Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation

Bewertungen (1220 von 1221)

Ich möchte die Ergebnisse filtern!

  1. Userbewertung: 3 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Die Dorfkirche von Emstal (30 km südwestlich von Berlin / bei Lehnin) liegt gut sichtbar auf einer Erhebung über dem Ort.
    Es ist bereits die 4. Kirche für den 1190 als Besitz des nahen Zisterzienserklosters Lehnin erstmals urkundlich erwähnten Ort, der ursprünglich auch gar nicht „Emstal“ hieß. Das Dorf hieß eigentlich „Swine“, vermutlich abgeleitet vom westslawischen Wort für „Schweine“. Daraus wurde dann später „Schwiena“.

    Dieser Name war den Nazi‘s wohl zu slawisch und so wurde das Dorf 1937 germanisiert und in „Emstal“ umbenannt, in freier Anlehnung an das 21 km lange Flüsschen Emster in der Nähe. Die Behörden der Sowjetischen Besatzungszone nach 1945 und der jungen DDR nach 1949 taten sich mit dem nationalsozialistischen Namenserbe allerdings schwer und führten Emstal amtlich wieder als Schwiena. Erst nach 1952 übernahm auch die DDR-Administration den Namen Emstal offiziell.

    Da die ersten Besitzer des Straßendorfs Swine die Zisterzienser des nur 3 km nordwestlich gelegenen Klosters Lehnin waren, legten diese natürlich gesteigerten Wert darauf, dass es in ihrem Dorf auch eine Kirche mit Kirchhof gab. Diese wurde 1220 als vermutlich turmloser hölzerner Bau errichtet. Nach 321 Jahren ließen die Zisterzienser als Kirchenpatrone 1541 eine neue größere Fachwerkkirche mit aufgesetztem Turm erbauen. Bereits ein Jahr später fegte die Reformation die Klostermönche aus dem Land und das Kirchenpatronat ging auf Kurfürst Joachim II. Hector v. Brandenburg (1505-1571 / Haus Hohenzollern / Kurfürst und Markgraf ab 1535) als Landesherren über.

    Die Fachwerkkirche brannte 1709 vollständig nieder. 1711 ließ König Friedrich I. in Preußen (1657-1713 / Haus Hohenzollern / als Friedrich III. seit 1688 Markgraf und Kurfürst v. Brandenburg, seit 1701 als Friedrich I. König in Preußen) eine neue größere barocke Fachwerkkirche mit Turm erbauen. Das Fachwerk dieser 3. Kirche war dann nach 164 Jahren so marode, dass es 1875 durch Backsteinmauerwerk ersetzt werden musste.

    Wegen der stark gewachsenen Einwohnerzahl von Schwiena beschloss die Kirchengemeinde 10 Jahre später, die Kirche zu vergrößern. Die Umbau- und Vergrößerungsarbeiten in den Jahren 1889 bis 1891 waren derart umfangreich, dass sie einem Neubau der Kirche gleichkamen. Turm und Chor wurden völlig neugebaut. 1900 wurde der Kirchhof als Friedhof geschlossen und die alten Grabstellen später eingeebnet.

    Bei den Kämpfen um Lehnin im April 1945 wurde der Kirchturm durch sowjetischen Panzerartilleriebeschuss zerstört und die Kirche beschädigt. Bereits im Mai 1945 begann die Kirchengemeinde mit dem Wiederaufbau des Kirchturms und der Reparatur der Kirche. Diese Arbeiten wurden 1950 abgeschlossen. 1965 erfolgte eine Renovierung des Innenraums sowie von 1992-1995 eine Generalsanierung der Kirche.

    Die Kirche erreicht man über einen Aufstieg, der direkt zum Südportal führt. Der einstige Kirchhof ist völlig mit Bäumen und Sträuchern zugewachsen, die einen Weg um die Kirche herum unmöglich machen.

    Da die Dorfkirche Emstal, die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgeführt ist, keine offene Kirche ist, kann ich zur Innenausstattung keine Angaben machen.

    Fazit: Eigentlich braucht man den Kirchberg nicht hinaufzusteigen, da die Vegetation einen Blick auf die Kirche aus der Nähe nicht zulässt. Den besten Blick hat man von der Emstaler Hauptstraße aus.

    geschrieben für:

    evangelische Kirche in Emstal Gemeinde Kloster Lehnin

    Neu hinzugefügte Fotos
    1.

    Exempel Eine schöne , interessante Führung - schöne Bilder- danke Du wandelndes Lexikon. Was Du so alles erzählbares findest!
    Ausgeblendete 2 Kommentare anzeigen


  2. Userbewertung: 4 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Nach Dannenwalde (55 km nördlich von Berlin / bei Gransee) zum Hofladen musste ich zum Wildfleischkauf gar nicht extra fahren. Seit einiger Zeit bietet „Richard‘s Wild“ sein Sortiment 2x pro Woche auch auf dem Gelände des Forstamts Köpenick am S-Bahnhof Berlin-Friedrichshagen an.
    (Donnerstag und Freitag von 10 bis 16 Uhr / telefonische Vorbestellung möglich)
    Der Verkauf findet aus einem Verkaufs-LKW heraus statt. Die Verkaufskraft im Wagen war freundlich, auskunftswillig und -fähig.

    Im Angebot ist viel von dem, was dem Jäger so vor die Flinte läuft und nicht das Glück hat, der Kugel zu entkommen: Reh, Wildschwein, Hirsch …. in verschiedenen Fleischsorten: Filet, Kamm, Keule, Braten, Rücken, Gulasch … gefroren und gekühlt, aber immer vakuumiert.

    Da es kein Zuchtfleisch ist, wird die Qualität von erlegtem Tier zu erlegtem Tier natürlich schwanken.
    Und im Verhältnis zum Zuchtfleisch beim Discounter und Supermarkt kann das Wildfleisch preislich natürlich auch nicht mithalten.
    Ein Kilo Wildscheingulasch kostete bei meinem Einkauf knapp 22 €uro.
    Für Reh wären 28 €uro fällig gewesen.
    Vermutlich schwanken die Preise auch saison- und angebotsbedingt.

    Eine gute Alternative für die, die mal Wild auf den Tisch bringen wollen und keinen Förster/Jäger im Bekanntenkreis haben.

    geschrieben für:

    Lebensmittel / Fleischereien in Dannenwalde Stadt Gransee

    Neu hinzugefügte Fotos
    2.

    Exempel @grubmard- Du aber erst. Was alles so vorgestellt wird -und wir sind soooo weit weg, für uns nicht erreichbar. Wildfleisch, was ganz feines. Mit Klößen und Preiselbeersoße- ach ich könnte gleich loslegen. Aber???? Ein prima Bericht und verschleckert!
    Ausgeblendete 25 Kommentare anzeigen
    Exempel Wildschwein bin ich nicht ganz so begeistert - aber Reh und Hirsch,Wildente Rebhuhn(Wenn es das mal gibt)
    grubmard Ich glaube, verwilderte Hunde und Katzen stehen schon auf der försterlichen Abschussliste - landen aber hoffentlich nicht auf dem Tisch!
    grubmard "Jäger dürfen auf Hunde schießen

    In Brandenburgs Wäldern gelte grundsätzlich Leinenpflicht, warnte der Jagdverband. Im Zweifel dürfen Jäger auf streunende Hunde schießen, um etwa Jungtiere zu schützen …. "

    (Quelle: https://www.maz-online.de)
    Jolly Roger Hunde, die ein breites orangenes Halsband tragen, sind keine wildernden Hunde und werden von den Jägern und Förstern verschont
    Jolly Roger Die Hunde der Jäger und Treiber haben alle das orangene Halsband, damit man sie von wildernden Hunden unterscheiden kann.
    Calendula @ malli
    Wenn das orangefarbene Halsband aus diesen Steinen besteht, hat sie vielleicht nichts dagegen. -)))
    https://www.carat-online.at/saphir-saphire/20180706140926.html
    Exempel mit "orange" also Probe Hüpfen angesagt - na gut -wenns hilft? ------ @Metalmann aber Du erst? Hund oder Frau? Das ist ja pfui! ;-)


  3. Userbewertung: 4 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Das deutsche Kriegerdenkmal im westhavelländischen Dorf Kotzen (Land Brandenburg / ca. 45 km westlich von Berlin) befindet sich auf dem örtlichen Kirchhof/Friedhof gleich hinter dem Eingang.

    Das in den 1920er Jahren errichtete Denkmal erinnert an die 17 Männer aus Kotzen, die auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs von 1914-1918 gefallen sind.
    Fast hätte das Denkmal die Zeit nach 1945 nicht überstanden. In der DDR war Totengedenken für die deutschen Soldaten beider Weltkriege nicht opportun.
    Über 40 Jahre wurde nichts zum Erhalt des Denkmals unternommen. Die Inschriften waren fast oder ganz unlesbar, das Denkmal in schlechtem Zustand – in so schlechtem Zustand, dass die Gemeinde nach 1990 laut über einen Abriss nachdachte, teils aus Desinteresse, teils wegen fehlender finanzieller Mittel für die Sanierung.

    Dagegen wehrte sich aber die Dorfgemeinschaft, die nach 1990 die Pflege von Kirchhof und Denkmal übernahm. Einen Fürsprecher hatte das Denkmal auch in Alexander v. Stechow (1938-2020), einem Nachfahren der einstigen Gutsbesitzerfamilie, denen Kotzen bis 1945 gehörte.
    Er initiierte eine Spendensammlung, gewann Sponsoren und konnte den Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge von der Notwendigkeit der finanziellen Unterstützung zum Erhalt des Denkmals gewinnen.

    Im Dezember 2018 waren die Sanierungsarbeiten abgeschlossen und das Denkmal präsentiert sich wieder in altem Glanz.
    Auf einem zweistufigen Sockel erhebt sich der nur mit wenigen dekorativen Schmuckelementen versehene Steinquader des Denkmals.
    An allen 4 Seiten des Denkmals befinden sich Tafeln aus poliertem schwarzen Granit.
    2 der Tafeln tragen in vergoldeter Schrift die Namen der Gefallenen mit Todestag, aufgelistet nach den Jahren 1914-1918.
    Die dem Kirchhoftor zugewandte Seite trägt die Widmung:

    „Den Helden, die im Völkerringen 1914/18 für die Heimat ihr Leben lassen mussten.“
    und
    „Es gibt kein Wort, für das Opfer zu danken, es gibt keinen Dank für sie, die sanken für uns.“
    Auf der dem Friedhof zugewandten Rückseite ist der Bibelspruch
    „Selig sind die Friedfertigen – Matthäus 5.9“
    zu lesen.

    Zu Füßen des Kriegerdenkmals befindet sich mit der kleinen deutschen Kriegsgräberstätte für 5 deutsche Soldaten, die am Ende des 2. Weltkrieges in oder bei Kotzen gefallen sind, ein weiterer Erinnerungsort an die Opfer sinnloser Kriege.

    Fazit: Beispiel für die Wiederherstellung eines fast 100 Jahre alten Denkmals – auch wenn uns die Widmung heute pathetisch und unzeitgemäß erscheint.

    geschrieben für:

    Freizeitanlagen / Kultur in Kotzen

    Neu hinzugefügte Fotos
    3.

    Exempel "Eine weitere Erinnerung" an einen sinnlosen, furchtbaren Krieg. Danke für diesen Rückblick und die Hoffnung auf ein besseres "Morgen"
    Ausgeblendete 4 Kommentare anzeigen
    Exempel Glückwunsch zum Gedenk Daumen! Wenn der Ort auch komisch klingt - aber die Einwohner leben damit ja auch!
    Konzentrat Glückwunsch zum Daumen. da wir aus dieser Ortschaft schonmal eine bewertung hatten, erspare ich mir weiteren Kommentar ;-)
    FalkdS Glückwunsch zum Daumen und Danke für die Geschichte.

    „Völkerringen“ als Synonym für einen Weltkrieg ist für mich schon sehr gewöhnungsbedürftig und erst recht fragwürdig weil eindeutig verharmlosend für das Grauen von Kriegen.
    opavati® Die zurück gekommenen Herrschaften, mit den großen Namen, kümmern sich nun wieder um alles ... ;-) Danke, mein Guide, für die Heimatkunde.


  4. Userbewertung: 2 von 5 Sternen

    1. von 3 Bewertungen


    bestätigt durch Community

    Der historische Gasthof „Zum weißen Schwan“ gehört zu den ältesten Profangebäuden in Rippach (Sachsen-Anhalt / ca. 20 km südwestlich von Leipzig).

    Einen Gasthof gab es an dieser Stelle bereits seit 1541. Auch dieser Gasthof hatte schon illustre Gäste:
    1632 weilten hier im 30jährigen Krieg (1618-1648) vor der Schlacht bei Lützen (16.11.1632) der kaiserliche Feldherr Albrecht v. Wallenstein (1583-1634 ermordet) und sein General Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim (1594-1632 tödlich verwundet).
    Auch der preußische König Friedrich II. legte im 7jährigen Krieg (1756-1763) vor der Schlacht bei Roßbach (5.11.1757) im alten Gasthof eine Pause ein.

    Der heutige Gasthof wurde 1733 als Post- und Ausspannstation mit Gastwirtschaft an der alten Poststraße Weißenfels-Leipzig im damals noch kursächsischen Amt Pegau erbaut.
    Tausende Reisende und Gäste hat der Gasthof in den über 280 Jahren seiner Existenz erlebt. Einer von ihnen war 1793 der Dichter Heinrich v. Kleist (1777-1811). Und Johann Wolfgang v. Goethe (1749-1832), der hier mehrmals verweilte, widmete dem Gasthof einige Worte in seiner Tragödie „Faust I“:
    „Ihr seid wohl spät von Rippach aufgebrochen? Habt ihr mit Herrn Hans noch erst zur Nacht gespeist?“
    Dieses Zitat ist auf einer Tafel an einer Wand des Gasthofs nachzulesen.
    Außerdem ist hier noch ein alter kursächsischer Grenzstein mit den Jahreszahlen 1625 und 1733 eingemauert.

    Auch ein Hauch Weltgeschichte umweht den Gasthof. Am 1.5.1813, dem Tag vor der Schlacht bei Großgörschen zwischen Franzosen und ihren Verbündeten auf der einen und einer preußisch-russischen Armee auf der anderen Seite, übernachtete der französische Kaiser Napoleon Bonaparte (1769-1821 / Kaiser der Franzosen von 1804-1814 sowie 1815) im „Weißen Schwan“.

    Ob der am selben Tag ca. 300m nordöstlich vom Gasthof bei einem Erkundungsritt tödlich verwundete französische Marschall Jean-Baptiste Bessières (1768-1813) auch in den Gasthof gebracht wurde, konnte ich nicht ermitteln, aber die Vermutung liegt nahe, denn am Gasthof ist auch eine Gedenktafel in französischer Sprache angebracht.
    Auf ihr sind die Lebensdaten, Titel und einige hohe Auszeichnungen des Marschalls vermerkt.
    Die Gedenkworte Napoleons auf der Tafel „Er lebte wie Bayard“ und „Er starb wie Turenne“ beziehen sich auf 2 Personen der französischen Militärgeschichte:

    Pierre de Terrail, Chevalier (Ritter) de Bayard (1476-1524) diente unter 3 Königen von Frankreich: Charles VIII. (1470-1498 tödlicher Unfall / König ab 1483), Louis XII. (1462-1515 / König ab 1498) und Francois I. (1494-1547 / König ab 1515).
    Er zeichnete sich als Kämpfer und Feldherr aus. Für seine Verdienste wurde er von König Francois I. noch auf dem Schlachtfeld in der Schlacht bei Marignano (heute Melegnano / Italien-Lombardei) am 13. und 14.9.1515 zum Ritter geschlagen. Er wurde bei der Verteidigung des Sesia-Übergangs bei Gattinara (Italien – Piemont) von einer Arkebusenkugel tödlich verwundet. Terrail galt als letzter Ritter Frankreichs und als „Ritter ohne Furcht und Tadel“ – einen Titel, den der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes (1547-1616) später für seinen Romanhelden „Don Quijote“ übernahm.

    Henri de La Tour d’Auvergne, Vicomte (Vizegraf) de Turenne (1611-1676) gilt als einer der hervorragendsten Feldherren Frankreichs. Er brachte es bis zum Marschall von Frankreich und zum Maréchal général des camps et armées du roi (Generalmarschall der Feldlager und Armeen des Königs), dem höchsten militärischen Titel, der im königlichen Frankreich insgesamt nur 7x verliehen wurde.
    Wie Bessières wurde auch Turenne bei einem Erkundungsritt getötet. Am 27.7.1675 wurde er vor der Schlacht bei Sasbach (Baden-Württemberg) von einer Kanonenkugel in die Brust getroffen und tödlich verwundet.

    Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege verlor Sachsen das Gebiet und Rippach wurde 1815 auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugesprochen.
    Mit dem Ende des Postkutschendienstes im 19. Jahrhundert wurde aus der Post- und Ausspannstation im Laufe der Zeit ein reiner Gasthof mit Übernachtungsmöglichkeit.
    In der DDR gehörte Rippach zum Bezirk Halle/Saale und seit der Wiedervereinigung zu Sachsen-Anhalt.

    Die Kriege Napoleons, 2 Weltkriege und 40 Jahre DDR überstand der alte Gasthof mit laufendem Betrieb. Nach 1990 kam langsam das Aus. Über 200 Jahre waren nicht spurlos an den Gebäuden vorbei gegangen, zumal in der DDR vermutlich nicht viel oder nicht genug zum Erhalt beigetragen wurde.

    Bis etwa 2015 oder 2016 war der „Weiße Schwan“ eine beliebte Gaststätte. Fortschreitender Verfall der Bausubstanz führte dann aber zur Schließung.
    Schon von der Straße sieht man dem Gebäude den maroden Zustand an. Laut Internet sind Teile des Gasthofs mittlerweile eingestürzt oder abgerissen.

    Der komplette Abriss wird wohl nur durch den gleich zweifachen Eintrag in der Landesdenkmalliste von Sachsen-Anhalt verhindert: Einmal als einzelnes Baudenkmal und einmal als Bestandteil des Denkmalbereichs Leipziger Straße.

    Auf den Gasthof bin ich nur durch Zufall auf der Suche nach dem Bessières-Denkmal aufmerksam geworden. Die Gedenktafeln und ein ziemlich dilettantisches Wandbild, dass wohl Napoleon darstellen soll, weckten meine Neugier. Der Schlussstein des alten Eingangsportals trägt die Jahreszahl 1676 und den Buchstaben „K“. Darüber ist ein Relief mit dem namensgebenden Vogel angebracht.
    Eine Info zum Haus vor Ort gibt es nicht.

    Fazit: wenn man in Rippach ist, kann mal mal kurz anhalten, schauen und sich vom Hauch der Geschichte umwehen lassen.
    Schade dass das alte Gebäude scheinbar dem Verfall preisgegeben ist.

    geschrieben für:

    Freizeitanlagen in Lützen Rippach

    Neu hinzugefügte Fotos
    4.

    Ausgeblendete 19 Kommentare anzeigen
    grubmard @Schroeder: manches fahre ich gezielt an, vieles sind allerdings "Zufallsfunde" während der Touren. So auch der Gasthof. Hätte ich mich auf der Suche nach dem Bessieres-Denkmal nicht in Rippach verfahren (ja man kann sich dort verfahren!), wäre mir der Gasthof durch die Lappen gegangen.


  5. Userbewertung: 3 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Das Dorf Remplin (bei Malchin / 130 km nördlich von Berlin / 90 km östlich von Schwerin) hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Seit 1405 gehörte das Dorf mit Schloss, Gut und Schlosspark der mächtigen mecklenburgischen Gutsbesitzerfamilie Hahn, später verschiedenen Blaublütern – zuletzt den Herzögen zu Mecklenburg.
    Das Schloss brannte 1940 ab und wurde später abgerissen, das Gut wurde nach 1945 aufgelöst. Geblieben ist ua. der Schlosspark und an dessen südlichem Rand der Rest der Sternwarte Remplin.

    Eingerichtet wurde die Sternwarte 1793 vom damaligen Gutsbesitzer und mecklenburgischen Erblandmarschall, dem studierten Mathematiker und Astronomen Friedrich II. Hahn (seit 1802 Graf Friedrich II. v. Hahn / 1742-1805) im Gartenhaus des Schlosses. Sie ist damit die älteste erhaltene Sternwarte Mecklenburgs. Der heute noch stehende Turm wurde 1801 erbaut und verfügte ursprünglich über eine drehbare Kuppel mit 3,4m Durchmesser für die 4 Teleskope.
    Friedrich II. Hahn‘s astronomische Beobachtungen und Entdeckungen wurden in den „Berliner Astronomischen Jahrbüchern“ des Direktors des Berliner Observatoriums, Johann Elert Bode (1747-1826) veröffentlicht.

    Carl Friedrich Graf v. Hahn (1782-1857) teilte die wissenschaftliche Leidenschaft seines Vaters nicht und war mehr dem Theater zugeneigt. Nach dem Tod von Friedrich II. v. Hahn im Jahr 1805 wurde die Sternwarte stillgelegt, die astronomischen Geräte verkauft und das Observatoriumsgebäude als Feierhalle genutzt.
    Kunst muss man sich auch leisten können. Der auch als „Theatergraf“ bekannte Carl Friedrich v. Hahn war bereits 1816 pleite und verkaufte Remplin an Fürst Georg-Wilhelm zu Schaumburg-Lippe (1784-1860 / von 1787-1807 Graf und ab 1807 Fürst von Schaumburg-Lippe). Der ließ 1842 die drehbare Kuppel des Sternwarteturms durch eine feststehende Kuppel ersetzen.

    1848 verkaufte Fürst Georg-Wilhelm Remplin mit allem drum und dran an den Leiter des Landgestüts Redefin, Karl Freiherr v. Maltzahn (1797-1868).
    Bereits 1852 veräußerte der Freiherr seinen Rempliner Besitz wieder. Neuer Eigentümer wurde mit Herzog Georg zu Mecklenburg-Strelitz (1824-1876 / russischer General) ein Mitglied des mecklenburgischen Herrscherhauses.
    Der Herzog ließ 1857 die Sternwarte mit Ausnahme des 14m hohen Turms abreißen und ab 1860 den Schlosspark nach Plänen des preußischen General-Gartendirektors Peter Joseph Lenné (1789-1866) umgestalten.
    Der Turm erhielt eine gusseiserne Außentreppe und wurde als Aussichtsplattform genutzt.
    Bei den Kämpfen am Ende des 2. Weltkriegs wurde der Turm am 30.4.1945 durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt.
    Nach Kriegsende wurde die herzogliche Familie in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet, obwohl der letzte Herr auf Remplin, Herzog Georg Alexander zu Mecklenburg(-Strelitz) (1921-1996) als Verfolgter des Naziregimes eingestuft wurde.
    Die DDR zeigte in den 40 Jahren ihres Bestehens zunächst kein Interesse an dem nun volkseigenen Baudenkmal, dass durch Verfall und Vandalismus weiter geschädigt wurde.

    Erst ab 1980 wurde der Turm durch die „Arbeitsgemeinschaft Astronomiegeschichte“ der (Ost-)Berliner Archenhold-Sternwarte gesichert und renoviert.
    Nach 1990 gründete sich der Förderverein Sternwarte Remplin e.V., der die Wiederaufbauarbeiten weiterführte, die bis 2020 nicht abgeschlossen waren.
    Heute ist der Turm innen und außen wieder restauriert, rekonstruiert und saniert.
    Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt jetzt bei der Vervollständigung der astronomischen Ausstattung der Sternwarte, um wieder Himmelsbeobachtungen durchführen zu können.
    2017 wurde ein erstes Fernrohr mit bis zu 300facher Vergrößerung montiert.

    Zu im Internet einsehbaren Terminen (so z.B. Tag des offenen Denkmals) kann der Sternwarteturm besichtigt werden. Außerdem werden astronomische Beobachtungen des Nachthimmels sowie am Tage der Sonne angeboten.
    Bei meinem Besuch in Remplin im Juli 2019 war eine Besichtigung nicht möglich.
    Ob die für 2020 geplanten Veranstaltungen auf Grund der Corona-Pandemie durchgeführt werden können, ist derzeit ungewiss.

    geschrieben für:

    Freizeitanlagen / Museen in Malchin Remplin

    Neu hinzugefügte Fotos
    5.

    Ausgeblendete 16 Kommentare anzeigen
    grubmard Ach menno - mit solchen kryptischen Andeutungen bin ich mit meinem kleinen Ostkopp doch hoffnungslos überfordert.

    Danke für die Hinweise - ist korrigiert!
    opavati® Danke, mein Guide, Du ziehst immer größere Kreise. Heimatkunde nun mal wieder in meinem heimatlichen Mecklenburg.
    Konzentrat Sehr schöner Bericht und ein guter Ausflugstipp. Offizielle Öffnungszeiten gibt es ja leider nicht, aber Besichtigungen und Sternhimmelbeobachtungen sind geplant.
    Die Termine dazu findet man hier: http://www.sternwarte-remplin-ev.de/beobachtungen.htm

    Glückwunsch an grubmard zum grünen Stern-Daumen.


  6. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Der sowjetische Ehrenfriedhof in Reitwein (Land Brandenburg / 65 km östlich von Berlin / 13 km südöstlich von Seelow) ist eine größten Kriegsgräberstätten der Roten Armee im Oderbruch.

    Ende Januar 1945 erreichte die Rote Armee die Oder, überwand sie und die sowjetischen Truppenführer begannen mit der Planung der „Berliner Operation“ zur Eroberung der Reichshauptstadt Berlin.
    Nach dem Oder-Übergang baute die Rote Armee ihre Brückenköpfe am Westufer der Oder aus und rückte weiter vor. Anfang Februar 1945 eroberte sie nach schweren und verlustreichen Kämpfen gegen deutsche Truppen den Höhenzug „Reitweiner Sporn“ und die ihm vorgelagerte Ortschaft Reitwein.

    Am 16.4.1945 gab der sowjetische Marschall Georgi Shukow (1896-1974) von seinem Befehlsstand auf dem Reitweiner Sporn den Befehl zur Generaloffensive auf Berlin, die mit der Schlacht um die Seelower Höhen begann. Alleine während der „Berliner Operation“ fanden in wenigen Wochen über 173.000 sowjetische, deutsche und polnische Soldaten sowie zehntausende deutsche Zivilisten den Tod.

    Zunächst begrub die Rote Armee ihre Toten in provisorischen Feldgräbern und Soldatenfriedhöfen. Nach Ende des Krieges begann man, diese Toten an zentralen Orten zu bestatten. Während die sowjetischen Besatzungsbehörden eine würdevolle Bestattung der deutschen Gefallenen untersagten, wurden für die sowjetischen Toten an zentralen Orten sogenannte Ehrenfriedhöfe angelegt. Dafür wählte man gerne Dorfanger, Plätze in Orten und Städten, Schlossparks etc.
    Den besiegten Deutschen sollten damit auch die Opfer der Roten Armee im Kampf gegen den deutschen Faschismus ständig zur Mahnung vor Augen geführt werden.

    In Reitwein wählte das sowjetische Militär noch 1945 den Park des kriegsbeschädigten Schlosses Reitwein zu Füßen der Westflanke des Reitweiner Sporns unterhalb der (ebenfalls kriegsbeschädigten) Stüler-Kirche als Standort aus. Das Schloss selbst existiert heute nicht mehr. Die DDR-Behörden des Bezirks Frankfurt/Oder ließen es 1962 abreißen.
    Hierher bettete man alle über 3000 Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere der Roten Armee um, die bei den Kämpfen um Reitwein im Februar 1945 und bei der Schlacht um die Seelower Höhen vom April 1945 in der Umgebung gefallen waren und deren Kriegsgräber bekannt waren. Zur Umbettung wurde die deutsche Bevölkerung per Befehl zwangsverpflichtet.

    Vom Eingang im Hathenower Weg führt der Hauptweg zu einem Rondell mit dem großen Ehrenmal, dass aus einem hohen, weiß verputzten gemauertem Steinquader mit aufgesetztem roten Sowjetstern und flankierenden Mauern mit je 3 Namenstafeln aus schwarzem polierten Granit besteht. Auf diesen insgesamt 6 Tafeln sind Dutzende hier bestattete Rotarmisten mit Dienstgrad, Name und Lebensdaten vermerkt.
    Auf dem Mittelteil des Denkmals ist eine zentrale Gedenktafel mit einer Widmung in russischer und deutscher Sprache angebracht:
    „Ewiger Ruhm den Helden die im Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat gefallen sind“.

    Außerdem sind hier 4 Gedenktafeln mit Bild, Dienstgrad und Lebensdaten von je 2 namentlich bekannten Offizieren (30 und 37 Jahre alt) und Unteroffizieren (20 und 22 Jahre alt) angebracht.

    Da in der Roten Armee metallene Erkennungsmarken wie in der deutschen Armee nicht gebräuchlich waren und die Soldaten, wenn überhaupt, nur ein Röhrchen mit einem Zettel mit den persönlichen Daten bei sich trugen, gestaltete und gestaltet sich die Identifizierung der Gefallenen oft schwierig bis unmöglich. Trotz der Namenstafeln und Namensstelen auf dem Friedhof sind viele der hier Bestatteten namentlich daher nicht bekannt.

    Die große runde Rasenfläche vor dem Denkmal ist eines der Massengräber. Auf ihm befindet sich ein großer, aus roten Backsteinen gebildeter Sowjetstern, der mit Rosensträuchern bepflanzt ist. Vor dem Stern steht ein Gedenkstein mit einer Widmung in russischer Sprache.
    Am Rand des Runds befinden sich mehrere liegende Grabsteine mit dutzenden namentlich genannten Toten.

    Rechts und links des Wegs zum Ehrenmal befinden sich weitere Massengrabfelder. Auch hier befinden sich mehrere Namensstelen und Namenstafeln.

    Zu DDR-Zeiten fanden auf dem Friedhof jedes Jahr im Februar, dem Monat, in dem Reitwein von der Roten Armee befreit wurde, eine Gedenkfeier zu Ehren der Toten der Roten Armee statt, an der Abordnungen aus Reitwein, der Polytechnischen Oberschule Podelzig (2 km südwestlich) und der sowjetischen Garnison auf der Oderinsel Kietz (heute Küstrin-Kietz / 8 km nordöstlich) teilnahmen.

    2008 wurde die Gesamtanlage von deutschen Stellen und mit Mitteln der russischen Botschaft in der BRD restauriert.

    Obwohl der Friedhof für neue Beisetzungen eigentlich geschlossen ist und heute aufgefundene sowjetische Kriegstote jetzt auf der großen sowjetischen Kriegsgräberstätte in Lebus (10 km südwestlich) beigesetzt werden, fand Ende September 2013 mit Genehmigung der deutschen Behörden und auf bitten der russischen Seite nochmal eine Beisetzung von gefallenen sowjetischen Soldaten statt.
    Die sterblichen Überreste von 29 namentlich bekannten und 57 unbekannten Soldaten, die man bei Grabungen in Klessin (2 km südwestlich) gefunden hatte, wurden mit einer deutsch-russischen Einbettungsfeier auf dem Ehrenfriedhof Reitwein an der Seite ihrer Kameraden beigesetzt, mit denen sie im April 1945 bei den schweren und verlustreichen Kämpfen um das Rittergut Klessin gekämpft hatten und gestorben waren.

    Außerdem gab es in den letzten Jahren das Projekt „Soldatenfriedhof Reitwein“ an dem sich auch Kinder und Jugendliche einer Moskauer Schule beteiligten. Durch mühselige und akribische Nachforschungen gelang es, die Identität von 119 bisher unbekannten sowjetischen Toten des Reitweiner Ehrenfriedhofs zu ermitteln.
    Heute werden die Toten hier am 8. Mai (Tag der Befreiung deutscher Zeit) oder am 9. Mai (Tag des Sieges Moskauer Zeit) durch deutsche und russische Stellen mit einer Kranzniederlegung geehrt.

    Längst sind nicht alle Toten beider Seiten im Oderbruch gefunden. Jährlich werden bei gezielten Grabungen ua. durch den Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa und den Volksbund Deutsche Kriegsgräbervorsorge dutzende Tote beider Seiten auf dem einstigen Gefechtsfeld gefunden. Oft blieben die Toten in Schützenlöchern und Schützengräben liegen oder wurden in Granat- und Bombentrichtern geworfen, die dann später einfach zugeschüttet wurden und in Vergessenheit gerieten.

    Nach dem Abzug der russischen Truppen 1994 aus Deutschland wurde die Verantwortung, Erhaltung und Pflege sowjetischer Kriegsgräberstätten und Denkmäler in die Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland übergeben.
    Nach dem deutschen Kriegsgräbergesetz und gemäß der Genfer Konvention haben die Kriegstoten ewiges Ruherecht.

    Fazit: Der sowjetische Ehrenfriedhof liegt sehr ablegen und kommt im wesentlichen ohne den Pathos aus, den man sonst gerne bei sowjetischen Denkmälern findet.
    Der ruhige Ort bietet alle Voraussetzungen für stilles Gedenken und angesichts der über 3000 Toten vor allem zum nachdenken – hoffe ich ….

    geschrieben für:

    Friedhof in Reitwein

    Neu hinzugefügte Fotos
    6.

    FalkdS Danke für die interessante Geschichte,
    sehr ausführlich,
    schöne Fotos


    ... und mit dem abseits liegen hast du auch recht, wie der in Bernöwe bei Oranienburg, mit über 100 Toten liegt richtig weg vom Besucher- und Touristenstrom.
    https://www.golocal.de/oranienburg/friedhof/sowjetischer-ehrenfriedhof-bernoewe-YVgBk/
    Ausgeblendete 13 Kommentare anzeigen
    opavati® Ja, prima Heimatkunde, mein Guide. Danke. Der Ort ist in der Tat recht speziell, dazu die Stüler-Kirche und der Gefechtsstand auf dem Sporn.


  7. Userbewertung: 2 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    Das Schloss der kleinen Stadt Mühlberg an der Elbe (ca. 110 km südlich von Berlin) ganz im Südwesten Brandenburgs liegt am westlichen Stadtrand.

    Die Geschichte der an einem Elbübergang auf einer Talsandinsel vermutlich Ende des 12./ Anfang des 13. Jahrhunderts angelegten und 1230 erstmals urkundlich erwähnten Stadt reicht weit zurück. Bereits für die Zeit ab etwa 600 lässt sich eine befestigte slawische Siedlung nachweisen.

    Die mittelalterliche Wasserburg Mühlberg (Castrum Moleberg) mit Palisaden bewehrten Wällen, Wassergraben, Bergfried, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden wird erstmals 1272 urkundlich als Besitz der Herren v. Ileburg erwähnt, die die Herrschaft Mühlberg 1397 verkauften.
    Neue Herren von Stadt und Burg wurden die Markgrafen v. Meißen, die 1443 Mühlberg mit Hinko Birke v. Dauba u. Leipa gegen die Herrschaft Hohnstein eintauschten. Nach dem Aussterben des Familienzweigs des Hinko Birke v. Dauba u. Leipa fiel Mühlberg wieder an Meißen.

    Beim großen Mühlberger Stadtbrand von 1545 brannte auch die Burg nieder.
    Nach dem Schmalkaldischen Krieg (1546-1547) kam Mühlberg zum Kurfürstentum Sachsen.
    Herzog Moritz v. Sachsen (albertinische Wettiner / 1521-1553 tödlich verwundet / seit 1541 Herzog und seit 1547 Kurfürst v. Sachsen) ließ die Burgruine abreißen und auf ihren Grundmauern ein Jagdschloss erbauen.

    Fertiggestellt wurde der vierflügelige Renaissancebau mit der Burgkapelle St. Georg unter seinem Bruder und Nachfolger August v. Sachsen (albertinische Wettiner / 1526-1586 / seit 1553 Kurfürst v. Sachsen).
    Für die nächsten 220 Jahre habe ich dann keine Infos zur Nutzung des Schlosses gefunden.
    Um 1800 schüttete man den Burggraben zu, denn ihren Verteidigungscharakter hatte die Anlage durch die moderne Waffentechnik längst verloren.

    Verloren ging Mühlberg auch für Sachsen. Als Dank für ihre Vasallentreue erhob der französische Kaiser Napoleon Bonaparte (1769-1821 / Kaiser von 1804-1814 sowie 1815) die Kurfürsten v. Sachsen 1806 zwar zu Königen, aber der Preis war hoch. Nach der endgültigen Niederlage der Franzosen und ihrer Verbündeten blieb Sachsen zwar Königreich, verlor aber auf dem Wiener Kongress von 1815 große Teile seines Territoriums, darunter auch Mühlberg, an das Königreich Preußen.

    In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde das Schloss für Wohnzwecke, als Amtsgericht, Gefängnis und ab 1859 als preußisches Hauptzollamt an der Grenze zu Sachsen genutzt.
    Zollamt, Gefängnis und Gericht zogen später wieder aus.
    In der DDR-Zeit diente das Schloss als Schule, Jugendclub, Stadtbibliothek und Stadtarchiv sowie weiterhin für Wohnzwecke.

    Nach der Wiedervereinigung konnten und wollten weder die Stadt noch der Kreis noch das Land Brandenburg die Immobilie weiter halten. 1999 erfolgte der Verkauf an einen privaten Investor. Die damit verbundenen Hoffnungen der Offiziellen auf sinnvolle Nachnutzung und denkmalgerechte Sanierung/Restaurierung erfüllten sich nicht. Ein weiterer Verkauf ein paar Jahre später änderte nichts am zunehmenden Verfall von Schloss und Verwilderung des Schlossbergs. Angedachte Nutzungskonzepte z.B. als Hotel und für Gastronomie wurden nicht realisiert.
    Schließlich wurde 2015 eine Zwangsversteigerung angesetzt.
    2018 erwarben 3 Geschwister aus Mexico mit einem Faible für alte Burgen und Schlösser das Mühlberger Schloss. Sie sollen eine internationale Kunstresidenz im Schloss planen.

    Bei meinem Besuch in Mühlberg im 4. Quartal 2019 war davon nichts zusehen. Aus der Ferne machte das Gemäuer einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck mit deutlichen Spuren des Verfalls. Bauarbeiten waren nicht zu erkennen. Der Besuch des Schlosses endete vor dem schlichten Renaissance-Portal mit wuchtigem verschlossenen Holztor und einer schönen Sonnenuhr darüber.

    Wie die ganze Stadt Mühlberg liegt auch das Schloss heute „hinterm Deich“, denn die kleine Stadt und ihr Umland waren und sind durch die Hochwasser der Elbe akut, zuletzt 2013, von Überflutungen bedroht.

    Fazit: so reizvoll das kleine Städtchen und seine Umgebung auch sind – das Schloss gehört, momentan jedenfalls, noch nicht zu den besuchenswerten Orten.

    geschrieben für:

    Freizeitanlagen in Mühlberg an der Elbe

    Neu hinzugefügte Fotos
    7.

    Ausgeblendete 5 Kommentare anzeigen
    eknarf49 Man muss natürlich bedenken, dass der Unterhalt einer solchen Anlage nur mit einem gewinnversprechenden Konzept möglich ist. Fälle dieser Art gibt es wohl in allen Gegenden Deutschlands.
    Konzentrat Gut beschrieben.
    Schade, dieser Verfall. Aber leider wird nicht jedes historische Gebäude gerettet werden können.


  8. Userbewertung: 5 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Das 1936 von den Nazis in Oranienburg (15 km nördlich von Berlin) als „Schutzhaftlager“ errichtete KZ Sachsenhausen war von Beginn an ein Ort von Vernichtung, Tod und Unterdrückung.

    Die „Station Z“, so von der SS-Wachmannschaft nach dem letzten Buchstaben im Alphabet benannt, war in diesem Todeslager der ultimative Schlusspunkt des Lebens von unzähligen Häftlingen.
    Hier, hinter der westlichen Mauer des Häftlingslagers, befanden sich im sogenannten „Industriehof“ des KZ die Hinrichtungsstätte und das Krematorium.

    Anfangs war es der Sinn des Schutzhaftlagers, eine möglichst große Anzahl von den Nazis missliebigen Menschen wegzusperren. Auch in den ersten Jahren waren die Haftbedingungen so unmenschlich, dass Häftlinge an Hunger, Krankheiten und Misshandlungen starben. Bis zum Beginn des 2. Weltkriegs 1939 konnte man die Toten noch in Berliner Krematorien verbrennen oder auf dem Oranienburger Friedhof beerdigen.

    Mit Beginn des Krieges änderte sich auch die Häftlingsstruktur. Es kamen Kriegsgefangene und Häftlinge aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern hinzu. Kriegsbedingt verschlechterte sich Versorgungslage. Immer mehr Häftlinge starben. Zunehmend wurden auch Vernichtungsaktionen von der SS durchgeführt, besonders nach dem Überfall auf die UdSSR an sowjetischen Kriegsgefangenen.

    Da sich die externe „Entsorgung“ der Toten ab 1939 zunehmend schwierig erwies, ließ die SS-Lagerleitung 1939/40 ein erstes Lagereigenes Krematorium mit einem Verbrennungsofen errichten. Dieses reichte für die stetig steigende Zahl Toter aber bald nicht mehr aus und so wurden 4 mobile Verbrennungsöfen beschafft und mit dem Bau eines großen Krematoriums begonnen, das 1943 mit seinen 4 Verbrennungsöfen in Betrieb genommen wurde.
    Im Krematorium befand sich auch eine Gaskammer und eine Genickschussanlage. Außerdem wurde neben dem Gebäude der Erschießungsgraben angelegt.

    Wieviele der über 22.000 im Totenbuch vom KZ Sachsenhausen verzeichneten Menschen im Krematorium verbrannt wurden, ist heute kaum noch nachvollziehbar.
    Wo Viele verbrannt werden, ist viel Rauch und viel Gestank – womit die Frage des Mitwissertums der Oranienburger und Sachsenhausener im Raum steht ….

    Mit der Befreiung des KZ durch die Rote Armee im April 1945 endete auch das grausige Kapitel der Station Z, aber nicht das des Lagers. Nachdem die KZ-Häftlinge das Lager verlassen hatten, nutzte der sowjetische Geheimdienst NKWD das Lager bis 1950 als „Speziallager“ für 60.000 Inhaftierte, zumeist Deutsche, die als Täter, Mitläufer, Denunzierte sowie wirkliche oder angebliche Gegner der sowjetischen Besatzungsmacht ohne Gerichtsurteil hier unter ähnlich unmenschlichen Bedingungen wie bei den Nazis inhaftiert waren.

    Allerdings nutzte die sowjetische Lagerleitung das Krematorium der Station Z nicht weiter. Die 12.000 im sowjetischen Lager ums Leben gekommenen Häftlinge wurden, soweit bekannt, in Massengräbern nahe des Lagers verscharrt.

    1950 schloss die UdSSR das Speziallager und übergab den Komplex der DDR, die in den einstigen SS-Kasernen Einheiten der Kasernierten Volkspolizei, später ein Mot-Schützenregiment der NVA stationierte.
    Die Kasernierte Volkspolizei ließ 1953 das vollständig erhaltene Krematoriumgebäude sprengen.
    Erst als die DDR-Regierung das Häftlingslager ab 1960 zur „Nationalen Mahn- und Gedenkstätte KZ Sachsenhausen“ umgestaltete, wurden die Reste der „Station Z“ gesichert und in die Gedenkstätte integriert.

    2004 musste das Dach über den Krematoriumresten wegen Baufälligkeit abgerissen werden.
    Bis 2005 wurde die „Station Z“ als Gedenkort der Gedenkstätte nach Plänen des Architekturbüros HG Merz neu gestaltet.

    Um die Reste des Krematoriumbaus wurde eine Stahlfachwerkkonstruktion errichtet, die mit straff bespannter weißer Teflonfolie verkleidet ist. Der Bereich mit den Krematoriumresten ist mit einem freitragenden Dach aus den gleichen Materialien überdacht. Die mauerartige Konstruktion ermöglicht gewollt von außen keinen Blick hinein und von innen keinen Blick hinaus.

    Der einzige Zugang befindet sich an der Westseite. Auch hier gestattet eine hohe, vom Eingang zurückgesetzte Betonmauer zunächst keinen Blick in den Komplex.
    Die Eintretenden werden beim Blick auf die Mauer mit dem Zitat des überlebenden polnischen KZ-Häftlings Andrzej Szczypiorski erinnert und gemahnt:

    „Und noch eines weiß ich, dass das künftige Europa ohne Gedenken an all diejenigen – abgesehen von ihrer Nationalität – nicht existieren kann, die in der damaligen Zeit voller Verachtung und Hass umgebracht, zu Tode gefoltert, ausgehungert, vergast, verbrannt, aufgehängt wurden …“

    Hinter dieser Mauer steht man zunächst im unüberdachten Innenhof. An der Mauer, mit Blick zum Krematorium, steht eine überlebensgroße Pieta, geschaffen zu DDR-Zeiten vom Bildhauer Waldemar Grzimek (1918-1984): 2 Männer tragen einen toten Häftling. An der Betonmauer steht auf deutsch und englisch die schlichte Widmung:
    „Den Opfern des KZ Sachsenhausen 1936-1945)“.

    Die Reste des Krematoriums sind, zum Schutz vor Verwitterung, durch besagtes Dach geschützt. Die lichte Raumhöhe von nur 2,60m soll einen auch räumlich beklemmenden Eindruck bei den Besuchern hinterlassen und steht symbolhaft für die ausweglose Situation der Häftlinge.

    Vom Krematorium sind die Grundmauern erhalten und gesichert. Wie auf einem Grundrissplan kann man die Wände der Räume erkennen, von denen man eigentlich gar nicht wissen will, was sie an Leid und menschlicher Brutalität gesehen haben.
    Im Zentrum stehen die Reste der bei der Sprengung von 1953 zerstörten Verbrennungsöfen.
    Vor den Krematoriumresten informiert eine kleine mehrsprachige Ausstellung über die Geschichte der „Station Z“.

    Außerhalb, direkt nördlich neben dem Krematorium, befindet sich der sogenannte „Erschießungsgraben“. Eine wagenbreite Rampe, deren Wände von Holzstämmen gestützt werden, führt zur Erschießungswand mit dem Kugelfang aus Baumstämmen. Am Beginn der Rampe erinnert ein Gedenkstein an die hier ermordeten Häftlinge aus ganz Europa. An der östlichen Rampenwand befinden sich einige Gedenktafeln. Sie erinnern ua. an die 33 Polen, die am 9.11.1940 hier als erste von der SS exekutiert wurden und an erschossene Luxemburger.
    Vom Erschießungsgraben führt ein abzweigender Weg direkt in den Leichenkeller des Krematoriums.

    Das heute alles fotografiert, gefilmt und ins Internet gepostet wird, ist ja nicht ungewöhnlich. Befremdlich und verstörend fand ich bei meinem Besuch allerdings eine Gruppe junger Erwachsener, die munter und mit einem Lachen im Gesicht Selfi‘s und Gruppenfotos vor der Erschießungswand machten. Respektlos? Oder einfach nur gedankenlos ohne wirkliches Verständnis für den Ort…??

    Auf einer kleinen Rasenfläche zwischen Erschießungsgraben und Krematorium sowie an der südwestliches Ecke des Gedenkbau befinden sich 2 Aschefelder mit der Asche vermutlich tausender Toter. Außerdem gibt es noch 2 Nachbestattungsfelder.

    Nur wenige Meter westlich vom Erschießungsgraben hat man als gerahmte Schotterfläche den Umriss einer ehemaligen LKW-Garage der SS markiert. Diese Garage war von September bis November 1941 Schauplatz der größten Massenmordaktion der SS im KZ Sachsenhausen.
    Nach dem Überfall auf die UdSSR am 22.6.1941 gerieten hunderttausende sowjetische Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Anders als die meisten Angehörige der westeuropäischen Streitkräfte wurden die sowjetischen Gefangenen von den Deutschen nicht entsprechend der Genfer Konvention behandelt.

    Nach der menschenverachtenden Naziideologie waren die sowjetischen Soldaten Untermenschen, Barbaren-Horden, Juden und ideologische Feinde, die kein Recht auf Leben hatten oder bestenfalls als Arbeitssklaven „verwertet“ wurden.
    Ab September 1941 wurden 13.000 kriegsgefangene Rotarmisten nach Sachsenhausen transportiert. Die in Sachsenhausen ansässige SS-Inspektion der Konzentrationslager organisierte in Absprache mit der Wehrmachtsführung, in deren Verantwortung die Kriegsgefangenen eigentlich waren, die Ermordung der sowjetische Gefangenen.

    Dazu wurde eine LKW-Garage im Industriehof zur Hinrichtungsstätte umgebaut. In das Gebäude wurde ein Kleiderraum eingebaut, indem sich die Gefangenen entkleiden mussten. Es schloss sich eine als Arztzimmer getarnte Genickschussanlage an: Hinter einer Messlatte zur Messung Körpergröße befand sich ein weiterer Raum. Der Gefangene wurde zur Messung an die Messlatte gestellt. Durch ein Loch in der Wand erschoss dann ein SS-Mann den Gefangenen mittels Genickschuss. Um die anderen Gefangenen durch die Schüsse nicht zu beunruhigen, beschallte man sie lauter Musik.

    Auf diese Weise wurden in Sachsenhausen in 2 Monaten über 10.000 sowjetische Kriegsgefangene von etwa 30 SS-Angehörigen erschossen, die dafür Sonderurlaub, Geldprämien und Orden erhielten.
    Die anderen 3.000 sowjetischen Gefangenen starben auf den Transporten oder an Entkräftung/Krankheiten im Lager. Kaum einer überlebte.
    An den als „Arztzimmer“ getarnten Erschießungsraum schloss sich ein Leichenlagerraum an. Neben der Garage wurden die Toten dann in 4 mobilen Verbrennungsöfen verbrannt, denn das große Krematorium befand sich zu dieser Zeit erst in der Planung.

    Die „Station Z“ ist einer von mehreren Gedenkorten auf dem Gelände des KZ Sachsenhausen – er ist genauso schlimm wie die anderen ….!

    Geöffnet während der Öffnungszeiten der Gedenkstätte.

    geschrieben für:

    Museen in Oranienburg

    Neu hinzugefügte Fotos
    8.

    Ausgeblendete 5 Kommentare anzeigen
    Exempel Danke, für Deine Führung durch diese Zeit der häßlichen Geschehnisse. Eine furchtbare schlimme Zeit--hoffentlich, soetwas nie wieder!
    Zu diesen Erinnerungs Daumen - Glückwunsch aus Lambrecht


  9. Userbewertung: 4 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    Die Skulptur auf dem Vorplatz vor dem alten Siemens-Verwaltungsgebäude am U-Bahnhof Nonnendammallee im Berliner Stadtteil Siemensstadt (Bezirk Spandau) heißt zwar „Wing“, also „Flügel“ – ist aber kein Denkmal für den AfD-Fascho-Ableger „Der Flügel“, sondern ein 2015 aufgestelltes Werk des US-amerikanischen Architekten Daniel Libeskind (*1946 im polnischen Lodz (1940-1945 deutsch Litzmannstadt)).

    Die 10m hohe und 15 Tonnen schwere Aluminium-Skulptur ist eigentlich Teil der Kunstinstallation „The Wings“, deren andere 3 Teile vor den Siemens-Zentralen in München, Erlangen und Mailand stehen und die die Verbindung zwischen den verschiedenen Konzernstandortorten symbolisieren sollen.
    Erstmals gezeigt wurde die Gesamtinstallation 2015 auf der EXPO 2015 in Mailand.

    Die Beete der Grünanlage um die Skulptur haben in ihrer Platzierung auch eine symbolische Bedeutung – wie die Infotafel zu erklären weiß.
    Im „Wing“ sind auch 5.000 LED‘s verbaut, die ein wechselndes Lichtspiel erzeugen und die Digitalisierung symbolisieren (auch eine Info von der Tafel vor Ort).

    Ich war am Tage da. Bei Tageslicht kommt die LED-Spielerei natürlich nicht zur Geltung. Was bleibt ist ein modernes Kunstwerk neben dem Denkmal für die in den Weltkriegen gefallenen Siemensmitarbeiter und vor dem wuchtigen Eingangsportals des Siemens-Gebäudes.

    geschrieben für:

    Kultur in Berlin

    Neu hinzugefügte Fotos
    9.

    Exempel Von dieser Skulptur war auch in der EXPO in Brüssel - ein Teil - zu sehen. Welches weiß ich nicht. Beleuchtet muß das gut aussehen.
    Ausgeblendete 3 Kommentare anzeigen
    grubmard Ist schon bissel her - von wegen Bewertungen in der Pipeline.
    Bin ich auf dem Weg zur Adlerskulptur in Haselhorst hängengeblieben. Das benachbarte Gefallenendenkmal habe ich schon verwurstet ...
    Exempel Ja Geschmack von Quark ist unterschiedlich- einer mag ihn süß, der andre salzig, der Dritte mit viel Kräutern .....und, und, und.....


  10. Userbewertung: 2 von 5 Sternen

    1. Bewertung


    bestätigt durch Community

    Die Adonisquelle ist eine kleine Parkanlage am westlichen Rand des Dorfangers von Mallnow (Land Brandenburg / 60 km östlich Berlin / 15 km nordwestlich von Frankfurt/Oder).
    Wer jetzt hofft, an der Quelle den Schönling Adonis aus der griechischen Mythologie zu treffen, wird bitterlich enttäuscht. Namensgeber sind die gelbblühenden Frühlingsadonisröschen auf den Oderhängen östlich des Dorfes.

    Die Geschichte des Parks reicht allerdings unter anderem Namen über 85 Jahre zurück. 1934 beschlossen die von der reichsweiten Führerkult-Epidemie befallenen Mallnower dem geliebten Führer und Reichskanzler Adolf Hitler (1889-1945 Selbstmord) einen Park im Dorf zu widmen – nicht ahnend, was ihnen 10 Jahre später blühen sollte.

    Und so wurde aus dem Westrand des Dorfangers der „Adolf-Hitler-Park Mallnow“ mit Rasenfläche, Teich, verschiedenen Sträuchern und Bäumen.
    1945 war dann Schluss mit Hitler. Der namensgebende, nun nicht mehr ganz so „geliebte Führer“ hatte sich als einer der größten Verbrecher der Geschichte per Kopfschuss aus dem Leben und aus der Verantwortung gestohlen.
    Mallnow wurde nach schweren Kämpfen von der Roten Armee erobert. Die zeigte sich pragmatisch und nutzte den Park als Soldatenfriedhof für ihre in und um Mallnow Gefallenen. Nach der Einweihung des großes sowjetischen Ehrenfriedhofs im benachbarten Lebus 1948 überführte die Rote Armee die Toten aus Mallnow dorthin.

    Mallnow versuchte danach jede Erinnerung an der A-H-Park vergessen zu machen. Man schüttete den Teich zu und ließ die Anlage verwildern. Zehn Jahre nach Kriegsende beendete die örtliche SED-Parteileitung mit der Fällung der letzten „Hitler-Eiche“ die Entnazifizierung des Platzes.
    Alles was jetzt da steht, sind deutsche demokratische bzw. bundesdeutsche Einheits-Bäume.
    Nach 1970 legte die Freiwillige Feuerwehr Mallnow im einstigen Park einen großen Löschwasserteich an.

    Erst nach der Wiedervereinigung erinnerte sich die Dorfgemeinde wieder daran, dass es da ja mal einen Park im Dorf gab. Im Rahmen der Dorferneuerung in den 1990er Jahren beschloss man, den Park neu zu beleben, natürlich mit neuer Widmung als „Adonisquelle“.

    Die Gesamtanlage wurde von dem regionalen Bildhauer Roland Rother (*1944 / Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee / freischaffender Bildhauer und Medailleur) geschaffen und soll an die landschaftsformenden Eiszeiten erinnern.
    Die halbrunde Feldsteinmauer stellt eine Endmoräne dar, aus der ein Wasserlauf entspringt, der in einen 4 m tiefen Teich mündet, der auch als wieder als Löschwasserteich dient.
    Die Innenseite der Feldsteinmauer trägt einen Reliefstein mit dem Wappen von Mallnow und dem vergoldeten Schriftzug „Adonis Quelle“.

    Natürlich ist es keine richtige Quelle. Mittels einer elektrischen Pumpe wird Wasser aus dem Teich zur Feldsteinmauer gepumpt. Hier plätschert dann munter der kleine Wasserlauf wie beschrieben von der Mauer durch den Park zurück zum Teich. So war es jedenfalls bei der Einweihung 1997.
    Inzwischen scheint die Pumpe kaputt zu sein oder die Betriebskosten sind der Gemeinde zu hoch – jedenfalls plätschert nichts mehr. Und das scheinbar seit Jahren nicht mehr.
    Auch der Teich musste zum Unwillen des Künstlers aus Sicherheitsgründen eingezäunt werden und er ist nach den letzten Dürrejahren in Brandenburg halbleer (für positive Menschen: er ist halbvoll).
    In dem in der Grundfläche dreieckigen kleinen Park sind noch ein paar eiszeitliche kleinere Findlinge und größere Feldsteine sowie ein einsamer Mühlstein und eine genauso einsame Bank aufgestellt.

    Fazit: Durch die fehlende Quelle und dem ausgetrockneten Wasserlauf fehlt irgendwie was. So richtig zum verweilen lädt das Ganze aber nicht ein.

    geschrieben für:

    Freizeitanlagen in Mallnow Stadt Lebus

    Neu hinzugefügte Fotos
    10.

    Ausgeblendete 6 Kommentare anzeigen
    ubier Das schreit nach einer Bürgerinitiative der Mallnower Bürgerschaft zur Finanzierung der Brunnenpumpe. Wofür nach der Wende so alles Geld da war...

Wir stellen ein