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Bewertungen (10 von 31)

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  1. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Kurz: Gitarrenbauer, Reparateur und Workshopper, der kranke Gitarren heilt, neuen auf die Welt hilft und Leuten beibringt, wie man aus Holz und ein paar anderen Teilen Dinge herstellt, die den Ohropax-Umsatz fördern und die Musikindustrie.

    Prosa: Wenn einer eine Gitarre gebraucht kauft, kann er was erleben. In Online-Verkaufstempeln für Gebrauchtes muss man natürlich immer damit rechnen, hier vor allem solche Sachen zu finden, die der Verkäufer loswerden will, aber so, dass dabei die größtmögliche Raumdiagonale zwischen sich und der zu entsorgenden Sache zu Stande kommt. Trotzdem tat ich's und erstand eine Schecter C-1 Plus für einen vergleichsweise kleinen, aber runden Taler, den ich dazu nach Bremen rollen musste.

    Als Anfänger traute ich dem Verkäufer und sicherlich hatte auch der keine bösen Absichten, als er mir den kirschgrün schimmernden Krachmacher mit ein paar Tränen im Ohrloch in die Hand drückte. Wie ein Dieb in der Nacht, habe ich mich also damit schnell davon gemacht.

    In Hannover angekommen, dauerte es nullkommadrei Sekunden, bis ich das gute Stück an meinen Verstärker (Marke: Nachbarschaftsschreck) angestöpselt hatte und schon erklangen lieblich schreddernde Riffs und Melodien aus meiner Anfängerhand. Also fast. Ok, niemand entschloss sich spontan, deswegen zu sterben, auch Tomaten flogen keine, aber irgendwie merkte ich, dass die Finger beim Niederdrücken der Saiten doch einen recht weiten Weg zurücklegen mussten und dass die Saiten darüber hinaus auch im oberen Bereich etwas schnarrten. Dann stellte ich noch fest, dass der Schalter, mit dem man wählt ob der vordere oder hintere Tonabnehmer die gar lieblichen Schwingungen empfangen und an den Lauter-und-Verzerrter-Macher leiten möge, dass eben dieser Neigungen von stark unterbezahlten Stahlarbeitern an den Tag legte und daher streikte. Todesmutig bewaffnete ich mich mit dem Lötkolben, lokalisiere kurz die Seite zum Anfassen und lö(s)te und wackle also daran herum. Dennoch: Ich dachte, dass ein Gitarrenbauer hier vielleicht mal nach - ganz unpolitisch – nach dem Rechten sehen sollte.

    Ich rief bei Stratmann an, weil ich Empfehlungen hatte, die nach einen Bioladen klangen: "Hat Ahnung von dem, was verkauft wird, ist fair und schwatzt dir nichts auf." Ich fragte also nach einem Termin fürs Richten. Apropos Richten: Er unterzog mich zunächst einem inquisitorischen Verhör nach Marke und Art der Gitarre und natürlich, was womöglich zu tun sei. Ich konterte meinerseits und erhob die Ziffern, die in Kombination und unter Ergänzung des Euro-Symbols meinem Portemonnaie entschwinden sollten.

    Dann wurde ich gewarnt: "Joa, dat wird diese Woche nix. Da is Kurs und da ist die Hütte voll. So lange willse bestimmt nicht auf deine Gitarre verzichten. Kommse besser nächste Woche voabai!" Gesagt getan, aber halt, nein. So einfach war es nämlich nicht, die Werkstatt zu finden, denn sie liegt in einem Hinterhof und im Dunkeln ist der wenig subtile Hinweis einer an der Straße hängenden Gitarre an mir vorbei gegangen. Das heißt natürlich: Ich bin daran vorbeigegangen, das Schild hing ja. Wie das so in Hannover ist: Ich frage also einen mutmaßlichen Ureinwohner, der so aussieht, als ob er das Wort Gitarre schreiben kann und womöglich sogar selbst spielt und - zack – finde ich einen, der mich vor die Türe bringt und mir viel Glück wünscht.

    Während ich noch überlege, ob ich deswegen wieder gehe, haben meine Füße längst das Kommando übernommen, tragen mich durch den Vorraum hindurch in die geräumige Werkstatt. Der vielleicht 120 Quadratmeter große Raum ist innen von Maschinen für die Holzbearbeitung umrahmt, an einem Tisch schleift jemand mit Hingabe eine Gitarre tot Ein anderer Mann sieht kurz von seiner Arbeit auf, sieht mich planlos im Raum stehen und spricht mich an: "Du bist der Herr Link?" Wirklich! Im weiteren Verlauf sah sich besagter Mann meine Gitarre an und schlug vor, was zu tun sei und schlug über die Summe dafür. Sie war erfreulich niedrig. Als ich etwas anzahlen wollte, meinte der Saiteninstrumentendompteur nur: "Erst wenn du sie abholst und zufrieden bist."

    Das tat ich dann ein paar Tage später und sogleich konnte ich die Wiedergeborene an den amtlichen Verstärker koppeln und damit Erdbeben erzeugen – die Nachbarn hier sind entweder taub oder tolerant. Beim Schwatzen fragte ich nach den Gitarrenbaukursen hier. Für rund 3300 Euronen kann man nämlich in einem vierzehntägigen Vollzeitkurs unter kundiger Anleitung sein Elektrödröhngerät selbst bauen – die Website zeigt einige der gefertigten Modelle und die armen, die das gemacht haben, mussten sich bestimmt danach mit einer Großpackung Pflaster für die durchs Dauerspielen blutigen Finger versorgen.

    Ich fand derweil meine günstig geschossene Schecter wieder ganz in Form, sie klang besser als vermutlich jemals in ihrer Vergangenheit und nun bluten mir die Finger auch.

    geschrieben für:

    Musikinstrumente in Hannover

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    1.

    Ausgeblendete 11 Kommentare anzeigen
    kisto Wirklich toll zu lesen...Viel Spaß mit deinem "Schätzchen" und allzeit taube Nachbarn:)
    Sir Thomas na, vorm Karstadt :-) Sagenhaft, der Kerl. Glückwunsch zur Prämierung in kirschgrün, zur kompetenten Klampfenwerkstatt, zum Spieltrieb, zur prosaisch anklingenden Musikrichtung und zu allem anderen, lieber Ksmichel ;-)


  2. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    9. von 9 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Kurz: Geräumiges Musikaliengeschäft mit vielen Möglichkeiten, Instrumente auszuprobieren, man kann in Ruhe Dinge anschauen, ohne sofort von Verkäufern bedrängt zu werden. Verkaufsberatung ohne Schablone.

    Prosa: Was tun, wenn man plötzlich viel Zeit hat und es draußen mutmaßlich mehrere Monate lang kalt ist - ja, das geht sogar in Zeiten des Klimawandels. Wetter ist halt nicht Klima. Da fraß sich ein Gedanke in mir fest, den mir ein Kollege beim Frxxxx Essen in der Kantine arglistig unterschob. Er zweifelte meine Aussage an, ich sei am Thema Musikmachen wegen kompletter Unfähigkeit gescheitert und sagte, jeder kann Musik machen. Man muss nur vielleicht mehr üben als Übertalente. Das nagte (Kantine!) dann doch an mir.

    Dann suchte ich einige zweifelhafte Etablissements mit günstigen Getränkepreisen, kleinen und dunklen Bühnen sowie ziemlich böser Live-Musik auf, die möglicherweise in weiteren Artikeln zur Geltung kommen werden. Ich fand heraus, dass ich zumindest in der Lage war, im Rhythmus (na, sogar rhychthig mit zwei "h" geschrieben!) mit dem Fuß (okay, mit beiden!) mitzuwippen und die rauen Gitarren-Riffs mitzujaulen.

    Noch zu Zeiten von "Last Christmas" im Radio kreiste ich wie ein Tiger nach einem Fastenmonat ums saftige Zicklein um die Videos zum Thema "E-Gitarre", welche die YouTube-Universität wohlfeil vorhielt. Dann studierte ich diverse Ladenbewertungen und stellte dabei fest, dass einige der Bewerter zwischenzeitlich mutmaßlich verstorben sind, so alt waren die Texte.

    Ein ausgefeiltes Verfahren aus Bewertungsmittelwertbildung, Hörensagen und Würfelwurf trieb mich schließlich in die Fänge von PPC Music in Hannover. Das heißt, ich fuhr einmal sonntags hin, um mir die Schaufenster anzuschauen. Da sich die Verkaufshallen in einem heimeligen Industriegebiet – man denke da an Western mit herumgewehten Dornenbüschen – befinden, verband ich den Erstausflug mit einer ausgedehnten Fahrrad-Expedition. Hatte ich riesige Schaufensterfronten erwartet, an deren Fenster man sich die Nase bis zur Wange plattdrücken kann, so wurde ich von der knastartig-einladenden Front dann doch etwas überrascht. Ein schmaler Schlitz in der Einbuchtung einer überdachten Gemäuerfront wies immerhin auf eine Zugangsmöglichkeit hin.

    Beim zweiten Besuch rollte ich, mittlerweile finster entschlossen, mit meinem Auto vor und konnte mir einen der zahlreichen Parkplätze aussuchen. Ich navigierte zur Tür und fand mich (ohne Auto) in einer Eingangshalle wieder, die entfernt an eine Uni erinnerte. Ein schwarzes Brett, voll mit Zetteln in Musikergeheimsprache warb für Kurse, um Mitspieler sowie für alten und neuen Ramsch. Von der Eingangshalle gehen zwei Glastüren ab, außerdem kann man eine formschöne Treppe benutzen, die in den ersten Stock führt.

    Wenn man mangels Schildern nicht weiß, wohin man muss, geht man einfach durch irgendeine Türe, lässt sich rauswerfen und wiederholt das so lange, bis man einen Treffer erzielt. So mochten die beiden freundlichen Verkäufer im ersten, rund volleyballfeldgroßen Raum mir zwar sehr viel über Schlagzeuge erzählen, aber nichts über Elektroklampfen. Sie gaben mir eine Wegbeschreibung und ich hatte nun noch die Wahl, welche der beiden verschränkten Treppen ich nehmen wollte. Im ersten Stock angelangt, vorbei an stylischen Gitarrenaufklebern und etlichen Devotionalien für Musikinstrumente-Hersteller schwang ich mutig die Türe zum Gitarren-Verkaufsraum auf. Gleich links standen zwei Verkäufer hinter einem rund zehn Meter langen Tresen, die gerade dabei waren, einer Kundin geduldig zu erklären, welche Saiten sie (nicht bei der Erziehung, sondern) bei der Gitarre aufziehen sollte.

    Dort hingen und standen einige Fantastilliarden Zupf- und Sägeinstrumente, die besseren in direkter Sichtweite, die für Menschen mit dem größten Potential zum Hinzulernen (vulgo "Anfänger") eher in größtmöglicher Raumdiagonale. Insgesamt kommt das Gefühl auf, das auch Waldi an der Wursttheke kennen, wenn auch nicht recht artikulieren könnte. Ah, so sieht also eine echte Gibson Les Paul, so eine Fender Stratocaster, ah, das ist eine Düsenberg Alliance und da hinten? Na ja: Das sind die Yamaha Pacifica-Lerngitarren.

    Wenn jemand – wie ich – so gar keine Ahnung hat, sich aber zur Abwehr übertrieben geschäftstüchtiger Verkäufer mit blutenden Augen einen Schutz davor anrecherchiert hat, dann kann man eine Verkaufe auch als eine Art "Tierversuch" (tschuldigung, liebe Tiere!) aufziehen. Man geht hin, sagt, dass man gerade anfängt und schaut, was sie so empfehlen.

    Und da war ich baff, denn der Verkäufer gab mir ein gutes Gefühl, dass ich trotz meines fortgeschrittenen Lebensalters nun doch zur Musik gefunden habe. Ich war schon in Musikalienläden, bei denen man gleich im Ansehen von "Mensch" auf "pflanzlich oder anorganisch" durchrutschte, wenn man sich als Musik-Noob zu erkennen gab. Hier nicht.

    Der Miet-Sultan of the Strings fragte mich einige Dinge ab, erkundigte sich nach meinen Wünschen und gab sinnvolle Tipps zur Auswahl. Er redete mir sogar etwas aus und empfahl mir einen anderen Verstärker als den, welchen ich zuerst im Visier hatte. Eine gute Wahl, wie sich später zeigte - wir sind noch in der Gewährleistungsphase, da benehmen sich die Dinger normalerweise.

    Bei der Gitarre kam exakt diejenige raus, die ich vorher schon im Auge hatte und eben nicht das sonst vom gleichen Hersteller gern für Anfänger empfohlene mit einer etwas geringeren Holzqualität. Er stellte mir das Instrument vor, zeigte dabei auch en passant, dass er durchaus auch locker viel Geld vor Karstadt oder in der Fußgängerzone machen könnte und stellte sie gründlich ein und erklärte, was er tat. Methodisch ging er danach eine vermutlich im Kopf abgelegte Zubehörliste durch und belegte sie mit einigen Produkten, jeweils mit Erklärungen und Fragen nach etwaigen Wünschen. Die Übereinstimmung mit meiner vorher sicherheitshalber ausgedruckten Bestell-Liste war frappierend. Er gab mir noch ein paar Tipps zum Lernen, kommentierte meinen Online-Kurs, den ich machen wollte und den er offenbar kannte. Außerdem verwies er auf die weiterführenden Kurs- und Workshop-Angebote des Ladens.

    Dann gab er mir noch mal einen ordentlichen Ausblick auf meine todsicher zu erwartende nähere Karriere: schmerzende Hände, Flüche, tiefe Seelenpein-Täler und Himmelhochjachz-Phasen. Ab und zu wehte dabei aus einem angrenzenden schallgedämmten Raum das bestätigende Wummern eines Verstärkers zu mir herüber. Die Rechnung war übersichtlich und beim Blick auf sie unterblieb folglich der Anruf der 112.

    geschrieben für:

    Musikinstrumente in Hannover

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    2.

    Ausgeblendete 18 Kommentare anzeigen
    Kulturbeauftragte Kreisch, was für eine Schreibe! Glückwunsch zum Daumen!

    Hoffentlich dauert es nicht erneut 2 Jahre, bevor wir etwas von dir lesen können ;-). Was habe ich deine "Prosa" vermisst, lieber Nachbar!
    alligateuse Wirklich klasse geschrieben. Wälze mich noch vor Lachen auf dem Boden; -))) Toll, wieder was von dir zu lesen. Vielleicht HÖREN wir dann demnächst auch was von dir. Glückwunsch zum grünen Gitarrendaumen.
    Ksmichel Qualme auf der Schwalme (Smoke on the water) klappt schon mal, aber das ist ja auch sehr einfach: Vier Griffe, phantasievoll angeordnet. Bissl Haarewerfen dazu, feddsch.
    Sir Thomas Beste Unterhaltung, junger Mann ! Bald werden wir voller Stolz verkünden: wir kannten den Gitarrengott noch als Aufsätzle-Schreiber :-)


  3. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Kurzfassung: Rennrad- und MTB-Kurse und Ausfahrten für Anfänger und Fortgeradelte. Leihräder erhältlich, Pannenkurse und Kaffee-Ausfahrten. Fundierte Ausbildung, die Wert auf sichere Fahrzeugbeherrschung legt, Fahrtechniken am Berg und in der Ebene vermittelt. Empfehlenswert vom absoluten Fahranfänger bis zum Profi.

    Prosa: Fahrradfahren lernt man als Kind und damit hat’s sich. Dennoch wird sich der ein oder andere wundern, wenn er (oder sie) statt seines gemeinen Drahtesels (also Hollandrad, Trekkingrad oder gar Klapprad) mal ein hochgezüchtetes Rennpfer… Rennrad domptieren will. Oder wenn er (oder sie) ersucht, mit dem Mountainbike ein - sagen wir - unwegsames Gelände zu passieren und sein Gefährt dabei doch eine tückische Neigung zeigt, sich vom Fahrer zu trennen und unbedingt eher ankommen will.

    Ich hatte mich wahnsinnigerweise bei einer Veranstaltung auf ein Rennrad mitschnacken lassen und bin schon bei der ersten Kurve beinahe gestürzt - obwohl ich als Alltagsradfahrer mit meinem Trekkingrad flott unterwegs bin (Kosename “Kampfradler”) und mein mundgeblasener Diamant-Rahmen schon einige Kerben erlegter Wildtiere und -Fußgänger aufweist. Wohl durch zeitweise Sauerstoffunterversorgung meines Hirns kaufte ich danach trotzdem ein Rennrad (siehe Bewertung Fahrrad XXL Marcks Bergedorf). Eingedenk der Tatsache, dass eine Basis ein gutes Fundament für die Grundlagen bietet, wollte ich aber mein erstes Rennen und damit selbstverständlich auch den ersten Sieg beim Cyclassics-Rennen strategisch planen.

    Durchs Internet bin ich bei Bertram Kerres und seinem Unternehmen Guide my Bike gelandet. Das Angebot “Rennradkurs für Einsteiger” klang gut, war preisgünstig und für 110 Euro (5 Termine) wurden vier Ausfahrten sowie ein Schrauber-Abend geboten - bei kleiner Gruppengröße. Daher war schnelles Schalten angesagt, denn die Kurse sind offenbar immer schnell ausgebucht.

    Der erste Vormittag nahte. Klar, ich hatte schon ein paar Runden mit meinem Renner gedreht, fühlte mich eigentlich sicher damit und war heimlich auch schon beim Velothon in Berlin mitgefahren. Ich warf mich in meine flotte Rennkluft, die allein schon für höheres Tempo sorgt (schließlich muss man den Lachern hinter einem entkommen!) und durchschritt die Jägerzaunbegrenzten Gartenpforte eines Einfamilienhauses in Volksdorf. Dort traf ich schon Bertram und einige Kursanten.

    Beim ersten Termin stand das Kennenlernen solch seltsamer Wesen wie Klickpedalen und Hirnabdeckschalen (vulgo: Helme). Auch fürs Einstellen des Rades auf die eigene Geometrie gab es etliche Tipps. Auch wenn ich schon einiges wusste, erfuhr ich einiges Neues, und erhielt auch einen super Tipp für die Auswahl des richtigen Sattels. Das hat sehr viel Probiererei erspart. Dann ging es ans Einklicken, Ausklicken aus den Pedalen. Aufsteigen, Absteigen. Losfahren, Bremsen. Bremsen!!! Ey, Bremsen!!!!

    In sehr ruhigen Wegeabschnitten probten wir das Einmaleins des Rennradelns und gingen schließlich mit sehr mäßigem Tempo auf die erste Ausfahrt. Nicht ohne die gängigen Handzeichen zu lernen, die Uneingeweihten gern etwas lächerlich vorkommen. Wer mit der Hand hinterm Hintern wedelt, tut das nämlich nicht aus Bioabgas-Gründen, sondern um auf Hindernisse hinzuweisen.

    Während der folgenden Ausfahrten streute Bertram verschiedene Techniken und Übungen an den passenden Streckenabschnitten ein. Gar nicht so leicht, das Bergauffahren im Wiegetritt in Norddeutschland zu üben, aber Bertrams Übungen machen auch einen kleinen Huckel zum Mont Ventoux. Einbeinig fahren, in Einerreihe oder Doppelreihe, mit Führungswechseln und Kreiseln. Auch das Essen und Trinken auf dem Rad will gelernt sein, etwa wie man - ohne King Louie aus dem Dschungelbuch zu sein - mit einer Hand eine Banane aufbekommt.

    Bei jeder Ausfahrt wechselte die Besetzung der Kursanten ein wenig, es war also auch problemlos möglich, einen Termin ausfallen und später nachholen zu können. Viel Spaß machte der Schrauber-Abend, bei dem wir die wichtigsten Wartungsarbeiten am Rad üben konnten und besonders den schnellen Schlauchwechsel am Rad trainierten. Wer konnte schon ahnen, dass ich das Gelernte abends auf der Heimfahrt sogar gleich zwei Mal anwenden musste.

    Insgesamt habe ich bei den Kursen a) nette Leute kennengelernt und b) sehr viele Tipps für eine sichere, aber auch sportliche Fahrweise bekommen. Beim Cyclassics-Rennen bin ich zwar nicht erster geworden (die anderen waren alle gedopt!), aber ich bin heil angekommen - mit einem gewaltigen Kreisgrinsen im Gesicht.

    geschrieben für:

    Fahrräder / Fahrradverleih in Hamburg

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    3.

    Ausgeblendete 13 Kommentare anzeigen
    Ksmichel Ach, danke! Die hat wieder der Import gefressen. Absatzschwierigkeiten, ein Problem dieser Zeiten.
    alligateuse Ach Michel, das kreisrunde Grinsen hatte ich beim Lesen deines famosen Beitrags. Theo Koll hätte damals gesagt: Toll ;-) - Ähem, und Glückwunsch zum grünen Hinterm-Po-Wedel-Daumen.
    Nike Herzlichen Glückwunsch zum Rennpf ... ähem ...rad - Diplom - Daumen.

    Trotz der amüsanten Unterhaltung bleibe ich fahrradresistent; nach oben Buckeln und nach unten treten liegt mir nicht so ... ;-)))))
    Sedina Wenn der vor Dir hinten wedelt, dann bin ich mit meinem Faltrad vor ihm ;-)))
    Glückwunsch zum interessanten Beitrag und zum Grünen Daumen!


  4. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    14. von 31 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Checkin

    Kurzfassung: Currywurst Pommes im Schnellgang. Beeindruckende Verkäufer. Wurst okay lecker, Sauce auch, Pommes frisch. Der nächste, bitte.

    Man muss mir zu Gute halten, dass ich es einmal beim Vorbeigehen geschafft habe zu widerstehen. Aber wollen hätte ich schon mögen, nur dürfen habe ich mich nicht getraut. Konterkariert eine fette Curry-Wurst doch meine Abnehm-Strategie. Außerdem hat mein Rucksack ziemlich gedrückt und den wollte ich folglich zuerst im Hotel zwischenbunkern.

    Noch im Hotelzimmer tauchten in meinen Gedankengängen aber immer öfter Kartoffelstäbchen auf, die in blutrotem sämigen Saft badeten und eine wilde Party um eine Currywurst-Schlange feierten. Ich rechnete mir vor, dass ich ja einfach danach noch ein bisschen spazieren gehen konnte, um den Genuss wieder abzulaufen. Eine Stunde würde reichen, bei dem heute schon absolvierten Pensum. Ich lief, nein, rannte schon fast los, mit dem Vorsatz, ganz bestimmt etwas besseres zu entdecken, doch mein Blick prallte an gesünderer Kost einfach ab wie ein falsch gepolter Magnet.Wie auf Schienen rollte ich durch den schon dunklen Abend auf die winzige, hell erleuchtete Bude mit dem Schriftzug „Curry 36“ zu.

    Schließlich fand ich mich am Ende einer Schlange von Menschen wieder, die sich vorm Curry 36 herumdrückte. Um es vorweg zu nehmen: Die Wurst und die Pommes waren nicht so besonders toll, allenfalls ganz okay, aber die Performance der Verkäufer hat einfach mal Spaß gemacht.

    Normalerweise schrecken Schlangen mich ab, doch während der Schluss der Schlange noch denkt: „Oh, das ist ja eine Sch…“ fragt der Verkäufer dich schon: „Was darf’s sein?“ Und wenn das passiert, hast du es verka__t. Denn fast unausgesprochen herrschte eine Atmosphäre des schnellen Taktes. Es ging einfach so schnell, dass niemand mit langem Grübeln, ob es nun ein oder zwei Würste, mit oder ohne Darm, mit Ketchup, Majo oder nichts oder alles doppelt sein sollte, den Takt vermasseln wollte. Jede Bestellung kam wie aus der Pistole geschossen, möglichst ohne dem Verkäufer auch nur den Hauch einer Chance zu bieten, dass er noch was fragen muss. Denn dann ginge der schöne schnelle Takt ja verloren - und DU wärst schuld mit deiner Tranfunzeligkeit.

    Also hieß es schnell lernen, was geht in Berlin. Was mir sehr gut gefiel: Etwaige Schwächen in der Entschlussfreudigkeit von - vorwiegend touristischen - Käufern der Ex-Kanzler-Platte bügelten die Verkäufer mit animierender Lautstärke und Fröhlichkeit weg. So ging im Schnitt zwei bis drei Würste (oder Curry-Buletten) pro Minute übern Tresen, zappzerapp, schnippschnapp, weg isse. Currywurst, ohne, mit Pommes Majo, für dreisechzig.

    Dann schnell einen der umliegenden Meatall-Tische ansteuern, die heiße Fracht abstellen und losstechen. Neben dir steht eine russische Touristin mit blitzender Rolex (oder was so aussieht), rechts ein ungepflegter, wie im Delirium vor sich hinbrabbelnder Mann, der am Ende des Napfes noch einen Tauchgang eine Etage tiefer in den Abfalleimer macht, die Pfandflaschen heraus zu angeln. Rechts und links hetzen Menschen vom oder zum Bahnhof Zoo

    An einem anderen Tisch echauffieren sich zwei Anzug-Fuzzies über ihren Chef, an der Wand des Verkaufsraums haben einige Mampfgäste ihr Essen auf eine winzige Ablage gestellt und essen ihre mutmaßlich täglich dritte Ration. Zwischendurch immer wieder der Blick zum Tresen, wo vier Hände im Takt des Currywurst-Tangos ihre Kundschaft mit den begehrten Magenschmeichlern versorgen.

    Es war ein Erlebnis, nicht das Essen. aber alles drumherum. Billiger als eine Kinokarte allemal.

    geschrieben für:

    Imbiss / Catering in Berlin

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    4.

    Schalotte Ganz toll ge- und beschrieben. Ein richtig schöner Bericht! Lieben Dank dafür und Daumen nach oben!!
    Ausgeblendete 8 Kommentare anzeigen
    Sir Thomas Jooo hmmm.... eerstmal die Wuurst. Alllso mit Darm, ne Malte? Oder lieber ohne? Überleeg ruhig noch, die Mutti nimmt dann schonmaaal - jooo - also Fritten und Maajoo, aber nicht so viieel. Und als Wuuurst.. hmm also weeißnich... :-D


  5. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    2. von 4 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Checkin

    Foto vor Ort

    Kurzfassung: Etwas versteckter Eingang, gehobenere Küche, routinierter Service, viele Stammgäste, die persönlich und herzlich behandelt werden

    Nach Schwimmen und Saunieren in der Ostseetherme,
    hätten wir zu Essen was Gutes jetzt gerne.
    Die Golocal-App an, die zeigt uns was Neues:
    Ah, LUT rät mit fünf Sternen zum Reethuis.
    Doch dort war nicht Stuhl noch Tisch für zwei mehr frei,
    zu gut wohl der Laden, dass noch was zu bekommen sei.

    Weitere Empfehlungen waren uns nicht geheuer,
    Die Sterne zwar gut, doch die Speisen zu teuer.
    So gingen wir in die Stadt hinein, passierten Tomaten,
    die leuchteten ganz bunt in der Nacht.
    Wieso das so war, war schnell ausgemacht:
    Ein Lichterfest entfaltete seine Pracht!
    In einer Reihe, eins neben dem anderen, standen Zelte, auch erhellte, wie Soldaten.

    Nach einigem Irren gelang uns ein Blick,
    dort war 'ne Terrasse mit italienischem Schick.
    Doch wie dorthin kommen, so war unser Fragen,
    Denn langsam knurrte uns doch der Magen.
    Wo führt denn ein Weg ins Pasta-Glück?
    Denn so ohne wollten wir nicht zurück!
    Nach einigem Spähen sahen wir den Schriftzug:
    „Portobello nach oben“ und das war kein Unfug.

    Die Treppe hinauf ging’s nach links oder rechts.
    Wir sind linksrum und das wohl zu recht.
    Durch Teller, Gläser und einem Kassengewühl.
    Wir wussten nicht recht, sind wir hier zuviel?
    Doch schon naht ein Kellner mit sicherem Blick,
    als ahnt er unser Ungeschick
    und bugsiert uns flott in den Gastraum hinein,
    der von Kerzen erleuchtet war und astrein
    italienisches Flair verströmte mit heitrem Gewimmel.
    Hier und da aus der Küche Gebimmel.

    So saßen wir drinnen, weil draußen kein Platz war,
    und ob’s dennoch recht wär, wir sagten: "Na, klar!“
    Denn langsam rumorte es in des Magens Mitte.
    Und so fragten wir nach der Karte, bitte.
    Die kam an den Tisch zuerst nur alleine,
    erst später kam dann auch mal meine.
    Was jetzt essen, mir war schon bange.
    Das Studium der Köstlichkeiten dauerte lange.
    Denn die Schrift war klein und die Köstlichkeiten spitze.
    So war uns klar, hier bleibt’s nicht bei Pizze.

    Ein Blick um uns herum zeigte Bilder,
    aber nicht solche wie im Milljöh von Heinrich Zille,
    sondern nur italienische Menschen mit Sonnenbrille,
    die einen ruhig, die anderen wilder.

    Das Personal war gar zahlreich, trotz Gästen mehr als einhundert.
    Was so schnell ging, dass man darob verwundert.
    Ein Detail zur Professionalität beobachteten wir.
    Und weil’s so witzig war, erzähle ich es hier:
    Eine Deckenleuchte im Raum, die hing recht niedrig
    und das war dem baumlangen Kellner gar widrig.
    Immer wenn er unter der Lampe entlang ging,
    kam immer dies, damit er sich keine Beule fing:
    Sein Kopf zuckte nach unten ganz routiniert,
    so war die Beule schnell abserviert.

    Als Gruß aus der Küche gab’s zum Sterben lecker
    einen absoluten Leckerschmecker.
    Ein Schälchen mit Pesto aus Petersilie und Zitrone
    mit kleinen Brötchen. Wow, schon das war nicht ohne!

    Dann Antipasti für zwei auf einer Platte.
    Die stand dann auch schnell auf der Matte.
    Für elf Euro sah der Teller recht leer aus.
    Sieht so vielleicht ein Hungermahl für 'ne Maus
    aus?

    Doch frische Peperonata und gegarte Zucchini, leckere Pilze und Auberginen
    sowie bester Mozzarella, deliziöse Salami, Melone und Schinken
    machten uns jauchzen und schnell mit dem Wirt versöhnen,
    und - wär’s nicht zu dolle - auf die Kniee sinken.
    Wie immer wollen die Augen mehr essen als der Magen verträgt
    So haben wir uns dann auch nicht aufgeregt.

    Denn noch wartete ein anderer Gaumenschmaus.
    Der kam auch bald aus der Küche heraus.
    Meine Begleitung verlangte Meeresfrüchte
    zu stillen übermächt’ge Muschel-Süchte.
    Deren Sauce schickte um Meter voraus ihr Knobi-Odeur,
    doch mich störte das wenig, ich schwör.
    Ich war nämlich ganz auf meine Salsiccia fixiert,
    die meiner Zunge ganz besonders pläsiert.
    Wer’s nicht kennt, das ist eine Art Bratwurst fein,
    mit viel Schwein und recht pikant obendrein.
    Dazu gab’s ein Püree aus Kartoffeln und Karotten.
    So fein essen bestimmt nicht mal die Schotten.

    Zum Schluss schauten wir uns tief in die Augen:
    Jetzt noch einen Nachtisch einsaugen?
    Wir ließen einen Münzwurf entscheiden
    und riefen einen Kellner herbei,
    dass er uns bringe einen italienischen Brei.
    Er möge uns kredenzen eine Schale vom besten
    Tiramisu und nicht von den Resten.
    So kam es dann zum kulinarischen Ende,
    die Rechnung war mäßig, unser Lächeln sprach Bände.

    geschrieben für:

    Restaurants und Gaststätten / Bars und Lounges in Timmendorfer Strand

    Neu hinzugefügte Fotos
    5.

    Ausgeblendete 7 Kommentare anzeigen
    Ein golocal Nutzer Ja, das schöne PORTOBELLO. Als ich im März ..13 da war, war es geschlossen wegen Umbau.

    Aber von der Ostseethrterme dahin ist ein weiter Weg.
    Ksmichel Ein schlapper Kilometer, am Strand entlang. Da geht man wie auf Wolken. Wir haben es sehr genossen :-)
    Ein golocal Nutzer Ok, schlapper Kilometer. Ich hatte es länger in Erinnerung, aber bin ja auch oft weiter bis Scharbeutz gelaufen, als ich in der Curschmannklinik lag. Oder andere Richtung bis nach Niendorf
    Kulturbeauftragte Unser Italiener-Besuch war kein Schmaus,
    ehr das Gegenteil ein "krümeliger Graus"!
    (Bericht kommt an passender Stelle)-
    doch es geht um diese, auf alle Fälle.

    Ein Glückwunsch kommt aus der ferne
    und ich gratuliere hier und heute gerne,
    mit paar gereimten Zeilen, die passend erbringen,
    die sorgen (meistens) für entsprechendes vergnügen!
    PeterJ @Ksmichel, herrlich! Und wie ärgerlich, dass ich dich erst jetzt bei golocal "entdeckt" habe ... ;-)
    joergb. Super - eine Bewertung in Reimen, klasse ! Alleine schon deshalb verdient prämiert, herzlichen Glückwunsch


  6. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Kurzfassung: Kleiner Fotoladen nahe dem Europacenter am Jungfernstieg, Vollgestopft mit Kameras und Zubehör. Kundige und engagiert beratende Mitarbeiter.Nicht die günstigsten Preise. Serviceorientiert.

    Wer schon mal ein Forum für Hobby-Fotografen quergelesen hat, ist so abgehärtet, dass Rambo glatt als niedlicher Kinderfilm durchgeht. In vielen Fotoforen wird verblendet und gar nicht objektiv über die einzig wahre Linse, die beste Kamera-Marke an sich und in Pudding gemeißelte Fotografen-Grundsätze doziert, bis die Augen bluten. Der Versuch eines verschüchterten Anfängers, dort nach einer empfehlenswerten Kamera zu fragen, endet jedes Mal unabhängig von den Wünschen des Fragenden in einer Skala von: Ritschratsch für 20 Euro bis Leica für fünfstellig. Immer.

    Es kann doch echt nicht so schwer sein, eine Kamera zu finden, oder? Doch, ist es. Man muss schon wissen, was man damit tun will. Braucht man einen Blitz (und einen Blitzschuh?) Will man Objektive wechseln können, in HD filmen und dabei vielleicht auch externe Mikrofone benutzen? Will man damit ins Wasser zum Tauchen? Soll sie robust sein, groß oder klein? Alles will bedacht sein. Und es gibt viele Fragen, die man klären muss, bevor es klick macht.

    Das Dumme daran ist: Eigentlich will man doch nur, was das menschliche Auge so gut ohne jegliche Kenntnis von Begriffen wie „Blende, Verschlusszeit, ISO-Empfindlichkeit, Weißabgleich oder gar Programmautomatik“ kann. Sogar die menschliche Lächelerkennung funktioniert ohne Voreinstellung. Viele Menschen haben aber gar keine Lust, sich mit diesem ganzen Technik-Schnickschnack zu beschäftigen und kaufen sich folglich einfach irgendeine Kamera, die a) gut aussieht oder b) gut in die Hand-/Hemd-/Hosentasche passt oder die c) nicht so teuer ist. Oder eben stumpf irgend einen Testsieger. Die gibt es bei meinem Lieblingsfotoladen natürlich auch.

    Mein Lieblingsfotoladen ist im Vergleich zur Forenhölle ein Ort der Harmonie und der Erweckung gleichermaßen. Du kommst als Verwirrter rein und gehst belichtet wieder raus. Das macht den Laden aus.

    Vor dem Eingang drängeln sich zahlreiche Objektive und Kameras hinter Glas um die Gunst etwaiger Käufer. Arttypisch gibt es hier auch ein Rollgitter, das die Schmuckstücke nach Ladenschluss davor bewahrt, in die Hände von Unholden zu geraten, die den Eigentumsbegriff sehr weit auslegen. Wenn man reinkommt, zieht sich rechterhand ein L-förmiger, brusthoher Tresen etwa sechs, sieben Meter in den schlauchartigen Laden hinein. Dahinter stehen die Koryphäen, die natürlich nicht aus rein karitativen Gründen hier stehen, sondern damit der [gewünschte Währung hier eintragen] rollt. Meistens stehen drei bis vier Kräfte dort. Die Stimmung unter den Mitarbeitern scheint mir freundlich zugewandt zu sein. Man hilft einander.

    Ich durfte schon mehrmals Zeuge einer fotografischen Totalberatung sein. So stand ein vielleicht Vierzehnjähriger mit kieksiger Stimmbruchstimme neben seinem beanzugten Papa (mit Bauchansatz und einer dicken Brieftasche) und wollte eine Kamera.

    Mit einer Engelsgeduld (ich schaute derweil nach einem Kamera-Rucksack), ließ die Verkäuferin den jungen Mann („Darf ich dich duzen?“) auf die Vorzüge und Nachteile verschiedener Kameratypen und Kameras hin. Sie achtete dabei ohrenscheinlich darauf, den hoffnungsfrohen Aspiranten der Lichtmalkunst nicht mit Fachbegriffen tot zu werfen.

    Am Ende riet sie ihm von einer deutlich teureren Spiegelreflex ab und riet ihm zu einer etwas kleineren Systemkamera. Papas Augen leuchteten nur bei der dicken Spiegelreflex. Der junge Mann sagte aber, dass er lieber eine kleinere Kamera hätte als einen großen Brummer. Die Verkäuferin erfreute mein Fotografenherz, als sie sagte: „Nur die Kamera, die man dabei hat, macht gute Fotos.“ Sie prüfte unauffällig, ob der junge Mann empfänglich fürs manuelle Einstellen von Blende, Zeit und anderen Dingen wäre und wählte ihre Empfehlung danach aus. Papa stand daneben und grinste eingefroren, seine Spielzeugeisenbahn war wohl gerade eben abgefahren. Der Junge bekam seine Kamera, Papa die Rechnung.

    Auch bei einer anderen Beratung, die ich mitbekam, versäumte es einer der Verkäufer nicht, außer der Kamera auch noch auf das Objektiv- und Zubehörangebot einzugehen. Freunden von Nahaufnahmen nützt es schließlich wenig, eine tolle Kamera mit Wechselobjektiv zu haben, für die es kein halbwegs erschwingliches Makro-Objektiv gibt. Statt zeitraffgieriger Schnellkauf-Attitüde gibt es auch schon mal den Tipp, noch eine Woche zu warten, weil dann ein neues Objektiv im Laden ankommt. Auch Ausprobieren vor dem Kauf ist möglich, wenn man es nicht übertreibt. Ich durfte sogar dafür den Laden verlassen.

    Auch im Service hatte ich schon Glück: Mein Makroobjektiv für meine Lumix fokussierte neulich beispielsweise nicht mehr. Ich kam in den Laden, schilderte den Fall. ich demonstrierte das an meiner Kamera. Der Verkäufer horchte das Objektiv ab, überlegte kurz und holte dann einen Pinsel mit Blasebalg hervor. Damit behandelte er das Objektiv und - flutsch - es funktionierte wieder. Er kannte den Fehler: Ab und zu setzen sich Sandkörner fest. Kosten? Null. Wert für mich: Unbezahlbar. Wann immer ich dort etwas bestellte oder zur Reparatur gab, erreichte mich zuverlässig wie vereinbart ein Anruf, der bewirkte, dass ich mit dem zittrig-erwartungsfrohen Rumhopsen aufhören konnte.

    Mit einem anderen Verkäufer sprach ich über Neuheiten der Photokina. Ich motzte dabei ein bisschen, dass es für meine Lumix noch immer keine lichtstarken Objektive mit laaaaaaaaanger Brennweite (à la Russentonne) gebe. So was hätte ich nur noch für meine uralte analoge Minolta-Spiegelreflex, die nicht mal einen Autofokus hat. Da sagte der Verkäufer doch glatt: Das können Sie doch weiter verwenden und empfahl mir einen Adapter (für die Spezln: von MD auf MFT). Er suchte ein wenig herum und zeigte mir das Modell auf seinem Rechner. Flugs war das bestellt. Anzahlung? „Nicht nötig, Sie haben so ein ehrliches Gesicht“ sagte der Verkäufer. Das hatte mir zwar noch niemand vorgeworfen, aber den Trick probiere ich mal beim nächsten Autokauf.

    Vielleicht weiß es noch nicht jeder: Das alteingesessene Fotogeschäft Wiesenhavern in der Mönckebergstraße wird seit 2013 ebenfalls von der Foto-Gregor-Gruppe betrieben.

    geschrieben für:

    Foto in Hamburg

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    6.

    Ausgeblendete 34 Kommentare anzeigen
    eknarf49 Herzlichen Glückwunsch, mich haz es besonders beeindruckt, dass man Dir mit dem Objektiv so kundenfreundlich geholfen hat.
    diepolz Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Bericht, großartig geschrieben und enthält so viele Einzelheiten, dass es schon fast traurig macht, beim Ende angekommen zu sein!
    Danke auch dafür, dass ich nun durch Dich weiss, dass es eine Foto-Gregor-Gruppe gibt, ich habe bislang gemeint, das bei mir äusserst beliebte Ladengeschäft in Köln wäre eine Einzelfirma.
    Ganz besonders freut mich der gregorgrüne Daumen. :-)
    Schwerie GWzGD! ;o)
    Apropos man muss wissen was man will...
    Einmal Canon, immer Canon! ;o) Soviel Zeit muss sein!
    Darling 234NCM Ahhhh, heute ist Fototag – bb-dd hat ja auch so etwas Feines abgeliefert. :-))

    Es ist bei Foto-Gregor ja wie bei GoLocal: "ein Ort der Harmonie und der Erweckung". ;-D

    Michel, auch wenn ich mich wiederhole: Klasse, dass Du dabei bist. :-)
    Ksmichel @schwerie: jetzt kann man eigentlich drauf wetten, dass gleich jemand "NIKON!!!" schreit ;-)
    @alle: Danke für eure freundlichen Kommentare!
    Sedina Scheint ein Laden für Fans, blutige Amateure und richtige Glückspilze zu sein. Schön, dass Du zu den Letzteren gehörst und so witzig darüber geschrieben hast.
    Glückwunsch zum verdienten Grünen Daumen!
    Sir Thomas Man kann diese lichtvollen Ausführungen fast 1:1 auf den coellnischen Gregor am Neumarkt übertragen. Danke für diesen traumhaften Beitrag mit adapterlosem Grünfilter.
    Scully super Beschreibung..... weißt du wer hier schreibt?
    Freundin von Alligateuse, bin jetzt auch dabei :-))
    Sir Thomas selbst schuld bzw. herzlich willkommen, Scully :-) Da hast du dir ja gleich mal einen Spitzenbeitrag für zum Kommentieren ausgesucht und weißt folglich, was hier von den ambitionierteren Usern gewünscht wird. Cheeers
    GAW Tja, Gregor war schon immer ein Name für Zuverlässigkeit und Qualität :-D
    Gut zu wissen, dass das hier auch so ist - bei mir ist auch ein Knipssettenwechsel angesagt...
    PeterJ Ich bin gerade durch Zufall auf diesen Beitrag gestoßen - wunderbar! :-) Durch einen ähnlichen Zufall landete ich im letzten Jahr beim im Beitrag erwähnten Wiesenhavern - und kann auch über die Hamburger Gregor-Filiale nur Positives berichten: http://www.golocal.de/hamburg/foto/wiesenhavern-YUEZb/#84a57914a7618a82aca19c46ec4190cb
    GAW Ich habe u.U. eine Ahnung, weil ich Dich kenne :-P - aber ich kann den Smiley nicht identifizieren.
    Ohne Mimik ist es schwer, solche Kommentare richtig zu interpretieren, und bei den MIssverständnissen, die hier zur Zeit gehäuft auftreten, dachte ich, frage ich lieber mal nach :-)
    GAW Schweri, wer das nicht glaubt, kann sich jederzeit gerne davon überzeugen ;-)
    Ist aber längst nicht so ernst gemeint, wie Du vielleicht denkst. Und ich finde, die Wahrheit zu sagen hat nichts mit dick auftragen zu tun :-D
    Kulturbeauftragte Wie konnte mir so ein genialer Beitrag (auch noch dazu begrünter) durch meine vielfachen Linsen durchgehen :-/ Trotzdem noch nachträglich Glückwunsch dazu!
    Exlenker Da muss man aber doch mal die Scully fragen, wann kommt denn nun Ihr erster eigener Beitrag? Müsste ja nun einer aus berlin dann sein?
    PeterJ @Ksmichel, ich sehe gerade, dass ich doch schon einen Beitrag gelesen habe - jetzt weiß ich aber endlich, welcher Michel das ist. ;-)


  7. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. von 3 Bewertungen


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    Angeregt durch das Lesen einer Bewertung von LUT über einen weiteren Campingplatz auf der Insel folgt hier ein Artikel, in dem es um die Vorzüge und Nachteile der allhier mit wohlfeilen Worten beschriebenen Lokalität geht. Zweck dessen ist es, sich ein Bild darüber zu machen, so dass man entscheiden möge (oder nicht), fürderhin hier sein Zelt aufzuschlagen, seinen Wohni zu bewohnen oder doch lieber anderswo die Fehmaraner Sonne zu erhaschen.

    Sonne - ja, davon hat Fehmarn im Deutschland-Vergleich recht viel: Wikipedia spricht von 2152 Sonnenstunden pro Jahr. Bremervörde hatte 2012 nur 1521 Stunden. Was jetzt keine Aufforderung an die Bremervörder Bürger ist, nach Fehmarn auszuwandern, sondern sofort eine Bürgerinitiative für mehr Straßenlaternen anzuzetteln.

    Ist man aber erst mal wild entschlossen, die nach Mallorca, Rügen und Usedom viertgrößte Insel Deutschlands zu bereisen, wird es schon gleich kompliziert. Bei Wind kommt man nicht auf die Insel, wenn man einen Wohni hat, denn dann wird die Fehmarnsund-Brücke für solche Autos gesperrt. Hier zeigt der Wind eben noch, was er kann.

    Nachdem es auf Fehmarn ja das merkwürdige Konstrukt gibt, dass sich alle Gemeinden im Jahre 2004 zu einer einzigen Stadt namens Fehmarn zusammengeschlossen haben, lauert schon das nächste Problem auf dem Weg zum vielfach prämierten Campingplatz, denn wer als Ort “Katharinenhof” ins Navi eintippt, findet den in vielen Geräten nicht. Spezialtrick für Golocal-Leser: Bei einigen Navis klappt der Workaround, als Stadt “Burg” oder “Burg auf Fehmarn” einzugeben, was streng genommen ja auch nur ein Stadtteil ist. Bei anderen Navis ist für jedes Ziel auf Fehmarn eben als Stadt “Fehmarn” einzugeben. Als Straße käme hier “Katharinenhof” in Frage. Wer das verwirrend findet, sollte das lieber vor der Abfahrt checken, das sichert eine entspannte Ankunft.

    Doch auch ohne elektronische Verirr-Hilfe findet man den Weg: Nach Erreichen der Insel auf der Hauptstraße bleiben, dann rechts nach Burg abbiegen und dem Weg so lange folgen, bis ein weißes Schild nach Katharinenhof weist. Dann tapfer bis zum Ende fahren. Vorsicht, nicht über die Steilküste hinaus, bitteschön!

    Die Straße zum Campingplatz passiert eine Tauchbasis linkerhand, ein Grund für viele Taucher, gerade hier abzusteigen, denn am Campingplatz führt eine Slipanlage geradewegs in die für hunderte Meter recht flache Ostsee - absolut anfängertauglich auch für Schwimmanfänger, denn hier gibt es auch einen ausgedehnten Sandstrand mit lediglich einigen etwas steinigeren Abschnitten. Für die Petrijünger unter uns: Dort kommen hin und wieder auch Meerforellen vorbei. Auch Dorsche und Plattfische prüfen hier gelegentlich den Küstenverlauf.

    Im Sommer brennen hier auf dem Strand malerische Feuer und es ertönt je nach Länge des Abends und Art der Gäste entweder Gesang oder Gegröl. Irgendwann hat aber auch der Letzte sich atemlos durch die Nacht gefeiert, das ist sicher. Die Feierer hört man erstaunlicherweise selbst im hauchdünnen Ultralight-Trekkingzeit mit Nanoverschnurzpiepelung fast gar nicht, das fürsorglich frühe Raben- und Krähenkonzert hingegen schon. Schließlich fängt ja der frühe Vogel den Wurm, und jede Minute Ferienzeit will ausgenutzt sein. Ab 3 Uhr morgens geht die heiße Piep-Action los, und daher sind Ohropax (oder vorabendlich genug Alkohol) als probates Entstörmittel möglicherweise angesagt.

    Doch vor den Campingfreuden ist erstmal anmelden angesagt. Direkt am Tresen der Anmeldung steht links eine Vase, voll mit Donnerkeilen, jenen Resten urzeitlichen Kopffüßler, die zum Ende der Kreidezeit den letzten Löffel abgaben. Die Donnerkeile findet man hier gelegentlich am Strand und die Vase zeigt, dass das nicht selten ist. Die Anmeldung geht flott vonstatten, und wer will, kann sich hier auch reichlich mit Prospekten und Tipps für den Urlaub versorgen.

    Insgesamt gibt es auf dem Campingplatz Ostsee 472 Stellplätze, jeweils rund 100 Quadratmeter groß, mal etwas mehr, mal etwas weniger. Grob zwischen den Zweierreihen von Wohnis sind windschützende hohe Hecken gepflanzt, die Dauercamper haben die Flora noch durch Gartenwerge und andere Devotionalien für den Gott des Petroleumkochers und der bierschwiemeligen Lustischkeit ergänzt. Einen ersten Eindruck kann man sich nach einem Blick auf die Webcam-Seite http://camping-katharinenhof.de/index.php/webcam-katharinenhof machen. Empfehlenswert ist der Versuch aber nur bei ausreichendem Tageslicht, sonst wird das vorgeführte Programm schnell langweilig.

    Nun weitere knochenharte Fakten: Die Preise für Wohnis reichen zwischen 9 Euro in der Nebensaison bis 15 Euro in der Hauptsaison. Pro Erwachsenem sind dann noch mal zwischen 4 und 7 Euro fällig. Kommt noch die Kurtaxe von 1,80 Euro (Hauptsaison) hinzu, sonst sind 90 Cent zu berappen. Kein ganz billiges Vergnügen also. Der Platz ist vom 1. April bis zum 15. Oktober offen. Viel genutzt ist auch die Zeltwiese und der Bereich vorm Abgang zum Strand, und zwar vorwiegend von den schon besungenen Tauchern. Ich kenne den Platz schon lange, eben in jener Eigenschaft. Ich nehme IMMER Ohropax mit, auch weil sich manche Taucher wie Krähen benehmen.

    Wer nicht zelten mag, aber auch keinen Wohni hat, kann sich hier Leihwohnwagen für rund 35 Euro mieten. Die sind karg eingerichtet, etwas abgewohnt, aber in Ordnung.

    Das Highlight - LUT, hier kommt was für dich! - sind die KOSTENLOSEN Duschen. Besonderer Service: Auch heißes Wasser wird zum gleichen Preis geliefert. Direkt vor dem Waschgebäude (das auch die üblichen anderen Sanitäreinrichtungen und Spülküchen aufweist), gibt es auch eine großzügige Spülmöglichkeit für Tauchequipment samt Außendusche - das ist perfekt.

    Der kleine Laden im Anmeldegebäude ist täglich nicht für lange Zeit geöffnet, hat aber ein erstaunlich großes Angebot, das über die üblichen Einpack-Malheurs (Kaffee alle, Milch ist sauer geworden, Brötchen schon hart und am schlimmsten: NUTELLA vergessen!) hinweghelfen kann. Morgens gibt’s frische Brötchen und Kaffee direkt aus der Kanne. Als ich das spitzgekriegt hatte, blieb mein Benzinkocher das nächste Mal zu Hause.

    Außerdem existiert dort eine kleine Futterluke mit bösem, bösen Fast-Food-Futter und - noch vor der Anmeldung - eine Pizzeria, die allerdings so gerade mal durchschnittlich war, wann immer wir sie dann doch mal aus Notwehr heimgesucht haben.

    Der Platz wird augenscheinlich auch von vielen Familien mit Kindern besucht, für die es viele Aktivitäten sowie eine sehr bemühte Animation gibt - ebenso für Jugendliche und Erwachsene. Die finden auf dem Weg zur inneren Entspannung auch viele Massage-Programme mit so klangvollen Namen wie äh… Copy& Paste, sonst schaffe ich das Wort nicht: “Ayurvedische Abhyanga-Massage” und Lomi-Lomi (das war jetzt leicht). Wer es bei einem Urlaub absehbar nicht schaffen wird, die erhofften zehn Kilo Donnerkeile am Strand zu sammeln, kann nach Absolvieren des Kurses “Connys Perlenbasteln” dennoch für farbenfrohe wie formschöne und zeitlose Mitbringsel sorgen. Nicht ganz so haltbar wie Donnerkeile, aber das sind Menschen ja auch nicht.

    Fazit: Ich mag den Platz, seine Krähen stören mich nicht, warum aber regnet es so oft, wenn ich da bin?

    geschrieben für:

    Campingplätze in Fehmarn

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    7.

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    Schwerie Michel für meine letzte Erstickungsattacke bist du verantwortlich, die hab ich beim lesen nämlich bekommen!
    Ich schmeiss mich weg! ;o)
    Allerdings das mit den Gartenzwergen musst du wohl noch üben!
    Ksmichel Ich bin halt kein Gartenwergologe ;-) wusste nicht, dass sie nicht pflanzlich sind.
    Schwerie Michel, deine Aufwärmphase ist wohl nun vorbei... das ist ja schon ein Meisterstück an Schreibekunst! Von mir gibt es, dafür, ein 3faches GWzGD!

    GWzGD! GWzGD! GWzGD!

    You make my day! ;o)
    alligateuse Hey Michel, den Campingplatz kenne ich. Einige Dosensuchaktionen haben mich hier schon vorbeigeführt. Ich weiß genau, was du meinst, wenn du schreibst, man solle nicht über den Rand der Steilküste hüpfen ;-) - Dass dich der Regen stört, wundert mich, bist du doch eher unter Wasser dort anzutreffen. Auf jeden Fall ist dieser Bericht mal wieder top geschrieben, und amüsant dazu. Glückwunsch zum Camping-Daumen ;-)
    Nike Schließe mich den Glückwünschen an und gratuliere ebenfalls zum Campingdaumen!
    Ansonsten ist schon alles von meinen Vorrednern gesagt....
    LUT @ Michel: DANKE und KLASSE! Ich hoffe doch, dass du jetzt nicht immer beim Duschen auf Campingplätzen an Frau LUT denkst, die mit der großen Aversion gegen Duschmarken :-)

    In freudiger Erwartung auf weitere Campingplatz-Bewertungen gratuliere ich zum verdienten Daumen!
    Ksmichel @LUT: Keine Sorge. Ich hatte mich darüber auch schon geärgert.

    Stehst eingeseift unter der Brause,
    folgt alsbald die schnelle Sause,
    mit ner Spur aus Shampoo-Tropfen,
    nur um Münzen in den Schlitz zu stopfen.
    Am Ende des Kleingelds bist immer noch dreckig,
    die Beine und Arme noch immer ganz fleckig,
    da lob ich mir - die Dusche allhier.


  8. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    2. von 2 Bewertungen


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    Geld, Kohle, Patte, Kies, Zaster. Wie viele Wörter gibt es allein für den - noch eins! - schnöden Mammon. Man braucht’s, und das Dumme daran ist, dass es oft Wechselgeld zurückgibt. Das sammelt sich über die Jahre an, es sei denn, man zahlt immer nur mit Karte und baut so ein exorbitant hohes Hasspotenzial an der Supermarktkasse auf - zum Beispiel bei einem bestimmten Edeka-Markt, den ich gern besuche. Bei vorsichtigeren Normalos platzt hingegen ab und zu das Portemonnaie beinahe vor Ein-Cent-Stücken, und dann landen die kleinen gepressten Metallplättchen in hohlen Behältnissen aus Plastik oder Keramik. Die nennt man selbst dann Sparschweine, wenn sie ganz anders aussehen.

    Nun hat zwar niemand etwas gegen die Hinterlassenschaften von Goldeseln, aber bei Sparschweinen ist das etwas völlig anderes. Irgendwann stört selbst eine stattliche Sammlung der tierischen Münzcontainer das ästhetische Empfinden derjenigen, die in eurer Wohnung lustwandeln. Auch als Türstopper sind sie nur mäßig brauchbar und außerdem rascheln sie, wenn sie sich bewegen. Und bevor die Wohnung einem Dagobert Duckschen Geldspeicher ähnelt, lieber weg damit!

    Doch wohin mit dem ungeliebten Klimperkram? Zur Hausbank? Das klingt wie ein probates Mittel, um aus mengenmäßig viel Geld in kurzer Zeit weniger Geld zu machen. Doch: Die Banken lassen es sich fürstlich entlohnen, kiloschwere Kleingeldbestände in federleichte, handliche und recht beliebte Scheine umzuwechseln - vorzugsweise mit recht hohen Zahlen drauf, die wiederum Tankstellen nicht annehmen.

    Doch nicht verzagen: Bei der Bundesbank kostet das Wechseln nichts. Sogar Altbestände in Mark und Pfennig tauschen die Banker dort in Euronen um. Das wollte ich mal ausprobieren und leerte meine verstreuten Münzdepots in der Wohnung. Der Geldtransporter, in diesem Fall ein Fahrrad mit Packtaschen, machte sich ohne Bewachung auf in die City.

    Der kantige Bau in der Willy-Brandt-Straße wirkt abweisend mit seiner Waschbeton-Optik und seinen kaum durchsichtigen Schießscharten-Fenstern im Erdgeschoss. Wachpersonal patrouilliert, so dass man unwillkürlich nach seiner Jacke greift, nur um sicherzugehen, dass man die Smith-und-Wesson diesmal auch wirklich zu Hause gelassen hat. Von morgens halb neun bis mittags um eins lassen die Schatzhüter gewöhnliche Sterbliche durch eines der Drehtore passieren. Links ist ein Schalter, mit Trennglas, ovalem Glasfenster und dem Look der Sechziger Jahre.

    Doch weit vorher wurde ich schon abgefangen. Die bemützten Gralshüter frugen nach meinem Begehr, welches ich umgehend kundtat. Was die Herren auch problemlos hätten raten können. Mein Gang wies schließlich ausreichend Schlagseite durch das Tragen eines prall gefüllten Beutels auf. Und drin waren nicht die Frühstücksbrote für die Wachen.

    Man sandte mich zu einem Aufzug in Sichtweite. Die Wegbeschreibung dorthin klang beamtenmäßig kompliziert, war aber machbar - ohne einen sicherlich auch vorhandenen Lageplan (Strictly confidential, nur der NSA bekannt). Nach dem Öffnen der gefräßigen Aufzugtür ging es zum Stockwerk der Geldwechsler. Hier im Haus gibt es eine ganze Menge anderer Stockwerke. Darin kümmern sich diverse Leute mit schwerer Mathematik, leichter Politik und manchmal auch einer daraus resultierenden Gallenkolik um das liebe Geld: Dass es nicht zu viel wird und außerdem aus dem Verkehr gezogen wird, wenn die Münzen Schmodder ansetzen oder die Scheine schimmeln.

    Zu den Geldwechslern gelangt man durch einen recht dunklen Gang. Neongeflacker, Filzboden und verkümmernde Büropflanzen führen - wie gehabt - zu Verschlägen, hinter denen Menschen mit Eimern sitzen. Die stellen sie in eine Schublade, die zwischen gepanzerter Scheibe und dem gemeingefährlichen Kunden hin- und hergeschoben wird. Zum Eimer stellen die netten Menschen automatisch einen festen Karton. Der sehr nützlich ist, denn in dem Eimer soll nun erst das Ersparte, und mit dem Karton sammelt man das daneben Geschüttete.

    Die freundlichen Wechsler haben schon viele lustige Geschichten gehört, erzählen dürfen sie keine leider. Aber wenn der Eimer voll Geld ist, landet dessen Inhalt unter Gekrache und Gebimmel in einer riesigen Maschine. Sie zählt in Sekunden, wofür ich Jahre gespart habe und spuckt am Ende eine Zahl aus.

    Die notiert sich die Dame, und los geht ein nicht zu großer Papierkrieg, mit dem ich zugebe, böse viel Kleingeld gebracht und den entsprechenden Gegenwert in Großgeld zurückerhalten zu haben. Das passiert dann tatsächlich auch. Beschwingt und um meine roten Heller erleichtert, rausche ich von dannen. Das nächste Mal sehen wir uns in elf Jahren. Ob da wohl die gleiche Wechslerin noch an der Kasse sitzt?

    geschrieben für:

    Banken / Anlageberatung in Hamburg

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    8.

    Exlenker Einfach nur klasse beschrieben. Und gut, wenn man vom vielen Hartgeld tragen nun keine Seitenlage mehr hat.
    Ausgeblendete 8 Kommentare anzeigen
    klausmlange Gratulation zum Kupfergeld-Daumen; dabei fällt mir ein, ich habe auch noch so ein Kuipfergelddepot, ob ich damit wohl ...?
    LUT Herrlicher Beitrag! Genau das Richtige für eine schlaflose Nacht ! :-)

    Mein Glückwunsch zum Daumen!
    alligateuse Hey Michel, you made my day mit diesem livehaftigen Bericht über die Erlebnisse deiner Ersparnisse. Glückwunsch zum grünen Däumling, sowas sammelst du ja augenscheinlich. Ich hoffe nicht, dass du die dann mal umtauschen wirst ;-)
    Sedina Genau das ist trotz ganz hilfreicher Groschenbox auch mein Problem, und meine Träume gehen hin zu einem Galoppwechsler.

    Schönes Abenteuer - schöner Bericht - schöner Grüner Daumen, Glückwunsch!


  9. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    2. von 3 Bewertungen


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    Checkin

    Sonnabend, gegen 18 Uhr. In jenem winzigen Ort im schleswig-holsteinischen Amt Moorrege, der Heist heißt, rechnet der Wanderer oder Fahrensmann (ja, ja - auch die Frauen!) um diese Zeit kaum damit, noch eine Lokalität zu finden, in der itzo nicht die Bürgersteige (so vorhanden) hochgeklappt wären. Doch halt: Hier brummt's. Und zwar richtig!

    Auf dem kleinen Parkplatz angekommen, sieht man das a) daran, dass es schwer ist, noch ein Platz für das Stinkomobil zu bekommen und b) am meist vollen Fahrradständer (der nicht mal klein ist!), und c) an für die Größe des Orts zahlreichen, teils voll besetzten Biertischgarnituren. Doch was zieht die Leute an wie Licht die Motten? Eis, und zwar gutes Eis. Letzteres sprechen wie: "Bond, James Bond!"

    Vom vollen Parkplatz ließen wir uns nicht schrecken. Eiskalt durchquerten meine Begleitung und ich die äußere Umfriedung des Geländes, das ein wenig parzelliert ist - wie eine Miniatur-Gartenwirtschaft oder ein Adventure-Game (je, nachdem, wie man sozialisiert ist). Im Ganzen drängt sich der Eindruck auf, dass hier das private Anwesen der Ladenbehüter so nach und nach mit immer mehr Tischen erweitert wurde. Ganz nach dem Motto: "Hilfe, Erna! Die Schlange vor der Tür reicht schon dreimal um den Ort. Hol ma deine Gartenstühle raus, dass die sich setzen können!"

    Wir folgten also den Spuren: Hier mal kurz um die Ecke, da einmal um den Tisch draußen herum und, schwupps, hatten wir die überdachte Eisheiligkeit erreicht. Dort, in den kühlen Katakomben tummelten sich schon ein paar Menschen, welche bestellten oder noch an der Tafel oberhalb der Theke an der Wand studierten, was die diversen gekühlten Stahlschalen so hergaben.

    Trotz der vielen Leute vor uns ging es schnell. Das Rezept für das Speed-Icing könnte in der mangelnden Dekoration der Eisbecher gesehen werden. So kommt das Eis schneller zum schmachtenden Genießer. Denn statt Glas, Tüdelüt und Gebimmel-Deko gibt es das Eis hier schlicht im Plastik-Schälchen mit Plastik-Löffel. Alles wird - nach dem Essen, versteht sich - in Eimern gesammelt. Ob es wiederverwertet wird, weiß ich allerdings nicht.

    Wie läuft so eine Bestellung ab? Na, so: Man stellt sich an und hofft, dass die Vorderleute ausreichend lange brauchen, bis die eigene Entscheidung gefallen ist und man sie einer der drei Thekenkräften mitteilen kann. Die Wahl - nicht der Thekenkräfte! - ist nicht einfach bei rund 30 Eissorten und diversen Schlemmer-, Kirsch- oder [hier phantasievolle Namen einsetzen]-Eissorten, alle nach eigener Zusicherung selbstgemacht und nicht nur aufgetaut.

    Sorten wie Zimt-Pflaume muss man einfach mal probiert haben, und keine schlechte Idee ist es, sich einfach das zu bestellen, was nur noch einen geringen Pegelstand in der Kühlschale hat. Doch selbst das schlichte Schokoladeneis - laut Wikipedia auf Platz 2 der beliebtesten Eis-Geschmacksrichtungen - kann noch überraschen, denn dort ist sogar ziemlich viel SCHOKOLADE drin.

    Die Damen hinterm Tresen sind keineswegs so eisig wie ihr Geschäft, und selbst um 18 Uhr sind sie noch mit vollem Elan dabei. Es ist Eiszeit im besten Sinne. Wer als Eisdieler jetzt kein Geld verdient, ist wohl so geschäftstüchtig wie ein Sonnenstuhlverkäufer, den es zum Nordpol zog.

    Nach gefühlten Sekunden hat man jedenfalls sein Eis in der Hand, es hat keine Chance zu schmelzen. Für Eisexperten: Nein, es sind keine Brucheis-Stücke drin, das Eis ist cremig, hat genau die richtige Konsistenz. Die schlichte Deko stört beim Genuss erwartungsgemäß eher wenig, insbesondere, weil den verzehrbaren Inhalten zum Ausgleich mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Im Früchtebecher finden sich - oh Wunder! - FRÜCHTE, und kein Dosenobst. Meine Sektion hat beispielsweise frische Erdbeeren, eine Stachelbeere, Johannisbeeren und Pfirsichstücke ergeben, nebst größeren Bruchstücken von Pflaumen. Und Sahne, aber das ist ja kein Obst. Aber lecker. Egal, ob man abnehmen muss, all das gehört jetzt in den Bauch.

    Das Futtern möchte am liebsten gar nicht mehr aufhören, so lecker ist das Eis. Doch irgendwann mal ist der Becher eben alle, und dann beginnt wieder das Warten darauf, wieder einen Umweg einzuplanen, der - natürlich ganz zufällig - wieder am Kachelöfchen entlangführt. Nur nicht freitags, denn da hat das Öfchen zu, wenn nicht gerade Feiertag ist - und nicht vor elf, denn da schlafen die Eisheiligen noch.

    Ach, noch was: Wenn es stimmt, dass man von der Sauberkeit des "Örtchens" auch auf die Hygiene des gesamten Ladens schließen kann, ist beim Kachelöfchen alles in Butter. Das ist auch wichtig, denn bei Eis dürfen keine Pannen passieren.

    geschrieben für:

    Eiscafés in Heist

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    9.

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    Tikae Also die Bewertung lässt einen nicht kalt und schon gar nicht eiskalt !
    Einfach extra cremig geschrieben .Erna , ich will auch auf nen Stuhl ! :-D
    Ksmichel Äh, was? Steht ihr alle so früh auf? Ich habe den Text doch so spät abends reingestellt, und jetzt finde ich schon so nette Kommentare und ein grünes Fingerglied :-)
    Tikae Ich sach ma. ..wenn es sich lohnt , wird hier auch schon mal echt zeitig an den Start gegangen.
    Und für die Bewertung hat es sich gelohnt. :-)
    alligateuse Also wenn einem da nicht der Sabber die Mundwinkel herunterläuft ... sehr lebensmittelecht beschrieben *g* - Glückwunsch zum GD
    Kulturbeauftragte Pflaumen mit Zimt nur im Notfall und zwar höchstens in der Winterzeit, doch es macht Lust auf mehr! Glückwunsch nachträglich zum gD!


  10. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    3. von 8 Bewertungen


    Angenehmer Empfang, schöne Einrichtung, die Hintergrundmusik dezent gedämpft, und endlich mal nicht die überbordende Karte mit zig Metaxa-, Apollo- und Poseidonplatten. Ausgesuchte, fast schon sachlich anmutende Karte, und Vorspeisen wie Hauptgerichte kommen fein dekoriert und knusprig lecker gewürzt, und das nach wenigen Minuten. Und immer wieder mal werfen die Bedienungen kurz einen schnellen Blick in den Gastraum, ob es denn dem Gast noch an etwas fehlen könnte. Dazu noch ein wenig Smalltalk selbst dem Urlauber gegenüber, der ja auf Dauer kein Stammgast ist. Ich konnte noch beobachten, wie die Bedienung zwei Gäste noch in Fragen wie: "Wo kann ich hier ein Fahrrad leihen?" beriet. Diese höfliche Zugewandheit hat mir gut gefallen.

    geschrieben für:

    Restaurants und Gaststätten / Griechische Restaurants in Ostseebad Binz

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    10.

    Siri der Greco hier ist wirklich gut - dem stimme ich zu.

    allerdings - MUSS man in Binz zum Griechen gehen ??
    ;-)

    ________________________________________
    wie war das futter hier, aus deiner sicht?
    Ksmichel Es war okay, nicht suuuuper, aber auch nicht bloß Durchschnitt. Besonders die Dekoration auf meinem Teller fand ich nett. Und ich -)weiß ja auch nicht, wieso sich in meinem Kopf nach etwa 80 Radkilometern und einigen Fußkilometern plötzlich dieses Bild von einer riesigen Apollo-Platte in meinem Kopf materialisierte :-)