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Neueste Bewertungen für Lützen

  1. Userbewertung: 2 von 5 Sternen

    Das klotzige Kriegerdenkmal des Dorfs Rahna (Sachsen-Anhalt / heute ein Ortsteil von Großgörschen / ca. 15 km südwestlich von Leipzig) steht auf dem kleinen Platz einer Straßenkreuzung.
    Die ca. 3 m hohe rechteckige Säule wurde aus Steinquadern errichtet.
    Würde auf dem Denkmal nicht ein überdimensionaler deutscher Stahlhelm ruhen, würde man nicht unbedingt auf die Idee kommen, dass es sich um das Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs aus dem Dorf handelt.

    Mit den im oberen Teil an den Seiten verwitterten/beschädigten steinernen Trauerkränzen könnte es genauso gut an die Schlacht bei Großgörschen erinnern, die hier in der Gegend zwischen französischen auf der einen und preußisch-russischen Truppen auf der anderen Seite am 2.5.1813 geschlagen wurde.

    Da die DDR ja kaum ein Denkmal mit einem deutschen Stahlhelm für die Opfer des 1. und 2. Weltkriegs errichtet haben dürfte, bleibt nur ein Kriegerdenkmal aus den 1920er Jahren für die Kriegstoten des 1. Weltkriegs.

    Mag sein, dass es früher Inschriften oder Namenstafeln am Denkmal gab. In 40 Jahren DDR sind diese wohl allerdings verloren gegangen und wurden bisher auch nicht ersetzt.

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    Freizeitanlagen / Kultur in Lützen Großgörschen

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    1.
  2. Userbewertung: 2 von 5 Sternen

    Zwar dominiert in Großgörschen (Sachsen-Anhalt / ca. 15 km südwestlich von Leipzig) das in Stein gehauene und in Metall gegossene Gedenken an die Schlacht des Befreiungskriegs von 1813, aber auch ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs gibt es.
    Es steht auf einer parkähnlichen Fläche auf dem Gelände der Scharnhorst-Schule am Rand vom Platz der Deutschen Einheit und ist erst auf den zweiten, genaueren Blick als Kriegerdenkmal zu erkennen.

    Es sieht aus als sie ihm in der Vergangenheit übel mitgespielt worden. Die Steinplatten der Verkleidung machen einen beschädigten Eindruck, Inschriften mit den Namen der Gefallenen sind, falls je vorhanden, wohl verloren gegangen. Ohne es zu wissen, liegt der Verdacht nahe, dass das Denkmal in der DDR abgetragen und irgendwo eingelagert bzw. vergraben und nach der Wiedervereinigung wiedererrichtet wurde.

    Im oberen Teil sind die verwitterten Jahreszahlen 1914 und 1918 sowie ein Eisernes Kreuz zu erkennen.
    Darunter sind Fragmente des floralen Schmuckbandes (Pflanzengirlande, vielleicht auch Eichenlaub – so genau war das nicht mehr zu erkennen) erhalten, dass auf der Front unter dem Eisernen Kreuz vom Relief eines deutschen Stahlhelms unterbrochen wird.

    Fazit: eines der schlechter erhaltenen Denkmäler dieser Art und vielleicht Sinnbild für den Umgang mit solchen Denkmälern im sozialistischen deutschen Staat.

    geschrieben für:

    Freizeitanlagen / Kultur in Lützen Großgörschen

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    2.
  3. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    Das Denkmal für Prinz Leopold v. Hessen-Homburg (Hessen-Homburg-Denkmal) steht auf dem zentralen „Platz der Deutschen Einheit“ in Großgörschen (Sachsen-Anhalt / ca. 15 km südwestlich von Leipzig).

    Warum steht nun gerade hier ein Denkmal für einen hessisch-homburgischen Prinzen?
    Ganz einfach – ihm wurde hier vor über 200 Jahren das Lebenslicht ausgeblasen!

    In und um Großgörschen fand am 2.5.1813 die erste Schlacht des Befreiungskriegs statt.
    145.000 Mann französische Truppen unter dem Kommando von Napoleon Bonaparte (1769-1821 / Kaiser der Franzosen 1804-1814/1815 abgedankt) standen 88.000 Preußen und Russen unter General v. Blücher (Preußen / 1742-1819) und Generalleutnant Graf zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (Russland / 1769-1843) gegenüber. Die Schlacht bei Großgörschen, in Frankreich „Schlacht bei Lützen“ genannt, gewann Napoleon.

    Am Ende des Großkampftags waren 33.500 Soldaten tot oder verwundet.
    Zu den 8.500 gefallenen oder verwundeten Preußen gehörte auch Prinz Leopold v. Hessen-Homburg, der als Offizier im preußischen Korps des Generalmajors Hans Karl Ernst v. Zieten (1770-1848) an der Schlacht teilnahm.

    Da der 1787 als jüngstes von 11 Kindern des Landgrafen Friedrich V. v. Hessen-Homburg (1748-1820 / reg. ab 1751) und dessen Frau, Prinzessin Karoline v. Hessen-Darmstadt (1746-1821) geborene Leopold kaum Aussicht auf die Thronfolge hatte, schlug der junge Prinz einen Weg ein, den viele seiner Standesgenossen gingen: er wurde Offizier.

    Prinz Leopold trat in die preußische Armee ein. Er nahm als Hauptmann an der Schlacht bei Jena und Auerstedt (14.10.1806) gegen Napoleon teil und geriet bei Prenzlau in französische Gefangenschaft.
    Auf Ehrenwort wieder freigelassen, nahm er 1812 aus Protest gegen den französisch-preußischen Beistandspakt seinen Abschied aus der preußischen Armee.
    1813 trat Leopold im Vorfeld des Befreiungskriegs wieder in die Armee ein und wurde im Rang eines Majors dem Stab des preußischen Korps Zieten zugeteilt.

    An der Seite von General v. Zieten nahm der Prinz als Kavallerist am ersten preußischen Sturm auf Großgörschen teil. Die Aufforderung Zieten‘s, sich aus der ersten Kampflinie zurückzuziehen, ignorierte Leopold. Die Angst Zieten‘s um seinen prinzlichen Offizier war nicht unbegründet, wie sich kurz darauf zeigte.
    Leopold wurde durch einen Schuss in den Hals schwer verwundet. Auf Befehl Zieten‘s brachten preußische Husaren Leopold aus dem Dorf, zu retten war er aber nicht mehr.

    Kurze Zeit später verstarb er an der tödlichen Verwundung und wurde zunächst am sogenannten Monarchenhügel südlich von Großgörschen begraben.
    Napoleon, der ihn irrtümlich für den preußischen Generalmajor Herzog Karl zu Mecklenburg (1785-1837) hielt, ließ ihn exhumieren und mit militärischen Ehren auf dem Kirchhof von Pegau (7 km südöstlich von Großgörschen) beisetzen.

    Während des Waffenstillstands von Pläswitz (ab 4.6.1813) ließ die landgräfliche Familie den Leichnam heimlich ausgraben und nach Schloss Homburg vor der Höhe bringen. Hier hat Leopold dann in der Gruft der Landgrafen von Hessen-Homburg seine letzte Ruhe gefunden.

    1815 beauftragte Leopold‘s Schwester, Prinzessin Maria Anna v. Hessen-Homburg (1785-1846 / seit 1804 verheiratet mit Prinz Wilhelm v. Preußen (1783-1851)) den preußischen Baumeister und Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) mit dem Entwurf eines Denkmals für ihren Bruder.

    Das gusseiserne Denkmal ist ein typisches neogotisches Schinkelwerk und erinnert an ein Grabmal: auf einem mehrstufigem Sockel steht der mehrere Meter hohe gusseiserne Baldachin. In der Mitte ist dann das ebenfalls gusseieserne Gedenkkreuz mit der Inschrift:
    „Hier starb den Tod der Ehre für Gott und Vaterland in der Schlacht den 2. Mai 1813, Leopold Victor Friedrich Prinz zu Hessen-Homburg, geboren den 10. Februar 1787".
    Das am 12.10.1817 eingeweihte Denkmal steht ungefähr an der Stelle, an der der Prinz tödlich verwundet wurde.

    Leider haben gusseiserne Denkmäler einen entscheidenden Nachteil: sie rosten, vor allem, wenn man sie nicht hegt und pflegt.
    Das Großgörschener Hessen-Homburg-Denkmal ereilte auch dieses Schicksal. Da von der DDR nichts zum Erhalt des Denkmal unternommen wurde, rostete es von innen durch. 1973 war die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet und die DDR-Behörden ließen es 1973/74 ersatzlos abreißen.

    Erst 1996 fasste der Gemeinderat den Beschluss, dass Denkmal wiederzuerrichten. Da die Originalpläne Schinkels noch existieren, konnte ein Neuguss des Denkmals angefertigt werden.
    Die Einweihung fand am 2.5.1999 aus Anlass des 186. Todestags des Prinzen und Jahrestags der Schlacht bei Großgörschen statt.

    Zwar ein Prinz … aber doch nur ein junger Mann von 26 Jahren , der in einem sinnlosen Krieg viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde!

    Fazit: Imposantes Denkmal in der an der an Denkmälern zur Schlacht von Großgörschen nicht gerade armen Gegend.

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    Freizeitanlagen / Kultur in Lützen Großgörschen

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    Ein golocal Nutzer Eine schöne Führung durch die Vergangenheit. Mit bitteren Ende, so wie alle Kriegshandlungen . Zusatz -mit 26 Jahren sterben müssen, für mich ist das nicht normal . Alles andere steht zum Nachlesen in der Bewertung!
    Konzentrat Danke für den Historienbericht.
    Fragt sich nun, darf das Denkmal stehen bleiben oder wird es dem neuartigen "Fällt die Statue"-Virus geopfert ?
    Jolly Roger Es gibt Menschen, die können mit der Deutschen Geschichte nicht umgehen.

    Lasst sie doch stehen die Bismarcks, Marcks, Engels, Kersten Miles, Till Eulenspiegel, Hummel Hummel, Zitronenjette und alle, die ich hier nicht aufgeführt habe.
    grubmard PS: Von Bilderstürmerei halte ich im Prinzip überhaupt nichts - egal ob hier oder anderswo.
    Die NS-Zeit und NS-Persönlichkeiten verherrlichende Denkmäler sind davon allerdings ausgenommen.
    FalkdS Jolly, die von grubmard genannten Einschränkungen bezüglich des Erhaltungsausschlusses von eisernen oder steinernen oder was auch immer für personifizierten Denkmalen aus der NS-Zeit halte ich für wichtig.
    Jolly Roger Herr Grubmard, 1870/71 bezog sich auf: Zitat

    Mit bitteren Ende, so wie alle Kriegshandlungen.

    Soll deine Rezension, wo hast du die her, nicht schmälern.
    grubmard Habe ich mit unsichtbarer Tinte geschrieben?
    Das angebliche Zitat kann ich nirgends entdecken.
    Und wo ich die Rezension her habe?
    Alles selbst ausgedacht, außer die Denkmalwidmung - die habe ich ganz allein vom Denkmalkreuz abgeschrieben!
    grubmard Als wenn ich jetzt anfange, Kommentare danach zu filtern, wo sie was zitieren.
    Da weiß ich mit meiner Zeit wirklich besseres anzufangen.

    Bei dem Kommentar von Exempel habe ich mir einmalig die Mühe gemacht. Google kann kein entsprechendes Zitat finden.
    Ein golocal Nutzer Habe das gerade gefunden- Ist wohl irgendwie - naja. Bei mir sind alle Kriegshandlungen bitter. Da brauche ich keine Zitate suchen. Und nur das habe ich geschrieben - das ist alles.
    Und deutsche Geschichte und Zukunft erlebe ich noch immer. (Ohne Zitate-wenn ich diese anwende, kennzeichne ich sie " ". Ein langes Leben vermittelt viele Erfahrungen. Es ist nun einmal so!)

    3.
  4. Userbewertung: 2 von 5 Sternen

    Der historische Gasthof „Zum weißen Schwan“ gehört zu den ältesten Profangebäuden in Rippach (Sachsen-Anhalt / ca. 20 km südwestlich von Leipzig).

    Einen Gasthof gab es an dieser Stelle bereits seit 1541. Auch dieser Gasthof hatte schon illustre Gäste:
    1632 weilten hier im 30jährigen Krieg (1618-1648) vor der Schlacht bei Lützen (16.11.1632) der kaiserliche Feldherr Albrecht v. Wallenstein (1583-1634 ermordet) und sein General Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim (1594-1632 tödlich verwundet).
    Auch der preußische König Friedrich II. legte im 7jährigen Krieg (1756-1763) vor der Schlacht bei Roßbach (5.11.1757) im alten Gasthof eine Pause ein.

    Der heutige Gasthof wurde 1733 als Post- und Ausspannstation mit Gastwirtschaft an der alten Poststraße Weißenfels-Leipzig im damals noch kursächsischen Amt Pegau erbaut.
    Tausende Reisende und Gäste hat der Gasthof in den über 280 Jahren seiner Existenz erlebt. Einer von ihnen war 1793 der Dichter Heinrich v. Kleist (1777-1811). Und Johann Wolfgang v. Goethe (1749-1832), der hier mehrmals verweilte, widmete dem Gasthof einige Worte in seiner Tragödie „Faust I“:
    „Ihr seid wohl spät von Rippach aufgebrochen? Habt ihr mit Herrn Hans noch erst zur Nacht gespeist?“
    Dieses Zitat ist auf einer Tafel an einer Wand des Gasthofs nachzulesen.
    Außerdem ist hier noch ein alter kursächsischer Grenzstein mit den Jahreszahlen 1625 und 1733 eingemauert.

    Auch ein Hauch Weltgeschichte umweht den Gasthof. Am 1.5.1813, dem Tag vor der Schlacht bei Großgörschen zwischen Franzosen und ihren Verbündeten auf der einen und einer preußisch-russischen Armee auf der anderen Seite, übernachtete der französische Kaiser Napoleon Bonaparte (1769-1821 / Kaiser der Franzosen von 1804-1814 sowie 1815) im „Weißen Schwan“.

    Ob der am selben Tag ca. 300m nordöstlich vom Gasthof bei einem Erkundungsritt tödlich verwundete französische Marschall Jean-Baptiste Bessières (1768-1813) auch in den Gasthof gebracht wurde, konnte ich nicht ermitteln, aber die Vermutung liegt nahe, denn am Gasthof ist auch eine Gedenktafel in französischer Sprache angebracht.
    Auf ihr sind die Lebensdaten, Titel und einige hohe Auszeichnungen des Marschalls vermerkt.
    Die Gedenkworte Napoleons auf der Tafel „Er lebte wie Bayard“ und „Er starb wie Turenne“ beziehen sich auf 2 Personen der französischen Militärgeschichte:

    Pierre de Terrail, Chevalier (Ritter) de Bayard (1476-1524) diente unter 3 Königen von Frankreich: Charles VIII. (1470-1498 tödlicher Unfall / König ab 1483), Louis XII. (1462-1515 / König ab 1498) und Francois I. (1494-1547 / König ab 1515).
    Er zeichnete sich als Kämpfer und Feldherr aus. Für seine Verdienste wurde er von König Francois I. noch auf dem Schlachtfeld in der Schlacht bei Marignano (heute Melegnano / Italien-Lombardei) am 13. und 14.9.1515 zum Ritter geschlagen. Er wurde bei der Verteidigung des Sesia-Übergangs bei Gattinara (Italien – Piemont) von einer Arkebusenkugel tödlich verwundet. Terrail galt als letzter Ritter Frankreichs und als „Ritter ohne Furcht und Tadel“ – einen Titel, den der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes (1547-1616) später für seinen Romanhelden „Don Quijote“ übernahm.

    Henri de La Tour d’Auvergne, Vicomte (Vizegraf) de Turenne (1611-1676) gilt als einer der hervorragendsten Feldherren Frankreichs. Er brachte es bis zum Marschall von Frankreich und zum Maréchal général des camps et armées du roi (Generalmarschall der Feldlager und Armeen des Königs), dem höchsten militärischen Titel, der im königlichen Frankreich insgesamt nur 7x verliehen wurde.
    Wie Bessières wurde auch Turenne bei einem Erkundungsritt getötet. Am 27.7.1675 wurde er vor der Schlacht bei Sasbach (Baden-Württemberg) von einer Kanonenkugel in die Brust getroffen und tödlich verwundet.

    Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege verlor Sachsen das Gebiet und Rippach wurde 1815 auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugesprochen.
    Mit dem Ende des Postkutschendienstes im 19. Jahrhundert wurde aus der Post- und Ausspannstation im Laufe der Zeit ein reiner Gasthof mit Übernachtungsmöglichkeit.
    In der DDR gehörte Rippach zum Bezirk Halle/Saale und seit der Wiedervereinigung zu Sachsen-Anhalt.

    Die Kriege Napoleons, 2 Weltkriege und 40 Jahre DDR überstand der alte Gasthof mit laufendem Betrieb. Nach 1990 kam langsam das Aus. Über 200 Jahre waren nicht spurlos an den Gebäuden vorbei gegangen, zumal in der DDR vermutlich nicht viel oder nicht genug zum Erhalt beigetragen wurde.

    Bis etwa 2015 oder 2016 war der „Weiße Schwan“ eine beliebte Gaststätte. Fortschreitender Verfall der Bausubstanz führte dann aber zur Schließung.
    Schon von der Straße sieht man dem Gebäude den maroden Zustand an. Laut Internet sind Teile des Gasthofs mittlerweile eingestürzt oder abgerissen.

    Der komplette Abriss wird wohl nur durch den gleich zweifachen Eintrag in der Landesdenkmalliste von Sachsen-Anhalt verhindert: Einmal als einzelnes Baudenkmal und einmal als Bestandteil des Denkmalbereichs Leipziger Straße.

    Auf den Gasthof bin ich nur durch Zufall auf der Suche nach dem Bessières-Denkmal aufmerksam geworden. Die Gedenktafeln und ein ziemlich dilettantisches Wandbild, dass wohl Napoleon darstellen soll, weckten meine Neugier. Der Schlussstein des alten Eingangsportals trägt die Jahreszahl 1676 und den Buchstaben „K“. Darüber ist ein Relief mit dem namensgebenden Vogel angebracht.
    Eine Info zum Haus vor Ort gibt es nicht.

    Fazit: wenn man in Rippach ist, kann mal mal kurz anhalten, schauen und sich vom Hauch der Geschichte umwehen lassen.
    Schade dass das alte Gebäude scheinbar dem Verfall preisgegeben ist.

    geschrieben für:

    Freizeitanlagen in Lützen Rippach

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    grubmard @Schroeder: manches fahre ich gezielt an, vieles sind allerdings "Zufallsfunde" während der Touren. So auch der Gasthof. Hätte ich mich auf der Suche nach dem Bessieres-Denkmal nicht in Rippach verfahren (ja man kann sich dort verfahren!), wäre mir der Gasthof durch die Lappen gegangen.

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    4.
  5. Userbewertung: 3 von 5 Sternen

    Das Dorf Kleingörschen (Sachsen-Anhalt / heute ein Ortsteil von Großgörschen / ca. 15 km südwestlich von Leipzig) hat eigentlich nicht viel zu bieten: Einzige Sehenswürdigkeiten sind eigentlich die Dorfkirche mit Kirchhof/Friedhof und dem Liebknecht-Grab von 1813.

    Liebknecht-Grab und Kleingörschen – das passt aber nicht, werden jetzt Einige sagen. Der ist doch in Berlin begraben. Stimmt – gemeint ist auch nicht der 1919 ermordete Sozialistenführer Karl Liebknecht (1871-1919). Auch sein Vater, das SPD-Gründungsmitglied Wilhelm Liebknecht (1826-1900), ist nicht gemeint.
    Gemeint ist das Grab des blutjungen hessischen Offiziers Franz Wilhelm Liebknecht, der laut Nachforschungen der DDR ein Onkel von Wilhelm und ein Großonkel von Karl Liebknecht gewesen sein könnte.

    Das Liebknecht-Grab ist ein Relikt der Schlacht bei Großgörschen vom 2.5.1813, zu deren Schlachtfeld auch das damals noch sächsische Kleingörschen gehörte. Die Schlacht, von den Franzosen „Schlacht bei Lützen“ genannt, zwischen 145.000 Mann französischer Truppen unter dem Kommando von Napoleon Bonaparte (1769-1821 / Kaiser der Franzosen 1804-1814/1815 abgedankt) und 88.000 Preußen und Russen unter General v. Blücher (Preußen / 1742-1819) und Generalleutnant Graf zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (Russland / 1769-1843) war die erste große Feldschlacht des Befreiungskriegs von 1813.

    Das blutige Ringen forderte damals 33.500 Tote und Verwundete auf beiden Seiten und endete mit dem Sieg der Franzosen.
    Die meisten Toten der Schlacht ruhen bis heute in längst vergessenen Massengräbern, vermutlich unter Feldern und Wiesen des einstigen Schlachtfelds.
    Nur in Großgörschen gibt es am Scharnhorst-Denkmal ein kleines Massengrab für ein paar Gefallene, die man 1972 bei Bauarbeiten fand und in das Grab am Denkmal umbettete.
    Und es gibt als einzelnes Kriegsgrab das sogenannte Liebknecht-Grab auf dem Kirchhof/Friedhof von Kleingörschen.
    Manchmal wurden gefallene Offiziere damals durch ihre Familien in heimatliche Gefilde überführt oder auf örtlichen Friedhöfen des Schlachtfelds beigesetzt.
    Ob das Liebknecht-Grab von seiner Familie oder eventuell von seinem Regiment angelegt wurde, ist nicht überliefert

    Der hier bestattete Franz Wilhelm Liebknecht wurde am 3.7.1795 in Gießen (damals Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, seit 1806 Großherzogtum Hessen) geboren.
    Dank seines frühen Todes auf dem Schlachtfeld von Großgörschen und seinem erhaltenen Grab in Kleingörschen hat sich eine winzig kleine Lebensspur des jungen Mannes erhalten.

    Vermutlich absolvierte er erfolgreich eine Schulausbildung bevor er am 16.5.1810 als Fahnenjunker 15jährig in das „Leib-Garde-Regiment“ des Großherzogs v. Hessen eintrat. Dieser 1621 aufgestellte hessische Verband war bis zu seiner Auflösung 1919 das älteste aktive deutsche Regiment.
    Am 13.1.1813 erhielt Liebknecht als Secondeleutnant (Unterleutnant) sein Offizierspatent.

    Da sich sein Landesherr Landgraf Ludwig X. v. Hessen-Darmstadt (1753-1830 / regierender Landgraf ab 1790) am 13.8.1806 dem mit Frankreich verbündeten Rheinbund anschloss, wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt durch Napoleon‘s Gnade und zum Dank zum Großherzogtum Hessen erhöht und aus dem Landgrafen wurde Großherzog Ludwig I. v. Hessen.
    Der Preis für die Standeserhöhung war hoch. Hessen musste für Frankreich Bündnistruppen stellen, die auf Seiten der Franzosen zu kämpfen hatten. Beim Russlandfeldzug von 1812 wurden die dort eingesetzten hessischen Truppen de facto völlig vernichtet.

    Auch im Befreiungskrieg von 1813 standen die Hessen weiter an Napoleon Seite und so fand sich der Secondeleutnant Franz Wilhelm Liebknecht am 2.5.1813 auf dem Schlachtfeld von Großgörschen im Kampf an der Seite der Franzosen gegen Preußen und Russen wieder.
    Die Hessen unter dem Kommando des erst 23jährigen Prinzen Emil v. Hessen und bei Rhein (1790-1856) wurden zusammen mit Soldaten anderer deutscher Rheinbundstaaten in der französischen Division von General Jean Gabriel Marchand (1765-1851) eingesetzt.
    Bei den Kämpfen um Kleingörschen und Großgörschen fielen 35 hessische Soldaten, unter ihnen der erst 17jährige Unterleutnant Liebknecht.

    Das solch junge Menschen damals auf den Schlachtfeldern starben, war keineswegs ungewöhnlich. Gerade Offiziersanwärter traten schon als Jugendliche in die Streitkräfte ein. Oder man denke an die unzähligen namenlosen Trommlerjungs, die in der Linieninfanterie mitmarschierten und mit ihren Trommeln den Schritttakt für die vorrückenden Soldaten im Gefecht vorgaben.

    In späteren Jahren wurde dann das heute noch erhaltene einfache Grabmal auf der Nordseite der Kirche aufgestellt:
    Die Inschrift des sonst schlichten und schmucklosen hohen Steins auf einer größeren, mit Steinplatten bedeckten Fläche, lautet:
    „Hier ruht in Gott der Großherzoglich Hessische Secondeltn. v. Leibregiment
    Franz Wilhelm Liebknecht
    geb. d. 3. Juli 1795 z. Gießen
    gefallen in der Schlacht bei Gr. Görschen d. 2. Mai 1813“

    Fazit: einer von mehreren Gedenkorten auf dem Gebiet des einstigen Schlachtfelds von 1813 in und um Großgörschen und Beispiel für ein Grabmal aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

    geschrieben für:

    Friedhof in Lützen Kleingörschen

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    Ein golocal Nutzer Danke für Deine Geschichtliche Führung. ----Und zum verdienten Geschichts Daumen Glückwunsch!
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    Sedina "Dies ist die Geschichte, wie wir den armen geschundenen Leichnam von Bwana Grubmi durch Sachsen-Anhalt trugen, damit er über das Müggelmeer gesegelt und in seinem eigenen Land begraben werden konnte“
    (frei nach Petina Gappahs Bericht über Livingstones letzte Reise, er hatte in Afrika nach den Quellen des Nils gesucht)
    Ganz liebe Glückwünsche zur Bewertung der Woche!
    Sedina Vielleicht, lieber grubmard, es ist eine christlich/heidnische Geschichte von Pflichtbewusstsein, Menschenliebe und Treue - und selbstverständlich auch Irrungen. Trotzdem befürchte ich, dass der europäische Zeitgeist verhindern wird, dass es Dir so ergeht, wie "Daudi" dem Doktor David Livingstone.
    Der deutsche Titel der romanhaften Erzählung lautet übrigens "Aus der Dunkelheit strahlendes Licht".
    Sedina Hatte ich schon oben geschrieben und hier deswegen ausgelassen:
    Petina Gappah, eine afrikanische Schriftstellerin, ISBN 978-3-10-397449-2
    Eher keine Nibelungensage, eher selbstverständliches Alltagsheldentum der einfachen Leute. Geschrieben in einfacher langsamer Sprache. Man muss sich hereinfinden.

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  6. Userbewertung: 3 von 5 Sternen

    Das Dorf Rahna (Sachsen-Anhalt / heute ein Ortsteil von Großgörschen / ca. 15 km südwestlich von Leipzig) hat eigentlich nicht viel zu bieten. Auf der Suche nach dem Berger-Grab von 1813 ist mir nur noch ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs aufgefallen.

    Das Berger-Grab ist ein Relikt der Schlacht bei Großgörschen vom 2.5.1813, zu deren Schlachtfeld auch das damals noch sächsische Rahna gehörte. Die Schlacht, von den Franzosen „Schlacht bei Lützen“ genannt, zwischen 145.000 Mann französischer Truppen unter dem Kommando von Napoleon Bonaparte (1769-1821 / Kaiser der Franzosen 1804-1814/1815 abgedankt) und 88.000 Preußen und Russen unter General v. Blücher (Preußen / 1742-1819) und Generalleutnant Graf zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (Russland / 1769-1843) war die erste große Feldschlacht des Befreiungskriegs von 1813.

    Das blutige Ringen forderte damals 33.500 Tote und Verwundete auf beiden Seiten.
    Die meisten Toten der Schlacht ruhen bis heute in längst vergessenen Massengräbern, vermutlich unter Feldern und Wiesen des einstigen Schlachtfelds.
    Nur in Großgörschen gibt es am Scharnhorst-Denkmal ein kleines Massengrab für ein paar Gefallene, die man 1972 bei Bauarbeiten fand und in das Grab am Denkmal umbettete.

    Und es gibt als einzelnes Kriegsgrab das sogenannte Berger-Grab in Rahna.
    Dieses Grab hat ein Alleinstellungsmerkmal: es soll das einzige erhaltene Einzelgrab eines gefallenen einfachen Soldaten aus der Zeit des Befreiungskriegs sein, zumindest in Deutschland.
    Da sich das Grab über 170 Jahre auf einem Privatgrundstück befand, blieb es die ganze Zeit erhalten.

    Der hier bestattete Christian Gottlieb Berger wurde am 30.1.1787 im preußischen Breslau (heute Wroclaw / Polen) geboren. Er hatte bereits eine beeindruckende Lebensgeschichte hinter sich und hätte sicher eine erfolgreiche Zukunft vor sich gehabt, wenn der Krieg gegen die Franzosen die Weichen des Lebenswegs nicht anders gestellt hätte.

    Nach Schulausbildung und einem Jurastudium ab 1805 in Halle/Saale begann er sich der Naturkunde zu widmen und bereiste mehrere europäische Länder, auf denen er naturkundliche Sammlungen anlegte.
    1813 folgte er einem Aufruf von König Friedrich Wilhelm III. v. Preußen (1770-1840 / König seit 1797) zur Bildung freiwilliger Jäger-Detachements und trat als Freiwilliger in das Detachement des preußischen Garde-Jäger-Bataillons (1808-1919) ein.
    Dieses Bataillon gehörte zu den preußischen Truppen, die in der Schlacht bei Großgörschen zum Einsatz kamen. Nach Zeitzeugenberichten fiel Berger beim Angriff seiner Einheit auf das Dorf Rahna am 2.5.1813 gegen 16 Uhr durch einen Schuss in die Stirn.

    Später nach der Schlacht fand August Gottlieb Lübberts, ein Verwandter, den Gefallenen auf dem Gefechtsfeld.
    Lübberts gab dem Dorfmusikus und Bauern Schumann aus Rahna eine große Geldsumme, damit dieser Berger bestattete und das Grab in Zukunft pflegte.
    Schumann sagte zu und begrub Ch.G. Berger in seinem Garten. Später wurde noch ein Grabstein aufgestellt. Auch die nachfolgenden Hofbesitzer bewahrten das Grab auf ihrem Grund und Boden.

    Nach über 170 Jahren war der Grabstein allerdings schwer in Mitleidenschaft gezogen und die Inschrift kaum noch zu lesen. 1989 wurde das Grabmal durch die Gesellschaft für Denkmalpflege im Kulturbund der DDR restauriert und wenige Meter vom Grab entfernt außerhalb des Privatgrundstücks wiedererrichtet.

    Es war jedoch ein unerträglicher Zustand, dass Grab und Grabstein nun räumlich getrennt waren. Daher wurde vom Verein „Lützowsches Freikorps 1813 Gendarmerieposten Körnerhaus“ aus Leipzig das Grab nach der Versetzung des Grabdenkmals geöffnet, das vollständig erhaltene Skelett Berger‘s exhumiert und am Grabdenkmal neu bestattet.

    Der von einer Kanonenkugel gekrönte Grabstein trägt die ursprüngliche Inschrift:
    „C.G. Berger aus Breslau starb für sein Vaterland am 2. Mai 1813“
    Das Grab ist als große Einzelgrabstelle gehalten und mit anspruchslosen Pflanzen bepflanzt.

    Zu finden ist es nicht ganz einfach, denn der hölzerne Wegweiser am Straßenrand steht mitten in hohem Unkraut und die Inschrift „Bergergrab 1813“ ist kaum noch zu lesen.
    Von der Kreuzung L184 / Zum Silberberg / Bergerstraße kommend hält man am besten am linken Straßenrand auf Höhe der ersten Häuser (rechts) von Rahna.
    Hinter dem Grundstück Bergerstraße 2 führt ein unbefestigter Weg in westlicher Richtung an der Grundstücksgrenze zum ca. 50 m von der Straße entfernten Grab.

    Fazit: Sicher kein Touristenhotspot, mehr was für Schlachtfeldtouristen und geschichtlich Interessierte.

    geschrieben für:

    Friedhof in Lützen Großgörschen

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  7. Userbewertung: 2 von 5 Sternen

    Der Monarchenhügel liegt ca. 2400 m südlich von Großgörschen (ca. 15 km südwestlich von Leipzig in Sachsen-Anhalt) am westlichen Rand der verlängerten Scharnhorststraße, an der Grenze von Sachsen-Anhalt zu Sachsen.
    Einen Hinweis an der Straße gibt es nicht – man muss eben nach einem Hügel am Straßenrand schauen. Parken kann man auf einem unbefestigten Fahrweg neben dem Hügel.

    Den Namen „Monarchenhügel“ trägt die Erhebung seit 1813. Eigentlich handelt es sich um ein ca. 7000 Jahre altes jungsteinzeitliches Hügelgrab.
    Am 2.5.1813 fand hier und in der weiteren Umgebung die erste Schlacht des Befreiungskriegs, die Schlacht bei Großgörschen (von den Franzosen „Schlacht bei Lützen“ genannt) zwischen 145.000 Mann französischer Truppen unter dem Kommando von Napoleon Bonaparte (1769-1821 / Kaiser der Franzosen 1804-1814/1815 abgedankt) und 88.000 Preußen und Russen unter General v. Blücher (Preußen / 1742-1819) und Generalleutnant Graf zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (Russland / 1769-1843) statt.

    Auch die Monarchen Preußens und Russlands verfolgten aus der Ferne das Gemetzel, das 33.500 Tote und Verwundete forderte.
    Aus Mangel an einem wirklichen Feldherrenhügel wählten König Friedrich Wilhelm III. v. Preußen (1770-1840 / König ab 1797) und Zar Alexander I. v. Russland (1777-1825 / Zar ab 1801) das Hügelgrab als Aussichtspunkt.

    Die ursprünglich zum Königreich Sachsen gehörende Gegend wurde im Wiener Kongress von 1815 Preußen zugesprochen. Die Bevölkerung beeilte sich, dem neuen Landesherren zu huldigen und errichtete noch im selben Jahr den heute noch erhaltenen Huldigungsstein.
    Als Standort wählte man den Monarchenhügel – wenn der neue Landesherr doch an dieser Stelle schon mal im Lande gewesen war:
    „Unserem guten König Friedrich Wilhelm III. welcher sich am 2. May 1813 am Tage der Schlacht hier anwesend befand gewidmet am Huldigungstage dem 5. August 1815 von der Gemeinde Großgörschen“.

    1817 ließ Friedrich Wilhelm III. auf Schlachtfeldern des Befreiungskriegs Denkmäler für die preußischen Gefallenen nach Entwürfen des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) errichten. Diese sogenannten „Schinkel-Pyramiden“ aus Eisenguss stehen ua. auch in Großbeeren bei Berlin und Niedergörsdorf (Schlacht bei Dennewitz).

    Die Großgörschener Pyramide wurde auf dem Monarchenhügel errichtet. Neben dem Hügel ließ der König ein Haus errichten, in dem ein preußischer Armeeveteran wohnte, der sich um die Pflege der Denkmalanlage kümmerte. Auf alten Postkarten ist das Haus noch zu sehen. Irgendwann im 20. Jahrhundert wurde es abgerissen
    Nach über 160 Jahren war das eiserne Denkmal dann so schwer geschädigt, dass es 1985 schließlich abgebaut werden musste. Außerdem war der Monarchenhügel von der Abbaggerung durch den Braunkohlentagebau Profen akut bedroht.
    Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der Braunkohleabbau in Profen-Nord 1991 eingestellt – keine 400 m vom Monarchenhügel entfernt.

    Die Schinkel-Pyramide wurde vom DDR-Denkmalschutz restauriert und dann neben dem Scharnhorst-Denkmal in Großgörschen aufgestellt, da der Monarchenhügel zu dieser Zeit ja noch vom Tagebau bedroht war.

    Auf dem Monarchenhügel blieb lediglich der Denkmalsockel stehen, auf dem eine Steinplatte Auskunft über das Schicksal des Denkmals gibt.

    Fazit: ein wirkliches touristisches Highlight ist der Monarchenhügel nicht. Man kann den Huldigungsstein anschauen und den Hügel erklimmen, wie einst schon König und Zar.
    Mehr was für eingefleischte Historienfans der napoleonischen Kriege.

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    Freizeitanlagen / Kultur in Lützen Großgörschen

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    Sedina 33.000 Tote und kein Hinweis an der Straße....
    Danke für den Bericht und Glückwunsch zum Grünen Daumen!
    grubmard Wie auch auf dem einstigen Schlachtfeld bei Jena und Auerstedt gibt es in und um Großgörschen zahlreiche Gedenkorte.
    Soldatenfriedhöfe wie wir sie seit dem 1. Weltkrieg kennen, waren wohl Anfang des 19. Jahrhunderts unüblich.
    Man hat die oft tausenden Tote der Schlachten in heute meist nicht mehr bekannten Massengräbern auf dem Schlachtfeld verscharrt.
    Für die Schlacht bei Großgörschen sind mir bloß 2 Einzelgräber und ein kleines Massengrab für 8 Tote bekannt - also 10 bekannte Grabstellen.
    Die Zahl 33.500 bezieht sich auf Tote UND Verwundete.
    ubier Ein “Huldigungsstein” wäre doch noch eine tolle Golocal-Trophäe. Für die 1000. Polster-Aktuell-Bewertung oder so...
    Sedina Sag mal Schroeder, kann es sein, dass Du heute an andere schärfere Maßstäbe anlegst, als an Dich selbst? Lies Dir mal morgen Deine heutigen Kommentare nicht nur zu dieser Location in Ruhe durch.
    grubmard Tut mir leid, wenn Tote zu Briketts verartikuliert werden ist meine Goldwaage überlastet, da ändert dann auch der Papst nichts dran.

    Gerade mit Blick auf den gestrigen Tag ….
    Sedina Wer schreibt denn jetzt mal einen Bericht über die Knochenmühle von Verdun, damit wir über die mehr als 300.000 Toten wieder einen so "lustigen" Kommentarstrang bekommen....
    Ich empfinde es als beklemmend, was hier abgeht.
    LUT Die Geschichtsstunde finde ich klasse, lieber grubmard.

    Beim Kommentarstrang bin ich auf halber Strecke ausgestiegen...
    spreesurfer Wenigstens weiß ich jetzt eines: Die Bewertungen und Kommentare von grubmard kann ich bedenkenlos liken, die manch anderer nicht!!!!
    Papa Uhu + Theo Logik zu folgen, ist sicherlich nicht verkehrt...
    und egal, wer, wann und wie verheizt wurde - eine Frage, die nur in der Zukunft Bedeutung bekäme... wenn, ja wenn man daraus lernen würde...

    und Schmalz Spreesurfer, iss dem nun wahrlich nicht gut getan!

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    Die große Anlage des Scharnhorst-Denkmals in Großgörschen (ca. 15 km südwestlich von Leipzig in Sachsen-Anhalt) befindet sich am nördlichen Ortsrand an der Einmündung der L184 in die Scharnhorststraße.

    Warum ein so monumentales Denkmal für den preußischen General ausgerechnet in Großgörschen?
    In und um Großgörschen fand am 2.5.1813 die erste Schlacht des Befreiungskriegs statt.
    145.000 Mann französische Truppen unter dem Kommando von Napoleon Bonaparte (1769-1821 / Kaiser der Franzosen 1804-1814/1815 abgedankt) standen 88.000 Preußen und Russen unter General v. Blücher (Preußen / 1742-1819) und Generalleutnant Graf zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (Russland / 1769-1843) gegenüber. Die Schlacht bei Großgörschen, in Frankreich „Schlacht bei Lützen“ genannt, gewann Napoleon.

    Am Ende des Großkampftags waren 33.500 Soldaten tot oder verwundet.
    Zu den 8.500 gefallenen oder verwundeten Preußen gehörte auch Generalleutnant v. Scharnhorst, der als Generalstabschef der preußischen Schlesischen Armee Blücher‘s maßgeblichen Einfluss auf die Truppenführung von Preußen und Russen in der Schlacht hatte. Da damals Heerführer und Generäle noch unmittelbar am Kampfgeschehen teilnahmen, blieben Verluste und Blessuren nicht aus. Scharnhorst wurde durch einen Schuss ins linke Knie verwundet.

    Anfang des 19. Jahrhunderts waren die medizinischen Möglichkeiten noch sehr beschränkt. Außerdem zeigte sich Scharnhorst eigenermaßen unvernünftig und trat trotz Verwundung eine Reise zu Verhandlungen mit den Österreichern in Wien an. Dort kam er aber nie an. Am 28.6.1813 starb er an Wundbrand in Prag.

    Das Denkmal wurde zum 100. Jahrestag der Schlacht am 2.5.1913 eingeweiht. Initiatoren waren weder das preußische Militär noch das preußische Königshaus, sondern die auf dem Schlachtfeld liegenden Gemeinden Großgörschen, Kleingörschen, Rahna und Kaja, die in Vorbereitung der 100-Jahr-Feier zu einer reichsweiten Spendenaktion für ein Denkmal aufriefen.

    Entworfen und errichtet wurde das 10 m hohe Denkmal zu Ehren des in der Schlacht verwundeten Scharnhorst vom Bildhauer Paul Juckoff (1874-1936).
    Im Zentrum steht ein Steinsockel, auf dem ein riesiger steinerner preußischer Adler mit leicht angelegten Flügeln hockt, der in Richtung Völkerschlacht-Denkmal Leipzig schaut. Die Vorderseite des Sockels schmückt ein Bronzemedaillon mit dem Bildnis von Gerhard v. Scharnhorst, darunter der Name „Scharnhorst“ in großen vergoldeten Buchstaben.

    Auf der Rückseite sind auf einer Kupfertafel unter der Widmung:
    „Bei Grossgörschen kämpften tapfer“ die beteiligten preußischen Regimenter aufgelistet sind.
    Darunter befindet sich der Schriftzug: „Errichtet am 2. Mai 1913“.
    An den Seiten des Sockels zeigen helle, rechteckige Stellen, dass dort weitere Tafeln angebracht waren. Bei der Umgestaltung des Denkmals 1975 durch die DDR brachte man hier Gedenktafeln für die in der Schlacht beteiligten russischen Truppen an. Im Zuge der Restaurierung nach 1990 wurden diese Tafeln entfernt und der Originalzustand des Denkmals wiederhergestellt.

    Vor dem Denkmal befinden sich rechts und links des Wegs je eine steinerne Bank, die Scharnhorst’s Wahlspruch „Ziel erkannt – Kräfte gespannt“ tragen. An jeder Bank befinden sich je 6 Kupfertafeln, die jeweils eine wichtige Lebensstation von Scharnhorst verzeichnen.

    Seit 1972 ist die Denkmalanlage auch Friedhof. Trotz der tausenden Toten, die die Schlacht forderte, finden sich keine Soldatenfriedhöfe. Damals wurden die Gefallenen in meist nicht gekennzeichneten Massengräbern auf den Schlachtfeldern begraben bzw. verscharrt. So wird es auch in und um Großgörschen sein. Vermutlich pflanzen die Bauern heute wieder Getreide und Gemüse auf den Feldern über den Gräbern an oder die Kühe weiden darauf.
    Bei Bauarbeiten fand man 1972 in Großgörschen die sterblichen Überreste von 8 unbekannten Soldaten, die man auf dem Rasenrand hinter dem Denkmal beisetzte. Das Grab ist mit einer rötlichen Steinplatte mit der Inschrift: „Hier wurden sterblichen Überreste von Soldaten des 2. Mai 1813 beigesetzt“ markiert.

    Da Scharnhorst in der DDR als fortschrittlicher Militärreformer und „Erfinder“ eines „Volksheeres“ gut gelitten war und damit in die Traditionslinie des Arbeiter- und Bauern-Staates passte (es gab z.B. einen Scharnhorst-Orden), überdauerte das Denkmal die DDR Zeit – trotz Preußen-Adler.

    Gerhard v. Scharnhorst:
    Er wurde 1755 als Sohn einer kleinbäuerlichen Familie in Bordenau bei Hannover geboren. Seine militärischen Laufbahn begann er 1773 als Schüler der Kriegsschule des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe (1724-1777 / Regent seit 1748) auf der Festung Wilhelmstein im Steinhuder Meer. Scharnhorst trat 1778 als Fähnrich in die kurhannoversche Armee ein. 1782 zum Leutnant befördert brachte er es bis zum Oberstleutnant (1796). Neben einem Kommando als Batteriechef im 1. Koalitionskrieg (1792-1797) in Holland und Flandern war er hauptsächlich als Lehrer an der Kriegsschule Hannover tätig und war ein begabter Militärtheoretiker. Da er seine Bemühungen und Vorschläge zur Reformierung der kurhannoverschen Armee nicht durchsetzen und realisieren konnte, verließ er 1801 das Kurfürstentum Hannover und trat als Oberstleutnant in preußische Dienste, wo er zum Direktor der „Lehranstalt für junge Infanterie- und Kavallerieoffiziere“ (später Preußische Kriegsakademie) ernannt wurde.
    1802 erhob ihn König Friedrich Wilhelm III. v. Preußen (1770-1840 / König seit 1797) in den Adelsstand und beförderte ihn 1804 zum Oberst.

    Mit Beginn des französischen Feldzugs gegen Preußen (4. Koalitionskrieg) wurde Scharnhorst als Generalquartiermeister (Stabschef) der preußischen Hauptarmee unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Herzog Karl Wilhelm Ferdinand v. Braunschweig-Wolfenbüttel (1735-1806 / seit 1780 Herzog zu Braunschweig und Lüneburg und Fürst v. Braunschweig-Wolfenbüttel) eingesetzt, und in der Schlacht bei (Jena und) Auerstedt am 14.10.1806, die mit einer vernichtenden Niederlage Preußens endete, verwundet.
    Nach dem Frieden von Tilsit (heute Sowetsk /Russland) vom Juli 1807 wurde Scharnhorst zum Generalmajor sowie zum Chef des Kriegsdepartements (Kriegsministerium), zum Chef des Generalstabes und zum Vorsitzenden der Militär-Reorganisationskommission Preußens ernannt.
    Zusammen mit den anderen preußischen Reformern schaffte er das Adelsprivileg des Offizierscorps, das Werbesystem für Soldaten und die Prügelstrafe beim Militär (Spießrutenlauf) ab.

    Da Preußen seit 1809 nur noch ein stehendes Heer mit 42.000 Mann unterhalten durfte, führte Scharnhorst das „Krümpersystem“ ein: Rekruten wurden nach einer kurzen und intensiven Grundausbildung wieder entlassen und bildeten so eine militärisch ausgebildete Reserve.
    Zwar wurde Scharnhorst 1810 auf Druck Napoleons als Chef des Kriegsdepartements entlassen, behielt aber seine anderen Funktionen und konnte so mit den anderen Reformern die Arbeit fortsetzen. Mit Beginn des Befreiungskriegs im März 1813 wurde Scharnhorst zum Generalleutnant befördert und Generalstabschef in der Schlesischen Armee Blüchers.

    Nach seinem Tod in Prag wurde Gerhard v. Scharnhorst nach Berlin überführt und auf dem Invalidenfriedhof beigesetzt. Grab und Grabmal sind bis heute erhalten.

    Scharnhorst war seit 1785 mit Klara Schmalz (1762-1803) verheiratet. Das Paar hatte 2 Söhne und 3 Töchter.

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    Freizeitanlagen / Denkmalbehörde in Lützen Großgörschen

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    opavati® Glückwunsch zum Daumen und Danke für die Heimatkunde. Der »Scharnhorst-Orden« was die höchste Auszeichnung unserer Arbeiter- und Bauernarme, der Nationalen Volksarmee ...
    grubmard @ubier: Darf man nicht, da Scharnhorst nie selbstständig als Kommandeur eine Schlacht geführt hat. Er war immer "nur" Stabsoffizier.
    Meines Wissens hat er auch nur an 3 großen Schlachten aktiv teilgenommen: Jena-Auerstedt und Großgörschen gingen für Preußen verloren, Preußisch-Eylau endete unentschieden.
    Schroeder Meine Lieblingsscharnhorstordensträger sind ja Wojciech Jaruzelski und Erich "ich liebe doch alle Menschen" Mielke.
    Sedina Mit dem Marschallsstab im Tornister wird der Bauernsohn zum gefeierten Kriegshelden - was für ein Glück, dass sich diese Zeiten jedenfalls in Mitteleuropa geändert haben, wenn es auch nicht gerade beruhigend ist, dass stattdessen Technokraten Drohnen oder noch Schlimmeres steuern.

    Danke für den nachdenklich stimmenden Bericht, lieber grubmard, und Glückwunsch zum Grünen Daumen!

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  9. Userbewertung: 4 von 5 Sternen

    Im Dorf Röcken (Sachsen-Anhalt / ca. 15 km südwestlich von Leipzig) befindet sich die Gedenkstätte für den bekannten Philologen und Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900), der hier geboren wurde und auch beigesetzt ist.
    Die Ausschilderung weißt auf die an einer Stelle konzentrierten Nietzsche-Orte: Geburtshaus, Gedenkstätte, Taufkirche, Grab – alles dicht beieinander.

    Betritt man den Kirchhof/Friedhof fällt linker Hand an der Nordseite der Kirche eine Gruppe weißer Gestalten auf, die um ein Grab herumstehen. Da auf der, natürlich auch weißen, Grabplatte „Friedrich Nietzsche“ steht, dachte ich erst, es sei das Nietzsche-Grab. Aber eine gottlob vorhandene Infotafel klärt auf: es handelt sich um Kunst auf dem Friedhof. Das wirkliche Nietzsche-Grab befindet sich ein paar Meter weiter an der Südseite der Kirche.

    Bei der seltsam anmutenden weißen Gruppenansammlung handelt es sich um die Skulptur „Röckener Bacchanal“ des Bildhauers Klaus F. Messerschmitt, die 2000 zum 100. Todestag Nietzsches auf Initiative des Merseburger Kirchenkreises aufgestellt wurde.

    Das Ensemble der Bronzeskulptur besteht aus der Grabplatte, und 4 lebensgroßen Figuren. Am Kopfende der Grabes stehen ein Mann und eine Frau, neben ihnen und ihnen gegenüber jeweils ein nackter schnauzbärtiger Mann, sein Gemächt hinter einem Hut versteckend.

    Da ich es mit eigenen Worten nicht anders und besser erklären kann, zitiere ich mal aus dem Text der Info-Tafel:
    „Die lebensgroßen Bronzen stellen Nietzsche dreimal an seinem Grab dar. Der Künstler bezieht sich bei dem Figurenensemble auf das bekannte Atelierfoto von 1892 mit der Szene am Arm seiner Mutter und auf ein Traumbild, welches Nietzsche seinem väterlichen Freund Jakob Burckhardt 1889 in einem Brief mitteilte:

    „… in diesem Herbst war ich so gering bekleidet als möglich, zweimal bei meinem eigenen Begräbnis zugegen.“
    Die blauen Brillengläser einer der Figuren weisen auf Nietzsches verbürgte Kurzsichtigkeit hin.“

    Durch diese Erklärung macht die Skulptur dann auch Sinn.
    Fazit: Eine etwas ungewöhnliche Skulptur für einen Friedhof, deren Sinn dahinter sich dank der Infotafel dann auch für jedermann erschließt.

    Friedrich Nietzsche, der Dargestellte:
    Er wurde 1844 als Sohn des örtlichen Pfarrers im Pfarrhaus von Röcken geboren. Nach Schule und Studium wurde er Professor für Philologie an der Universität Basel. Zunächst preußischer Staatsbürger war er seit Übersiedlung in die Schweiz staatenlos.
    Wegen Krankheit legte er 1879 seine Professur nieder und bereiste mehrere europäische Staaten, bevor er 1889 wegen seiner fortschreitenden Demenz und nach mehreren Schlaganfällen zum Pflegefall und arbeitsunfähig wurde.
    Nietzsche starb 1900 bei seiner Schwester in Weimar und wurde in der Familiengrabstätte an der Südwand der Dorfkirche von Röcken beigesetzt.
    Eine ausführliche Biografie findet man übrigens ua. bei wikipedia. Hier würde es zu weit führen.

    Klaus Friedrich Messerschmidt, der Bildhauer:
    Geboren 1945 absolvierte er von 1963-1966 ein Studium an der Fachschule für angewandte Kunst in Schneeberg. Seit seinem Diplom an der Kunsthochschule Halle/Saale auf der Burg Giebichenstein arbeitet Messerschmidt als freischaffende Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller.

    geschrieben für:

    Kultur / Friedhof in Lützen NL Röcken

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    Ein golocal Nutzer Scön geschildert! Ist das schön, jetzt viel von altbekannten zu lesen! wie gesagt, wenn man nicht mehr so kann, wie man möchte - ist es schö wieder von heimatlichen Gefilden zu lesen!

    9.
  10. Userbewertung: 3 von 5 Sternen

    Das Denkmal für den französischen Marschall Jean-Baptiste Bessières in Rippach (Sachsen-Anhalt / ca. 20 km südwestlich von Leipzig) muss man erstmal finden.
    Aufs Denkmal aufmerksam geworden bin ich im Zusammenhang mit der Suche nach Gedenkorten an die Schlacht bei Größgörschen vom 2.5.1813 (in Frankreich „Schlacht bei Lützen“ genannt) zwischen den Truppen Napoleons auf der einen sowie Preußen und Russen auf der anderen Seite.
    Im Internet fand ich bloß den wagen Hinweis „350m von der Hauptstraße entfernt an einem Feldweg“.

    Im Ort selbst ist die Ausschilderung dürftig. An 2 Stellen gibt es leicht zu übersehende Hinweistafeln. Für den Besucher heißt es – Auto stehen lassen und dann den Fahrweg bzw. Fußweg auf die Hügel oberhalb des Ortes zum Denkmal erwandern.

    Zwar ist das Denkmal im Stil des 19. Jahrhunderts gehalten, aber es ist das jüngste Denkmal für die Schlacht bei Großgörschen.
    Es kennzeichnet in etwa die Stelle, an der Marschall Bessières am 1.5.1813 am Vortag der Schlacht tödlich verwundet wurde.
    Anlässlich des 195. Jahrestages der Schlacht wurde es 2008 eingeweiht.
    Initiatoren des vom Vorsitzenden des Vereins „Jena 1806“ Robert Heyne entworfenen und vom Steinmetz Eberhard Kalus geschaffenen Denkmals waren die Gemeinde Rippach, der Verein „Jena 1806“ und französische Traditionsverbände der napoleonischen Ära.

    Das etwa 2m hohe Denkmal besteht aus niedrigem Sockel, Mittelteil mit Inschriften und dachartigem Abschluss.
    Die Inschriften lauten:
    „Gefecht bei Rippach 1. Mai 1813“
    „14 Uhr“ (um diese Uhrzeit wurde Bessières getroffen)
    „Hier wurde Marschall von Frankreich J.B. Bessières Herzog von Istrien tödlich verwundet“
    Auf der vierten Seite ist die Himmelsrichtung „NO“ eingetragen.

    Jean-Baptiste Bessières:
    Geboren 1768 in Prayssac als Sohn eines Barbiers trat er nach Schule und einer begonnenen Ausbildung zum Chirurgen 22jährig als Soldat in die Armee ein.
    1794 wurde er vom Unteroffizier zum Hauptmann befördert. In den Italienfeldzügen tat er sich als Truppenführer hervor und gewann dadurch die Aufmerksamkeit von Napoleon Bonaparte (1769-1821 / 1799-1804 Erster Konsul / 1804-1814/1815 Kaiser der Franzosen).

    1798 bis 1801 nahm er an Napoleons Ägypten-Feldzug teil und kämpfte ua. in der Schlacht bei Abukir (25.7.1799 / Sieg der Franzosen über das Osmanische Reich). 1800 ernannte ihn Napoleon zum Brigadegeneral.
    Napoleons Staatsstreich vom 18. Brumaire VIII (9.11.1799) unterstützte Bessières aktiv.
    Napoleon übertrug ihm die Neuorganisation der französischen Italienarmee. In der Schlacht bei Marengo (Italien / 14.6.1800) hatte Bessières als Kavalleriekommandeur wesentlichen Anteil am Sieg der Franzosen über die Österreicher. 1802 erfolgte die Beförderung zum Divisionsgeneral.
    Mit der Krönung zum Kaiser der Franzosen 1804 führte Napoleon als Ersatz für den durch die Revolution abgeschafften Titel „Marschall von Frankreich“ den neuen Titel „Marschall des Kaiserreichs“ ein.
    Bessières gehörte zu den ersten Generälen, die diesen Titel erhielten. Gleichzeitig wurde er zum Kommandeur der Gardekavallerie ernannt.
    Er kämpfte ua. in der Schlachten bei Austerlitz (2.12.1805 / Sieg der Franzosen über Österreicher und Russen), Jena und Auerstedt (14.10.1806 / Franzosen über Preußen und Sachsen) und weiteren bedeutenden Schlachten der Napoleonischen Kriege.

    Napoleon schuf für verdiente Truppenführer und Politiker auch einen neuen Verdienstadel.
    Für seine Verdienste wurde Bessières 1808 zum Herzog v. Istrien erhoben und nahm als Vertreter Napoleons an der Vermählung von dessen Bruder Jérome Bonaparte (1784-1860 / 1807-1813 König v. Westphalen) mit Prinzessin Katharina v. Württemberg (1783-1835) teil.

    Es folgten Kommandos während der Feldzüge in Spanien und Österreich, wo er in der Schlacht bei Wagram (5. & 6.6.1809 / Franzosen, Sachsen, Bayern und Italiener über die Österreicher) verwundet wurde.
    Nach dem Frieden von Schönbrunn zwischen Frankreich und Österreich vom 14.10.1809 wurde Bessières französischer Oberbefehlshaber in Holland sowie Gouverneur von Kastilien und Leon (Spanien)

    Im Russland-Feldzug von 1812 erhielt er das Kommando über die Garde und ein Kavalleriekorps, mit denen er bis Moskau marschierte.
    Am Anfang des Befreiungskriegs von 1813 ernannte Napoleon den Marschall zum Befehlshaber der französischen Kavallerie.

    Am 1.5.1813 führte er mit einer Eskadron des 1. Polnischen Lanzenreiter-Regiments (Teil der Kaiserlichen Garde von 1807-1815) zwischen Weißenfels und Lützen einen Erkundungsritt durch. Dabei traf die Einheit bei Rippach (damals im Königreich Sachsen) auf Tirailleure des russischen Generals Ferdinand v. Wintzingerode (1770-1818).

    Im Gefecht bei Rippach am 1.5.1813 wurde dem Marschall von der ersten abgefeuerten und von einer Mauer abgeprallten Kanonenkugel die Brust aufgerissen. An dieser schweren Verwundung verstarb Bessières noch auf dem Gefechtsfeld.
    Napoleon ließ den einbalsamierten Leichnam von Bessières nach Paris überführen und im Invalidendom beisetzen.
    Der Marschall war seit 1801 mit Marie Jeanne de Lapeyrière (1781-1840) verheiratet.
    Da Bessierès wegen einer Liebschaft neben seiner Familie war hochverschuldet war, beglich Napoleon die Schulden und kümmerte sich um die Zukunft des Sohnes Napoleon Bessierès (1802-1856).

    Fazit: Gedenkstein an eine Episode der Befreiungskriege.

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    Denkmalbehörde / Kultur in Lützen Rippach

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    Schroeder Man kann nur den Kopf schütteln... 2008 stellt man doch für einen napoleonischen Marschall kein Denkmal mehr auf....
    opavati® Gut gemacht, der Text und auch das Denkmal. Chapeau! Da gibt es anderenorts furchtbare Beispiele. Deine Kreise werden immer weiter, bei Guide. Heimatkunde nun auch hinter Leipzig. Danke.
    grubmard @Schroeder: Doch, macht man, siehste doch ....
    Ich habs nicht aus Pappmasché zusammengemanscht um eine Location zu erfinden.
    grubmard Wenn schon mal ein französischer Marschall in deutschen Landen geruht ins Gras zu beißen, kann man ruhig mit leichter Verspätung ein Denkmal aufstellen.
    Sir Thomas bon!
    Ich überlege gerade, wie wahnsinnig 'befreit' ich mich nach Ende der Franzosenzeit hätte fühlen können, ävver.... So! geht bewerten. Merci, cher grübbmaar

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    10.