Bewertung von grubmard zu Kantorhaus

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Bewertung zu Kantorhaus

grubmard
Die kleine Stadt Bernau (7 km nordöstlich von Berlin) könnte ein Juwel mittelalterliche Städte in Brandenburg sein, wäre da nicht der 2. Weltkrieg und 40 Jahre Mangelwirtschaft der DDR gewesen.

Beides hat die Stadt einen Großteil seiner historischen Bebauung gekostet. Nur noch wenig aus der Gründerzeit findet man und noch weniger aus dem Mittelalter.

Umso erfreulicher ist es, dass das älteste Wohnhaus erhalten geblieben ist. Es handelt sich um das „Kantorhaus“ im Westteil der Stadt in der Nähe der Stadtmauer.
Der zweigeschossige Fachwerkbau wurde 1582 von Bernauer Ratsherren gestiftet und diente wohl zunächst grundzinspflichten Bürgern (Censiten) als Wohnung. Daher wurde das Haus in frühen Chroniken auch „Censitenhaus“ genannt. Ab 1730 diente das Haus den Kantoren und ab etwa 1790 den Organisten der nahen St. Marienkirche als Dienstwohnung bzw. deren Witwen als Altersruhesitz.
Der Fachwerkbalken zwischen den beiden Etagen trägt eine historische Widmungsinschrift.

Der Bauweise nach waren es ursprünglich 3 kleine Häuser, „Buden“ genannt, die unter einem Dach zusammengefasst waren. Im 18. Jahrhundert reduzierte man auf 2 „Buden“, wovon noch heute die 2 Eingangstüren auf der Straßenseite künden. Auf der Rückseite kann man noch gut die ursprüngliche Dreiteilung des Hauses erkennen. Gut sichtbar ist auf der Rückseite die heute nur noch selten vorhandene Ständerbauweise.

Den 2. Weltkrieg überstand das Haus. Anfang der 1980er Jahr war es aber so baufällig, das entweder Abriss oder umfangreiche Restaurierung zur Debatte standen. Der damalige Rat der Stadt Bernau entschloss sich trotz knapper materieller, finanzieller und personeller Mittel in der DDR zu der sehr aufwendigen Generalsanierung und Restaurierung des historisch wertvollen Hauses.
Nach Abschluss der Arbeiten wurde das Kantorhaus von der Musikschule Bernau genutzt. 2012 erwarb der Kreis Barnim das Haus und setzte es instand. Seither wird es als Trauzimmer und für Ausstellungen genutzt.

Fazit: Schöner historischer Fachwerkbau, der umgeben von Vor- und Nachwendeplattenbauten aber ein wenig deplatziert erscheint.

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