die geräumige Werkstatt. Der vielleicht 120 Quadratmeter große Raum ist innen von Maschinen für die Holzbearbeitung umrahmt, an einem Tisch schleift jemand mit Hingabe eine Gitarre tot Ein anderer Mann sieht kurz von seiner Arbeit auf, sieht mich planlos im Raum stehen und spricht mich an: "Du bist der Herr Link?" Wirklich! Im weiteren Verlauf sah sich besagter Mann meine Gitarre an und schlug vor, was zu tun sei und schlug über die Summe dafür. Sie war erfreulich niedrig. Als ich etwas anzahlen wollte, meinte der Saiteninstrumentendompteur nur: "Erst wenn du sie abholst und zufrieden bist."

    Das tat ich dann ein paar Tage später und sogleich konnte ich die Wiedergeborene an den amtlichen Verstärker koppeln und damit Erdbeben erzeugen – die Nachbarn hier sind entweder taub oder tolerant. Beim Schwatzen fragte ich nach den Gitarrenbaukursen hier. Für rund 3300 Euronen kann man nämlich in einem vierzehntägigen Vollzeitkurs unter kundiger Anleitung sein Elektrödröhngerät selbst bauen – die Website zeigt einige der gefertigten Modelle und die armen, die das gemacht haben, mussten sich bestimmt danach mit einer Großpackung Pflaster für die durchs Dauerspielen blutigen Finger versorgen.

    Ich fand derweil meine günstig geschossene Schecter wieder ganz in Form, sie klang besser als vermutlich jemals in ihrer Vergangenheit und nun bluten mir die Finger auch.

    geschrieben für:

    Musikinstrumente in Hannover

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    1.

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    kisto Wirklich toll zu lesen...Viel Spaß mit deinem "Schätzchen" und allzeit taube Nachbarn:)
    Sir Thomas na, vorm Karstadt :-) Sagenhaft, der Kerl. Glückwunsch zur Prämierung in kirschgrün, zur kompetenten Klampfenwerkstatt, zum Spieltrieb, zur prosaisch anklingenden Musikrichtung und zu allem anderen, lieber Ksmichel ;-)


  2. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    9. von 9 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Kurz: Geräumiges Musikaliengeschäft mit vielen Möglichkeiten, Instrumente auszuprobieren, man kann in Ruhe Dinge anschauen, ohne sofort von Verkäufern bedrängt zu werden. Verkaufsberatung ohne Schablone.

    Prosa: Was tun, wenn man plötzlich viel Zeit hat und es draußen mutmaßlich mehrere Monate lang kalt ist - ja, das geht sogar in Zeiten des Klimawandels. Wetter ist halt nicht Klima. Da fraß sich ein Gedanke in mir fest, den mir ein Kollege beim Frxxxx Essen in der Kantine arglistig unterschob. Er zweifelte meine Aussage an, ich sei am Thema Musikmachen wegen kompletter Unfähigkeit gescheitert und sagte, jeder kann Musik machen. Man muss nur vielleicht mehr üben als Übertalente. Das nagte (Kantine!) dann doch an mir.

    Dann suchte ich einige zweifelhafte Etablissements mit günstigen Getränkepreisen, kleinen und dunklen Bühnen sowie ziemlich böser Live-Musik auf, die möglicherweise in weiteren Artikeln zur Geltung kommen werden. Ich fand heraus, dass ich zumindest in der Lage war, im Rhythmus (na, sogar rhychthig mit zwei "h" geschrieben!) mit dem Fuß (okay, mit beiden!) mitzuwippen und die rauen Gitarren-Riffs mitzujaulen.

    Noch zu Zeiten von "Last Christmas" im Radio kreiste ich wie ein Tiger nach einem Fastenmonat ums saftige Zicklein um die Videos zum Thema "E-Gitarre", welche die YouTube-Universität wohlfeil vorhielt. Dann studierte ich diverse Ladenbewertungen und stellte dabei fest, dass einige der Bewerter zwischenzeitlich mutmaßlich verstorben sind, so alt waren die Texte.

    Ein ausgefeiltes Verfahren aus Bewertungsmittelwertbildung, Hörensagen und Würfelwurf trieb mich schließlich in die Fänge von PPC Music in Hannover. Das heißt, ich fuhr einmal sonntags hin, um mir die Schaufenster anzuschauen. Da sich die Verkaufshallen in einem heimeligen Industriegebiet – man denke da an Western mit herumgewehten Dornenbüschen – befinden, verband ich den Erstausflug mit einer ausgedehnten Fahrrad-Expedition. Hatte ich riesige Schaufensterfronten erwartet, an deren Fenster man sich die Nase bis zur Wange plattdrücken kann, so wurde ich von der knastartig-einladenden Front dann doch etwas überrascht. Ein schmaler Schlitz in der Einbuchtung einer überdachten Gemäuerfront wies immerhin auf eine Zugangsmöglichkeit hin.

    Beim zweiten Besuch rollte ich, mittlerweile finster entschlossen, mit meinem Auto vor und konnte mir einen der zahlreichen Parkplätze aussuchen. Ich navigierte zur Tür und fand mich (ohne Auto) in einer Eingangshalle wieder, die entfernt an eine Uni erinnerte. Ein schwarzes Brett, voll mit Zetteln in Musikergeheimsprache warb für Kurse, um Mitspieler sowie für alten und neuen Ramsch. Von der Eingangshalle gehen zwei Glastüren ab, außerdem kann man eine formschöne Treppe benutzen, die in den ersten Stock führt.

    Wenn man mangels Schildern nicht weiß, wohin man muss, geht man einfach durch irgendeine Türe, lässt sich rauswerfen und wiederholt das so lange, bis man einen Treffer erzielt. So mochten die beiden freundlichen Verkäufer im ersten, rund volleyballfeldgroßen Raum mir zwar sehr viel über Schlagzeuge erzählen, aber nichts über Elektroklampfen. Sie gaben mir eine Wegbeschreibung und ich hatte nun noch die Wahl, welche der beiden verschränkten Treppen ich nehmen wollte. Im ersten Stock angelangt, vorbei an stylischen Gitarrenaufklebern und etlichen Devotionalien für Musikinstrumente-Hersteller schwang ich mutig die Türe zum Gitarren-Verkaufsraum auf. Gleich links standen zwei Verkäufer hinter einem rund zehn Meter langen Tresen, die gerade dabei waren, einer Kundin geduldig zu erklären, welche Saiten sie (nicht bei der Erziehung, sondern) bei der Gitarre aufziehen sollte.

    Dort hingen und standen einige Fantastilliarden Zupf- und Sägeinstrumente, die besseren in direkter Sichtweite, die für Menschen mit dem größten Potential zum Hinzulernen (vulgo "Anfänger") eher in größtmöglicher Raumdiagonale. Insgesamt kommt das Gefühl auf, das auch Waldi an der Wursttheke kennen, wenn auch nicht recht artikulieren könnte. Ah, so sieht also eine echte Gibson Les Paul, so eine Fender Stratocaster, ah, das ist eine Düsenberg Alliance und da hinten? Na ja: Das sind die Yamaha Pacifica-Lerngitarren.

    Wenn jemand – wie ich – so gar keine Ahnung hat, sich aber zur Abwehr übertrieben geschäftstüchtiger Verkäufer mit blutenden Augen einen Schutz davor anrecherchiert hat, dann kann man eine Verkaufe auch als eine Art "Tierversuch" (tschuldigung, liebe Tiere!) aufziehen. Man geht hin, sagt, dass man gerade anfängt und schaut, was sie so empfehlen.

    Und da war ich baff, denn der Verkäufer gab mir ein gutes Gefühl, dass ich trotz meines fortgeschrittenen Lebensalters nun doch zur Musik gefunden habe. Ich war schon in Musikalienläden, bei denen man gleich im Ansehen von "Mensch" auf "pflanzlich oder anorganisch" durchrutschte, wenn man sich als Musik-Noob zu erkennen gab. Hier nicht.

    Der Miet-Sultan of the Strings fragte mich einige Dinge ab, erkundigte sich nach meinen Wünschen und gab sinnvolle Tipps zur Auswahl. Er redete mir sogar etwas aus und empfahl mir einen anderen Verstärker als den, welchen ich zuerst im Visier hatte. Eine gute Wahl, wie sich später zeigte - wir sind noch in der Gewährleistungsphase, da benehmen sich die Dinger normalerweise.

    Bei der Gitarre kam exakt diejenige raus, die ich vorher schon im Auge hatte und eben nicht das sonst vom gleichen Hersteller gern für Anfänger empfohlene mit einer etwas geringeren Holzqualität. Er stellte mir das Instrument vor, zeigte dabei auch en passant, dass er durchaus auch locker viel Geld vor Karstadt oder in der Fußgängerzone machen könnte und stellte sie gründlich ein und erklärte, was er tat. Methodisch ging er danach eine vermutlich im Kopf abgelegte Zubehörliste durch und belegte sie mit einigen Produkten, jeweils mit Erklärungen und Fragen nach etwaigen Wünschen. Die Übereinstimmung mit meiner vorher sicherheitshalber ausgedruckten Bestell-Liste war frappierend. Er gab mir noch ein paar Tipps zum Lernen, kommentierte meinen Online-Kurs, den ich machen wollte und den er offenbar kannte. Außerdem verwies er auf die weiterführenden Kurs- und Workshop-Angebote des Ladens.

    Dann gab er mir noch mal einen ordentlichen Ausblick auf meine todsicher zu erwartende nähere Karriere: schmerzende Hände, Flüche, tiefe Seelenpein-Täler und Himmelhochjachz-Phasen. Ab und zu wehte dabei aus einem angrenzenden schallgedämmten Raum das bestätigende Wummern eines Verstärkers zu mir herüber. Die Rechnung war übersichtlich und beim Blick auf sie unterblieb folglich der Anruf der 112.

    geschrieben für:

    Musikinstrumente in Hannover

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    2.

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    Kulturbeauftragte Kreisch, was für eine Schreibe! Glückwunsch zum Daumen!

    Hoffentlich dauert es nicht erneut 2 Jahre, bevor wir etwas von dir lesen können ;-). Was habe ich deine "Prosa" vermisst, lieber Nachbar!
    alligateuse Wirklich klasse geschrieben. Wälze mich noch vor Lachen auf dem Boden; -))) Toll, wieder was von dir zu lesen. Vielleicht HÖREN wir dann demnächst auch was von dir. Glückwunsch zum grünen Gitarrendaumen.
    Ksmichel Qualme auf der Schwalme (Smoke on the water) klappt schon mal, aber das ist ja auch sehr einfach: Vier Griffe, phantasievoll angeordnet. Bissl Haarewerfen dazu, feddsch.
    Sir Thomas Beste Unterhaltung, junger Mann ! Bald werden wir voller Stolz verkünden: wir kannten den Gitarrengott noch als Aufsätzle-Schreiber :-)


  3. Userbewertung: 2 von 5 Sternen

    3. von 32 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Kurzfassung:
    Leistung stark mitarbeiterabhängig, tendenziell eher mehr Pannen als bei DHL und UPS, aber weniger als bei DPD. Mitarbeiter waren in einigen Fällen freundlich, aber in einigen Fällen auch grob unhöflich.

    Prosa:
    Hermes klingelt bei uns im Haus immer sofort bei mehreren Parteien. Nur, dass das klar ist: bei MIET-Parteien, nicht bei politischen. In der Regel kann sich der Zusteller darauf verlassen, dass sich derjenige im Treppenhaus bemerkbar macht, der in besonders freudiger Erwartung eines Paketes – womöglich gar aus Amazonien – aufgeregt als erster zur Türe stürzt und irgendwas wie „Hier oben!“ (oder gewünschte Richtung) zur Eingangstüre trällert. Wenn es mich trifft, dann renne ich dem berittenen Gebirgsboten oft sogar entgegen, eingedenk der Tatsache, dass die armen selbst im norddeutschen Flachland jeden Tag einige Tausend Stufen zurücklegen müssen und für ihre bisweilen tonnenschweren Pakete wahrhaft herkulische Kräfte brauchen.

    Als es also klingelte – und zwar überall im Haus – fühlte ich mich nicht angesprochen. Denn ich hatte nichts bestellt und erwartete nichts von meinem heutigen Leben als eine gute Tasse Kaffee. Den ich später auch bitter nötig hatte. Denn es passierte dies: Nachdem so ziemlich keiner im Treppenhaus das besagte Anlock-Ritual für den Hermes-Götterboten aufführte, wuchtete er seinen Korpus Musculus die gesamten drei Stockwerke mit seinem 120-Gramm-Paket hoch und stand dann einen Moment unschlüssig herum. Er muss nach einigen Minuten auf die Idee gekommen sein, doch mal zu versuchen, die Aufschrift auf dem Paket, vulgo: „Adresse“ genannt, zu dechiffrieren. Dank mutmaßlich jahrelanger Schulbildung gelang es und der mittlerweile deutlich angestrengte Künstler klingelte abermals, diesmal direkt an meiner Türe.

    „Na!“, dachte ich samaritanisch: „Wird bestimmt für einen meiner Lieblingsnachbarn sein. Das nehme ich doch an“, und stürmte zur Tür, riss sie auf und sah einen dampfenden Blaumann mit Hermes-Logo. Der junge Mann hielt mir in lautem Tone vor, dass ich nicht gleich beim ersten Klingeln geöffnet habe. Ich erklärte ihm, warum. Das überzeugte ihn aber nicht, denn er pöbelte weiter und schimpfte. Dabei sind die Jungs ja nun wirklich selbst schuld. Wenn sie zu allererst nur da klingeln würden, wo der Paketaspirant mutmaßlich aufgeregt herumhopsend seine Sendung erwartet, würden nicht so viele in Sippenhaft Rausgeklingelte in den Klingel-Ignorier-Modus verfallen.

    Ich nehme dem blauen Herrn das Paketchen für meine Lebensgefährtin aus der Hand, damit er sein elektronisches Quittierungsgerät zücken kann und habe den Griffel zum Unterschreiben schon fast in der Hand, als ich nach seinem Namen frage. Das lässt den Blauen rot vor Wut werden, er schreit mich an und äußert sinngemäß, dass er nicht daran denke, mich seines Namens gegenwärtig werden zu lassen. Ein Nachbar, vom unterhaltsamen Tumult angelockt, wundert sich, denn der rotblaue Mann wird immer ausfälliger, obwohl ich ganz ruhig einfach nach seinem Namen frage. Plötzlich will er mir das Paket wieder wegnehmen, da ich in seinem Wutanfall ja nicht dazu komme, den Empfang zu quittieren. Mir reicht’s erstmal und mit einem „Das muss ich mir nicht gefallen lassen!“ knalle ich dem kundenfreundlichsten aller Zusteller erstmal die Türe vor der Nase zu. „Arschloch!“ höre ich dumpf, mein Nachbar, der das nicht glauben kann, hört das deutlich lauter, er steht ja daneben. Nun hat der unter hohem Kesseldruck stehende Zusteller ein Problem. Paket weg, Unterschrift null.

    Einige Minuten später: Es klingelt erneut. Auf der Bühne erscheint erneut der Zusteller in Begleitung seines Chefs. Ich: "Na, wollen wir das Ganze noch mal in höflich versuchen?" Sinngemäß er: "Warum haben Sie nicht sofort aufgemacht?" Ich erkläre ihm die hiesige nervige Zusteller-Praxis noch einmal.

    An derlei Erklärungen, im Telegrammstil vorgebracht, ist er aber nicht interessiert. Er fällt mir ständig dabei ins Wort und ruft: "Schnell, schnell, wir haben keine Zeit." Ich: "Dann lassen Sie mich doch mal ausreden, dann sind wir auch schnell fertig." Er: "Was Sie gemacht haben, ist Diebstahl!" Diese Rechtsauffassung fand ich interessant: Ein Paket für uns in Empfang zu nehmen, es aber nicht zu quittieren, weil man mich nicht lässt, ist also Diebstahl. Der Zustellboss baut sich drohend vor mir auf: „Wir können auch die Polizei rufen!" Ich: "Oh, gut. Dann machen wir das mal. Dann dauert's noch länger." Er lenkt scheinbar ein: "Unterschreiben Sie!" Ich: "Wer sind Sie überhaupt? Ich hätte gern mal Ihre Karte und Ihre Namen, damit ich mich über Sie beschweren kann." "Karte hab ich nicht, ich bin Chef und das meine Mitarbeiter." Der Name des Chefs und unsere Unterschrift werden ausgetauscht.

    Ich sage, dass ich jetzt auch den Namen seines Mitarbeiters wissen will, der Boss unterbricht mich wieder und will seinen Komplizen nicht verraten. Es ist mir ein Rätsel, warum nicht und sage ihm das, nicht ohne erneute verbale Grätsche seinerseits. Nun langt’s mir, ich zeige auf ihn, berühre ihn aber nicht und donnere ihm entgegen: "Unterbrechen Sie mich nicht dauernd." Er gibt Wechselgeld: "Zeigen Sie nicht mit dem Finger auf mich, das ist Beleidigung!" Mir wird es zu blöd und ich versuche, mit einem "Schönen Tag noch!" die Wohnungstür zu schließen. Paket da, Unterschrift hat er, soll er seiner Wege gehen.

    Nun verwandelt sich der Zusteller-Boss in Hulk und versucht, sich an mir vorbei in meine Wohnung zu drücken. Wir können ihm gerade noch mit vereinten Kräften die Türe vor der Nase zudrücken. Herzklopfen. Meine Freundin, unser Besuch und ich können nicht fassen, was da gerade passiert ist. Die Hermes-Hotline in Hamburg auch nicht – ihr ist das peinlich, wie mir nacheinander drei Mitarbeiter versichern. Anzeigen will ich den „Chef“ nicht, eine persönliche Entschuldigung des Fahrers wird mir zugesichert, aber die ging vielleicht auf dem Weg verloren.

    Zwei Sterne gibt es, weil ich auch schon sehr nette Zusteller von Hermes erlebt habe.

    geschrieben für:

    Kurierdienste / Logistik in Hamburg

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    3.

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    Puppenmama Klasse Bericht über den Götterboten.
    Ich habe nur gute Erfahrungen mit den Hermes-Boten gemacht.
    Werde seit Jahren von ihnen regelmäßeg beliefert.
    Waren durchweg immer sehr freundlich.
    Nun wohne ich nicht im Mietshaus, da wird es wohl anders laufen.
    Und man muss bedenken, sie werden sehr schlecht bezahlt, was aber nicht heißt, dass man unfreunlich sein darf.

    Schalotte Eine total verrückte Paketzustellung. Da hab ich wahrlich Glück gehabt, mit all den Hermes-Boten. Im übrigen tragen die meisten Hermes-Boten bei uns mitlerweile Namensschildchen. ..... Dein Bericht ließ mich bei Lesen schon aufgeregt werden, ich will nicht wissen, wie ich reagiert hätte, wenn einer der Zusteller jemals so auftreten würde. Das geht mal gar nicht.
    Tikae Gröhl !!!!! :-))))))
    Hüstel.... ich wollte damit andeuten, das dieses einer der besten und amüsantesten Verrisse meines bzw. deines Lebens ist .
    In zwei Worten : Leider geil .
    Gloria73 Glückwunsch zur absolut verdienten Trophäe - verdammt genial berichtet! Deine Gelassenheit hätte ich gerne :D

    Leider stehen ALLE am unteren Ende der Logistikbranche extrem unter Druck :(
    Ich war schon Zeugin für einen Crash DHL-Transporter mit Fahrradfahrerin, weil der Fahrer extrem unter Strom stand...
    Gloria73 Er war völlig fertig... sie hatte zum Glück nicht mal eine sichtbare Schramme, aber das Fahrrad war lädiert...
    Ksmichel Herzlichen Dank euch allen. Mir ist natürlich klar, dass die Leute dort unter Druck stehen. Ein Freund früherer Tag hat auch für die Götterboten gearbeitet und mir manches erzählt. Daher laufe ich den Zustellern ja auch entgegen und will sie gern auch mit Namen anreden. Bei manchen fehlt es aber an einer Grundausbildung in Sachen Kundenorientiertheit. Wenn dem Herrn Zusteller meine Reaktionszeit zu lang deucht, kann er auch trocken eine Karte in den Kasten werfen, auf dass ich das Packerl im Shop abhole. Geht auch, ganz ohne Motzigkeit.
    LUT Mein Dank an Ksmichel für die kurzweilige Unterhaltung! Dank sei auch dem, der Prosa erfunden hat! :-)
    Reisender68 Hulk wollte in die Wohnung! ??
    Ich habe ja schon einige Geschichten mit Paketzustellern erlebt, aber das toppt alles was ich erlebt habe.
    alligateuse Huih, das schreit förmlich nach einem Oscar ;-) Sonntag ist doch die Verleihung, oder?

    Nein, ehrlich, sooo dermaßen schlimm habe ich das noch nicht erlebt. Da ich auch in einem Mietshaus wohne kenne ich die gängige Praxis, erstmal bei ganz vielen zu klingeln und dann das Paket ggfs. dem Nachbarn zu übergeben.

    Ein Anekdötchen habe ich dazu auch:
    Ich hatte neulich einen Paketboten eines anderen Zustelldienstes, der eine sehr schwere Last in den 6. Stock tragen musste. Es waren sage und schreibe 4 ausgewachsene Autoreifen. Da mein Nachbar nicht im Hause war, habe ich sie, nett wie ich ja nun mal bin *ggg*, für ihn entgegen genommen. Der Paketbote war sehr erleichtert, im wahrsten Sinne und bedankte sich ausgiebig bei mir. Ich lagerte die Bereifung in meinem Flur und freute mich aber, als der Nachbar am Abend bei mir klingelte und die Gummischlappen abholte. Mein Flur roch total nach Gummi, das hielt noch ein paar Tage an. Also muss ich wohl beim nächsten Mal schauen, was da bei mir zwischengelagert werden soll. Solange es nicht wieder Gummi oder sogar Surströmming ist ;-)
    Tikae Ich hab es jetzt zum fünften mal gelesen und an entsprechender Stelle kräftig geklingelt :-)))))
    Was für ne Story ! :-D
    Vintage Manchmal sind Erlebnisse ein Bericht in der Presse wert oder für eine Verfilmung.Bei uns gibt es zwar nicht die Möglichkeit andere raus zu klingeln aber das Problem mit Paket Zusteller kenne ich.Wir kaufen viel in Onlinehandel bei denen oft Vorkasse üblich ist.Wir wohnen direkt an der Hauptdurchgangsstraße im Ort, die Haustür ist von der Strasse einsehbar und hat eine Gemeinschaftseinfahrt.Oft kommt es vor das ein Päckchen von der Post auf den Briefkasten gelegt wird.Gerade mal vom Gehweg mit paar Schritte zu erreichen.Wie schnell kann da das Päckchen mitgenommen werden.Man könnte als Postzusteller ja auch klingeln.Auch die Pakete von Hermes liegen mal neben der Garage.Bei den anderen Paket Zusteller geht es nicht anders zu.Oft muss ein Paket erst bei Nachbarn geholt werden.Mit Pesch wurde es schon geöffnet mit der Begründung sie dachten es wäre für sie.Wenn ich ein Paket annehme und die Paket Zusteller aus der Nachbarschaft noch Pakete loswerden wollen stößt man auf Unfreundlichkeit wenn ich das ablehne.Letztes Jahr sollte ich ein Paket annehmen obwohl die Außentreppe gerade erst abgerissen wurde und man nicht rein oder raus kam ohne Kletterkünste.Ich habe mal gelesen einmal nein sagen erspart viel Arbeit als dreimal ja sagen.
    Puppenmama So jetzt noch herzlichen Glückwunsch zum verdienten Götter-Boten-Daumen und vorab schon mal zur Top-Bewertung.
    Nike Grins, ich habe mich beim Lesen in die Situation versetzt. Fiel ja auch nicht schwer, so wie du hier wieder einmal "abgeliefert"
    hast. Das war TOP !

    Ich hätte es ausgereizt: " ja also entweder Sie holen jetzt die Polizei oder ich hole die Kollegen - von der GdP".
    Das Problem ist nur, die M..stkerle wissen wo du wohnst, du aber nicht, wo sie wohnen. ;-))
    NC Hammer Tom Komisch - basemb hat meinen Hinweis zu einer Top-Bewertung erst einmal an die Redaktion weiter geleitet. Wer ist dieses Basemb?
    Tikae Haare raufe ....das Oberkommando war genau so von der Rolle wie wir und war sehr schnell mit antworten .
    Aber da sind so Worte wie " Arschloch " drin und das muss erst noch überdacht werden von rechts und links wegen....
    Auf jeden Fall ist es ein TOP der Userherzen !!!
    rolandvitzthum3 Nach dem, was in der Bewertung beschrieben ist, liegt hier ein klarer Fall von Hausfriedensbruch vor. Ich hätte diesen Zusteller sofort angezeigt. Meine Paketsendungen bekomme ich meistens mit DHL. Die wenigen Male, bei denen ich durch Hermes beliefert wurde, wurde ich aber auch freundlich bedient. Zudem mache ich meine Tür erst nach einem Gegenruf an der Türsprechanlage auf. Das ist sicherer.
    Ksmichel Nun ja, das A-Wort fiel nicht von mir und vor drei Zeugen und war an mich gerichtet. Der einzige, der sich beschweren könnte, wäre ich.
    kisto Vor dem letzten Satz deines Berichtes habe ich immer gegrübelt, warum du ZWEI Sterne vergeben hast… Das hätten viele sicher nicht getan. Eine sehr unterhaltsame Bewertung - auch wenn du in der Situation sicher andere Sorgen hattest. Glückwunsch zum wohlverdienten Daumen.
    Calendula Bei Dir klingeln die noch???
    Bei uns wurden die Päckle vor die Haustüre gelegt (ohne zu klingeln!) und der Überbringer unterschrieb mit meinem Namen.
    Anrufe in Hamburg brachten gar nichts. Erst eine Anzeige brachte Erfolg.

    Aber SO etwas habe ich GsD nie erlebt und hoffe, dass das auch so bleibt.

    Danke für Deinen Bericht und Gratulation zum grünen Daumen.
    Dieter Schoening Nun hab ich meine Lachtränen langsam abgewischt und kann Dir zur verdienten Auszeichnung für Deinen wunderbaren Bericht gratulieren.
    Ksmichel Danke, danke! Jetzt muss ich die wohl verklagen, weil der Zusteller mich so unflätig mit einem sogar im Duden stehenden Fachterminus tituliert hat, dass das GLHQ mir zwar den Grünen Daumen verehrt, aber die vom lesenden Publikum und geneigten Insidern hart geforderten höheren Weihen bislang verweigert. Soll ich die Passage jetzt mit einem "Tüüüüt" übermalen? Soll ich die Welt also rosa lügen? Solch Bigotterie amüsiert mich, wie ihr zweifelsohne bemerkt.
    eknarf49 Der Bericht ist wunderbar geschrieben, die Situation an sich finde ich trotz einer gewissen Komik sehr skurril. Danke für deinen Text.


  4. Userbewertung: 4 von 5 Sternen

    3. von 3 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Kurzfassung:
    Käsekuchen und Kaffee im Café. Mit Schulinventar gestaltet, Offene Backstube. Hipster-Alarm. Oft voll, geschmacklich toll.

    Prosa:
    Wer „Berlin Cafés“ googelt, bekommt 2,19 Millionen Treffer – bei „Berlin Gaststätten“ oder „Berlin „Kneipen“ sind es nur 510.000 Treffer. Man darf also damit rechnen, in der Hauptstadt überall einen kräftigen Kaffeegeruch wahrnehmen zu können. Wer – wie ich – für jede Tasse die Bohnen händisch mit einer guten Mühle pulverisiert und auch von Hand brüht (per Moka-Kanne oder Karlsbader Kännchen) dem kann man keinen Schümli mehr vorsetzen, ohne sich zumindest ein leicht angewidertes Zucken meiner Oberlippe einzuhandeln. Das weiß jeder, der mich kennt.

    Beim Besuch der Schwester meiner äh… lassen wir das, es kann sich ja doch keiner merken und egal ist es auch. Jedenfalls wurden wir von ihr zu diesem Café befohlen. Es müsse angeblich jeder wissen, dass es dort den besten Philadelphia Cheesecake gebe. Da musste ich passen, die Legende war noch nicht bis zu mir vorgedrungen, weil Käsekuchen mir bislang eher Wurst war.

    Aber gegen eine so leidenschaftlich vorgetragene Bitte ist man machtlos wie vor den Einflüsterungen des einen Ringes, sie alle zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkle zu treiben zum Bäume entrinden (oder so). Mit dem nötigen Hunger ausgestattet, gingen wir des frühen Nachmittags zum hier besungenen Elefantengehege, doch - O W! - es war so voll wie das Aroma einer frisch gebrühten Tasse Monsooned Malabar aus Indien. Zwei der in Berlin unvermeidlichen Kinderwagen standen links vom Eingang, Tische, Stühle - alles voll mit Leuten. Im Kassenbereich standen Leute, die auf afrikanischen Kaffee (Cafe Togo) warteten.

    Wir nahmen uns vor, einen Spaziergang zu machen und noch mal wieder zu kommen. Eine Stunde später, nach reichlichem olfaktorischen Genuss der Köstlichkeiten von Produkten hier nicht ganz legaler Gewächse im Glogauer Park kehrten wir wieder ein. Zweite Enttäuschung: Statt Käsekuchen gab’s nur noch Pustekuchen. Fast so, als wenn es in einer Currywurst-Bude (eine Google-Suche ergibt für „Berlin Currywurst“ 523.000 Treffer!) die Würste ausgehen! Wir meldeten uns für den nächsten Tag zum zweiten Frühstück an.

    Dritter Versuch: Palimpalim, die Tür des Cafés schwingt auf. Das Auge (nicht Saurons, sondern meins) hatte endlich die Struktur des Ladens begriffen. Im Eingangsbereich stehen einige Tische und Stühle, man kommt sich vor wie in einer Schule, denn an der Wand hängen die selben Erdkundekarten, mit denen Schüler früherer Generationen lernten, dass Buxtehude nicht in Kanada liegt.

    Wir bestellten also besagten berühmten besonderen Käsekuchen, dazu noch diverse Kaffeespezialitäten, inhäusig geröstet und Saft und Bagels. Und setzten uns an den letzten noch freien Tisch (!) kurz vor der offenen Backstube. Dort werkelten einige Menschen schon an neuen Anschlägen für die Figur. Sie sprachen dabei englisch, denn der Laden hier ist ziemlich international. Auf den Tischen und Bänken lagen einige abgegriffene exotische Zeitschriften für modebewusste Hipsters herum, und das Publikum enthielt auch einige Varietäten dieser Strömung. Es waren aber auch Studenten dort oder zumindest welche, die irgendwas in Laptops tippten (eine Golocal-Rezension vielleicht?) und schlau mit ihren Begleitungen sprachen – möglichweise, um keinen Ordnungsstrich von der Lehrerin zu kassieren.

    In schneller Folge kam nun alles auf den Tisch. Der Kaffee war köstlich und lohnte allein den Besuch. Aber für den Käsekuchen würde ich sogar einen Mord begehen. Er bestand aus mehreren Schichten leicht unterschiedlicher Konsistenz und der Boden war ein Traum. Wir aßen und tranken so vor uns hin, spielten danach noch Doppelkopf bis zur Großen Pause und verließen das Haus - ohne Eintrag ins Klassenbuch, dafür mit einem bei Golocal. Essen: Sehr gut. Trinken: Sehr gut. Ambiente: gut Raumklima: befriedigend (es zog wie Hechtsuppe!) Dennoch hoffe ich, dass der Laden nicht versetzt wird.

    Nachtrag: Ganz und gar kostenlos gab es eine Karaffe Wasser (ohne Einhornpups), das hatte ich verdrängt.

    geschrieben für:

    Cafés / Kaffee in Berlin

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    4.

    Calendula Mit den verschiedenen Kaffeespezialitäten stehe ich zwar auf Kriegsfuß, mit Deinem Schreibstil allerdings nicht. Danke!
    Ausgeblendete 44 Kommentare anzeigen
    Tikae Die männliche Variante von bb-dd.......ich bin verdammt noch mal von den Socken !!!!!
    Meiner miniguidigen Meinung nach könnte man hier ohne mit der Wimper zu zucken ein " Topbewertung " dran nageln.
    Vintage Ja dann mal Glückwunsch zu Kaffee ach nein war ja grüner Daumen.Ich habe es nur überflogen war mir zu lang Gekaffet.Übrigens die teuerste Kaffeebohne der Welt isst erst ein Tier weiss nicht mehr wie das heißt aber mein Freund Google weiß das irgend eine Katze glaub ich mochte mich aber nicht festlegen und nach dem Verspeisen und wieder ausscheiden wird die Kaffeebohne für den Teuersten Kaffee gewonnen.Na in diesem Sinne noch ein Käffchen?
    Ksmichel Da bewährt sich ja die Kurzfassung mal wieder :-) Du meinst die Sorte Kopi Luwak. Die ist aber ein bisschen über meinem Budget.
    Vintage Kann sein das war mal in einem Fernsehbericht ist länger her.Aber das fand ich nicht uninteressant.
    Nike Alles Käse mit der Askese ... herzlichen Glückwunsch zum Kaffee - und Käsekuchen - Daumen!
    alligateuse Moin Moin. TOP-Beitrag, und das am Sonntagmorgen (früher konnte ich den nicht lesen), bin just aufgestanden und habe jetzt Kaffeedurst ;-)
    Ksmichel Von diesem Laden würde ich in diesem spezialgelagerten Sonderfall dann aber doch abraten. Die Anreise dauert zu lang.
    golocal Team Wahnsinn, was für eine Bewertung! Könnte auch unter der Überschrift: Mord im Käsekuchen-Express laufen! :-)
    Für den stilsicheren Einsatz zwischen Kinderwagen, Hipster und Kaffeetasse ist die Trophäe "Bewertung der Woche" mehr als fällig! Das Top-Siegel gibt es mitten auf die Stirn!

    Bei der Formulierung "Wasser (ohne Einhornpups)" musst Du übrigens aufpassen, dass Dir das keiner klaut! Das könnte man gut im Prezlauerberg oder Kreuzberg als neutrales Erfrischunggetränk für Kinder für 8,70€ verkaufen!

    Herzlichen Glückwunsch für die Trophäe und es sind jetzt sicherlich einige User auf Deine nächste Bewertung gespannt!
    Kulturbeauftragte Bin zwar eine Tee-Tante doch deine Top-Bewertung hat mich neugierig gemacht, denn mein Freund könnte ebenfalls einen "Mord im Käsekuchen-Express" begehen, wenn er sein "Lebenselixier" nicht bekommt (bin so frei zu mopsen) :-D - Glückwunsch!

    Vorschlag, da Nike sich gerade eingeklinkt hat - als nächstes könntest du im Dreikäsehoch einschneien, wenn du in Berlin sein solltest, das nur am Rande ;-)
    Ksmichel #gebauchpinselt sei. Den Einhornpups habe ich von Lumilla geklaut. Das nur, damit nicht 30 Jahre später einer kommt und behauptet, ich hätte alles abgeschrieben. Nur den Einhornpups! Und dieses schnuckelige Wort muss unbedingt verbreitet werden.
    Puppenmama Das ist ja mal eine tolle Bewertung!
    Herzlichen Glückwunsch zum scharzen Kaffee-Daumen, zur Top-Bewertung und zur Bewerung des Monats.
    Tikae Da sind sie , die höheren Weihen und sowas von verdient !
    Glückwunsch zur Topbewertung :-)
    Ksmichel Und gerade eben purzelt noch eine Strompost in den Kasten, dass es sogar eine "Bewertung des Monats" geworden ist. Bin jetzt ganz knieweich. Zum Glück erlebe ich ja nicht so viel, dass ich andauernd Bewertungen schreiben könnte. Der Alltag, in dem meine Texte öfters auch mal zerrissen und umgeknotet werden, erdet mich und schützt mich hoffentlich vor Hoffärtigkeit. Artig bedanke ich mich!
    mrs.liona Wundervoll geschrieben, es ist eine große Freude, diesen Bericht zu lesen. Vielen Dank dafür.
    Und natürlich meinen herzlichen Glückwunsch zu den verdienten Auszeichnungen.
    Sir Thomas dieser Bericht ist unvollständig lieber Michel: wo liegt denn nun dieses Buxtehude, wenn nicht in Kanada? ;-) Nä mussisch saaren: dreifaches Anrennen bis zum Palimpalim, vorzüglich kredenzt und mir Recht bekränzt. Glückwunsch an einen echten Kenner und Könner. mit frohem Gruße, T.
    hermine1505 Der "Wiener Käsekuchen" im Cafe Mozart der Kurstadt ist der Beste, den ich je in meinem langen Leben gegessen habe. Aber deswegen einen Mord begehen????? Einen größeren Blödsinn habe ich noch nie gelsen!
    Tikae Hermine, das ist doch nicht wortwörtlich gemeint .
    Man sagt doch auch " da kannst du Gift drauf nehmen " , um einer geplanten Unternehmung verbal den nötigen Nachdruck zu verleihen .
    OHNE dabei tatsächlich den Ring mit dem Pülverchen zu öffnen .
    Alles ist gut .....:-))
    Sir Thomas der Autor ist etwas kleiner gewachsen als ich, so dass ich einen Mord am Kuchenbuffet vermutlich zu verhindern in der Lage wäre, liebe hermine.
    Ksmichel Aber nur, wenn du rechtzeitig da bist, Herr Sir! Und Hermine: Natürlich war der Blödsinn blödsinnig gemeint. Danke, dass es gleich der größte Blödsinn war, den du je gelsen hast.


  5. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Kurzfassung: Rennrad- und MTB-Kurse und Ausfahrten für Anfänger und Fortgeradelte. Leihräder erhältlich, Pannenkurse und Kaffee-Ausfahrten. Fundierte Ausbildung, die Wert auf sichere Fahrzeugbeherrschung legt, Fahrtechniken am Berg und in der Ebene vermittelt. Empfehlenswert vom absoluten Fahranfänger bis zum Profi.

    Prosa: Fahrradfahren lernt man als Kind und damit hat’s sich. Dennoch wird sich der ein oder andere wundern, wenn er (oder sie) statt seines gemeinen Drahtesels (also Hollandrad, Trekkingrad oder gar Klapprad) mal ein hochgezüchtetes Rennpfer… Rennrad domptieren will. Oder wenn er (oder sie) ersucht, mit dem Mountainbike ein - sagen wir - unwegsames Gelände zu passieren und sein Gefährt dabei doch eine tückische Neigung zeigt, sich vom Fahrer zu trennen und unbedingt eher ankommen will.

    Ich hatte mich wahnsinnigerweise bei einer Veranstaltung auf ein Rennrad mitschnacken lassen und bin schon bei der ersten Kurve beinahe gestürzt - obwohl ich als Alltagsradfahrer mit meinem Trekkingrad flott unterwegs bin (Kosename “Kampfradler”) und mein mundgeblasener Diamant-Rahmen schon einige Kerben erlegter Wildtiere und -Fußgänger aufweist. Wohl durch zeitweise Sauerstoffunterversorgung meines Hirns kaufte ich danach trotzdem ein Rennrad (siehe Bewertung Fahrrad XXL Marcks Bergedorf). Eingedenk der Tatsache, dass eine Basis ein gutes Fundament für die Grundlagen bietet, wollte ich aber mein erstes Rennen und damit selbstverständlich auch den ersten Sieg beim Cyclassics-Rennen strategisch planen.

    Durchs Internet bin ich bei Bertram Kerres und seinem Unternehmen Guide my Bike gelandet. Das Angebot “Rennradkurs für Einsteiger” klang gut, war preisgünstig und für 110 Euro (5 Termine) wurden vier Ausfahrten sowie ein Schrauber-Abend geboten - bei kleiner Gruppengröße. Daher war schnelles Schalten angesagt, denn die Kurse sind offenbar immer schnell ausgebucht.

    Der erste Vormittag nahte. Klar, ich hatte schon ein paar Runden mit meinem Renner gedreht, fühlte mich eigentlich sicher damit und war heimlich auch schon beim Velothon in Berlin mitgefahren. Ich warf mich in meine flotte Rennkluft, die allein schon für höheres Tempo sorgt (schließlich muss man den Lachern hinter einem entkommen!) und durchschritt die Jägerzaunbegrenzten Gartenpforte eines Einfamilienhauses in Volksdorf. Dort traf ich schon Bertram und einige Kursanten.

    Beim ersten Termin stand das Kennenlernen solch seltsamer Wesen wie Klickpedalen und Hirnabdeckschalen (vulgo: Helme). Auch fürs Einstellen des Rades auf die eigene Geometrie gab es etliche Tipps. Auch wenn ich schon einiges wusste, erfuhr ich einiges Neues, und erhielt auch einen super Tipp für die Auswahl des richtigen Sattels. Das hat sehr viel Probiererei erspart. Dann ging es ans Einklicken, Ausklicken aus den Pedalen. Aufsteigen, Absteigen. Losfahren, Bremsen. Bremsen!!! Ey, Bremsen!!!!

    In sehr ruhigen Wegeabschnitten probten wir das Einmaleins des Rennradelns und gingen schließlich mit sehr mäßigem Tempo auf die erste Ausfahrt. Nicht ohne die gängigen Handzeichen zu lernen, die Uneingeweihten gern etwas lächerlich vorkommen. Wer mit der Hand hinterm Hintern wedelt, tut das nämlich nicht aus Bioabgas-Gründen, sondern um auf Hindernisse hinzuweisen.

    Während der folgenden Ausfahrten streute Bertram verschiedene Techniken und Übungen an den passenden Streckenabschnitten ein. Gar nicht so leicht, das Bergauffahren im Wiegetritt in Norddeutschland zu üben, aber Bertrams Übungen machen auch einen kleinen Huckel zum Mont Ventoux. Einbeinig fahren, in Einerreihe oder Doppelreihe, mit Führungswechseln und Kreiseln. Auch das Essen und Trinken auf dem Rad will gelernt sein, etwa wie man - ohne King Louie aus dem Dschungelbuch zu sein - mit einer Hand eine Banane aufbekommt.

    Bei jeder Ausfahrt wechselte die Besetzung der Kursanten ein wenig, es war also auch problemlos möglich, einen Termin ausfallen und später nachholen zu können. Viel Spaß machte der Schrauber-Abend, bei dem wir die wichtigsten Wartungsarbeiten am Rad üben konnten und besonders den schnellen Schlauchwechsel am Rad trainierten. Wer konnte schon ahnen, dass ich das Gelernte abends auf der Heimfahrt sogar gleich zwei Mal anwenden musste.

    Insgesamt habe ich bei den Kursen a) nette Leute kennengelernt und b) sehr viele Tipps für eine sichere, aber auch sportliche Fahrweise bekommen. Beim Cyclassics-Rennen bin ich zwar nicht erster geworden (die anderen waren alle gedopt!), aber ich bin heil angekommen - mit einem gewaltigen Kreisgrinsen im Gesicht.

    geschrieben für:

    Fahrräder / Fahrradverleih in Hamburg

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    5.

    Ausgeblendete 13 Kommentare anzeigen
    Ksmichel Ach, danke! Die hat wieder der Import gefressen. Absatzschwierigkeiten, ein Problem dieser Zeiten.
    alligateuse Ach Michel, das kreisrunde Grinsen hatte ich beim Lesen deines famosen Beitrags. Theo Koll hätte damals gesagt: Toll ;-) - Ähem, und Glückwunsch zum grünen Hinterm-Po-Wedel-Daumen.
    Nike Herzlichen Glückwunsch zum Rennpf ... ähem ...rad - Diplom - Daumen.

    Trotz der amüsanten Unterhaltung bleibe ich fahrradresistent; nach oben Buckeln und nach unten treten liegt mir nicht so ... ;-)))))
    Sedina Wenn der vor Dir hinten wedelt, dann bin ich mit meinem Faltrad vor ihm ;-)))
    Glückwunsch zum interessanten Beitrag und zum Grünen Daumen!


  6. Userbewertung: 3 von 5 Sternen

    1. Bewertung


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    Checkin

    Kurzfassung: einfacher Mittagstisch, für die Hafencity vergleichsweise viel Vegetarisches, Abendkarte, modern gestalteter Inder, Geschmack durchschnittlich

    Der Inder am Kaiserkai ist noch nicht allzu lange am Platze. Immer auf der Suche nach einem kulinarischen Lichtblick in der windpfiffigen Ha(r)fencity, fallen meine Kollegen und ich mitten im skandalös-heißen Sommer 2014 zum ersten Mal hier ein.

    Dummerweise hat das - wie sagt man heute? Ach, ja: Start-up. Also dummerweise hat das Start-up so ein Wetter im Sommer nicht vorhergesehen und infolge dessen keine Sonnenschirme. Nicht bloß vergessen, die aufzuklappen, sondern schlicht überhaupt keine. Das mag man für dumm halten. Noch dümmer sind allerdings wir, weil wir uns bei senkrecht einfallendem Planetengestrahl ins Freie setzen. Dortselbst gibt es rund acht Tische.

    Wir warten auf die Karte. Die kommt sogleich. Sie wird von einem authentisch auftretenden Menschen in weißer Berufskleidung gebracht, den man durchaus für einen Inder halten könnte. Die Karte enthält Dutzende Gerichte: Lamm, Geflügel, Rind und vieles ganz ohne Fleisch. Das freut besonders unsere Kollegen, die Tiere nur streicheln, aber nicht essen wollen. So was kommt denen einfach nicht in den Topf und erst recht nicht in die Tüte.

    Verwirrt lassen wir uns erklären, wie das Bestellen funktioniert. Denn alle Gerichte auf der Karte lassen sich als Mittagsgerichte ordern - halb so teuer wie abends. Für 6,60 Euro geht’s mit vegetarischen Gerichten los, 8,70 Euro werden für ein Essen mit vierfüßiger Beteiligung fällig. Dazu gibt’s Reis, Baby, aber mittags weder Salat noch Brot.

    Wir bestellen also: Für mich die 41 als Mittagsgericht (Bengan Baji/Thori Baji) mit Tomaten, Auberginen, Zucchini sowie Ingwerstängel und Currysauce). Und ein Mango Lassi, oder nein, doch lieber einen salzigen. Meine Kollegen bestellen quer durch die Karte und sind gespannt, was da wohl kommen mag. Und warten. Und warten. Und warten.

    Nach einer Dreiviertelstunde sind wir ob der solaren Bratvorrichtung am Himmel schon gut durch gegart, immer noch keine indischen Platten in Sicht und werden unruhig - schließlich ist die Pause nicht so lang. Ich merke diesen Umstand gegenüber einer umher huschenden Servierkraft an, wohl irrtümlich erhalten wir nun doch unser Essen, beinahe gleichzeitig. So soll es ja auch sein. Fast alle Teller sehen gleich aus, mit leicht abweichender Soßenfärbung. Nur das geübte indische Auge sieht die feinen, aber geschmacklich bedeutsamen Unterschiede - nicht auszudenken, wenn da ein Fehler passiert und der Vegetarier plötzlich ins ein zartes Hühnerbein bisse! Das passiert aber nicht, denn auf wundersame Weise haben die ausschließlich männlichen Kellner alle Gerichte perfekt im Gedächtnis - auch wenn sie sich schon nach zehn Minuten nicht mehr merken können, wer von den Gästen was bestellt hat, was wir bei späteren Besuchen noch feststellen dürfen.

    Geschmacklich sind wir mittelmäßig zufrieden. Es gibt wohl bessere Inder. Einige Kollegen monieren, dass das Fleisch bisweilen etwa so zäh ist, wie sich der Morgennebel im November auflöst. Ich halte es - ohne Glaubenseifer - eher mit den vegetarischen Gerichten und bin damit ganz gut gefahren. Der weiße Reis ist keine Offenbarung, eben die klassische Sättigungsbeilage. Die Soßen sind würzig und die ganz scharfen auch einigermaßen scharf, wenn auch kein würziger Mordversuch. Der Lassi wiederum ist lecker und selbst mittags nett mit einer Sirupspur gestaltet.

    Vielleicht noch ein paar Worte zum Inneren. Das ist in L-Form gestaltet. Die Theke befindet sich am langen Schenkel des L – wenn man reinkommt, also geradeaus. Es lohnt sich, nach hinten durchzugehen, denn da sind die Plätze am Fenster mit Blick aufs Wasser und den Museumshafen. In der Regel sind die Tische zu Vierergruppen gestellt, aber gegen ein Umstellen hat niemand etwas, zumindest nichts Wirksames.

    Für meinen Geschmack könnte das Interieur noch etwas »indischer« sein. Mir gefällt aber der freundliche, etwas leger-nachlässige Service mit den kleinen menschlichen Macken. Und so langsam tauen die Herrschaften auch ein wenig auf und haben mal ein frech-neckendes Wort für uns. Für den Mittagstisch entspannend, weil es nun, nach einigen Monaten Einspielphase, auch immer recht flott funktioniert und weil der Gang zum Inder keine Reise um die Welt in 80 Tagen mehr ist.

    geschrieben für:

    Indische Restaurants in Hamburg

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    6.

    Ausgeblendete 9 Kommentare anzeigen
    LUT Schöne Morgenlektüre, Ksmichel! Ich hab mich amüsiert :-)

    Gratulation zum Daumen!
    eknarf49 Es hat mir viel Spaß gemacht, diesen humorvoll geschriebenen Beitrag zu lesen. Auch ich mag indische Speisen, bleibe aber gern bei den milderen. Danke für den Lesegenuss.


  7. Userbewertung: 4 von 5 Sternen

    5. von 7 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    GoLocal-Treffen in einer anderen Stadt als zu Hause. Klingt schon komisch, aber so ist halt die Community. Man kassiert Likes und Kommentare zu einem Bericht über eine Telefonzelle, die sonstwo ist, einfach weil die Leutchen hier zu einem überregionalen Verbund zusammengewachsen sind. Mich interessierte es, die Leutchen kennen zu lernen, die hinter dem doch meist freundlichen, manchmal neckenden Geplänkel steckten. Die Zusagen einiger Hauptamtlicher, ihre Wochenenden mal zu opfern, um sich von ihren Usern verdreschen zu lassen, fand ich ebenfalls löblich.

    Zug und Hotel waren schnell gebucht und – wie andere schon schrieben – ging’s ohne lange Aufwärmphase gleich in den Clinch mit Nebenmann und –Frau. Aha, du bist also XY. Auffällig war, dass es keinerlei offizielle Begrüßung der GL-Offiziellen gab und auch kein Programm oder eine Art Gruppendiskussion. Angesichts der doch drängenden Themen (Vertrauensstatus, Nutzersperren, Datenpflege, Gutschein-Praxis, Meinungsmeister etc. pp.) wäre das sicher sinnvoll gewesen. Zumal viele User einzelne GL-Mitarbeiter sowieso mit den stets gleichen Themen bombardiert haben.

    Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben, jedem einzelnen GL-Hauptamtlichen meine Sicht verständlich zu machen und die Community-Praxis aus anderen Wirkzusammenhängen zu erläutern. So ist beinahe jeder Nutzer daran gewöhnt, in Facebook, Twitter und anderen Plattformen ganz eigenständig zu entscheiden, welche Beiträge bzw. Nutzer jemand sehen möchte und welche „gemutet“ (also für die eigene Timeline(aber nicht für andere!) stummgeschaltet werden. So hat jeder die Chance, ganz nach eigener Toleranzschwelle, sein GL-Wohnzimmer selbst zu gestalten. Es ist die einfachste Form, für Ruhe zu sorgen und diejenige, die am wenigsten Wellen schlägt.

    Eine von außen wirksame Sperre, die überdies intransparent ist und somit als Willkür aufgefasst wird, ist heute nicht mehr vermittelbar. Die Instrumente zum „individuellen Muten“ hat GL bereits.
    Ein Umstellen auf dieses Verfahren schließt nicht aus, dass die mühsam, mehr schlecht als recht funktionierende Vertrauensstatus-Mechanik im Hintergrund unsichtbar weiter läuft und dem Community-Management als Signal dient, wo es gerade qualmt. Das CM könnte an solchen Stellen schnell eingreifen und zwar mit einer deutlich geänderten Art von Reaktion. Ich habe vertreten, dass ich derzeit aber weder mit der Reaktionsgeschwindigkeit, noch mit der Art der Reaktionen zufrieden bin und es offensichtlich ist, dass es andere auch nicht sind. Das Problem ist den Mitarbeitern dort bewusst. Ich bin nicht ganz so pessimistisch, ob der Vertrauensstatus (sowieso das falsche Wort, denn es geht nicht um Vertrauen in die Bewertungen, sondern um den Krawallbürsten-Faktor) wieder verschwinden wird.

    Was mir sehr gefallen hat: Wohin die Reise mit GL geht, ist mir überdeutlich geworden. GL soll lokaler werden. Damit die App mehr sinnvolle Treffer bietet und Empfehlungen, sollen per Meinungsmeister mehr Bewertungen generiert werden. Bei einer Suche mit der GL-App sieht man dann mehr schon bewertete Locations. Die Bewertungen kommen von Fragebögen, die beispielsweise Nutzer ausfüllen, die in einem Laden ein von GL gesponsertes WLAN nutzen und animiert werden, diesen Laden zu bewerten. Die Ankreuzbögen gibt es aber auch in Papierform, was eigenartigerweise laut Lukas (GF von GL) mehr nachgefragt wird. Das käme dann denn „Nicht-Prosa-Schreibern“ entgegen. Allerdings kann der Betreiber eines Ladens den Fragebogen beeinflussen (finde ich etwas, nun ja…)

    Mein Dank an die Mitarbeiter von GL, die ihre freie Zeit geopfert haben, um mal – und das wussten sie vorher – so richtig auf den Grill zu kommen. Das verdient Achtung und Respekt. Zu den vielen sehr tollen Gesprächen mit den normal sterblichen Usern beim Treffen will ich nix sagen, das soll privat bleiben. Nur so viel: Ich habe mich sehr gefreut, eure Nasen mal zu sehen, mit euch quatschen zu können und so etwas wie einen gemeinsamen Geist und ein gemeinsames Wohlwollen gegenüber dem unartigen Kinde GL zu spüren. Ach, und speziell an NCT natürlich noch mal ein extra Schulterklopf für die super Betreuung. Bis bald im Wald!

    geschrieben für:

    Vereine in Berlin

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    7.

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    Ksmichel Leider nein. Vielleicht ergibt sich das ja noch mal bei anderen Treffen. Er wollte wohl nicht, was ich persönlich schade finde, aber respektiere.
    Nike Der Ksmichel ... wie im wahren Leben ... :-)).
    Herzlichen Glückwunsch zum Grünen Daumen!
    NC Hammer Tom Mochten wir uns jemals? Und übrigends ich bin Neuköllner und Neukölln lag im amerikanischen Sektor also nix mit Ostberlin. Und eine rote Fahne hängt auch nicht unter meiner Decke. Die Reaktion war eher zu deinem Schutz ich hatte ja auf die Gesetzesgebung hingwiesen. Und das jetzt mal ohne Guide-Stempel. Mit dem Inhaber.Stempel musstest du leben, den gibt es nicht mehr - freiwillig zurück gegeben.
    Ein golocal Nutzer Super geschrieben. War mein zweites Treffen dazu gut, dass es mir hier wieder mehr Spaß machen könnte? Die Hoffnung stirbt zuletzt. ..! Schön wäre es!
    Biscuitty Sehr gut auf den Punkt gebracht. Nun, da du weißt, wer deine Beiträge liest, kannst du ja auch noch viel mehr schreiben ;-) Ich freu mich drauf!
    Schroeder "Quäl dich, du Sau", sagt mal ein Radrennfahrer im grünen Trikot zu einem deutschen "Radstar" namens Ullrich.... ;-))
    HHG Schade am siebzehnten Januar war ich in Witten dazu hätte ich tausende Bewertung schreiben könnt was ich da erlebt habe alles hattet ihr in sie in Berlin sicherlich ein besseres abenteuer
    PeterJ @Ksmichel, interessant, deine Schilderungen von gestern Abend jetzt auch mal in der schriftlichen Version zu lesen. :-)

    Deine Kritik am Vertrauensstatus teile ich. Er kann zu leicht als Mobbing-Instrument missbraucht werden.


  8. Userbewertung: 4 von 5 Sternen

    1. von 904 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Foto vor Ort

    Kurzfassung: In erster Linie ein Tagungs-Hotel mit angeschlossenem Day-Spa und Wellness-Kram. 158 Zimmer, elf Tagungsräume. Freundlicher Empfang, Frühstück gut, Barpreise wie üblich überhöht, ruhig. Nichtraucherhaus.

    Hier meldet sich die Übernachtungsdrohne ksmichel, heute aus dem Centrovital in Spandau. Mein Auftrag: Bewerten Sie dieses Quartier. Die Mission startete gegen 18 Uhr, als ich tropfnass hier eintraf. Der Hoteleingang ist eher auf dem Brauereihof, insofern ist die in vielen Portalen anzutreffende Adresse Neuendorfer Straße etwas verwirrend. Die Lichtreklame hat’s rausgerissen.

    Das Einchecken verlief trotz einer Schlange von Kollegen, die das gleiche im Sinn hatten, schnell und routiniert. Sogar nach der Rechnungsadresse wurde extra nachgefragt - das spart Nervkram mit den Reisekosten-Abzeichnern im Büro.

    „ZumZimmerkommseamschnellstenmitmlinknFahrstuhldannrechtsdenGanglang!“ ratterte die Rezeptionistin sicherlich zehn mal vor mir herunter und auch hier durfte mir ihr beeindruckend schnelles Stakkato anhören. Während es im Geiste noch ein wenig nachlief, um den Inhalt zu verarbeiten, hatten sich meine Füße schon auf den Weg gemacht. Es ging zunächst auf einen Wasserfall zu, der von einer Art Show-Treppe eingerahmt ist. Links und rechts ging es jeweils zu Seitentrakten, in denen Aufzüge diensteifrig darauf warteten, ein paar Menschen glücklich zu machen, was sie aber nicht sagten, weil ihr Vokabular nur auf „Bimm“ beschränkt war.

    Das Hotel ist ja nur ein Bestandteil eines ganzen Konglomerats von mutmaßlich gesundheitsfördernden Einrichtungen hier: Es geht von der Reha über ärztliche Maßnahmen bis hin zu einem hier angesiedelten Wellness-Tempel, dem so genannten Day Spa. Drin kann man sehr flauschig saunieren, in einem 25-Meter-Pool schwimmen, und sich seit Mai 2013 nach ayurvedischen Regeln behandeln lassen. Ayurveda, das ist die Lehre vom Lebenswissen, erklärt die Internetseite des Unternehmens, und: Sie schaffe ein Gleichgewicht zwischen den drei Doshas und aktiviere Energien. Drei Doshas, so so. Was das ist, erklärt die Seite auch: Vata, Pitta und Kapha stehen für die drei Lebensenergien. Die kloppen sich fortwährend in uns. Frei interpretiert: Gewinnen welche die Überhand, geht’s uns schlecht. So kann man durch exotische Künste mit lustigen Namen wie Akshitarpana (Augenbad, 33 Euro), Kati Vasti (Rückenmassage, 59 Euro oder - wer es sich leisten mag - Shirodhara (Stirnöl- Aufguss, 6 Anwendungen, 420 Euro) diverse Ungleichgewichte wieder ins Lot bringen. Da mein Geldbeutel mich nur gerade so im Gleichgewicht hielt, konnte ich mir diese Behandlungen leider nicht leisten. Aber der Pool und die Sauna waren erstklassig und im Zimmerpreis von 100 Euro inbegriffen.

    Dass hier nun die Gesundheit gefördert werden soll, ist nur recht und billig, denn hier war vorher jahrzehntelang ein moralisch-sittlich verwerflicher Hort der Bierbrauer. In dem Backsteingebäude der früheren Schultheiss-Brauerei erinnert aber nichts mehr an die bierselige Vergangenheit. Das Hotel mit Day Spa präsentiert sich dem unschuldigen Blick ziemlich sachlich und kein bisschen asiatisch-plingpling-mäßig. Keine Buddha-Statuen, keine Inder, keine Räucherstäbchen und eine Friedhofsruhe auf den Hotelfluren, die nur unterbrochen wird von den Bewegungsmeldern, die alle fünf Meter klick machen und die dazugehörige Lampe einschalten. So ist jeder Hotelgast sein eigenes Lauflicht.

    Mein Superior-Zimmer ist groß, mit Parkettboden und Möbeln aus dunklem Holz ausgestattet. Das mittelharte und sehr bequeme Bett wimmelt vor Kissen, das ist gut! Für den Fall, dass ich meine Bücher vergessen hätte, liegt das Neue Testament parat - wieso nicht Buddhas Gautama? Ein Zettel hinter der Lehne informiert über eine Besonderheit: Ein Kissenmenü! Dinkelkissen oder Seitenschläfer-Kissen gefällig? Einfach die Rezeption anrufen. Dann kommt ein menschliches Lauflicht über den Gang, das es bringt. Ein mittelgroßer Flachbildschirm dudelt nach dem üblichen Einschieben der Hotelkarte in den „ab-sofort-gibt-es-Strom“-Schlitz springt an, volles Programm einschließlich der Videos, die man natürlich! nur ganz aus Versehen im Schlaf mit der Fernbedienung aktiviert hat und die möglichst nicht auf der Spesenrechnung auftauchen sollen.

    Ein Schreibtisch am Bett mit vernünftig angebrachten Steckdosen und einem bequemen Stuhl erlaubt noch ein paar Büroarbeiten am Rechner (meine Lindner-Rezension und die übers Curry36). Prima: Das WLAN ist kostenlos, dessen Geschwindigkeit passabel. Das separate Bad ist recht groß, die Dusche ebenerdig und die Armaturen gut in Schuss. Seife und Duschzeug spucken zwei Spender an der Wand aus.

    Die Zimmer waren dank der Hinterhof-Lage recht ruhig. Dennoch war ein privates Konzert eines Tagungsteilnehmers mit seiner Klappgitarre und zwei Mitsängerinnen zwei Zimmer weiter gut zu hören. Der Kollege hätte mehr Publikum verdient.

    Früh am Morgen sickert Tageslicht durch die schweren Vorhänge ins Zimmer. Die Systeme der Übernachtungsdrohne ksmichel fuhren langsam hoch, verwirrt wie immer entdeckte ich, dass ich nicht zu Hause war. Ein idealer Zeitpunkt für das Schwimmbad und einen Saunagang. Erfrischt ging’s zum Frühstück. Das nun hatte mit ayurvedischen Gepflogenheiten nur wenig zu tun. Vorn wegen „nur zwei Hände voll essen“ und Kräutertee trinken! Das Buffet war klassisch mit Wurst, Käse, Süßkram und Fisch, Müsli, Ei-Waren, Obst und diversen Verführern ausgestattet. 10 Euro extra wollen erst mal verfuttert werden.

    Den Kaffee gab es aus silbernen Thermoskännchen direkt auf den vierplätzig angeordneten dunklen Tischen, die elegant eingedeckt waren. Nette Bedienungen huschten herum und entfernten leere und halbleere Teller. Klar auf Kostenreduktion zielend: Die Tassen hatten das Fassungsvermögen eines größeren Fingerhutes. Im Ernst: Morgens muss bei mir ein ordentlicher Pott ins Getriebe, sonst muss das jemand ausbaden.

    Der Frühstücksraum fasst zwar 120 Personen, im Aufzug hing jedoch ein elektronischer Zettel (im Display), dass der Frühstücksraum zu bestimmten Zeiten unter Umständen leider keine freien Sitzplätze mehr aufweisen könne. Kein Wunder, das Hotel hat 156 Zimmer (nicht nur Einzelzimmer!). Während des Frühstücks konnte man noch mal einen Überblick über die Gästeschar bekommen: Querbeet von zahlreicheren Tagungsteilnehmern (siehe Foto), Familien mit Kindern, Einzelreisende jeden Alters und Geschäftsleuten. Nur Handwerker habe ich nicht gesehen.

    Beim Auschecken entdeckte ich noch ein für manche interessantes Detail. Man kann nämlich seine Koffer in einem separatem Raum gegen Bon deponieren und auch nach dem Auschecken später am Tag abholen. Finde ich gut. Für die Öffi-Nutzer: Anschluss nach Spandau gibt es über die Buslinien 136 und 236.

    geschrieben für:

    Hotels / Wellness, sonstige in Berlin

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    8.

    Ausgeblendete 11 Kommentare anzeigen
    Ein golocal Nutzer toll geschrieben, ich bin begeistert, vor allem Deine individuellen Wort-
    schöpfungen geben zum Schmunzeln Anlaß, Wellnesskram und Übernachtungsdrohne finde ich persönlich köstlich und realitätsnah!
    Int.F. ... als wäre man selbst dort gewesen ....... alle vorherigen Kommentare sind absolut passend ... besser geht s nicht!
    LUT Klasse, ich mag deinen Schreibstil. Da weiß man schon beim ersten Satz: wenn der Michel was zu sagen hat, dann ist Witz und Humor nicht weit!

    Glückwunsch zum Daumen!
    Kulturbeauftragte Lachjoga lässt grüßen, passend zu dem anderen Kram aus der Ecke ;-) Herrlich, zu Recht begrünt - Glückwunsch "Drohne KSMichel"!
    Ksmichel @Jolly: Ja, wer mit der reinen Bewertung ohne Prosa zufrieden ist, dem reichen bestimmt die ersten Zeilen der Kurzfassung ;-)
    Sir Thomas NadennschreimSewatVernünftjetdennjibtsoochnjrünDaumwa
    Eine Köstlichkeit zur Abendstund. Der Leser dankt :-)


  9. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    14. von 31 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Checkin

    Kurzfassung: Currywurst Pommes im Schnellgang. Beeindruckende Verkäufer. Wurst okay lecker, Sauce auch, Pommes frisch. Der nächste, bitte.

    Man muss mir zu Gute halten, dass ich es einmal beim Vorbeigehen geschafft habe zu widerstehen. Aber wollen hätte ich schon mögen, nur dürfen habe ich mich nicht getraut. Konterkariert eine fette Curry-Wurst doch meine Abnehm-Strategie. Außerdem hat mein Rucksack ziemlich gedrückt und den wollte ich folglich zuerst im Hotel zwischenbunkern.

    Noch im Hotelzimmer tauchten in meinen Gedankengängen aber immer öfter Kartoffelstäbchen auf, die in blutrotem sämigen Saft badeten und eine wilde Party um eine Currywurst-Schlange feierten. Ich rechnete mir vor, dass ich ja einfach danach noch ein bisschen spazieren gehen konnte, um den Genuss wieder abzulaufen. Eine Stunde würde reichen, bei dem heute schon absolvierten Pensum. Ich lief, nein, rannte schon fast los, mit dem Vorsatz, ganz bestimmt etwas besseres zu entdecken, doch mein Blick prallte an gesünderer Kost einfach ab wie ein falsch gepolter Magnet.Wie auf Schienen rollte ich durch den schon dunklen Abend auf die winzige, hell erleuchtete Bude mit dem Schriftzug „Curry 36“ zu.

    Schließlich fand ich mich am Ende einer Schlange von Menschen wieder, die sich vorm Curry 36 herumdrückte. Um es vorweg zu nehmen: Die Wurst und die Pommes waren nicht so besonders toll, allenfalls ganz okay, aber die Performance der Verkäufer hat einfach mal Spaß gemacht.

    Normalerweise schrecken Schlangen mich ab, doch während der Schluss der Schlange noch denkt: „Oh, das ist ja eine Sch…“ fragt der Verkäufer dich schon: „Was darf’s sein?“ Und wenn das passiert, hast du es verka__t. Denn fast unausgesprochen herrschte eine Atmosphäre des schnellen Taktes. Es ging einfach so schnell, dass niemand mit langem Grübeln, ob es nun ein oder zwei Würste, mit oder ohne Darm, mit Ketchup, Majo oder nichts oder alles doppelt sein sollte, den Takt vermasseln wollte. Jede Bestellung kam wie aus der Pistole geschossen, möglichst ohne dem Verkäufer auch nur den Hauch einer Chance zu bieten, dass er noch was fragen muss. Denn dann ginge der schöne schnelle Takt ja verloren - und DU wärst schuld mit deiner Tranfunzeligkeit.

    Also hieß es schnell lernen, was geht in Berlin. Was mir sehr gut gefiel: Etwaige Schwächen in der Entschlussfreudigkeit von - vorwiegend touristischen - Käufern der Ex-Kanzler-Platte bügelten die Verkäufer mit animierender Lautstärke und Fröhlichkeit weg. So ging im Schnitt zwei bis drei Würste (oder Curry-Buletten) pro Minute übern Tresen, zappzerapp, schnippschnapp, weg isse. Currywurst, ohne, mit Pommes Majo, für dreisechzig.

    Dann schnell einen der umliegenden Meatall-Tische ansteuern, die heiße Fracht abstellen und losstechen. Neben dir steht eine russische Touristin mit blitzender Rolex (oder was so aussieht), rechts ein ungepflegter, wie im Delirium vor sich hinbrabbelnder Mann, der am Ende des Napfes noch einen Tauchgang eine Etage tiefer in den Abfalleimer macht, die Pfandflaschen heraus zu angeln. Rechts und links hetzen Menschen vom oder zum Bahnhof Zoo

    An einem anderen Tisch echauffieren sich zwei Anzug-Fuzzies über ihren Chef, an der Wand des Verkaufsraums haben einige Mampfgäste ihr Essen auf eine winzige Ablage gestellt und essen ihre mutmaßlich täglich dritte Ration. Zwischendurch immer wieder der Blick zum Tresen, wo vier Hände im Takt des Currywurst-Tangos ihre Kundschaft mit den begehrten Magenschmeichlern versorgen.

    Es war ein Erlebnis, nicht das Essen. aber alles drumherum. Billiger als eine Kinokarte allemal.

    geschrieben für:

    Imbiss / Catering in Berlin

    Neu hinzugefügte Fotos
    9.

    Schalotte Ganz toll ge- und beschrieben. Ein richtig schöner Bericht! Lieben Dank dafür und Daumen nach oben!!
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    Sir Thomas Jooo hmmm.... eerstmal die Wuurst. Alllso mit Darm, ne Malte? Oder lieber ohne? Überleeg ruhig noch, die Mutti nimmt dann schonmaaal - jooo - also Fritten und Maajoo, aber nicht so viieel. Und als Wuuurst.. hmm also weeißnich... :-D


  10. Userbewertung: 4 von 5 Sternen

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    Checkin

    Foto vor Ort

    Kurzfassung: Business-Hotel, nettes Personal, ruhige Zimmer, gute Ausstattung, nicht teuer, Frühstück okay, Betten mittelhart. Alles in allem macht man keinen Fehler, hier abzusteigen: Es ist sauber, modern und freundlich funktional eingerichtet.

    Oh, Gott, Bahnstreik! Gestern früh wusste ich noch nicht, dass ich abends in Berlin nächtigen werde. Eine kurze Recherche mit unserem Firmentool nach erlaubt-buchbaren Hotels ergab Mondpreise von mehr als 200 Euro pro Nacht. Doch das Lindner stach mit 87 Euro heraus. Nanu? Bruchbude zum Abwohnen? Ich war misstrauisch wie ein Tierheim-Hund.

    Eine kurze Recherche ergab meist zufriedene Kunden (und die nicht zufriedenen waren sehr „speziell“). Also zuckte der Buchungsfinger und schon purzelte die Bestätigung ins Postfach. Noch schnell nach Hause gehetzt, eine Tasche gepackt und los. Die Tufftuff-Bahn fuhr noch, denn Streik war erst ab 21 Uhr. So traf ich ein und machte mich vom Hauptbahnhof auf die Socken. Einfach: S75 Richtung Zoo, da aussteigen und den Rest laufen. Berlin-Modus eingeschaltet: Bei Grün Vorsicht, bei Rot gehen, ohne auch nur feige nach rechts oder links zu sehen. Die werden schon bremsen. Kurz und schmerzlos: Es klappte wie immer. Mit meinem blauen Wanderrucksack war ich eh schonungslos als Auswärtiger gebrandmarkt.

    Der Eingang des Hotels schreit mit den zahlreichen Leuchtreklamen des futuristisch anmutenden Riesenbaues um die Wette nach ein bisschen Liebe und Aufmerksamkeit. Ganz in der Nähe ist ein Apple-Tempel und wohin das Auge blickt, lauern zahlreiche Geschäfte arglosen Geldbeuteln auf. Vom Ku’damm geht’s ein kleines Stück in die Einbuchtung hinein, um den Eingang zu finden. Hat man das geschafft, kommen keine schwierigen Abschnitte mehr beim Erklimmen des Monte Ruhzone.

    Die Rezeptionisten waren sehr freundlich, erklärten kein bisschen maschinenhaft, was mich hier erwartet (für eine Nacht, haha!) und händigten mir nach kurzer Anmeldeformalität den Schlü… äh, nein, die Schlüsselkarte aus. Es ist ein RFID-Chip drin, der die richtige Tür wie ein Sesam-öffne-dich entriegelt (rrrklack, grünblink blink blink). Das - beladen mit Koffern und Taschen sonst mühselige - Einfädeln in einen Schacht an der Türe entfällt. Das Einzelzimmer im siebten Stock war nicht groß, aber funktional eingerichtet: Ein Schreibtisch (beleuchtet), LAN-Buchse, WLAN gratis und ein kleiner Flatscreen-TV, auf dem leise Musik dudelte und meine Welcome-Nachricht angezeigt wurde. Das Bett strahlendweiß bezogen, ein Nachthüpfer (nicht das, was du jetzt wieder denkst!) lag drauf. Das Betthupferl ließ sich aufessen, bestand aus Weingummi und hieß Schlafbärchen.

    Nun die Inspektion der Räumlichkeiten: Der Waschtisch ist nicht vom Schlafbereich abgeteilt (aber wenigstens die Toilette ;-). Für Vergessliche und Schotten (auch Schwaben) gibt es Toilettenartikel reichlich und die Handtücher sind so rein und unschuldig wie Schäfchenwolken. Da ich nicht weiß, wie weich Schäfchenwolken sind, muss ich dafür einen anderen Vergleich bemühen. Am nächsten kommt dem Anfassgefühl und Rubbelfaktor ein stinknormales Badetuch. Nix Spezielles also.

    Die Dusche ist per Glasschwenktür von der Pieselstätte abgeteilt, die Armaturen sind blitzblank, der Duschkopf mit mehr Funktionen ausgestattet, als sie die Wilhelmshöher Wasserspiele bieten und das Vergnügen wird durch einen weit regelbaren Temperatur-und Mengenregler gekrönt, der recht spontan ansprach und nicht mit viertelstündiger Verzögerung.

    Nicht ganz so perfekt die Klimaanlage, die in Stellung „Automatik“ den Geräuschpegel von etwa 50 Dezibel (gemessen) erzeugte. Nach ein paar Tastendrücken war damit Schluss, die Automatik ausgetrickst, dann war Ruhe. Die Sorte Ruhe, die man 40 Kilometer fernab der Zivilisation mitten am Nordpol oder mitten in der Wüste hat. Und das mitten auf dem Ku’damm. Das war sehr angenehm und so schlummerte ich ungewohnt gut.

    Während meiner Forschungsreise durch meine vielleicht 12 Quadratmeter entdeckte ich noch einen Schrank. Drinnen war ein Safe (der funktionierte), eine Minibar (gefüllt) sowie zwei Ablagekörbe für Schuhe, samt Pflegemittel, Schuhanzieher (Plastik, weiß, kurz) sowie Nähzeug - wie lange habe ich das schon nicht mehr im Hotel gesehen? Eine Bibel lag allerdings nicht im Nachtschränkchen, Gläubigen wird demnach zur Eigenbevorratung erbaulicher Worte geraten. Hingegen liegt auf dem Schreibtisch eine Sammlung sündiger Schundliteratur (Focus, Maxi, Kicker) und natürlich haufenweise Eigenwerbung für die LIndner-Kette.

    Das Frühstück am Morgen (10 Euro extra) war in Ordnung. Kaffee in modischen Schnickschnack-Sorten, Tee, diverse Wurst- und Käsesorten, Marmelade und WICHTIG: Nutella! Dazu Hörnchen, Frucht als Salat und unverunstaltet pur. Für Anglophile noch eine Reihe von warmen Bestandteilen, die ich hier nicht auszusprechen wage - sowas zum Frühstück? Na, soll’n se doch, dann stehen die Leute, die sowas mögen, nicht so lange unschlüssig vor Käse und Wurst herum. Der Service am Tisch ist unaufdringlich (kein nerviges Fragen nach der Zimmernummer). Spione finden hier ein erstklassiges Betätigungsfeld, denn Bissniss-Pipl quatschen teils recht laut über mutmaßlich hochgeheimes. Wer gern Bullshit-Bingo spielt, kriegt hier schnell eine Reihe mit dem üblichen Blähwortarsenal der Manager zusammen und darf fröhlich ein „Bingo!“ in die verwunderte Menge kreischen. Heute abend geht’s in ein anderes Hotel, mal sehen, ob es konkurrieren kann.

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    Hotels in Berlin

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    alligateuse Danke für dieses erstklassigen Bericht deiner Forschungsreise in die Ecken und geheimen Bullshit-Nischen der Business-People mit Betthupferln. ;-)
    Ksmichel @sidiffi: Wenn es nur das gewesen wäre. Es war auch noch ein Brei, dessen Bestandteile ich nicht ergründen konnte. Rührei war es nicht... ;-)
    Ksmichel Die Mondpreise für Hotels liegen wohl an der Messe Intergeo, die gerade in der Nähe ist, habe ich herausgefunden.
    konniebritz Klasse beschrieben! Bei Lindner-Hotels würde ich immer von ordentlicher Qualität ausgehen.
    Den Preis finde ich für die Lage am Ku'damm bemerkenswert.
    Glückwunsch zum Daumen!
    Kulturbeauftragte Über Mondpreise da kann ich mich auch aufregen... Da hattest du mit dem Hotel Glück gehabt :-) Glückwunsch daher zum zum Ku'damm-gD!